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Aus'm heiligen Landl

Rudolf Greinz: Aus'm heiligen Landl - Kapitel 11
Quellenangabe
typenarrative
booktitleAus'm heiligen Landl
authorRudolf Greinz
year1909
publisherL. Staackmann
addressLeipzig
titleAus'm heiligen Landl
pages331
created20120901
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Hexenkessel.

In dem stillen hochgelegenen Bergdörfl Brandenberg war man nicht wenig überrascht, zu dieser ungewöhnlichen Jahreszeit einen Fremden zu sehen. Anfang März war es, und überall lagerte noch Schnee und Eis. Die Kinder, die gerade aus der Schule kamen, blieben verwundert stehen, stießen einander an und kicherten. Auch beim Wirt riß die Kellnerin erschrocken die Augen auf, als der fremde »Hearrische« die niedere, braun getäfelte Stub'n betrat.

Es war düster, aber bacherlwarm in der engen Wirtsstub'n. Ein einziger Gast saß an einer Tischecke, tief über ein Stamperl Schnaps gebeugt, und schien ebenfalls eingeschlafen zu sein.

Der Hearrische ließ sich an einem anderen Tisch nieder und bestellte sich nach dem frostigen Wetter draußen einen heißen Glühwein. Über eine Weile brachte die Kellnerin das Verlangte, setzte sich zu dem Neuangekommenen und fing zu plauschen an. Was ihn denn hereinführe. Ob der Weg schlecht gewesen sei. Von wo er komme.

Der Gast erzählte, er sei ein Professor aus Wien, er sammle Altertümer, alte Bilder, Zinnteller, Kästen und Truhen. Man habe ihn von Brixlegg aus nach Brandenberg hereingewiesen. Da gäbe es vielleicht 114 noch so manches alte Stück für ihn. Ob sie ihm denn nicht vielleicht einige Bauernhöfe empfehlen könne, wo noch was zu finden wäre.

Der Herr Professor war ein Mann in den Fünfzigern, mit scharfen Brillengläsern, einem etwas unkultivierten Vollbart und einer beginnenden Glatze. Er sah sich jetzt prüfend in der Stub'n um.

»Dös kann schon i mach'n!« wurde auf einmal der stille Gast bei seinem Stamperl Schnaps lebendig.

Es war ein altes, kleines, mageres Manndl mit einem pfiffigen Gesicht, das über und über mit grauen Bartstoppeln überwuchert war. Der Tschiderer Naz hatte es eigentlich sein Lebtag zu nichts gebracht, aber lustig war er immer gewesen, und getrunken hatte er auch immer gern.

In jüngeren Jahren brachte er sich als Bauernknecht oder sonst im Tagwerk durch. Als er älter wurde und die starren Knochen bei der harten Arbeit nicht mehr recht mittun wollten, da frettete sich der Naz halt auch durch.

Der alte Haderlump hatte einen ganz merkwürdigen »Spuribus« für alle Gelegenheiten, wo für ihn ein paar Kreuzer herausschauen konnten. Er gab sich mit kleineren bäuerlichen Vermittlungsgeschäften ab, war ein Vertrauter aller Viehhändler usw.

Es trug zwar nicht viel ein. Aber just zum Leben und zum Trinken für einen einzelnen Menschen pflegte es meistens zu reichen. Und wenn es einmal nicht reichte, dann machte der Tschiderer Naz eben Schulden. Da er doch immer in die Lage kam, in 115 absehbarer Zeit zu bezahlen, genoß er einen ziemlich weitgehenden Kredit.

»Wißt's, Herr,« fuhr der Naz fort, »i versteh' mi drauf! Dös is mei ganz speziell's Fach. I hab' no unterm Radetzky gediant. I hab' was von der Welt g'sehen! Aber ganz umsinscht halt könnt' i dö Sach' nit mach'n!«

»Alter B'suff!« brummte die Kellnerin und erhob sich, um in die Küche zu gehen.

»Halt, Nanni!« rief ihr der Tschiderer Naz nach. »Kannst a Halbe bringen! Der Herr zahlt schon? Gelt?« wandte er sich mit einem freundlichen Grinsen an den Fremden.

Dieser nickte zustimmend und war bald mit dem Alten in ein eifriges Gespräch verwickelt.

»Wißt's, Herr,« erklärte der Tschiderer Naz, »da im Dörfl herum is nimmer viel los mit dö Altertümer! Da sein schon dö verflixten Sammler von Sprugg dag'wesen und hab'n alles durch, was sie kriagt hab'n. Aber i wisset schon no a etliche Ort', wo's no feine Sach'n gab'!«

»Wenn Sie mir die Häuser zeigen wollten, würde ich gerne erkenntlich sein!« versicherte der Hearrische.

»Da wär' amal der Jocher!« meinte der Naz. »Der hat, moan' i, den halben Dachboden voll ang'stellt mit dem alten G'lump. Aber freili, soviel weit sein tuat's halt. A guating zwoa Wegstunden amal schon!«

116 »Das macht mir nichts!« versicherte der Fremde.

