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Kazimierz Przerwa-Tetmajer: Aus der Tatra - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
authorKazimierz Przerwa-Tetmajer
titleAus der Tatra
publisherDr. J. Marchlewski & Co.
year1903
translatorJ. von Immendorf
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150210
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Wie Jasiek Ludzmircyk das Glück nicht finden konnteDie Lieder in dieser Erzählung sind von Dr. K. Wolfskehl übersetzt.

I.
Marysia, die »Ferne«.

Jasiek Ludzmircyk spielte wunderschön die Geige und verstand auch Lieder zu ersinnen, wie kein anderer weit und breit. Sein Spielen und Singen machte seinen Namen weithin berühmt, denn man kannte ihn ebensogut in Maruszyna, wie in Krauszow, wie auch in Dzianisz und in Koscielisko. Und da die Weiber sich an solche Männer hängen, denen der Ruhm in der Welt vorangeht – sagt man doch: »Wo es leuchtet, zieht es das Weib hin«, so hingen sich auch an ihn die Mädchen, und selbst von den Weibern verlor die eine oder die andere bei seinem Anblick fast die Augen. Er hatte nichts dagegen, wie schon die Männer sind, aber es ging ihm nicht nahe. Auch heiraten wollten ihn sehr reiche Mädchen, er aber kümmerte sich darum nicht, obzwar er selbst nichts hatte, außer dem, was er sich mit der Geige auf Hochzeiten oder in Schenken erspielte, oder bei der Zimmermannsarbeit in der Sägemühle, oder mit Tischlerei verdiente, denn zu allem war er anstellig. Aber in einem solchen Musikanten steckt schon so ein eigener Zug. Was ihm nicht gefällt, das kannst du ihm schenken, er nimmt's nicht; woran er jedoch Gefallen findet: dafür würde er seine Seele hergeben, ja, sie dem Teufel verschreiben. Mit solchen Leuten läßt sich nichts machen, es ist gerade, als hätten sie ein Rad zu viel im Kopf.

Dieser Jasiek Ludzmircyk wurde nie warm in dem Dorfe, aus dem er stammte. Immer schweifte er umher, besonders im Sommer, sobald das Vieh einmal auf die Almen getrieben war. Man fand ihn im Pantschitza-Tal, wo die Poroniner hüteten, und an den Gonsienica-Seen bei den Zakopanischen, und dann wieder bei denen aus Mientusia auf der dortigen Alm, und im Tale von Chocholow, und im Zauberez-Tale bei den Orawischen. Überall war er bekannt, er kam, spielte ihnen auf und brachte neue Lieder. Und wo er erschien, da küßten ihn gleich die Mädchen, ja sogar die Weiber, nicht nur auf die Wangen, sondern auch auf die Hände und knieten vor ihm nieder, wie vor einem Bilde. Solches Glück hatte er. Wenn er auch meistens darüber lachte und sogar zuweilen dieser oder jener nachflog, wußte doch niemand, was er im Herzen trug . . .

War er aber allein, so, daß ihn niemand hören konnte, irgendwo hoch oben auf den Graten, oder tief im Walde, da zog er seine Fidel unter dem Arm hervor, spielte für sich und sang andere Weisen, ganz verschieden von jenen, die man sonst in den Goralendörfern auf dem Skalne PodhaleSteinige Hochebene am Fuße der Tatra. zu singen pflegt – ungefähr so:

Droben in den Bergen geh ich –
Spiele Fiedel, spiel! –
Aller Seiten Blicke send ich,
Seh der Länder viel.

Blicke, blicke aller Seiten –
Summe Fiedel, summ! –
Dich mein Herze möcht ich nehmen
In die Hände stumm.

Dich, mein Herze, möcht ich nehmen –
Prange Fidel, prang! –
Einer vor die Füße werfen,
Wo sie geht entlang.

Jener Maid zu Füßen werfen –
Luge Fiedel, lug! –
Ei, die ferne sich geborgen
Dort in Tales Bug!

Ei, und spräng's entzwei: Ihr werfen –
Fiedel such die Spur! –
Nur der einen sollst du singen,
Meiner Wonne nur . . .

Sie ist ferne, sie ist ferne,
Weine Fidel, wein!
Meine beiden Augen irren
Weit ins Land hinein . . .

So ähnlich ging es, das Lied Jasieks.

Und dieser Ludzmircyk lernte die Marysia Chocholowska aus Koscielisko kennen, die unter dem Ornak das Vieh hütete.

