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Aus großen Höhen

Georg Freiherr von Ompteda: Aus großen Höhen - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorGeorg Freiherr von Ompteda
titleAus großen Höhen
publisherVerlag Friedrich Rothbarth
year1940
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060323
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11.

Sie hatten einen Wagen bestellt, der nun schon vor der Tür wartete. Die Pferde nickten mit den Köpfen, und jedesmal klingelten die Schellen an den schweren, mit Fuchsschwänzen gezierten Kumten. Der Kutscher, ein Knecht aus dem Hotel, stand daneben und knallte ab und zu mit der Peitsche, um anzuzeigen, daß es an ihm nicht liege, wenn sie noch nicht fortfuhren.

Klara war nicht fertig. Der Professor stand langst unten in seinem Bergsteigeranzuge mit Kniehosen und Quetschfaltenrock, den ein Stoffgürtel zusammenhielt. Er hatte die eine Hand auf den Wagenschlag gelegt und klappte ungeduldig mit den Absätzen seiner Bergschuhe aneinander. Joachim wartete an seiner Seite, und jedesmal, wenn Hotelgäste vorbeigingen, machte er sich an den Eispickeln, Rucksäcken und dem Seil, die auf dem Bock lagen, zu tun, um zu zeigen, daß er von der Partie war.

Da kam Jörgl Tschurtschenthaler:

»Herr Professor, wann's mi noch brauchen täten – i war frei.«

»Ah, das ist gut. Wie kommt denn das?«

»Jo, der Herr Rat hat eben Freunde getroffen. Die bleiben drei Tag da, und er will ihnen den Misurinasee zeigen und geht mit ihnen auf 'n Dürrenstein. Die wölln nix anders machen, und er macht 'n Führer auf den Dürrenstein. 's san zwei Damen, und die können halt nur so a Mugel machen. Da hab i frei, der Herr Doktor geht mit 'n Menardi auf den hörten Cadinspitz. A große Tour will er nit machen von weg'n Neischnee.«

Der Professor schloß sofort mit Jörgl ab, der wieder gar nichts dafür haben wollte, einmal, weil er doch schon von seinem Herrn etwas bekäme, dann aber, weil es der Professor Hallbauer wäre ...

Der Professor wandte sich zu Joachim und sagte leise:

»Laß nur gut sein. Ich werde schon mit ihm einig.«

Dörstling erhob keinen Widerspruch, daß er nun doch mit einem Führer gehen sollte, denn sobald es Ernst geworden war, hatte sich sein Mut gedämpft.

Jetzt erschien auch Klara, immer noch als Dame, denn sie blieben heute in Cortina. Die Bergsachen waren in einer Reisetasche, die der Kutscher hinten auf den Wagen schnallte.

Sie nahmen Platz. Joachim wollte sich auf den Rücksitz setzen, doch der Professor packte ihn bei den Schultern wie ein Riese, der mit einem Kinde spielt, und drückte ihn freundschaftlich neben Klara in die Kissen. Bald klingelten die Pferde in den Sonnentag hinaus.

Es war leuchtende Zelle rundum. Überall lag Neuschnee. Oben dicht, weiter unten spärlicher, in der Bewaldungszone nur noch wie leichter, weißer Staub, der an kahlen Stellen tief hinabzog. Der Himmel war jetzt fast wolkenlos. Es war frisch, der Schnee dort oben hatte die Luft abgekühlt. Die Straße blendete kreidig. Jörgl saß auf dem Bock und ließ ein Bein seitwärts baumeln, so daß das Vorderrad ab und zu die Nägel seiner Sohle streifte. Er rauchte wie ein Schlot. Und immerfort unterhielt er sich mit dem Kutscher.

»Ich verstehe kein Wort, was die reden!« meinte Joachim. Der Professor erklärte, mit Fremden sprächen die Leute ein viel reineres Deutsch als untereinander. Dann sprang er mit einem Satz aus dem Wagen und ging nebenher, um den Pferden das Ziehen zu erleichtern.