»Ja. Und nachher beim Stockhammer!« fuhr der Tschiderer Naz fort. »Der hat g'wiß eppas, was Enk g'fallen tät'. Und nit gar so weit wär' der aa nit. Grad' epper a halbe Stund' z'unterst von Brandenberg!«

»Da könnten wir ja gleich heute noch hingehen!« meinte der Fremde, der mit Leib und Seele bei der Sache war.

»Ja. Ös könnt's schon giahn von mir aus. Aber i kimm heut' nimmer mit. I bin schon a alter Kracher. Mir paßt's besser, da in der warmen Stub'n z'hocken!« Der Naz lachte und goß sich den Rest aus der Weinflasche ein.

»Ja – aber« – meinte der Herr Professor einigermaßen enttäuscht.

»Zoag'n will i Enk dös Haus schon!« sagte der Naz. »Und den Weg aa. Man sieht's prächtig vom Roan aus. Und bis zum Roan geh' i schon mit. Nachher könnt's nimmer fahl'n!«

Sie machten sich auf den Weg. Ein Stückchen außerhalb des Dorfes, wo der Weg nach abwärts führt, trennten sie sich.

»Also seht's, Herr, der schiane Hof dorten, der ganz alloan steht und a kloane Kapell'n dabei, den hoaßt man ›beim Stockhammer‹. Ös könnt's nit fahl'n! Und iatz b'hüat' Enk Gott!«

Damit machte sich der Tschiderer Naz, dem der Fremde ein paar Sechser zugesteckt hatte, davon 117 und trottete langsam wieder in die warme Wirtsstub'n zurück . . .

Der Stockhammer Hannes und die Stina waren ein altes Geschwisterpaar. Die Stina hatte die Hosen an, und der Hannes fügte sich stets willig ihren Anordnungen.

Es war schon spät am Nachmittag, als der Hearrische beim Stockhammerhof anlangte. Der Tschiderer Naz war ganz schlau gewesen, daß er seine Zuflucht wieder zur Wirtsstube genommen hatte. Der Weg war miserabel schlecht. Schier zum Versinken.

Die Stina machte gerade in der Küche die G'spual'n für die Facken zurecht, als sie vor dem Hause Schritte vernahm. Der Hearrische machte die Haustür auf und stand nun im dunklen Hausflur.

»Ist niemand da?« rief er.

»Was wollt's denn?« fragte die Stina, die die über und über vom Rauch geschwärzte Kucheltür geöffnet hatte.

Am offenen Herd brannte ein Feuer, und auf einem Dreifuß war ein großer kupferner Kessel zugesetzt. Der Fremde erkannte auf den ersten Blick, daß der Kessel ein wertvolles altes Stück sei.

»Ich möchte mit dem Stockhammer Bauer sprechen!« sagte er.

»Der is in der Stub'n drein beim Marend!« erwiderte die Stina, ein großes, hageres Weibsbild, Mitte der Fünfzig. Dabei stellte sie sich breitspurig 118 unter die Kucheltür, musterte den Besucher kritisch von oben bis unten und wischte sich mit der dunkelblauen Arbeitsschürze die Nase.

»Wo ist denn die Stube?« fragte der Besucher, indem er versuchte, über die Gestalt der Stina hinweg mehr von dem schönen Kessel zu sehen.

»Grad' da eini!« Die Stina deutete auf eine Tür nebenan, die man bei der im Hausflur herrschenden Dunkelheit kaum unterscheiden konnte!

In der Stub'n saß der Stockhammer Hannes beim Ofen und rauchte. Er war ein großer, knochiger Mensch mit einem glattrasierten, feuerroten Gesicht und ganz weißen Haaren.

»Grüaß Gott!« begrüßte er den Eintretenden und schien sich nicht sonderlich über dessen Kommen zu verwundern.

Der Fremde setzte sich neben den Hannes auf die Ofenbank und betrachtete sich die gemütliche und warme Stube. Der Hannes rauchte ruhig weiter und sah angelegentlich in die Stubenecke, wo der Herrgottswinkel angebracht war.

Neben dem Kruzifix, das von blutroten Maiskolben flankiert wurde, war ein eigenartiges altes Muttergottesbild. Kein Kunstwerk. Echte vierschrötige Bauernmalerei.

»Sie haben da ein schönes Marienbild!« eröffnete der Hearrische das Gespräch.

»Es tuat si' schon,« sagte der Hannes und sah flüchtig nach dem Bild. »Es is lei soviel alt!« setzte er über eine Weile hinzu.

119 »Wie alt mag es wohl sein?« fragte der Fremde interessiert.

»Mei'! A etliche hundert Jahr' alt! Dös Bild is da, solang i's gedenk'. Und mein Ahndl sei Ahndl hat's aa schon g'habt!« berichtete der Hannes.