Diese Marysia Chocholowska aber war ein seltsam Ding, und wie sie gab's keine zweite. Sie konnte sich auf einen Stein oder einen Baumstrunk setzen, sich in Sinnen verlieren und so gleich einen halben Tag lang sitzen; und zu Hause, in der Stube, oder ums Haus herum, ebenso. Ihre blauen verschleierten Augen blicken in die Welt, aber man sieht, daß sie nicht sehen. Sprichst du sie an, so erhebt sie schnell den Kopf, lächelt und spricht so süß, so lieblich, als würde einem Honig ins Herz geträufelt. Sie geht wohl tanzen, vielleicht auch zu einer Hochzeit, wird auch mit den Burschen lachen, aber man kennt doch, daß sie nicht bei der Sache ist, daß ihre Gedanken anderswo weilen. Und sie liebt es, irgendwo einsam bei den Kühen zu sitzen, oder sich zu Hause in der Kammer einzuschließen. Dann legt sie sich aufs Gras, oder aufs Bett, macht die Augen zu und liegt und liegt. Man nannte sie Marysia die »Ferne«, weil sie immer irgendwo weit von der Welt sich aufhielt.

Und es gab auch Burschen, die sie heiraten wollten, denn sie war ein hübsches Mädchen, aufgeblüht wie eine Blume, wirtschaftlich, bescheiden und wohlhabend. Sie aber wollte nicht und dankte.

»Lade mich zu deiner Hochzeit, aber mit einer anderen, und ich werde dich zu meinem Begräbnis bitten,« sagt sie und lächelt so traurig wie eine Pflanze, die verwelkt, und so hell wie Wasser im Bache.

Sie war schon bald dreiundzwanzig Jahre alt und noch immer wollte sie nicht heiraten.

Ej, als sie dieser Jasiek Ludmircyk, der Musikant, am Ornak kennen lernte, da ging er im selben Sommer nicht mehr zu den Poroninschen Mädchen nach Pantschitza, noch in das Zuberez-Tal zu den Orawischen Jungfrauen. Er blieb in Koscielisko und trieb sich dort herum und am liebsten sang er:

»Wo soll Trost ich finden? Ist nicht Ackers Gabe!
Tröste mich Marie, daß ich Frieden habe.«

Und dabei blickt er diese Marysia an; so oft aber ihr Blick ihn trifft, da bebt ihm die Geige in der Hand und er muß zu spielen aufhören, als wären ihm die Finger erfroren.

Wie dann eine Hirtin mit der anderen tuschelt: »Hej! wie sich unser Jasiek in die Ferne Marysia verliebt hat! Möge Gott ihn beschützen!«

Und Neid ergriff sie, denn ein Mädchen, das ist so ein Schelm, daß sie von Eifersucht gepackt wird, auch wenn sie oft selbst den Mann nicht möchte. Es gibt wohl auch andere, aber viele nicht.

Die Marysia war diesem Ludzmircyk nicht gerade abgeneigt, im Gegenteil, manchmal schien es, als hätte sie ihn gern, aber wie tief dieses Gernhaben ging, das konnte er nicht ergründen.

Sie schwatzte mit ihm und hörte zu, wenn er spielte, oft bat sie ihn auch selbst darum und manchmal sagte sie ganz leise: »Spiel' mir doch das Lied vom Janicek, der die Ochsen gehütet hat . . .« Und dabei überzog Blässe ihr Gesicht.

So spielte er denn die Weise – ihr kennt sie ja:

»Rinder hüt ich, meine Rinder, in der grünen Waldesruh:
Kommt zu mir die schmucke Dirne: Was ich, Janicek, hier tu?
Ej, ich tue, was ich tue, wer im Lande weiß um mich?
Nur die eine schmucke Dirne, die verschweigt es sicherlich.
Sagt sie's andern, sag sie's immer: dann verrät sie noch viel mehr;
Selber sie ja rief mir: Jano, in den Wald komm zu mir her.«

Er spielte, er konnte eine, zwei Stunden spielen, ohne die Melodie zu ändern, und sie hörte zu, nur ward sie blässer und blässer; und dann sagte sie ihm »Ich danke dir« und ging fort und verbarg sich, daß man sie gar nicht finden konnte.

– Ej Jas! du wirst dir diese Marysia nicht erspielen, – sagten die Mädchen zu ihm.

– So will ich doch lieber ihr spielen, als euch an mich drücken, – pflegte er zu antworten.

– Ej, Jas! schad' um dich!

– Und müßte ich auch sterben für sie, wär's doch nicht schad'.

– Sie ist dir einmal nicht bestimmt.

– Es gibt doch die wunderbare Wandlung Gottes im Himmel.

Und als er dann fortging und sich irgendwo unter einer Tanne niederwarf, das Gesicht zur Erde – dann tat er einem doch leid! . . .