Sobald das Jörgl bemerkte, war auch er herunter vom Bock und gesellte sich zum Herrn. Bald blieben sie ein Stück zurück, um den Staub der Räder nicht zu schlucken. Sie sprachen eifrig von den Bergen, als gäbe es gar nichts anderes auf der Welt, so daß an einer Wegebiegung Joachim sagte:

»Ich sehe sie gar nicht mehr!«

»Ach, sie werden schon nachkommen!«

»Wollen wir auch aussteigen?«

Sie mochte nicht, und er freute sich über jeden Schritt, den er nicht zu laufen brauchte.

Sie lehnten sich zurück in den Kissen. Ihnen war beiden unendlich wohl. Leise Müdigkeit durchströmte Klaras Glieder. Sie schloß die Augen und ließ sich vom Wagen schaukeln.

Joachim blickte sie unausgesetzt verstohlen an. Ab und zu wandte er sich herum, ob die beiden Fußgänger ihnen etwa nachkämen. Sie waren nicht zu sehen. Da suchte er tastend Klaras Hand. Unter dem schottischen Cape, das sie um die Schultern trug, fand er ihre Finger, die zarten, bei deren Anblick er jedesmal wieder erstaunt gewesen, daß sie den Pickel einen Tag hindurch tragen konnten und nicht blutig gerissen wurden durch das scharfe Gestein.

Durch den strahlenden Sonnentag fuhren sie so dahin, während rechts und links gewaltige Lärchen und Fichten vorüberglitten, mit langen Moosbärten bewachsen, die von den Zweigen niederhingen gleich graugrünem, struppigem Haar. Die Straße leuchtete vor ihnen geradehin, ein breites Kreideband, das sich im Grün verlor, von weißbestäubten Felsenhäuptern umstanden.

Der Kutscher saß lässig, schief auf dem Bock, er achtete nur auf seine Pferde.

Joachim beugte sich nieder und küßte blitzschnell Klaras Hand.

»Nein!« sagte sie nur. Dann hielt der Wagen. Die Steigung war vorüber, sie konnten nun Trab fahren und mußten auf die beiden warten.

Von weitem hörte man des Professors Stimme:

»Wissen Sie, Jörgl, das Matterhorn ist technisch viel leichter als die kleine Zinne auf dem gewöhnlichen Wege. Aber die Länge der Tour macht es und die Höhe, wodurch die Felsen leicht vereist sind. Und gefährlich sind am Matterhorn die schnellen Wetterumschläge. Ein Schneesturm auf der italienischen Seite, wie ich ihn erlebte, ist ein ernstes Ding!«

Schnell küßte Joachim noch einmal ihre Hand, und als reize sie die Gefahr, erwiderte sie seinen Druck.

Nun klang es ganz nahe:

»Und dann haben sie den armen Berg jetzt ganz in Ketten gelegt. An allen schlechten Stellen sind Drahtseile.«

Jörgl lachte:

»Taifel, das ischt wohl, daß der Blitz die teiren Felsen nit soll zerschlagen?«

Sie lachten beide, laut dröhnend, wie man nur in den Bergen lacht, in deren großer Einsamkeit es dem Menschen Bedürfnis ist, zu lärmen und zu rufen, als wollte er sich selbst ein Zeugnis ausstellen: wir sind da, wir sind nicht allein.

Sie stiegen ein, und bald klang fröhlich zum Knallen der Peitsche das Geklingel der Pferde. An Ospitale kamen sie vorüber, und weiter, weiter ging es, einem gewaltigen Bergmassive zu, das drei Gipfel trug, wovon der mittelste einen gewundenen Schneegrat zeigte. Es war, als sollte sein Leuchten zum Wegweiser dienen, und Joachim fragte hinaufdeutend, wo der Firn über den Felsen, über den dunkelgrünen Wäldern leuchtete:

»Was ist das?«

»Die Tofana!« meinte Jörgl vom Bock herab. Der Professor, der die Genauigkeit liebte, sagte erklärend, halb vor sich hin, halb zu den andern:

