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Aus'm heiligen Landl

Rudolf Greinz: Aus'm heiligen Landl - Kapitel 18
Quellenangabe
typenarrative
booktitleAus'm heiligen Landl
authorRudolf Greinz
year1909
publisherL. Staackmann
addressLeipzig
titleAus'm heiligen Landl
pages331
created20120901
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Kunstjodler.

Zu Brixlegg im Unterinntal gab es eine ziemlich lebhafte Aufregung. Seit gestern hatte im Bahnhofhotel ein Theaterdirektor aus Deutschland Absteigquartier genommen. Friedrich Schneidewin hieß er. Der Mann suchte Material für eine zu gründende Tiroler Bauerntruppe, vor allem gute Sänger und Jodler. Er hatte ankündigen lassen, daß jeder sich bei ihm melden könne, der den Beruf in sich fühle und Talent zu haben glaube.

Beim Rösselwirt hockten noch bis spät in die Nacht hinein Burschen beisammen und disputierten über das Ereignis.

»Alsdann, Anderl, was is's? Geahst mit oder nit?« fragte der Feuchten Hiasl seinen Kameraden den Schneider Anderl.

»Könnt' mir einfallen!« lachte der Anderl. »I bleib' liaber, wo i bin!«

»Nachher laßt es bleiben! I geah'!« erklärte der Hiasl und rückte sich sein Lodenhütl mit dem Gamsbart recht unternehmend aufs linke Ohr.

»Di wird's schon reu'n!« sagte der Farbmacher Jörgl, ein älterer Bursche, und blinzelte den Hiasl mißbilligend von der Seite an.

215 »An Schmarrn reut's mi, wenn i Geld dafür kriag' wia Heu!« lachte der Hiasl.

»Dös is lei a Schwindl!« meinte der Stumpf Seppele. »Wia wird denn a ordentlicher Mensch vom Singen alloan a so viel Geld verdianen! I glaub's amal nit!«

»I aa nit!« brummte der Farbmacher Jörgl.

»Weils Teppen seids!« entschied der Hiasl. »Alle mitanander, und der Anderl aa. Der a so schian singen könnt'! Geah', schau', Anderl, überleg' dir's no und geah' mit!«

Der Anderl goß sich aus der großen Weinflasche in sein Glas. »Woaßt was, Hiasl? Du geahst mit und schaust dir z'erst dö ganze Kamedi mit an. Und wann du den ersten Hunderter erspart hast, nachher schreibst mir. Da kimm i nachher glei!« schlug er dem andern vor.

»'s gilt!« Fröhlich stießen die beiden Burschen mit den Weingläsern an und begannen zu singen und zu jodeln. Der Jörgl und der Stumpf Seppele sangen dann auch tapfer mit.

In einer Ecke der Gaststube hockte ganz allein der Krapfen Kaß. Der Kaß war schon ein älterer Mensch und Knecht beim Krapfenbauern. Eine gedrungene kleine Gestalt mit einem viereckigen Kopfe und einem riesigen Kropf.

Der Kaß war bei dem trüben Lichte der kleinen Lampe über seinem Tische eingeschlafen. Vor sich hatte er ein Viertel »Reatel« stehen. Der Kaß 216 hatte beide Arme auf den Tisch gelegt und dann seinen großen eckigen Schädel darauf gestemmt. So war er sanft entschlummert. Durch das Jodeln der Burschen wurde er aus seinen Träumen aufgestört.

»Was macht's denn ös d–d–da ent'n für an Spektakel!« schrie der Kaß auf einmal zu den Burschen hinüber. Der Kaß verfügte über keine angenehmen Stimmittel. Wenn er sprach, klang es mißtönend wie ein alter, zerbrochener Blechhafen. Dazu stotterte er auch noch.

»Jessas, der Kaß!« lachte der Schneider Anderl.

»Hast guat g'schlafen, Kaß?« erkundigte sich der Hiasl.

»Ös–ös habt's es z'Fleiß tan!« gröhlte der Kaß herüber. »Ös habt's mi mit Fl–fl–fleiß aufg'weckt!«

»Ah, koa Spur nit! Wir sein lei lustig!« versicherte der Seppele.

