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Aus guter Familie

Gabriele Reuter: Aus guter Familie - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorGabriele Reuter
titleAus guter Familie
publisher
printrunAchtzehnte Auflage
editorS. Fischer, Verlag, Berlin
year1908
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130925
projectid8535aa33
wgs9110
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V.

Herr Heidling war, während die Erziehung seiner Tochter nach der Pensionszeit bei Pastor Kandler gewissermaßen die letzte Weihe empfing, als Regierungsrat in die Provinzhauptstadt zurückversetzt worden. Die Familie bezog hier die zweite Etage in einem eleganten Hause des neuen Stadtteils, welcher als Verbindungsglied zwischen der engen, dumpfigen, menschendurchwühlten Altstadt und dem im Bau Begriffenen mächtigen Centralbahnhof geplant war.

Noch konnte jeder Windzug von den Feldern frei durch die erst halb fertigen Straßen blasen. Es war nicht eben behaglich, daß er stets Kalkstaub und Sandwolken von den vielen Bauplätzen in die Luft emporzuwirbeln fand und den Dampf, sowie den durchdringenden häßlichen Geruch des Asphalts, der in großen schwarzen Kübeln auf offenen Feuern erhitzt und für die Pflasterung der Trottoire zubereitet wurde, bald nach dieser, bald nach jener Seite wehte. Die bereits fertig gestellten Häuser ragten, mit ihren schweren geschnitzten Hausthüren, ihren mit Stückwerk, Karyatiden und Balkons überladenen Fassaden und den nackten, fensterlosen Seitenflanken, unbeschützt durch gleichgroße Nachbarn, in geradezu erschreckender Höhe empor.

Dennoch sah man schon, daß dieser neue Stadtteil binnen Kurzem die Zierde von M. sein würde. Jeder fand es begreiflich, daß man das neue Gute durch ein unangenehmes Uebergangsstadium erkaufen müsse. Die Wohnungen waren begehrt und sehr teuer.

Hier sollte Agathe ihr Leben als erwachsener Mensch beginnen. Sie wollte es sich ganz nach eigenem Sinne gestalten. Zwar – auf die Eltern hatte sie Rücksicht zu nehmen, aber Papa und Mama liebten sie ja so sehr, daß sie ihr gewiß in allem entgegenkommen würden, besonders da sie nur das Gute wollte und den schönsten Idealen nachstrebte.

Beichte und Abendmahl hatten doch eine entsündigende Macht! Sie fühlte sich frei und leicht, die Seele war ihr wie abgebadet. Und eigentlich – nun sie erwachsen war, konnte es doch auch nicht so schlimm sein, wenn sie manches wußte, von dem niemand ahnen durfte, daß ihre Gedanken sich damit beschäftigten.

In dem Zimmer mit dem hübschen Blumenerker, das die Eltern neu eingerichtet und ihr als Eigentum übergeben hatten, baute Agathe alle ihre Konfirmationsgeschenke feierlich auf.

Herweghs böse Sturmgesänge waren beim Buchhändler gegen eine Gedichtsammlung mit dem Titel »Fromme Minne« eingetauscht. Martin nannte sie verächtlich nur: die fromme Minna.

Er hatte Heidlings nach abgelaufenem Militärjahr auf seiner Reise zur Universität besucht. Aber Agathe verstand sich nicht mehr mit ihm. Er gewöhnte sich eine rohe Art an, über alles, was sie schön fand, zu höhnen und bei jeder Gelegenheit in ein lautes wildes Lachen auszubrechen. Infolge seines unliebenswürdigen Wesens wurde es Agathe noch zweifelhafter, ob Revolution und Christentum sich vereinigen lasse. Sie studierte mit Eifer die Zeitungen, verschob es aber vorläufig noch, sich bestimmt für eine Partei zu entscheiden. Sie wollte sich erst recht gründlich unterrichten.

... Wie neckisch auf dem Geschenktisch der kleine rote »Liebesfrühling« zwischen den vertrockneten Blumensträußen und den Lederetuis mit den Schmucksachen hervorblickte! Aber über allem thronte als Mittelpunkt der Prachtband: »Des Weibes Wirken als Jungfrau, Gattin und Mutter.« Seine reiche Vergoldung strahlte in einem sanften, mystischen Glanz.