Es entstand eine Pause. Der Hannes qualmte weiter und besah sich den Fremden ab und zu von der Seite. »Seid's a Handler?« fragte er endlich.

»Nein – ja – eigentlich nicht!«

»Nit?«

»Händler keiner. Ich sammle nur.«

»Sammeln? Was denn?« fragte der Hannes.

»Ich sammle Altertümer!«

»Jatz wol!« machte der Hannes und spie verächtlich auf den Stubenboden. »Woher seid's denn?«

»Aus Wien.«

»Jatz wol!« sagte der Hannes, etwas aufmerksamer geworden. »Aus Wian, da is ja der Kaiser drunten.«

»Allerdings.«

»Da werdet's ös mit'm Kaiser wol guat bekannt sein?«

»Ja, bekannt nicht. Gesehen habe ich den Kaiser freilich öfters.«

»Ah, nit bekannt? Lei g'sehen?« Der Hannes sagte das mit einer offenkundigen Verachtung für seinen Besucher.

»Man hat mich in Brandenberg an Sie gewiesen!« sagte dieser nach einer kleinen Pause. Sie hätten noch schöne alte Sachen.«

120 »Was für a Malefizer hat iatz dös g'sagt?« rief der Stockhammer Hannes zornig. »Ich hab' koane Altertümer nit. Wir da herinnen hab'n überhaupt nix Alt's!«

»Doch! Das Bild zum Beispiel,« erwiderte der Fremde ganz eingeschüchtert, »ich würde schon sehr gut bezahlen!«

Der Hannes dachte nach. »Was tatest nachher biat'n?« fragte er.

»Was verlangen Sie dafür? Sie müssen fordern!«

»Laß' mi aus mit dem notigen hearrischen Stadtfrack!« ertönte da auf einmal knapp neben den beiden eine schrille weibliche Stimme. Der Fremde fuhr erschrocken zusammen.

»Es is lei die Stina!« beruhigte der Hannes gutmütig seinen Besucher.

»Kimm einer in die Stub'n! Der Herr hat was zum Verhandeln!« forderte er die Schwester auf.

Die Stina hatte durch einen Schieber, der knapp neben der Ofenbank in der Holzwand angebracht war und zum Hereinreichen der Speisen aus der Küche diente, aufmerksam das Gespräch der beiden belauscht. Sie kam nun herein und maß den Fremden mit unfreundlichen Blicken.

»I kenn Enk schon, ös Handler, ös malefizischen!« belferte sie ihn an. »Den Bauern Zeug außerlock'n, dös möchtet's gern und nix geben dafür! Und nachher wieder verkafen um a Heidengeld! Da wird nix draus! Wir geben nix her!«

121 »Naa! Wir geben nix her!« bestätigte ihr Bruder in vollster Gemütsruhe.

»Ich bin aber kein Händler. Ich bin Professor und sammle zu meinem Vergnügen!« versicherte der Fremde.

»Dös glaub' i nit!« meinte die Stina, nun etwas milder gestimmt.

»Das können Sie mir schon glauben! Was ich kaufe, behalte ich für mich und richte mir damit meine Wohnung ein. Da habe ich zum Beispiel in der Küche draußen einen kupfernen Kessel gesehen, der mir prächtig passen würde!«

»Was?« rief nun die Stina aufs neue wütend. »Mein' Kessel für die G'spual'n wollt's hab'n? Wo soll denn i's Fackenfuatter kochen? Ha?«

»Ich will Sie ja gut bezahlen!« meinte der Professor. »Dafür können Sie sich schon einen neuen Kessel kaufen!«

»Könnt' mir einfall'n! An neuen Kessel! I bin den Kessel g'wöhnt, und die Facken sein ihn aa g'wöhnt! Da wird nix draus! Überhaupt, wir geben nix her! Gelt, Hannes?«

»Naa! Wir geben nix her!« bekräftigte dieser und zündete sich ein frisches Pfeifl an.

»Auch das Bild dort drüben nicht?«

»Naa, dös aa nit! Gar nix!« erwiderte die Stina unwirsch.

»Dann habe ich hier nichts mehr zu suchen, wenn Sie mir doch nichts verkaufen wollen.« sagte der Fremde verdrießlich und verabschiedete sich kurz.

122 Er machte sich auf den Heimweg nach Brandenberg. Dort angelangt, traf er noch den Tschiderer Naz in der Wirtsstub'n, der gerade ein frisches Stamperl Schnaps vor sich stehen hatte.