»Weil wir iatz an Haufen Geld kriag'n!« lachte der Hiasl übermütig.

»Ge–ge–geld? Wo–woher denn nachher?« Der Kaß erhob sich eilig aus seiner Ecke und humpelte, vom langen Sitzen etwas steif geworden, zu dem Tisch der andern Burschen hinüber. Der Kaß war ein gutmütiger Kerl, aber kein Kirchenlicht. Die Dorfburschen trieben daher gern ihren Ulk mit ihm.

»Der da kriagt 's Geld!« deutete der Schneider Anderl auf den Hiasl.

»I–is wer g'storben?« fragte der Kaß neugierig und setzte sich knapp neben den Feuchten Hiasl auf 217 die Bank hin. Der Kaß hatte die Eigentümlichkeit, sich stets knapp neben seinen Nachbar zu setzen und diesem dann mit dem ganzen Aufwand seiner Stimme in die Ohren zu brüllen, als ob er taub wäre.

»Naa, sell nit! Aber singen geah' i!« schrie ihm der Hiasl ins Ohr. Der Hiasl war ein großer, schlanker Bursch und überragte den Kaß um Haupteslänge. Er mußte sich weit zum Kaß herunterbeugen.

»D–d–du brauchst nit z'schrei'n! I bin nit d–d–dearisch!« gröhlte der Kaß beleidigt.

»I aa nit!« schrie der Hiasl zurück.

»I woaß es schon!« brüllte der Kaß.

»Kaß, trink' a Glasl!« schob ihm der Jörgl ein Glas Wein hin.

»G–g–g'sundheit!« stieß der Kaß mit den Burschen an und leerte auf einen Zug sein Glas. »Alsdann, du–du geahst singen?« erkundigte er sich dann wieder beim Hiasl.

»Joa. Ins Deutschland außi!«

»A–a–a so!« machte der Kaß verwundert. Dann näherte er sich dem Hiasl noch mehr, streckte seinen unförmlichen Kopf mit dem Kropf in die Höhe und brüllte aus Leibeskräften: »W–w–was kr–kriagst nachher zahlt?«

»I? Dreitausend Gulden 's Jahr!« log ihn der Hiasl an und schrie noch ärger.

»W–w–was?« Der Kaß ließ vor lauter Erstaunen das Weinglas fallen, aus dem er gerade hatte trinken wollen. »W–was d' nit sagst. Dr–dr–dreitausend Gu–gu–gulden 's Jahr!«

218 »Und die G'wander extra!« schnitt der Anderl auf.

»Sell is ver–vertuifelt viel Geld!« gröhlte der Kaß bewundernd.

»Dös will i moanen!« erklärte der Farbmacher Jorgl.

»Mögst epper aa mitgeahn, Kaß?« fragte der Seppele spöttisch.

»W–was denn tuan?« erkundigte sich der Kaß.

»Singen und jodeln mit'm Feuchten Hiasl!« meinte der Anderl.

»M–m–m–mit dem da?« deutete der Kaß auf seinen Nachbar, der ganz ernsthaft dasaß.

»Joa. Dös wirst do aa können!« meinte der Anderl.

»Jo–jo–jodeln, freili!« krächzte der Kaß aus vollem Halse.

»Nachher geahst di anmelden!« sagte der Hiasl lakonisch.

»A–anmelden? B–b–bei wem denn?«

»Hast es nit g'hört? Da is oaner drent'n im Hotel, der was a Theaterdirektor is. Und dersell suacht Buab'n und Madeln, dö was jodeln und singen können. Und nachher nimmt er sie mit außi ins Deutschland zum Kamedispiel'n!« erzählte der Farbmacher Jörgl.

»Und tuat der Hi–hi–hiasl singen da dabei?« erkundigte sich der Kaß.

»Joa, der Hiasl und wer halt sonst no mitgeahn mag!« sagte der Seppele. »Es geaht eh' schon 's halbete Dorf mit!« log er darauf los. »Die Xander 219 Nanndl, die Forcher Burgl, der Blaser Stöffl, der Zandler Much . . .«

»Kriagen dö alle dr–dr– dreitausend Gulden?« unterbrach der Kaß den Seppele.

»Dreitausend Gulden und no mehr!« bestätigte dieser.

