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Ausführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche

Georg Christoph Lichtenberg: Ausführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche - Kapitel 42
Quellenangabe
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typeessay
authorGeorg Christoph Lichtenberg
titleAusführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche
publisherZweitausendeins
seriesGeorg Christoph Lichtenberg. Schriften und Briefe
volumeDritter Band
printrun6. Auflage
editorWolfgang Promies
year1998
isbn3861500426
firstpub1799
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20120613
modified20150421
projectidd1989bfb
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Zehntes Blatt. I.

Fleiß und Faulheit. Zehntes Blatt.

Nun ists getan! Hier wird Idle (1) wegen des Mords in Ketten vor den Alderman gebracht, und dieser ist – Goodchild (2). Diese schwere Szene hat Hogarth vortrefflich durchgesetzt. Es war ein harter Stand, für einen Karikatur-Zeichner. Goodchild, der hier als Richter seinen ehemaligen Kameraden erkennt, wendet mit tiefer Wehmut sein Angesicht weg, und der rechte Arm glitscht wie erschlappt an den Schranken nieder; dieser Zug ist vortrefflich. Überhaupt drückt die ganze Stellung des Aldermans ein Herz aus, das unendlich mehr adelt, als die reiche goldne Kette, die hier darüber weghängt. Nro 3 ist wieder das Tränengesicht der Mutter, die wir im Boot gesehen haben, und (4) unser oft belobter Einäugiger. Er tritt hier als Zeuge gegen seinen Kameraden auf und schwört, aber, um sein Gewissen bei seinen Lügen nicht mit einem Meineid zu beflecken, mit der linken Hand auf der Bibel, welches der Mann (7), der ihm den Eid abnimmt, nicht bemerkt, weil in demselben Augenblick seine eigne Rechte hinter seinem Rücken beschäftigt ist eine kleine Bestechung in Empfang zu nehmen, die ihm das Mensch (6) zusteckt. Daß Hogarth bei (4) wirklich die linke Hand gemeint hat, und sie es nicht etwa aus unterlaßner Umzeichnung auf der Platte geworden ist, sieht man daraus, daß der Schreiber hinter dem Alderman, der das Mittimus ausfüllt, die Feder in der Rechten hält. Einer von Hogarths Erklärern, der sonst allerlei gute Notizen hat, aber ohne alles Mitgefühl schreibt, hält die Person (5) für die Fastenschwalbe. Das heiße ich mir den Hogarth erklären. Einmal wäre es Unsinn, einen Mann, der den Eid bloß abnimmt, bestechen zu wollen, damit er nicht sehen soll, daß der Kerl mit der Linken schwört. Ihrem Liebhaber kann es nicht helfen, denn dessen Sache geht fort sobald der Eid abgenommen ist, er sei nun wahr oder falsch. Auch freigeschworen hat er ihn nicht, denn der gute Freund wird gehenkt. Auch die Seele des Einäugigen wird nicht damit gerettet, denn wenn er ihn an den Galgen schwört, so ist es gleich viel mit welcher Hand, und ein falscher Eid wider einen Freund, falsch geschworen wird noch kein Eid für ihn. Vielleicht sind es bloß geheime Ordensgesetze die der Kerl hier befolgt, oder der Aberglaube treibt hier sein geheimes Spiel. Und die erste tätige Verräterin, sollte hier die unnütze Bestecherin sein? Und dann das Gesicht dieser Bestecherin! Hier, und noch mehr im Original, sieht man, daß Hogarth wohl schwerlich dabei an die Fasten gedacht hat. Es ist sicherlich eine Person, die nicht mit zu diesem Prozeß gehört, und die diesen Menschen für eine andere Szene, wo er mehr tun kann, zu bestechen sucht, und etwas von einem Gefühl und einem Herzen, das sich wenigstens einen Schimmer von Hoffnung ernstlich mit dem Gelde zu erkaufen sucht, läßt sich unmöglich in diesem Gesichte verkennen. Nro 5 ist ein Gerichtsdiener, der die weinende Mutter ex officio zur Ruhe verweiset. Ein wichtigeres Ex officio-Gesicht kann wohl nicht leicht ein Mann machen, der weiter kein Ansehen in der Welt hat, als was er sich nebenher selbst gibt. Degen und Pistolen des Mörders werden eingeliefert. Oben im Saale hängen Feuereimer, alle mit S. A. bezeichnet, vermutlich ist es der Name des Kirchspiels St. Albans in Woodstreet, wo solche Sitzungen gehalten werden. Die Unterschrift ist hier wegen des Kontrasts wieder doppelt. Zur Linken: Ps. 9. V. 16. Die Heiden (the wicked) sind versunken in der Grube, die sie zugerichtet hatten. Und zur Rechten: 3. B. Mos. Ihr sollt nicht unrecht handeln im Gericht etc.

Fleiß und Faulheit. I.

Fleiß und Faulheit. I.

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