Ein alter Juhas, Schymek Tyrala, ein kluger Mann, denn er war unter der Kaiserin Maria-Theresia bei den Dragonern Korporal gewesen, sagte einmal, als er Jasiek den Geigenspieler unter einer Tanne liegen sah: – Diese Musikanten, das ist ein ganz anderes Volk. Es gibt auch Gescheite darunter, aber nicht viele, und wenn einer schon einen Stuß hat, dann ist er ein ganzer Teufel! Bei uns im Regiment in der dritten Eskadron, da war ein Trompeter, ein »feiner« Bursch. Er hieß Niedopil oder so ähnlich. Und mit dem Taufnamen hieß er Karl. Und was er da nicht anstellt, wie er sich in ein Mädel verliebt, in eine Magd in Wien: Plumps, von der Brücke in die Donau!

– Da hast's! – ruft die Antosia Mardula, die erst ins siebzehnte Jahr ging. – Und ist er ertrunken?

– Man zog ihn noch lebend heraus. Der Wachtmeister fragt ihn, warum er denn so verrückt geworden ist, und er sagt: »Weil mich ein Mädel, das mir gefallen hat, nicht wollte.«

– No! und was ist dann geschehen, Pate?

– Kaum daß man ihn aus dem Spital herausgelassen: Plums dich, ein zweites Mal. Aber da traf er's schon besser, denn das zweite Mal hat man ihn nicht mehr gefunden.

– Herr Jesus!

– Und spielen konnte er so, daß ihm der Feldmarschall Laudon selbst einmal im Feld zwei Taler gegeben hat. Er war sogar diesem Jasiek Ludzmircyk ein bißchen in den Augen ähnlich.

– Hej! ich möcht' auch, daß mich jemand so lieb hätt'! – sagt Antosia.

– Und was gäbst du ihm dafür? – lacht der alte Schymek.

– Ej, das, was euch nichts mehr nützt, Pate! – stieß Antosia lachend und schlagfertig hervor, und alle kicherten.

Ein Tag folgte dem anderen, eine Woche der anderen, und nichts änderte sich. Marysia die »Ferne« hört auf Jasieks Musik, aber er kommt ihr nicht näher.

– Frag' sie, – sagen die Dirnen, »ob sie dich gern sieht, oder nicht?

– Wenn ich den Mut nicht hab'.

– Na! so faß Mut! Bist du denn nicht ein Mann?!«

– Und wenn sie mir ›Nein‹ sagt?

– Da gehst du zu einer andern.

– Wahrlich! dann möcht' ich, daß mich gleich hier die Erde verschlingt!

– Versündig' dich nicht!

– Ej! weder der Himmel ist mir wunderbar, noch die Hölle schrecklich!«

– So arg hast du dich in sie verschaut?

Doch er gab keine Antwort.

Als aber einst ein sonniger Tag anbrach, so frisch und hell, wie noch keiner in diesem Sommer gewesen, da steht Jasiek Ludzmircyk zeitlich des Morgens auf, hebt den Kopf, blickt zum Himmel, auf die Tauern, und sagt zu sich: »Fürwahr! bin ich denn nicht ein Mann?! Mag's schon einmal ein Ende nehmen, mag sich's schon entscheiden, so oder so!«

Und er geht gradaus zur Marysia und findet sie: sie steht gebeugt am Bach, den Rock zwischen die Knie geklemmt, die Füße von den Waden an ganz bloß.

– Marysia! – sagt er.

Marysia richtet sich auf.

– Was?

– Marysia! ich kann's nicht mehr aushalten. Ich hab' dich lieb.

Da wird sie rot und gleich darauf blaß.

– Ich hab' dich lieb, – sagt Jasiek, – ich möcht' dich zum Weibe . . .

Da schüttelt sie traurig den Kopf: – Das nicht!

– Nicht? – sagt er und dunkel wird ihm vor den Augen.

– Nein.

– Niemals?

– Niemals.

– Dein letztes Wort?

– Mein letztes.

Kaum daß er hervorwürgen kann: – Warum? Ich hab' dich lieb wie die Allmacht Gottes . . .

– Ich bleib' schon so – ewig. Ich werd' keinen heiraten . . . niemals.

Sie wendet sich ab, beugt sich nieder und wäscht weiter.

Jasiek Ludzmircyk wollte noch zu ihr sprechen, sie aber antwortete nicht.

Tränen drängen sich ihm in die Augen, heiße Tränen, obgleich er kein weinerlicher Mann war; er hielt sie zurück, ließ sie aus den Augen nicht auf die Wangen rollen, aber ihm war, als träufelten ihm alle ins Herz hinab, gerade so, wie er im Kuznitzer Walzwerk geschmolzenes Zinn hat niedertropfen sehen.