»Magst nit mittuan?« fragte ihn der Hiasl.

»I–i–i möcht' schon! A–a–aber sie werden mi nit nehmen!« gröhlte der Kaß.

»Ah, woher denn!« lachte der Anderl. »Freili nimmt er di!«

»M–moanst?«

»Ganz g'wiß! Geah' lei ummi ins Hotel und sag' ihm, du bist a Kunstjodler!« riet ihm der Hiasl.

»W–w–was?«

»A Kunstjodler. Du sagst, du kannst es extra schian!« meinte der Anderl.

»I–i kann 's aber nit extra schian!«

»Wohl, wohl! Du traust di lei nit!« ermunterte der Stumpf Seppele den Kaß.

»Jodel amal oans!« forderte ihn der Schneider Anderl auf.

Der Kaß fing an zu jodeln. Es klang schauerlich. Ein entsetzliches Gekrächz in allen möglichen falschen Tönen, immer wieder unterbrochen durch das schwerfällige Geschnauf, das der riesige Kropf des Kaß verursachte.

Die Burschen wälzten sich förmlich vor Lachen. Der Farbmacher Jörgl mußte sich den Bauch halten und wäre bei einem Haar von der Bank heruntergefallen.

220 »Guat is es gangen!« lobte der Anderl. »So kann koaner jodeln wia du. Du bist wia g'schaffen zu an Kunstjodler!«

»Moanst?« fragte der Kaß geschmeichelt.

»Dir muaß der Direktor mehr geben als wia lei dreitausend Gulden 's Jahr!« sagte der Seppele.

»A viertausend kannst schon verlangen. Dös bist weart!« riet der Hiasl.

»Kaß, geah' lei ummi zum Direkter ins Hotel!« forderte ihn der Anderl auf. »Grad' an Kunstjodler brauchet er am allernotwendigsten, hat er g'sagt. Da muaßt aber iatzt glei geahn. Sonst kimmst z' spat!«

»Jatz gl–gl–glei?« tat der Kaß ganz erschreckt. »Epper morgen. Heut' is es decht z' sp–spat!«

»Morgen is er nimmer da!« sagte der Hiasl trocken.

»T–t–tuifel no amal eini!« machte der Kaß geärgert.

»Wirst schon no heut' ummi geahn müass'n!« sagte der Seppele.

»Brauchst lei um an Direkter aus'm Deutschland z' fragen!« riet ihm der Hiasl. »Nachher lassen sie di schon eini ins Hotel.«

»Und sagst ihm, der Hiasl schickt di ummi, weil er entdeckt hat, daß du a b'sonders guater Kunstjodler bist!« drängte ihn der Anderl.

»Muaßt di aber schleunen, Kaß. Sonst derwischt ihn nimmer!« meinte der Seppele.

»I tr–tr–trau' mi nit! Es is schon z' spat!« gröhlte der Kaß.

221 »Nachher laßt es bleiben!« meinte der Farbmacher Jörgl lakonisch.

»Nachher bist a Esel!« entschied der Anderl. »Moanst, du hast alle Tag' so a Glück, so an Patzen Geld z' verdianen! Viertausend Gulden!«

»Und morgen in aller Herrgottsfruah fahrt er weg!« sagte der Hiasl.

Der Seppele zog seine Taschenuhr heraus. »Jatz is es a viertel nach zwölfe!« konstatierte er.

»Schau', daß d' außi kimmst bei der Stub'! Es reut di sonst! Wirst sehen!« bearbeitete ihn der Anderl.

Der Kaß erhob sich langsam. »V–v–viertausend G–g–gulden! Moanst, i derwisch ihn no?« erkundigte er sich aufgeregt beim Hiasl.

»Wenn di schleunst, schon! Sonst nit. Dö herrischen Zapfen steahn a diamal schon mittelt in der Nacht auf, wenn sie abfahren wollen!« sagte der Hiasl.

»Du darfst di aber beileib nit awegschick'n lassen drent'n im Hotel! Sagst grad', du hast mit'n Direkter z'reden, du hast ihm was Wichtig's z'sagen!« riet ihm der Seppele.

»Jo–o–a!« gröhlte der Kaß. Dann ging er langsam zur Tür hinaus.