»Es sind drei. Tofana di Roces, di Mezzo, di Fuori.«

Aber Klara hatte nicht hingesehen, Joachim nicht darauf geachtet. Der Redende fand kein Publikum. Und er merkte es plötzlich. Er wiederholte seine Erklärung. Doch Doktor Dörstling hatte eben begonnen, der jungen Frau zu erzählen, er habe in Schluderbach erfahren, wer die beiden Engländer wären, und nun hörte abermals keiner zu. Da wurde der Professor plötzlich heftig, sein Gesicht rötete sich, und er sagte streng:

»Klara, hast du gehört?«

Sie hing an Joachims Lippen, und er mußte wiederholen:

»Klara, Klara, zum Donner noch mal, redet man denn ganz in den Wind?«

Nun wandte sie sich zu ihm. Sie hatte keine Ahnung, was er gesagt, sie war nur wütend über die Störung, und auch in ihr Gesicht stieg langsam die Röte, während ihre Finger zuckten:

»Was ist denn los?«

»Die Tofana!«

»Die habe ich längst gesehen! Das große Ding da, na ....«

»Aber ich nannte die Namen.«

»Na ja, eben Tofana.«

»Nein, bitte, es sind drei. Drei ganz getrennte Gipfel. Sogar ganz verschiedene Individualitäten.«

Klara war jetzt dunkelrot geworden, ballte die kleinen Fäuste und zitterte wie eine stark arbeitende Maschine. Der Professor hatte sich beruhigt. Er sah es immer nach wenigen Augenblicken ein, wenn er sich im Unrecht befand. Nun ärgerte es ihn, daß er sich hatte gehen lassen, vor allem angesichts eines Dritten.

Nach einer Weile aber wandte sich Klara, als sei sie nicht gewillt, sich in ihrer Unterhaltung stören zu lassen, zu Joachim:

»Pardon. Sie wurden unterbrochen. Sie erzählten von den beiden Engländern.«

Doktor Dörstling warf einen scheuen Blick zu seinem Freunde; dann meinte er gewunden:

»Ach, es war gar nichts Wichtiges.«

Sie biß die Zähne aufeinander:

»Aber ich möchte es zu Ende hören.«

Dabei blickte sie ihn so scharf an, daß er zu erzählen fortfuhr, die beiden Englänber hießen Mr. J.C. Ellwood und Mr. Taylor. Beide aus Manchester. Sie gingen immer allein und griffen die Berge regelmäßig von der falschen Seite an, um den Aufstieg dort zu erzwingen, wo er bisher für unmöglich gehalten worden war. Sie sagten niemals vorher, wohin sie gingen, und da sie plötzlich in Schluderdach angekommen waren, so planten sie gewiß irgend etwas in der Nähe.

Joachim begeisterte sich für ihren Wagemut, als kennte er die Gefahren, die sie liefen, aus persönlicher Anschauung.

Der Professor schwieg. Er mochte die Richtung der Bergsteigerei nicht, die Mr. Ellwood und Mr. Taylor vertraten. Er verurteilte das direktionslose Angehen eines Berges, nur weil es hieß, auf dieser Seite wäre er unersteiglich. Er wußte, daß die beiden Engländer damit im Alpine Club renommierten, er hatte gehört, sie wären mehr frech als erstklassig, weil sie dem Berge nicht Überlegung entgegensetzten, sondern nur auf gut Glück stiegen. Bis jetzt war ihnen wunderbarerweise noch nichts widerfahren. Jeden Tag konnte es geschehen.

Er war gewöhnt, sich die Karte vorher ganz zu eigen zu machen. Er hatte einen Orientierungssinn, gleich einem Naturinstinkt, und da bei ihm Auge, Ohr, Hand, Gedächtnis, Überblick gleich ausgebildet waren, hatte er schon oft topographische Fehler gefunden, war der Geologe in ihm beobachtend bei der Arbeit, sobald er im Bergesland stand. Alle seine Kenntnisse von Fauna und Flora arbeiteten mit, der Naturwissenschaftler in ihm folgte auf Schritt und Tritt den Gesetzen der Schöpfung, der Arzt beobachtete sich selbst und seine Gefährten.