Er ging.

Aber jetzt wurde Marysia die Ferne gegen ihn eine ganz andere.

Sie geht ihm aus dem Wege, sagt ihm ein oder das andere Mal was Kränkendes, bittet ihn weder um ein Lied, noch hört sie zu, wenn er spielt. So, als ob er ihr etwas Böses zugefügt hätte; Eiseskälte weht von ihr.

Das schnitt dem armen Jasiek ins Herz, denn er hatte ihr doch nichts Schlimmes getan? Weil er ihr gesagt hat, daß er sie liebt? Hatte er sie etwa vergewaltigen wollen? hat er sich ihr denn mit seiner Person aufgedrängt? Auf ein einziges Wort hin fiel er so ab, wie ein durch den Blitz von der Tanne abgeschossener Ast. Sie hatte ihn nicht gewollt – er war fortgegangen.

Er sinnt und sinnt – welche Ursache mag das haben? Denn daß er ihr nicht gefallen hat: gut, das kann sein. Aber daß sie keinen je heiraten wollte, eine so hübsche gesunde junge Dirn – nicht zu begreifen! . . .

Dahinter muß etwas stecken . . .

Ej! sind es nicht etwa schwere Tränen . . .

Nicht umsonst singt man:

»Fühle Weh nicht, Mutter, aber ich muß sterben,
Was mein Wille wollte, konnt ich nicht erwerben.«

Und ihm war so traurig ums Herz, daß er sich nicht zu helfen wußte.

– Hej! – sagte er, – ich möcht' schon lieber nicht einen Hauch getan haben . . . Was hab' ich ihr denn getan? was hab' ich ihr getan? Ich hab' sie doch nicht gekränkt, ihr kein Leid zugefügt . . . Meine Lieb' . . .«

Und er ging nur irgendwo in den Wald und spielte. Und er spielte so ergreifend, daß einmal die Antosia Mardula, die Kuhhirtin, derart gerührt wurde, daß sie laut zu weinen begann.

– Warum weinst denn, Mädel? – fragt sie der alte Schymek Tyrala.

– Denn . . . denn . . . Jasiek spielt so . . . Pate . . .

– No, laß ihn spielen!

– Aber wenn's mir so trau . . . traurig . . . ist . . .

– Und warum ist's dir denn traurig?

– We . . . weiß ich's denn . . . Pate . .

– Wenn's dich nur nicht zu ihm zieht, du Lumpenmädl? – lacht der Tyrala.

Und Antosia verschluckt augenblicklich die Tränen und wird über und über rot:

– Und wohin sollt' es mich denn ziehen? Zu euch vielleicht? Habt ihr je schon einen eine vertrocknete Rübe beißen sehen? wie?

Solange das Wetter noch anhielt, schweifte Jasiek mit der Geige im Walde umher und tröstete sich, wie er konnte. Als dann aber die Herbstgüsse, die wolkenschweren traurigen Herbsttage kamen, als oben auf den Bergen der Schnee wirbelte, Nebel und Dunkelheit sich in die Täler senkte: da entfloh ihm fast die Seele vor Herzeleid. Denn sie wollte ihn nicht lieben, und er wußte nicht, wodurch er sie abgestoßen, was er ihr Böses zugefügt? Er wußte nicht, was schlimmer wäre: das erste, oder das zweite? Für 's eine hätte er das Leben gegeben, das andere hätte er mit dem Leben zurückgekauft . . . Ja . . .

Eines Nachmittags war es der Marysia nicht wohl, sie trieb das Vieh nicht aus. Da sah er sie, wie sie in die Salasche eintrat, wo das Essen gekocht wird.

Er folgte ihr.

Das Herdfeuer war klein, kaum daß es noch glimmte, der Raum dunkel.

Ohne ein Wort zu sagen, setzt er sich auf die Bank an der Wand; sie sitzt auf einem Schemel und sieht ihn nicht an. Sie schweigen eine Weile; Jasiek nimmt seine Fiedel vom Nagel und zupft an den Saiten. Er zupft noch einmal, ein zweites, ein drittes Mal. Schließlich erklangen die Saiten voll unter seinen Fingern:

»Rinder hüt ich, meine Rinder, in der grünen Waldesruh:
Kommt zu mir die schmucke Dirne: Was ich, Janicek, hier tu.«

Da brach Marysia in Weinen aus. Anfänglich erstickte sie es, dann aber loderte es aus ihr hervor wie Feuer. Jasiek springt von seinem Sitze auf: – Marysia? was ist geschehen? was weinst du denn?