»Ah, wol nit hergeb'n hat sie den Kessel, die Stina?« grinste der Naz mit kaum verhehlter Schadenfreude, als er von der Aufnahme des Fremden am Stockhammerhof erfuhr. »Dös is oane! Sakra! Sakra! Wenn i dö heirat'n müaßt'!« Der Naz brach bei dieser Vorstellung in ein lautes Gelächter aus. »Aber drankriag'n möcht' i sie halt do amal soviel gern, den Geizkragen, den verdammten! Wenn mir der Herr a extra Trinkgeld spendiart, nachher soll er den Kessel hab'n!«

Der Naz hieb kräftig mit der Faust auf den Tisch. Dann hielt er dem Fremden die ausgestreckte Hand hin. Dieser drückte ihm einen blanken Gulden hinein. Der Naz erklärte sich damit vorläufig zufrieden. Er verabschiedete sich von dem Hearrischen und meinte, er wolle schon alles ins richtige Gleis bringen. Und dann lasse er sich halt auf ein weiteres Trinkgeld rekommandiert sein. Denn so einem harten Bauernschädel was beibringen, das sei weiters keine Kleinigkeit . . .

Am nächsten Tage machte sich der Tschiderer Naz auf den Weg gegen das Kaiserhaus. Er hatte sich mit einem dicken Stock versehen. Einen großen Rucksack trug er auf dem Buckel.

Es geschah nicht oft, daß man den Naz herumwandern sah. Als er sich dem kleinen Weiler in 123 Unterbrandenberg näherte, wo der Stockhammerhof lag, erblickte er schon aus der Ferne die hagere Gestalt der Stina unter der Haustür.

»Bulliiii! Bulliiii! Bulliiii!« lockte die Stina die Hennen und warf ihnen Futter aus ihrer blauen Schürze zu.

»Grüaß Gott!« sagte der Naz, der sich inzwischen genähert hatte.

»Wo gehst denn du hin heut'?« fragte die Stina.

»Ins Kaiserhaus eini!« erwiderte der Naz etwas geheimnisvoll.

»Ins Wildern?« fragte die Stina boshaft.

»I bin no nia nit wildern g'wesen!« sagte der Naz beleidigt. »Und a Kält'n hat's heut' da bei Enk!« Der Naz hauchte sich in die Handflächen. »Hast nit a Lackele Kaffee, Stina, daß i mi' a bissel einwärmen könnt'? I bin nimmer auf der jüngern Seit'n. Woaßt wohl, nachher friart man leicht!«

»Naa, Kaffee hab' i koan'. Aber du kannst di ja in der Stub'n drein zum Ofen hocken. Da wird dir aa warm!« Damit ging die Stina in die Küche.

»Wart' a bissel!« Der Naz humpelte ganz steif hinter ihr drein. »I setz' mi liaber zu dir in die Kuchl. Da kann i a wen'g hoamgart'n!«

Die Stina schob dem Tschiderer Naz in der Kuchl ein vom Rauch völlig geschwärztes Stockerl hin und machte sich daran, Feuer anzuzünden.

Es war, obwohl draußen ein sonnenheller Märztag herrschte, dunkel in der Kuchl. An den Wanden standen dicke Rußkrusten. Das spärliche 124 Kuchlg'schirr konnte man kaum unterscheiden. Das winzige Fensterl, das ziemlich hoch oberhalb des Herdes angebracht war, genügte kaum, daß man, ohne anzustoßen, herumgehen konnte.

Der Naz hockte sich auf das Stockerl neben den Herd und sah der Stina zu. »Jessas, is's da iatz fein!« meinte er. »Und draußen a so kalt!«

»Bald oans arbeitet, hat oans nia z'kalt!« gab ihm die Stina bissig und anzüglich zurück. Dabei setzte sie den großen kupfernen Kessel über das Feuer.

Der Naz schaute nachdenklich in die Glut. »Wo is denn der Hannes?« fragte er endlich.

»Im Stall, ausmisten!«

»Daß ös zwoa Enk a so plagen mögt's! Geld habt's ja do g'nuag!« fing der Naz nach einer Pause wieder an.

»Wir sein's Arbeiten g'wöhnt!« erklärte die Stina kurz angebunden.

»Ja, aber jung seid's do aa nimmer. Und a so alloan da, ohne Knecht. Tuast di nit fürchten?« fragte er die Stina auf einmal unvermittelt.

»Fürchten? Naa! Vor was denn?« erwiderte sie ganz erstaunt.

»Ja, halt aa!« sagte der Naz und zuckte die Achseln.

»I hab' mi meiner Lebtag vor niamand g'fürchtet und fürcht' mi no nit! Und bald amal oaner kimmt, der was hab'n wollt', dem will i schon außi zünden!« Die Stina fuchtelte energisch mit einem Scheit Holz 125 in der Luft herum, das sie dann unter den Kessel schürte.

»I moan' aa nit vor die Menschen. I moan' vor die Geister!« erklärte der Tschiderer Naz.

»Hör' mir auf! Geister, dös gibt's ja koane!«

»Moanst?« fragte nun der Naz mit geheimnisvoller Stimme.

»I hab' amal nia koane g'sehen nit!« sagte die Stina unwillig.

»Weil d' nit aufpaßt hast! Sinscht tatest anders reden!« beharrte der Naz.

»Nachher paß' i halt weiter aa nit auf und hab' mein' Frieden dabei!« erklärte die Stina.