Der ungeborene Dichter in ihm feierte Glückesstunden in wilden Eisrinnen, an schwindelndem Niederblick in unergründete Schlünde und Tiefen, im Eismeer der Gletscher, von phantastischen Eistürmen überragt, an furchtbaren Trichtern und Gletschermühlen, an Hunderte von Metern tiefen Spalten, in denen grün und blau das erstarrte Element schimmerte.

Wenn er auf dem Gipfel stand, war es ihm gleich, ob er von Nord oder Süd heraufgekommen, schwer oder leicht. Dann ließ er seine glücklichen Augen über das weite Land schweifen, ein Träumer, ein Maler ohne Griffel, einer, der aus tiefster Seele empfand: er erlebte eine Minute, die aussöhnte mit mühseligen, ängstlichen Jahren drunten in der Tiefe.

Sie kamen an die Felsenhöhe, auf der einst die längst vom Boden verschwundene Feste Peutelstein der Herren von Podestagno gestanden. Dort konnte man aussteigen, die Fahrstraße durch den Wald abschneidend.

Der Professor schlug es Klara vor. Es sei ein schattiger Weg mit einer kühnen Brücke über eine Schlucht, in der ganz unten in grausigem Schlunde das Wasser brause. Er selbst wolle im Wagen bleiben. Er zöge die Aussicht auf die nahen Berge im engen Talkessel vor.

Klara stieg aus. Joachim folgte, und während der Wagen die Fahrstraße hinabrollte, rief ihnen noch der Professor nach:

»Ihr habt vollkommen Zeit, wir müssen die Strecke in Kehren zurücklegen, während ihr geraden Weg habt.«

Dann lehnte er sich in den Polstern weit hintenüber und überließ sich seinen Träumen.

Er war allein. Allein, wie er am liebsten sich fühlte, er, der »Einsame«, der, solange er denken konnte, eigene Pfade gegangen.

Und doch mußte er ein Wesen um sich wissen, das sein war: seine Frau. Er wollte durch sie das Glück des eigenen Herdes, der Familie fühlen.

Nur hätte sie nicht verlangen dürfen, daß er sich unausgesetzt mit ihr beschäftigte. Er hatte seinen Beruf, und hier in den Bergen wollte er sich ausruhen und träumen – ein Ausspannen des Gehirnes wie der Seele.

Sie sollte sich unterhalten und lachen. Sie mochte lustig sein mit andern. Er war glücklich darüber, wenn sie sich freute. Nur durfte niemand erwarten, daß er mittollte. Er wollte von ferne stehen und sich an ihrem Jubel weiden.

Er gönnte es ihr von Herzen, denn er liebte sie ja. Er wäre todunglücklich gewesen ohne sie. Seine Kläre! Sein Närrchen! Sein Kind! Die ihm Gefährtin war und Kamerad, Freund und Begleiter.

Jedesmal, wenn er an sie dachte, ging ein Lächeln über sein Gesicht. Er liebte sie, ach, er liebte sie wahnsinnig.

Nur sagen konnte er ihr's nicht. Sie mußte es sehen an seinen Blicken, an der Art, wie er von ihr gegen andere sprach, wie er für sie sorgte.

Manchmal war es ihm, als liebte er sie mehr noch, wenn er sie fort wußte, als wenn sie neben ihm stand. Dann weilten unausgesetzt seine Gedanken bei ihr.

Und auch jetzt, während der Wagen die Kehren hinabfuhr, die künstlich gebaute Straße mit ihren Schutzanlagen gegen Steinfall und Wasser, und in der Tiefe, zwischen dunklem Wald und hohen Dolomitriffen, das weiße Schuttbett sichtbar ward, das der Boite durchfloß, dachte er daran, wie die beiden, Freund und Frau, vielleicht schon unten an der Mündung des abkürzenden Fußweges, ihn erwartend, saßen.

Er hatte Glück mit diesem Freund, der mitlief fast wie ein treuer Hund, dem er seine Kläre ruhig anvertrauen konnte, so daß er auch einmal einen ganz schweren Berg wie in allen Zeiten allein machen konnte.