Und sie schluchzt.

– Was weinst du?! . . . Deine Tränen sind mir wie Steine . . . Sag mir's, sag's! Und warum grollst du mir? Ich weiß mir schon nicht mehr zu helfen! Was hab' ich denn gegen dich verschuldet? hab ich dir ein Leid angetan? Marys!

– Hej, du hast nichts an mir verschuldet, du hast mir kein Leids getan . . . Weshalb nur hast du die Saiten so erklingen lassen? . . .

– Ej, ich hab's doch nicht ein- und nicht zweimal schon gespielt, und du hast nicht geweint! – sagt Jasiek.

– Aber du hättest es nicht sollen – jetzt . . . – sagt Marysia.

Jasiek verfiel in Gedanken – sann eine Weile nach – schleuderte die Fidel zu Boden und versetzte ihr einen Stoß. Er ergreift Marysias Hände und küßt sie.

– Verzeih! – sagt er.

– Ich hab' dir nichts zu verzeihen. Was bist denn du schuld? nichts! – antwortet sie.

– Weshalb warst du denn so erzürnt über mich?

– Ich war nicht erzürnt . . . Du wirst es nie verstehen, nie . . .

– Du hast nicht gezürnt? – schreit Jasiek, die Augen zu ihr erhebend.

– Nein . . . nur das Herz hat mich geschmerzt . . .

Wiederum drängten sich die Tränen in Jasiek Ludzmircyks Augen, aber er hielt sie zurück.

– Wovon hat es dich geschmerzt? – fragt er.

– Hej! wenn du wüßtest . . . Es hat mich geschmerzt, ja geschmerzt, aber still, und jetzt schmerzt es mich laut . . .

– Wegen meines Spieles?

Aber der Marysia flossen wiederum die Tränen in Strömen aus den Augen und ohne auf Jasiek zu achten, jammert sie schluchzend: – Ej, ich hab' ihn geliebt, geliebt! . . . Ej, ich hab' ihn geliebt, geliebt! . . . – und sie wankt, als sollte sie ohnmächtig werden.

Kaum daß sie Zeit hatte, sich an die Wand zu stützen, und auch Jasiek sprang herzu.

– Er sang dieses Lied . . . bei den Pferden auf der Wiese sang er's . . . Da bin ich zu ihm hin und hab' ihn angesprochen; und die Zosia Zaja hat davon gewußt . . . Ej, was hab' ich ihn auch geliebt, geliebt . . .

Sie konnte nicht weiter sprechen, sie verstummte, und Jasiek Ludzmircyk küßte ihr die Hände, die Knie. In der Salasche wurde es still, nur ein blaues Flämmchen tanzte über den glimmenden Kohlen.

– Er wollte mich nicht, – sagt Marysia nach einer Weile. – Er hat die Zosia Zaja genommen, er hat sie geheiratet. Ich hab' ihm nie etwas gesagt, aber er wußte, daß ich vergehe. Hej, als man sie zur Trauung führte – in der Kirche von Chocholow war's – ej, als man sie führte –

– Marys!

– Es hilft nichts. Ich kann's nicht überwinden. Man führte sie . . . Ich stand so – zur Seite . . . als ihnen der Priester die Hände verband . . .

– Marys!

– Es hilft nichts. Der Priester verband ihnen die Hände, sie tauschten die Ringe, er traute sie, er nahm ihnen den Schwur ab; er war schon der ihre . . . Er ging aus der Kirche, eine Feder am Hut, rote Bänder an der Zucha, sie war im Kranz . . . Ej, Jasiek! wenn du hundert Jahre lebst, wirst du das nicht erleben . . .

– Marys!

– Und so bin ich geblieben. Ich stand dort bei der Kirche an der Mauer. Niemand hat mich gesehen . . . Sie fuhren fort . . . Man spielte ihm diese Weise auf, dieselbe . . . Ich stand dort bis zum andern Morgen . . . Ich flehte Gott, daß er den Tod zu mir rufe – aber er kam nicht . . . Da gelobte ich mir, schwur mir: Wie euch der Priester mit der Stola verbunden und im ewigen Himmel vereint hat, so gelobe ich Dir und schwöre Dir, o Gott, wenn Du mir schon dieses Glück zu verleihen nicht gnädig warst, daß man mich niemals zum Altar im Kranze führen wird, nie, nie – nur daß man mich in den Sarg legen wird, wie ich bin . . .

– Marys!