»Nit aufhalten lassen, Kaß!« rief ihm der Anderl noch nach.

»Denk' an die viertausend Gulden!«

»I la–la–lass' mi nit aufhalten! G'wiß n–n–nit!« schrie der Kaß vergnügt und zog die Tür hinter sich zu.

222 Man hatte die ganze Zeit über fleißig Wein getrunken. Auch der Kaß war schon etwas beduselt. Darum brachte er auch die Schneid' auf, jetzt um Mitternacht hinüber in das Fremdenhotel zu gehen und dort den Direktor aus Deutschland zu sprechen.

Das Hotel lag in tiefem Dunkel. Nichts regte sich mehr. Schon wollte dem Krapfen Kaß die Schneid' ausgehen. Er getraute sich völlig nicht, jetzt die Leute mitten aus dem Schlaf aufzuwecken. Aber dann dachte er wieder daran, was ihm die Burschen gesagt hatten.

Morgen in aller Herrgottsfrüh oder vielleicht noch früher würde der Direktor abreisen. Dann war's aus mit dem Glück und dem vielen Geld. So einen Patzen Geld kriegte der Kaß in seinem Leben nie wieder. Das wußte er.

Da konnte er dann wieder herinnen bleiben in Tirol und sich rackern und schinden von früh bis spät. Und reuen würde es ihn zeitlebens, daß er nicht einmal das bissel Schneid' aufgebracht hatte, um Mitternacht an der Hoteltür zu läuten.

Und die Burschen würden ihn morgen auslachen, weil er so dumm gewesen war, sich das viele Geld entgehen zu lassen. Viertausend Gulden! Und nichts zu tun, wie jodeln! Viertausend Gulden! . . .

Der Kaß läutete. Erst leise. Dann immer lauter und lauter. Bis man ihm von drinnen aufmachte. Ein verschlafener Hausknecht war's, mit einem Kerzenlicht in der Hand.

223 »I m–m–muaß zum Direkter!« erklärte der Kaß. »Der was a Theater hat im Deutschland dr–dr–draußen und m–m–morgen awegf–f–fahrt!«

»Bist narrisch?« schimpfte der Hausknecht. »Jatzt schlaft er ja!«

»S–s–sell macht nix! Aftweckst'n! Und sagst ihm, d–d–der Feuchten Hi–hi–hiasl, der was mit ihm auf d' R–r–roas geaht, schickt mi her!«

Der Hausknecht wollte ihn anfangs nicht einlassen. Der Kaß bestand aber so dringend auf seiner Forderung, daß sich der Hausknecht endlich doch entschloß, den Herrn Direktor zu wecken.

Dieser war wenig erbaut über die nächtliche Störung. Eine Botschaft in dringender Angelegenheit vom Feuchten Hiasl. Dieser Bursche hatte ihm doch gestern halbwegs zugesagt, mit ihm auf die Reise zu gehen.

Allerdings war sich der Theaterunternehmer bei der Unterredung mit dem Hiasl nicht völlig klar darüber geworden, ob ihn der schlaue Bursche nicht schließlich doch zum Narren habe und nur so täte, als ob er mit allem einverstanden wäre, um dann, wenn es Ernst würde, Reißaus zu nehmen. Dabei verfügte der Hiasl über eine prächtige Stimme. Am Ende war es doch was Wichtiges, die Botschaft vom Hiasl.

Der Direktor entschloß sich daher, aufzustehen. Der Kaß möge warten. Er komme sofort. Der Hausknecht führte den Kaß in ein leeres Gastzimmer und hieß ihn warten. Endlich kam der Herr Direktor.

224 »Sie wünschen?« frug er den Kaß, der vor Aufregung zitternd vor ihm stand und fast keine Silbe herausbrachte.

»I–i–i–i m–m–m–möcht' m–m–mitgeahn s–s–s–s–singen!« stotterte der Kaß.

»Was?« rief der Direktor.

»S–s–singen! Jo–jo–jodeln kann i, hat der Feuchten Hi–hi–hiasl g'sagt! A K–k–kunstjodler b–b–bin i!« krächzte der Kaß mühsam.

»Sie, ein Kunstjodler? Mensch, Sie sind wohl verrückt, mich mitten in der Nacht wecken zu lassen!« schrie der Direktor wütend.