Der jetzige Zustand war ein Noviziat, das der Einweihung in die heiligen Geheimnisse des Lebens voranging. Die einfachsten häuslichen Pflichten führten Agathe ein in den gottgewollten und zugleich so süßen, entzückenden Beruf einer deutschen Hausfrau. Durfte sie am Sonntag ein Tischtuch aus dem schönen Wäscheschrank der Mutter holen und die Bettbezüge und Laken für den Haushalt verteilen, that sie es mit froher Andacht, wie man eine symbolische Handlung verrichtet.

* * *

In der Bodenkammer unter dem Dach wanderte ein feiner Sonnenstrahl durch die kleine Fensterluke über Spinneweben und Staubwust. Keck und lustig vergoldete er da ein Eckchen und dort ein Zipfelchen von dem alten überflüssigen Plunder, der hier pietätvoll aufbewahrt wurde: Bilder aus dem Haushalt der Großeltern und verblaßte Rückenkissen, Walters Schaukelpferd, und Ballschuhe, in denen die Regierungsrätin als Braut getanzt hatte. Sie konnte sich nie entschließen, sich von einem Dinge, das ihr einmal lieb gewesen, zu trennen, und so wanderte der Inhalt der Bodenkammer auch bei jedem Wohnungswechsel der Familie Heidling getreulich mit.

Zu den köstlichsten Andenken vergangener Zeiten begrub Agathe nun ihr Spielzeug, das sie in eine Kiste sorgsam mit Kamphorsäckchen verpackte. Die ganze Miniaturausgabe einer Kinderstube ging so noch einmal durch ihre Finger, bis zu den Wickeln und Windeln, der Badewanne und den Wärmfläschchen, – den vielen zierlichen Gegenständen, die zur Pflege der Allerkleinsten nötig sind und durch deren Handhabung bei phantasievollem Spiel die geheimsten Empfindungsnerven des werdenden Weibes in erwartungsvoll zitternde Schwingungen versetzt werden.

Träumerisch erinnerte sich Agathe, indem sie ihre Lieblingspuppe zum Abschied leise auf die Stirn küßte, des atemlosen Entzückens, mit dem sie oft ihr Kleid geöffnet hatte, um das harte kalte Wachsköpfchen an die winzigen Knospen ihrer Kinderbrust zu drücken und es trinken zu lassen. Verlegen lächelnd tastete sie nun über die weiche Rundung ihres Busens. Nie konnte ihr die Schneiderin die Taille eng genug machen, sie schämte sich der ungewohnten Fülle ihrer Formen.

Auf dem Grunde der Kiste, unter einer verblichenen rosenroten Decke, lagen die kleinen Sachen, die sie selbst und die gestorbenen Geschwisterchen einmal getragen hatten. Das alles wurde aufbewahrt bis zu dem Tage, wo es Agathe einmal herausnehmen durfte zum Gebrauch für ihre eigenen lebendigen kleinen Kinder. Neugierig hob sie die rosenrote Decke ein wenig und zog ein feines, winziges, spitzenbesetztes Hemdchen hervor. Nein – wie süß! Wie süß!

Sie streckte ihre Finger in die Aermelchen und lachte es an.

– – War das alles rätselhaft, seltsam – ein tiefes Wunder ... Und was sie hörte, was sie träumte, machte alles nur unbegreiflicher ... Ach, die schweigsam selige Erwartung in ihr – Tag und Nacht – Tag und Nacht – – – –

* * *

Im Gegensatz zu der Mattigkeit und Schlafsucht, gegen die Agathe während ihrer Pensionszeit beständig zu kämpfen gehabt hatte, erfüllte sie jetzt ein immerwährendes Verlangen nach Bewegung und Thätigkeit.