– Und er fuhr mit ihr dorthin, wo er hingeheiratet hat, nach Dlugopole. Ich hab' ihn dann noch einige Male gesehen, aber meistens in Ludzimierz beim Ablaß, denn dort fahren sie immer hin, weil das nahe von ihnen ist und ihre Pfarre. Mit Absicht geh' ich immer hin . . . Schon das vierte Jahr . . . Und immer werd' ich hingehen . . .

– Ist dir das nicht schmerzlich?

– Schmerzlich . . . Aber ich seh' ihn wenigstens . . . Sie haben Kinder . . . Zwei . . . Buben . . . Sie haben dieselben grauen Augen, wie er . . . Ich hab' sie gesehen . . . Sind's auch nur Kinder, ich hätt' sie auf diese Augen küssen mögen . . . Ej, Jasiek! . . .

– Ej, Marys! . . .

– Und ich bleib' schon so, in Ewigkeit, mit diesem Schmerz.

– Und was wird jetzt mit uns? – sagt Jasiek.

– Geh' fort von mir, verlaß mich, – sagt Marysia. – Du findest eine andere. Bei mir wächst niemandem das Glück. Das ist schon so mein unglückseliges Los.

– Hej! das war das Eis, das von dir wehte! Und hast du mich gern? ein bißchen wenigstens?

Und er erfaßt ihre Hände, und sie preßt die seinen und drückt sie an ihre Brust und sagt: – Ich hab' dich gern. Ich hab' dich sehr gern!

Dann riß sie sich los und lief aus der Salasche fort.

Und Jasiek blieb allein zurück und rührte sich nicht, bis die Hirten kamen und ihn fanden, regungslos, wie tot.

– Was ist dir geschehen, Jasiek? – fragen sie.

– Herr Jesus wollte mich nicht nehmen, so sollen mich die Teufel holen! – sagt er und geht hinaus. Er sucht die Marysia, findet sie im Schuppen, sie melkt die Kühe. Ein Lichtchen leuchtet ihr.

– Marys! – sagt Jasiek, – ich verlaß dich nicht so, ich will dich nicht so verlassen! Ich bin nicht einer, der halsstarrig darauf bestehen möchte, der dich überwinden, dich mit Gewalt nehmen möchte. Wenn du arm wärst, wenn ich reich wär' . . . Aber so – wenn du mich nicht liebst, was liegt dir an mir . . . was liegt dir an meiner Geige und an ihrem Ruhme in der Welt! . . . Ich würde sie dir zu Füßen schleudern und dieses mein blutüberströmtes Herz dazu, und diese meine Herzensliebe! Aber ich verlaß dich nicht so, ich nehm' solchen Abschied nicht von dir. Du bist mir so wie heilig, so, als wärest du aus der Mitte der Engel heruntergestiegen zu mir auf die Erde. Ich bin allein auf der Welt, wie jener dürre Ahornbaum auf der Waldwiese bei Jarzombra. Ich habe nirgends jemanden, ich spiele den Leuten, und meinem Herzen spielt nur der Wind. Sei mir zur Schwester!

Und er beugte sich nieder und umschlang ihre Knie; sie aber stellt den Melkkübel auf den Boden, legt ihm die Hand auf den Kopf und sagt: – Ich kann niemandem mehr gehören – mir gehört nur der Tod. Gehen wir auseinander. Geh' anderswohin. Laß mich mit meinem Schmerz . . .

– Ej, Marys, Marys! – sagt er. – Bei Gott! ich möchte diese deine Wunde auf mich nehmen, damit dir besser wäre, gut wäre . . .

– Geh' . . .! Mir gehört nichts mehr auf der Welt – nichts – nur der Sarg . . . – Und sie reichte ihm die Hand und schob ihn leicht zur Tür.

Dem Jasiek Ludzmircyk schwindelte es, der Atem stockte ihm in der Brust.

Er geht, er geht in den Wald, gegen die Tomanowa,Ein Berg. ohne selbst zu wissen wohin. Endlich setzt er sich unter eine Tanne, es war ganz dunkel, und Schnee mit Regen wirbelte lautlos hernieder, und Nebel deckte die Berge. Er holt seine Geige unter der Zucha hervor, schaut sie an und sagt: »Hej, Fidel! was hast du mir im Leben gegeben?! was hast du mir erspielt? Was ich nicht will, das drängt sich in meine Hand, und wofür ich meine Seele hingeben möchte, das ist nicht mein . . . Was hab' ich von dir, wenn du mir das Glück nicht erspielen kannst, was hab' ich von dem Ruhme in den Dörfern . . . hej, Fidel! . . .

Und obzwar ein Sturmwirbel von den Höhen herabzog, strich er mit dem Bogen über die Saiten und sang:

Immer geh ich zu den andern –
Spiele Fidel, spiel! –
In mir stirbt das Herz; du, Leben,
Wärst du Todes Ziel.