»N–n–naa! Nit ver–verruckt! Der Hiasl sch–schickt mi, i soll Ihnen was vorsingen!«

»Mit dem Kropf da!« deutete der Direktor wütend auf den Hals des Kaß.

Nun wurde aber der Kaß in allem Ernst bös. Er konnte alles vertragen, jeden Spott, jede Neckerei, aber eine Anspielung auf seinen Kropf vertrug er absolut nicht.

»I–i–i hab' koan' Kropf nit! I k–k–kann jodeln wia der Hiasl!« wehrte er sich. »I w–will's dir schon zoag'n!«

»Machen Sie, daß Sie fortkommen von hier!« brüllte der Direktor wütend, »und halten Sie wen andern zum besten!«

»I–i–i k–kann jo–jodeln!« gröhlte der Kaß in den höchsten Tönen.

»Machen Sie, daß Sie 'raus kommen!« Der Direktor ergriff den Krapfen Kaß beim Arm und 225 schob ihn vor sich her, der Tür zu. Der Kaß wehrte sich verzweifelt.

»D–d–du muaßt m–m–mi anhör'n!« schrie der Kaß und fing noch greulicher zu jodeln an, als früher beim Rösselwirt.

»Um Gotteswillen!« Der Direktor hielt sich entsetzt beide Ohren zu.

Der Kaß jodelte weiter, immer lauter, immer mißtönender, immer schriller.

»Raus!« brüllte Herr Direktor Schneidewin außer sich. Dabei zerrte er den Kaß mit aller Gewalt zur Tür hin.

Den Kaß packte eine höllische Wut. »Du Zoch, du he–he–herrischer, du ver–verfl–fluachter!« schrie er. »Was sprengst denn nachher im ganzen Dorf umanand, daß d–d–du an Ku–ku–kunstjo–jo–jodler br–brauchst!«

»Kunstjodler!« brüllte der Direktor wütend. »Mit so einem Kropf, und stottern tut der Kerl auch noch!«

»W–w–was tua i–i–i?« fragte der Kaß mit unheimlicher Ruhe.

»Stottern tun Sie!«

»Du herrischer Tu–tu–tuifl du!« brach der Kaß wiederum in heller Wut los. »I werd' dir schon 's St–st–stottern g–g–geben!« Dabei packte er den Fremden beim Kragen und begann ihn zu würgen.

»Hilfe! Hilfe! Ein Wahnsinniger!« schrie der Direktor aus Leibeskräften.

»I w–w–werd' dir schon z–z–zoag'n, wer an 226 Kropf hat!« hieb der Kaß nun auf den Direktor ein, der sich kaum vor ihm erwehren konnte. »I hab' n–n–nia nit an Kr–kr–kropf g'habt!« keuchte der Kaß wütend.

Schließlich eilte der Hausknecht und noch anderes Hotelpersonal herbei und befreite den Fremden aus den Klauen des Krapfen Kaß.

Tags darauf wurde der Kaß beim Gerichte angezeigt und wegen des gewalttätigen Überfalles mit ein paar Tagen Arrest abgestraft.

Seitdem hat der Kaß einen tiefen inneren Groll gegen alle Fremden. Wo er einem einen Tuck antun kann, tut er's. Er ist nach wie vor fest davon überzeugt, daß ihn der Theaterdirektor aus Deutschland nur aus lauter Bosheit nicht mitgenommen hat. Sonst hätte er jetzt schon längst die viertausend Gulden und noch mehr.

Der Feuchten Hiasl ist übrigens auch nicht mitgegangen. Am nächsten Tage gab es zwischen ihm und dem Direktor wegen der nächtlichen Ruhestörung noch eine energische Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Fremde zu der deutlichen Überzeugung kam, daß ihn der Hiasl nicht nur mit dem Kaß, sondern auch mit seinen sonstigen Versprechungen für'n Narren gehalten hatte.

Ja, die Hallodris in unsern Bergen muß man eben erst kennen lernen. Da hat sich schon mancher dabei eine lange Nas'n geholt. Denn das Abföppeln und Tratzen, das ist soviel eine seine Unterhaltung für die übermütigen Dorfburschen. 227

 

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