Sie fühlte sich oft namenlos glücklich, auch ohne eine besondere Ursache. Beim Abstäuben der Möbel konnte ihr heller Sopran sich plötzlich zu lautem Jubel aufschwingen. Unzähliges wurde zu gleicher Zeit begonnen: Kunstgeschichte, Schneiderei, Musik und Besuche bei Freundinnen und bei armen Leuten, denen die Ersparnisse ihres Kleidergeldes zuflossen. Ach ja – so recht praktisch, liebevoll, aufopferungsfreudig und dabei gescheut und von gediegener Bildung! Um das zu erreichen, mußte man sich schon tummeln! Alles, alles für ihn – den geliebten, herrlichen, zukünftigen Unbekannten! – Für sich allein, nur aus Freude an den Dingen – nein, das wäre doch Selbstsucht gewesen! Und es war ja auch so schön, so süß, für andere zu leben.

Agathe schloß sich mit neuerwachter Zärtlichkeit ihrer Mutter an. Sie fand reizende kleine Aufmerksamkeiten für ihren Vater. Der Regierungsrat begann seine Tochter mit stiller Verliebtheit zu betrachten. Er fühlte jene herzliche Freude an der beständigen Nähe eines frischen, jungen Mädchens, die älteren Männern das Heim mit einem neuen sonnigen Zauber verklärt, einem Zauber, welcher ungestört von sinnlichen Stürmen, kaum weniger hold, nur friedvoller ist, als der der ersten Ehejahre – ein Zauber, der wie zarter Frühlingsduft die Eltern umspielt, zur Form erstarrte Innigkeit, zur Gewohnheit vertrocknete Zuneigung mit wärmer pulsierendem Leben erfüllend.

* * *

In Agathes wohlig durchheiztem Erkerzimmer feierte sie ihren siebzehnten Geburtstag, umgeben von blühenden Rosen und rosigen Freundinnen.

Die Mädchen waren in der gehobenen Stimmung, in der sie sich eigentlich alle Tage befanden, ganz besonders aber, wenn sie zusammentrafen, und das geschah ebenfalls täglich – zum mindesten ein Mal. Darum bekamen ihre Unterhaltungen auch nachgerade eine gewisse ungenierte Zutraulichkeit.

»Wirst Du aber stark, Eugenie! Zeig' mal her! Wahrhaftig Kinder – alles echt!« Die junge Dame mit der neidenswerten Büste ließ sich in siegessicherer Ruhe auf Agathes Kretonnesofa nieder.

»Roggenmehlsuppe mit Eiern zum Frühstück – nachmittags einen Teller voll Griesbrei – da, nun wißt Ihr's.«

»Das möcht' ich nicht,« rief die blasse Lisbeth Wendhagen und knabberte an einem Makronenstückchen.

»Man muß sich doch auf den Kampf des Lebens vorbereiten,« bemerkte Eugenie weise.

»Pfui Genie!«

»Die keusche Agathe errötet,« sagte Eugenie, sich behaglich mit Kuchen versorgend. »Das hat sich das gute Kind immer noch nicht abgewöhnt!«

»Ach, es ist schrecklich!« Agathes Wangen erglühten bei dieser ärgerlichen Entschuldigung noch feuriger.

»Du wirst wohl überhaupt nicht mehr rot?« fragte bissig ein älteres Mädchen aus dem Kreise.

»O doch – aber nur wenn ich will! Den Atem anhalten! Seht mal her!«

Mit Bewunderung und viel Gelächter wurde das Kunststück beobachtet.

»Ich werde mir auch Griesbrei kochen lassen,« überlegte Fräulein von Henning, welche die ganze Zeit in ernster Betrachtung vor dem Spiegel gestanden hatte. Sie bedachte dabei, ob ihre Mutter wohl die Extraausgabe gestatten würde? Es war doch gemein, sich so einrichten zu müssen!

»Exzellenz Wimpffen hat gesagt, Gries wäre sehr schädlich für den Teint!«

»Wieso denn?«

»Na – die Grieskörner lassen sich, glaube ich, nicht gut verdauen und kriechen dann irgendwie im Körper herum.«

»Ach, Unsinn!« widersprach Eugenie.