Sonst durfte er es nicht wagen, seine Frau allein im Hotel zu lassen. Dann wollte sie immer mit und quälte, bis er entweder verzichtet oder sie dennoch mitgenommen. Dieses Jahr aber verlor sie kein Wort; und da es des Professors Mannesegoismus, der in ihm schlummerte, zugute kam, so überlegte er schon im stillen, ob er nicht den Tag morgen in Cortina verwenden könnte zu einer Tour allein.

Für Klara, sagte er sich, würde es zu anstrengend werden, gar bei Neuschnee. Nun, da konnte sie sich ja mit Dörstling im Orte umsehen, abends ging es doch erst nach Tre Croci hinauf, und dann wäre er schon zurück gewesen.

Sofort stiegen alle Möglichkeiten vor ihm auf: den neuen Aufstieg auf die Croda da Lago kannte er noch nicht, aber den Antelao von Süden! Es gab schon zu tun.

Fast im selben Augenblick sagte drüben, nur durch die Felswand des Peutelstein von ihm getrennt, Joachim zu Klara, die den Fußweg halb tänzelnd, halb springend hinablief:

»Wie lange haben wir morgen Zeit in Cortina?«

»Wir gehen erst abends nach Tre Croci.«

»Vielleicht unternimmt Karl morgen etwas allein ...«

Sie hatte den Lauf verkürzt und ging jetzt fast an seiner Seite. Plötzlich blickte sie ihn an:

»Warum?«

Er sagte nicht ganz seine Gedanken. Er war wie verlegen:

»Es war nur so eine Idee ...«

Ihre Augen trafen sich. Sie ruhten ineinander. Dann begegneten sie sich nicht wieder.

Sie achteten kaum auf die kühne Brücke über den schmalen, tiefen Schlund.

Es war ein heißer Tag. Die Lärchen gaben nur kargen Schatten, und sie gingen langsam bis hinunter zur Chaussee.

Dort lehnte sie sich auf die breite Steineinfassung einer Brücke, die die Chaussee über die gleiche Schlucht führte, die sie oben auf dem Fußwege überschritten. Joachim mußte Steine zusammenholen, und es machte Klara Spaß, sie in die furchtbare Tiefe hinabzuschleudern, in der sie meist an den Felswänden zerschellten, ehe sie im Wasser des Baches versanken.

Der Wagen kam noch immer nicht. Sie ward des Spieles müde, und sie setzten sich an den Wegesrand, wo dichte Farnkräuter wuchsen.

Er schielte zu ihr. Es zuckte in ihm, als er ihre Gestalt sah. Ein Gefühl stieg in ihm auf, als müsse er aufstehen und ihr zu Füßen fallen. Ihm ward wie schwindlig. Die Kehle war ihm trocken. Er mußte sich beherrschen, sosehr er konnte.

Da blickte sie ihn mit großen Augen an, und in dem Schweigen war es ihm, als lächelte sie. Er wußte, er konnte nicht mehr Herr über sich sein. Da hielt er sich mit beiden Händen die Schläfen, und plötzlich sank sein Kopf nieder und lag auf ihrem Schoß.

Sie rührte sich nicht. Ihre Finger wühlten in seinem Haar. Sie atmete lief.

Da zuckte sie zusammen:

»Der Wagen!«

Er richtete sich auf.

»Wir wollen Steine hinunterwerfen!« sagte sie. Und sie traten an die Brüstung. Sie rief:

»Ich habe keinen Stein!«

Er holte ein paar.

Sie warf die Felsstücke mit aller Kraft in den Schlund. Sie polterten und donnerten, splitterten und zerbarsten. Nun brachte er andere, und dabei beugte er sich nieder mit den Lippen auf ihre Hand.

Wortlos sah sie ihn an.

»Bin ich Ihnen lästig?« fragte er.

Sie sah ihn nur immer an und schüttelte den Kopf.

»Unangenehm?«

Immer bewegte sie langsam den Kopf hin und her, und immer sah sie ihn an.

Da klangen wirklich die Räder. Klara schob mit einem Ruck die ganze Ladung Steine über die Brüstung.

Der Wagen hielt, um die beiden aufzunehmen. Der Professor freute sich über das harmlose Spiel und rief:

»Ihr großen Kinder!«

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