»Und bald's Viech hin wird, sell is dir gleich? Gelt?« Der Naz erhob sich ganz erbost von seinem Stockerl.

»Moanst, weil uns vor a paar Woch'n a Kalbl hing'worden is? Dös kimmt schon öfters für!«

»Ja. Und nachher, a Fack is Enk aa hing'worden vorigen Langes!« rief der Tschiderer Naz in dem Ton ehrlicher Entrüstung. »Umbringen tuast du's Viech!«

»Sei so guat, ja! I und 's Viech umbringen!« Die Stina starrte ihn verwundert an. »Wia moanst denn du dös?« fragte sie ihn endlich, halb aufgebracht, halb neugierig.

»I moan', was i sag'! Und iatz muaß i giahn!«

»Naa, iatz bleibst.« Die Stina verstellte ihm den Weg. »Was moanst, frag' i!«

126 »Kochst du nit die G'spual und 's Fuatter für die Küah' in dem Kessel da?« Der Naz deutete auf den kupfernen Kessel.

»Freili! Alleweil! Solang' i's denk'!«

»Siehst es! I hab' mir's denkt. Aber i will nix g'sagt hab'n. Und iatz b'hüat Gott! I muaß giahn!«

»Moanst – moanst, der Kessel is epper gar verhext?« fragte die Stina zweifelnd.

»I will nix g'sagt hab'n! Hexenkessel aus alter Zeit her werden schon mehr no um die Weg' sein, als man glaubt! Pass' halt amal auf!« Damit war der Tschiderer Naz bei der Haustür draußen.

Die Stockhammer Stina betrachtete den Kessel geraume Zeit mit finster zusammengezogenen Brauen. Es war richtig. In den letzten Jahren hatten sie Pech gehabt mit dem Vieh. Auch mit den Hennen.

Als der Hannes vom Stall kam, erzählte ihm die Stina von dem Verdacht des Naz. Der Hannes lachte zuerst. Dann wurde auch er stutzig.

Die Blaß, die beste Kuh, die nun bald kälbern sollte, gefiel ihm heute nicht. Ob vielleicht doch was Wahres dran war? – Man konnte nicht wissen! Woher nur der Naz auf den Gedanken gekommen war? Ob er vielleicht gar heller sehen konnte als andere Menschen?

»Bald er morgen z'ruckkimmt, pass' i ihm auf und frag' ihn, woher er's hat!« sagte der Hannes.

Nach dem Abendessen hockten der Stockhammer Hannes und die Stina bei dem kargen Schein des 127 kleinen Öllamperls noch eine Zeitlang in der Stub'n. Der Hannes hatte sich's bequem auf der Ofenbank gemacht, während die Stina am Tisch saß und alte ausgewaschene Socken stopfte.

»Hannes!«

»Joa!« brummte der gähnend.

»Hörst nix?«

»Naa!«

Eine Zeitlang tiefe Stille. Da war's, als ob's in der Kuchel draußen krachte. Die Stina fuhr zusammen.

»Hannes!«

»Joa!«

»Hörst no nix?«

»Naa!«

Der Hannes setzte sich nun auf und horchte. Wieder eine tiefe Stille. Dann leises Knistern und Krachen nebenan.

»Jatz hör' i's aa!« bestätigte der Hannes.

»'s wird do epper der Blaß nix fahl'n?« meinte die Stina besorgt.

Der Hannes erhob sich und zündete die Stallaterne an, um beim Vieh nachzuschauen. Nach einer Weile kam er wieder. Die Kuh gefalle ihm wirklich nicht, berichtete er.

»Ob der Naz do recht hat?« meinte die Stina ganz kleinlaut. »Am End hat's do mit dem Kessel a Bewandtnis!«

Die beiden erhoben sich und gingen in die Kuchel. Sie waren unruhig geworden. Der Naz voraus mit der Stallatern', die Stina hinterdrein.

128 Dort am Herd, wo nun das Feuer erloschen war, stand der zweifelhafte Kessel. Er kam den Geschwistern Stockhammer jetzt mit einem Mal ganz unheimlich vor.

Bei dem Schein der Laterne leuchtete er so eigentümlich. Die Stellen des alten Kupfers, die nicht durch die Rußkrusten verdeckt waren, blitzten so merkwürdig auf.

Auf der Oberfläche des Kessels befanden sich Figuren und Zeichnungen in getriebener Arbeit. Dem Hannes und der Stina war es noch nie eingefallen, sie zu betrachten. Und jetzt getrauten sie sich nicht mehr.

»Vielleicht is da gar a Hexenspruch drauf!« sagte der Hannes besorgt.

»Könnt' leicht sein!« erwiderte die Stina. »I hab' schon amal in an Kalender a G'schicht' g'lesen. Da is aa so a Hexenkessel vorkommen. Der hat ak'rat so g'spaßige Figuren g'habt! I hab sie früher gar nia g'sehen dö Figuren auf dem sakrischen Kessel da!«

»Dös is eben die wahre Hexerei, daß sie früher unsichtbar g'wesen sein!« entschied der Hannes. »Alles Verhexte is zuerst unsichtbar! Erst, wenn's oan' beim G'nack hat, nachher kimmt man drauf!«

Der Hannes und die Stina schlichen in gedrückter Stimmung aus der Kuchel und begaben sich über die steile, knarrende Holzstiege in ihre Kammern . . .