Du mein Herze gehest sterben –
Klage Fidel, klag –
Gott hat mir kein Glück gesäet,
Nie kommt Glückes Tag.

Gott hat mir kein Glück gesäet –
Schalle Fidel, schall! –
Du Marie, du Marie
Sink in Grames Schwall.

Sink, in Gram und Schmerz versinke –
Spiele Fidel, spiel! –
Ruhst bald unterm grünen Rasen
Du und Schmerzen viel.

Und jetzt begriff Jasiek Ludzmircyk, der Musikant, das Gelöbnis Marysias, und sein Blick schien in einen grauenhaften, bodenlosen Abgrund zu versinken. »Hej! das war das Eis, das von dir wehte!« wiederholt er und im Schmerze über Marysia und seine Liebe scheint ihm der Boden unter den Füßen zu wanken. »Wir könnten's doch auch gut haben!« denkt er . . . Und ihm war, als höre er, wie Marysia die »Ferne«, im Schuppen liegend, das Gesicht in das Lager gedrückt, stöhnte: »O Herz, mein Herz! o Herz, mein Herz! . . .«

 


 

II.
Die Schultheiß-Maryna.

»Diese Schulzens Male geht zur Mühl im Tale;
Kehret ohne Fehle, keiner kriegt vom Mehle.«

sang man von der Maryna Kruzel aus Rogoznik, und dann kamen noch zwei weitere Verse dazu:

»Diese Schulzens Male geht nun gern zu Tale;
Mathes durft ihr lehren, gehen und sich kehren.«

– aber das kam erst später, nach der Hochzeit, denn er hat ihr in der Tat gezeigt, wie man auf der Welt gehen soll . . .

Das war ein Mädel, wie nicht bald ein zweites in der Gegend.

Ob in Ludzimierz beim Ablaß, oder in Czarny-Dunajec beim Jahrmarkt, nirgends gab's einen Mann, der sich nicht nach ihr umgeschaut, nirgends ein Weib, das nicht nach ihr geschielt hätte. Hochgewachsen, schlank, den Kopf erhoben, Brauen wie geschwärzt, schön geschwungen, dicht, stark und glänzend, eine glatte Stirn, große saphirblaue Augen, eine gerade Nase, ein Mund, rot und klein, das Kinn gerundet, die Haare schwarz, funkelnd, als wären sie poliert und so lang, daß sie sich mit ihnen hätte bedecken können, wie mit einer Schürze. Und erst diese Farben, die gebräunte Röte auf der dunklen Haut, erst dieser schlanke üppige Hals, diese Brust, die so eigentümlich keck hinter dem Mieder stak, daß einem beim Ansehen ein Beben erfaßte, der wunderschöne Einschnitt im Gürtel, diese abstehenden, flinken vollen Hüften, und der ganze Leib wie aus elastischem Stahl geformt. Und die Stimme! Wenn sie sang, schien es, als zerschmelze die Welt . . . Und wenn sie ging, da brauchte sie selbst im größten Gedränge nicht erst zu sagen: Macht Platz! – jeder trat zur Seite, wenn er sie nur ansah.

Aber auch ihr war etwas bestimmt . . .

Sie war ein reiches Mädchen, stolz, hochmütig, unzugänglich, die einzige Tochter des verwitweten alten Schultheiß Bartek Kruzel, dessen Hof noch von Großvaters Zeiten her »Zum Weißen Martin« hieß. Über sie ging ihm nichts. Er besaß gegen fünfzig Morgen Acker, an fünf Morgen Wald, eine große Wirtschaft und eine Mühle. Und die Maryna bewachte ununterbrochen den Müllerjungen, daß ja kein Mehl gestohlen werde, und lief fortwährend in die Mühle; man sang Spottverse darüber; ins Gesicht aber wagte es ihr niemand zu sagen. Denn in dem Gesicht hatte sie ein paar Augen wie sprühende Glut, als ob man im Feuer Wasser auffunkeln ließe. Wenn sie einen ansah – der hätte schon seine Siebzig auf dem Buckel haben müssen, daß es ihm nicht durch Mark und Bein gefahren wäre. Ein Bursch aus Ostrowsko, der ein Fuder Wein aus Ungarn brachte, mußte sich, als er sie erblickte, mit dem Rücken gegen den Wagen lehnen und konnte eine Weile keinen Schritt tun, und die Sprache hatte es ihm gänzlich verschlagen, er riß nur den Mund auf. Sie lächelte und ging vorüber, und er sagt: »Eine Teufelin hat sich als Weib verkleidet, oder was?! Aber wenn solche in der Hölle wären, so möcht' ich dort bis an die Ohren brennen! . . .«

Die Leute konnten sie wegen ihrer Unzugänglichkeit und ihres Stolzes nicht recht leiden. Sie war schon im zwanzigsten Jahre, aber heiraten wollte sie nicht, auch hatte nie etwas verlautet, daß sie einen Liebsten habe. Niemand rühmte sich ihrer.