»Doch! Exzellenz Wimpffen hat zu Mama gesagt: in Rußland essen die jungen Mädchen niemals Gries, weil sich die Grieskörner unter der Haut festsetzen und entzünden, daher kommt die Gänsehaut und Pickel und alles mögliche!«

Es trat eine Stille ein. Das klang ernsthaft!

»Ich glaube nicht daran,« sagte Agathes ruhige Stimme. »Jeder will heutzutage etwas wissen! Pfauenfedern sollen auch schädlich sein!«

»Das glaubst Du wohl auch nicht?« fragte Lisbeth Wendhagen wichtig. »Mein alter Onkel ...«

»Mit Pfauenfedern, das weiß ich nicht,« rief die Tochter des Oberpräsidenten – »aber Seerosen ...! das habe ich selber erlebt, das kann mir keiner abstreiten! Als ich voriges Jahr bei meiner Tante in Potsdam war, schleppte meine Cousine von einer Kahnpartie einen ganzen Arm voll nach Haus. Mehrere Damen warnten sie noch, die Dinger brächten Unglück – aber sie wollte ja nicht hören! Richtig – am andern Morgen bekommt sie Diphtheritis – wäre beinahe dran gestorben! Ne, ne – vor Wasserrosen habe ich allen Respekt!«

– Trotz der Gefahren, die dem Leben und der Schönheit der jungen Geschöpfe von allen Seiten geheimnisvoll drohten, besaßen sie doch Leichtsinn genug, die bevorstehenden Ball-Aussichten eifrig zu besprechen. Wutrows wollten tanzen lassen! Und dann der große Juristenball! Agathe hatte eine entzückende Toilette bekommen: echte Pariser Heckenrosen – schrecklich teuer – von Onkel Gustav.

»Sag' mal – Dein Onkel Gustav hat wohl Geld, daß er so lebt, ohne was zu thun? Das wäre am Ende eine ganz gute Partie?«

»Ach nein – Geld hat er keins! Das heißt, er sagt immer, wenn seine Erfindung glückt, könnte er Millionär werden!«

»Ach, der Jugendborn!« Ein unendliches Gekicher erscholl um den Kaffeetisch, man schien Onkel Gustavs Erfindung, trotz ihres poetischen Namens, nicht eben ernst zu nehmen.

»Dein Onkel ist kostbar! Bei uns heißt er die Kirschblüte wegen seiner schönen, weißen Sommeranzüge! Agathe, Du heiratest ihn am Ende doch noch!«

Agathe lachte laut und lustig und alle stimmten aufs neue ein.

»Du – gestehe! – Hat er Dich schon mal geküßt?«

»Ach, Unsinn, – nur bei Geburtstagen!«

»Ich küsse meine Onkels und Vettern immer,« ließ sich das hohe Stimmchen eines niedlichen Schwarzkopfes vernehmen. »Wozu hat man sie denn sonst?«

»In unserer Familie ist's nicht Sitte,« sagte Agathe hochmütig.

»Das ist wahr!« rief Eugenie. »Bei Euch gehts haarsträubend solide zu! Aber Dein Vater faßt einen doch ganz gern mal um die Taille!«

»Pfui Eugenie!«

»Gott, sei doch nicht so! Er ist ja ein alter Herr – was schadet denn das?«

»Denkt Euch, neulich Abend bin ich auf der Straße angeredet,« begann Lisbeth Wendhagen, ihr kleines, sommersprossiges Gesicht mit den hellen Augenwimpern belebte sich ordentlich. »Es war schauderhaft!«

»Möchtest Du noch Kaffee, Lisbeth?«

»Nein, danke – eins, zwei, drei ... Habe ich mich doch wieder verzählt! Das infame Muster! So. – Also ich – natürlich – gehe immer schneller – er neben mir her ...«

»Wie gräßlich!«

»Was hat er denn zu Dir gesagt?«

»Ach, das kann ich gar nicht wiedererzählen. Endlich fasse ich Mut und sage: »Mein Herr, Sie irren sich!«

»Man soll gar nicht antworten!«

»Ich darf Abends nicht allein ausgehen!«

»Ach manchmal ist es sehr amüsant – wißt Ihr noch, wenn wir als Schulmädchen auf der Breitenstraße bummelten und die Gymnasiasten kamen?«

»Aber was wurde denn? Erzähle doch weiter,« riefen ungeduldige Stimmen.