Am andern Tage waren sie beide schon zeitlich auf der Lauer nach dem Naz. Der kam aber erst spät am Nachmittag vorbei. Der Blaß ging's noch immer nicht besonders.

129 Die Stina erwartete den Naz vor der Tür. Heute rief sie ihn an: »Kimmst nit a bissel einer?«

»I werd' völlig nimmer derweil hab'n!« gab der Tschiderer Naz zur Antwort.

»I hätt' heut' an Kaffee!« lud sie ihn ein.

»Ja, nachher kimm i schon! Hast epper aa an Schnaps?« fragte er und zwinkerte mit seinen listigen Äuglein.

»Ja, i moan' völlig, es wird no oaner da sein!«

Der Naz und die Stina gingen in die Kuchel. Die Stina wärmte in einer kleinen Messingpfanne den Kaffee. Der Kessel stand heute am Boden. In seiner unmittelbaren Nähe hatte der Naz auf dem alten Stockerl Platz genommen.

»So, da trink!« forderte ihn die Stina auf und stellte eine große Schale voll Kaffee vor ihn hin auf den Herdrand. »Der Hannes wird glei' kommen. Er is im Stall nachschau'n!«

»Fahlt epper was?« fragte der Naz und schlürfte den Kaffee.

»Joa! Die Blaß is nit recht bei'nand!«

»Sakra! Sakra! Dö wird eingiahn!« Der Naz fuhr aufgeregt in die Höhe.

»Jessas! Maria und Josef! Hast du mi derschreckt!« schrie die Stina auf.

Nun kam auch der Hannes. Er brachte dem Naz ein Stamperl samt einer ziemlich umfangreichen bauchigen Flasche Schnaps und goß ein.

Die Stina spülte das Messingpfanndl ab und dann die Schale vom Naz.

130 »Moanst, dös mit dem Kessel hat a Bewandtnis?« fragte der Hannes und lehnte sich mit dem Rücken an die geschlossene Kucheltür an.

»I woaß nit. I moan halt nur a so!« sagte der Naz.

»Moanst wirklich, der Kessel könnt' verhext sein?« fragte der Hannes noch eindringlicher.

»Bei so an uralten Kessel kann man nia wissen, wia man dran is!« ließ sich der Tschiderer Naz in eine nähere Erklärung ein. »Kessel hat's seit Erschaffung der Welt her alleweil geben. Schon bei der Stiftung der Höll'. Daher die höllischen Sudkessel. Die besten Kessel sein freilich die Weihbrunnkessel. Aber a solcher Kessel is dös amal ganz g'wiß nit g'wesen. Erstens is er schon amal viel z'groß dazua, und zweitens hat er gar koa heilig's Zeichen. A alter Kessel is's. Und in alter Zeit haben halt die Hexenkessel meistens solchene Figuren g'habt, dö koa Mensch mehr versteht. Es is do niamand sinscht eing'fall'n, auf an g'wöhnlichen Waschkessel Figuren aufiz'machen. Dös tuat ja heutzutag', wo die Leut' viel noblicher worden sein, aa koa Mensch nit! Also is der Kessel da völlig ganz g'wiß a alter Hexenkessel aus a Hexenkuchel außer. Dös werdet's iatz wohl einsehen?«

»Ei ja, wol!« sagte der Stockhammer Hannes, dem die zwingende Beweiskraft der vom Naz vorgebrachten triftigen Gründe vollkommen einleuchtete.

»Nit recht richtig is er mir schon öfters vorkommen, der Kessel!« behauptete jetzt die Stina.

131 »Habt's ös epper schon was g'merkt?« fragte der Naz.

»Naa, no nit!« entgegnete die Stina und goß das Spülwasser aus dem Messingpfanndl in den Kessel.

»Tschschsch! Pfchschsch! Gschschsch! Tschschsch! Gschschsch!« brauste, zischte und brodelte es da auf einmal aus dem Kessel herauf, als ob in dem unheimlichen Gefäß plötzlich eine ganze Hölle mit einer Unmasse helliachter Tuifelen losgeworden wäre.

»Heilige Muatter Gottes, bitt' für uns!« kreischte die Stina entsetzt und ließ das Messingpfanndl klappernd auf den Boden fallen.

Der Tschiderer Naz war von seinem Stockerl aufgesprungen und bekreuzigte sich einige Male hastig.

Der Stockhammer Hannes lehnte ganz blaß und regungslos an der Kucheltür und murmelte nur immer halblaut und ganz mechanisch vor sich hin: »Alle guat'n Geister loben Gott den Herrn!«

»Alle vierzehn Nothelfer! Alle vierzehn Nothelfer!« ließ sich die Stina kläglich vernehmen.

»Alle guat'n Geister!« der Hannes.

»Heilige Muattergottes von Absam!« die Stina.

»I moan', es is am g'scheutesten, wir schauen, daß wir aus der Kuchel kommen!« schlug der Naz vor. »Sinscht steigt am End' no der höllische Schürmoaster selber aus dem verflixten Kessel und holt uns alle miteinander!«

»O du heilig's Kreuz!« schrie die Stina entsetzt auf, drängte den Hannes gewaltsam von der Kucheltür 132 weg und eilte in den Hausflur. Der Hannes stürzte ihr gleich nach. Zuletzt kam der Tschiderer Naz.

»Giahn wir g'scheuter in die Stub'n eini!« sagte die Stina noch ganz verstört. Die drei gingen in die Stub'n und setzten sich um den Tisch. Keines sprach ein Wort.

»Jatz wissen wir's für g'wiß!« brach endlich der Stockhammer Hannes das Stillschweigen.

»Ja, für ganz g'wiß!« bestätigte der Tschiderer Naz feierlich.

»Was taten wir iatz epper am g'scheutesten?« fragte die Stina. Der Hannes zuckte zweifelnd die Achseln.

»Der Kessel muaß mir aus'm Haus! Auf der Stell'!« erklärte die Stina nach einer Pause.

»I rühr' dir den Kessel nit an!« sagte der Hannes.

»I aa nit!« rief der Naz.

»Ja, wer denn nachher?« fragte die Stina.

»Trag' dir'n selber fort und wirf'n in Bach!« riet ihr der Naz.

»Kunnt' mir einfallen! Daß nachher i verhext wurd'!« entgegnete die Stina ganz entrüstet.

Alle drei schwiegen eine Weile und sahen einander ratlos an.

»Wann wir dös g'wüßt hatten!« begann nun der Hannes wieder. »Wir hatten den Malefizkessel vorgestern guat verkafen können!«

»Ja, so a hearrischer Zapf'n aus Wian hatt' ihn gar a so gearn g'habt!« erklärte die Stina. »Wann 133 i wisset, wo der Stadtfrack iatz is, nachher verkafet i ihm den Kessel!«

»Ah, moanst den Altertumssammler, der oben in Brandenberg umanander stakelt?« meinte der Naz.

»Ja, derselbige!« bestätigte der Hannes.

»Der kaft'n g'wiß!« rief die Stina erleichtert.

»I moan' nit!« Der Naz schüttelte bedenklich den Kopf.

»Wol! Wol!« beharrte die Stina auf ihrer Ansicht. »Gelt, Naz, bist so guat und richtest ihm aus, wir taten den Kessel verkafen!«

»Ja, dös tua i schon!« sagte der Naz bedächtig. »Aber i moan', er mag'n nimmer!«

»Brauchst ihm ja nix z'sagen davon!« redete ihm die Stina zu.

»Wol! Dös muaß i schon!« erklärte der Naz gewissenhaft. »Was wurd' denn da nachher draus, wenn den Hearrischen am End' der Teufel holet?«

»Dös macht nix!« mischte sich nun der Stockhammer Hannes in die Unterhandlung. »Die Hearrischen holt ja amerst die meisten der Teufel, weit sie nix glauben tuan!«

»Da hast schon recht!« sagte der Tschiderer Naz. »Aber wann di der Hearrische bei G'richt verklagt, sobald er draufkimmt, was es mit dem Kessel für a Bewandtnis hat!«

»Dös war' freili übel!« Der Hannes kratzte sich bedenklich hinter den Ohren.

134 »Wenn halt du den Kessel mitnehmen tatest!« wandte sich die Stina an den Naz.

»I? Den Hexenkessel? Naa! Im dreiheiligen Namen Naa! und Naa!« Der Naz tat ganz entsetzt.

»Du brauchst es nit umsinscht z' tuan! Wir zahlen dir an Gulden!« lenkte der Stockhammer Hannes ein.

»Grad', daß er über Nacht fortkimmt! Sinscht kann i wieder nit schlafen!« bat die Stina.

»Naa! Naa!« wehrte sich der Naz. »Dös tua i nit!«

»Geah', um zwoa Gulden kannst es schon tuan,« bettelte die Stina.

»Trag'n lei selber durch!« rief der Naz.

»Schau', zwoa Gulden sein nit zu verachten! Kannst a ganze Woch'n Schnaps trinken!« redete ihm der Hannes gut zu.

»Ja, wenn mi nit unter der Woch'n der Teufel holt!« erklärte der Naz trocken.

»Muaßt halt kräftig Reu' und Leid erwecken!« bearbeitete ihn die Stina. »Und alle Tag' an Rosenkranz beten! Und wir geben dir drei Gulden! Nachher tuast es schon? Gelt, Naz?«

Diesem lockenden Angebot konnte der Naz doch auf die Dauer nicht mehr widerstehen. Nachdem er sich noch etwas gewehrt hatte, kam er mit dem Hannes und der Stina überein, daß er für drei Gulden den Kessel mitnehmen wolle. Anfangen könne er damit, was ihm beliebe.