»Ich kam nach Haus – klingelte – in Schweiß gebadet! Denkt Euch – der Kerl! – Antwortet mir: nein, mein Fräulein, ich irre mich nicht! Was sagt Ihr dazu!?«

»Mich hat mal Einer draußen auf den Glacis angeredet,« rief Eugenie. »Es war ein Herr, das sah ich gleich. Wißt Ihr, was ich geantwortet habe? – Ich würde ihm für seine Begleitung sehr dankbar sein! – Habe mich ganz gut mit ihm unterhalten, und er hat mich richtig bis vor die Hausthür gebracht! Am andern Morgen bekam ich anonym ein Bouquet zugeschickt!«

»Nein diese Eugenie! Du bist doch ein freches Tier! – Ach Schlagsahne! – An der könnt' ich mich tot essen!«

»Na – Gott segne Deine Studia!«

»Ueberfriß Dich nur nicht vor dem Juristenball!«

»Unser Tanzfest soll gleich hinterher sein,« schrie Eugenie. »Kinder – ich freue mich ja diebisch! Wir haben auch Deinen Vetter Martin eingeladen, Agathe! Wie sie selig ist ...!«

»Es ist nicht wahr – ich interessiere mich gar nicht für ihn!«

»Kindchen, Kindchen, thu' doch nicht so! Das kann ich nicht ausstehn!«

»Ach Du lieber Himmel, ob mich wohl Referendar Sonnenstrahl zum Kotillon engagiert?« seufzte Lisbeth. »Er hat so 'nen himmlischen Schnurrbart!«

»Ich finde den von Lieutenant Bieberitz viel schöner, Dein Sonnenstrahl hat ja krumme Beine.«

»Und Dein Lieutenant Bieberitz trägt ein Korsett!«

»Wie kannst Du so etwas behaupten?«

»Ich weiß es ganz bestimmt von unserer Schneiderin. Bei deren Mutter ist er in Logis.«

»Habt Ihr die Trine?«

»Zu uns darf sie nicht mehr kommen! Sie klatscht zu gräßlich! Was die für Geschichten weiß! Scheußlich!«

»Erzähle – erzähle!«

»Nein – ich schäme mich.«

»Raus – raus mit der Sprache! Na –

»Denkt nur, der alte verheiratete Tademir ... Ach – Frau Regierungsrat ...!«

»Nun, meine lieben Mädchen, amüsiert Ihr Euch? Agathe, bist Du eine aufmerksame Wirtin? Wie geht es zu Haus?«

»Danke, Frau Regierungsrätin!«

»Agathchen darf doch auf unsern Lämmersprung kommen, Frau Regierungsrätin?«

»Ach, Frau Regierungsrat – wie können Sie nur so etwas sagen – Sie genieren uns doch nicht ...«

Andere Stimmen – andere Bewegungen – wohlerzogene Knixe – lächelnde, beruhigte Gesichter – wenn sie auch von dem heftigen Durcheinanderschreien noch in lebhaftem Rosenrot glühten – das stand ihnen gut zu den friedlich auf die Handarbeit gesenkten Augen.

Man sprach von Holzmalerei, von dem letzten Buch einer beliebten Jugendschriftstellerin.

Es waren doch nette Mädchen, Agathes Freundinnen. Eugenie allein erregte Frau Heidling Verdacht. Man munkelte etwas Unbestimmtes von einer dummen Liebesgeschichte, um derentwillen sie aus dem Haus geschickt worden sei. Gewiß nur eine von den gehässigen Nachreden, wie sie hübsche Mädchen so gern verfolgen. Die Regierungsrätin mußte sich gestehen, daß sie noch nichts Bedenkliches hatte an Eugenie entdecken können. Das Mädchen besaß weit bessere Formen, als ihre Mutter, von dem alten Wutrow gar nicht zu reden.

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