Zuvörderst ließ sich der Tschiderer Naz aber noch 135 mit unterschiedlichen Stamperln Schnaps die gehörige Schneid' für seine Mission einflößen. Dann lud er sich den unheimlichen Kessel auf den Buckel und machte sich, zwar etwas schwankend in seinem Untergestell, aber sonst mutig und kreuzfidel, mit drei blanken Gulden im Sack, auf den Weg.

Als der Tschiderer Naz schon ein gutes Stück Weg zurückgelegt und den Stockhammerhof bereits aus dem Gesichtskreis verloren hatte, schlug er eine helle Lache auf.

Und er hatte auch gut lachen, der alte Haderlump. Der Kessel gehörte nun ihm, auf den der fremde Hearrische gar so damisch spitzte. Drei Gulden hatte er noch extra, und der Stockhammer Stina, die er wegen ihres Geizes ohnedies nicht leiden konnte, hatte er einen sakrischen Streich gespielt.

Der Tschiderer Naz war am vorhergehenden Tage nicht ins Kaiserhaus gegangen, wie er vorgegeben hatte. Er war gemächlich nach Rattenberg hinausgetrottet und hatte von dem Gulden, den ihm der Fremde spendierte, in der Rattenberger Apotheke ein ganzes Dutzend Brausepulver gekauft.

Die mischte er sorgfältig untereinander, tat sie in eine alte Tabakdose aus Birkenrinde, die er besaß, und leerte dann den ganzen »Teuxel«, während ihm die Stina den Kaffee wärmte, heimlich in den verdächtigen Kessel.

Als dann die Stina das Wasser in den Kessel goß, da ging das Gebrause von den zwölf Pulvern freilich ganz höllisch los. Der Naz mußte sich nur 136 immer zusammennehmen, daß er seinen Ernst bewahrte und nicht aus der Rolle fiel. Das Lachen hatte ihn gar so viel gejuckt.

Dafür machte der Naz jetzt seinem Lachbedürfnis, da er außer Hörweite war, um so kräftiger Luft. Es beutelte ihn ordentlich unter seinem Kessel vor lauter Wonne und Schadenfreude.

Ein paarmal versuchte er sogar noch mit seinen alten Knochen einen tüchtigen Luftsprung und jodelte dabei wie ein Junger. Wenn ihn der Hannes und die Stina in dieser Verfassung gesehen hätten, dann wären sie vielleicht auf den dringenden Verdacht gekommen, daß der Tschiderer Naz plötzlich übergeschnappt sei oder ihn am Ende gar schon der Gottseibeiuns beim Krawattel habe.

Daß der Naz seinen Kessel dem Hearrischen teuer genug angehängt hat, das versteht sich von selbst. Als der Fremde aber von ihm einige Aufschlüsse haben wollte, wie er es selbst auch praktischer anfangen solle, um beim Altertumsammeln etwas mehr Glück zu haben, da ließ sich der Tschiderer Naz auf dieses Thema gar nicht näher ein, sondern meinte ziemlich kurz angebunden: »Dös lernt der Hearr do nit! Man muß halt bei uns dahoam mit die Leut' z'reden wissen!«

Zu erwähnen ist nur noch, daß der Tschiderer Naz von diesem Tag an mindestens einen ganzen Monat nicht mehr aus den Freudenräuschen herauskam und von aller Frühe bis in die Nacht hinein beim Wirt daheim war.

137 Zudem hatte ihn der Stockhammer Hannes und die Stina nachträglich noch gebeten, er möge von der Geschichte mit dem Kessel ja nichts weiter herumerzählen, da sonst der ganze Stockhammerhof in einen argen Verruf kommen könnte. Und sie, der Hannes und die Stina, könnten für den Kessel ja wirklich und wahrhaftig doch nix dafür. Wenn die Sache aber unter die Leut' käme, dann fänden sich gleich böse Mäuler, die es im ganzen Tal herumsprengen würden, daß beim Stockhammer einmal eine Urahndl eine Hex' gewesen sei.

Der Tschiderer Naz versprach großmütig, über die Angelegenheit zu schweigen. Schon aus purer Freundschaft für die Stockhammerischen.

Seitdem kehrt der Naz am Stockhammerhof öfters auf a Lackerl Kaffee zu. Alles aus purer Freundschaft. Auf den Kaffee drauf muß es aber jedesmal noch ein paar Stamperln Schnaps geben. Das tut der Naz aus purer Freundschaft auch nicht anders.

Schließlich und endlich hätte den Naz ja doch der Teufel holen können, begütigt der Hannes regelmäßig seine Schwester, wenn für die Sparsamkeit der Stina die häufigen Gastbesuche des Tschiderer Naz etwas gar zu empfindlich werden. 138

 

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