– Willst du denn nicht heiraten, Maryna? – fragte ihre Tante.

– Ist denn einer da, der meiner wert ist?

– Und kennst du das Lied:

»Warum magst du nimmer nach mir schauen, Madel?
Wenn ich dich nicht nehme – keinen kriegst von Adel.«

– Und habt ihr nicht gehört, Tante, was der alte Budz erzählt hat, wie ein Königssohn zu einer Wagnerstochter gekommen ist?

– Geschwatz! Daß dir nur nicht was, nicht mit einem Königssohn, aber mit einem gewöhnlichen Goralen zustößt!

– Na! da müssen sie warten!

Aber ihre Augen glühten und sie biß die Zähne zusammen, denn in einem solchen Mädchen spielt doch das Blut! Nur dieser Stolz, dieser Hochmut hielt sie an der Kette. Lieber wollte sie dulden und sich versagen, wofür den Mädchen die Seele in die Kehle kriecht, daß sie ihnen den Atem versperrt, als von dieser ihrer Natur ablassen. So stolz war sie.

Und da mußte es geschehen, daß dieser Jasiek Ludzmircyk mit ihr zusammentraf . . . Das kam so: Die Marysia Chocholowska, die er liebte, konnte er nicht verschmerzen, obzwar schon einige Jahre, drei oder noch mehr, darüber vergangen waren. Er ging nicht mehr nach Koscielisko, ja, er hielt sich im Zimne oder Skalne Podhale, wie man es nennt, nicht auf, sondern mehr in den Tälern. Er spielte sogar weniger und hielt sich mehr an die Arbeit, die Zimmermannsarbeit, und bei der Sägemühle; wenn er aber spielte, da spielte er noch hundertmal schöner als früher. Wollten doch selbst die ungarischen Zigeuner, die sogar in Ofen und Pest spielten, ihn in ihre Bande aufnehmen; er lehnte ab.

Er hatte erfahren, daß beim Gonsiorek in Rogoznik Arbeit wäre und verdingte sich ihm.

Deß waren die Dirnen und Weiber froh, denn sie hatten schon von ihm gehört (wie von jenem Zanitzek, der so berühmt war durch seine Schönheit und so traurig wegen eines gefühllosen Mädchens geendet hätte), daß das ein Musikant sei, wie kein anderer in der Welt. Aber man erzählte auch, daß er diese letzten drei Jahre mit keinem Weib zu tun gehabt habe. So blickte er auch die Mädchen in Rogoznik gar nicht an. Er kümmerte sich um sie grad' so viel, wie um die Krähen auf der Tanne.

Aber das dauerte nicht lange. Einmal sagte ihm der Kuba Gonsiorek, der die Sägemühle hatte:

– Weißt du, Jasiek, wenn du so gut wärest, mir Gerste zum Weißen Martin in die Mühle zu schaffen.

– Schön, will sie hintragen.

Und der alte Gonsiorek lacht ihn schmunzelnd an und fragt: – Hast du die Müllerin gesehen?

–Welche?

– No, die Tochter vom Schultheiß!

– Nein.

– Na, dann hüte dich, sonst frißt sie dich auf.

– Ej, wenn mich bisher nichts aufgefressen hat, wird mich auch jetzt nichts auffressen.

– Sieh dich vor! sag' ich dir. Der Stephan Symcyk aus Ludzimierz ist wegen ihr nach Pest fortgezogen, der Franek Gonsiorek, ein Unsriger, aus Rogoznik, trinkt auf Leben und Tod, daß ihm nicht mehr zu helfen ist, und der Waclaw Jahymiak, der ist gar ganz verrückt geworden. Ich selber, obzwar ich schon alt bin, wenn ich sie seh', da spielt es mir so in den Ohren! Ein Prachtmädel, wie ein Wald!

– Ich fürcht' mich nicht.

– Hast du denn ein Mittel gegen die Verhexung?

– Ja.

Da wurde der alte Gonsiorek riesig neugierig. Er neigte seinen grauen Kopf mit den langen Flechten und Zöpfchen an der Schläfe gegen Jasiek vor und frug: – was hast du? was? was hast du denn? ich verrat' dich nicht. Sag's!

– Ej, was ich hab' das hab' ich – – das geht euch nichts an.

– Trägst du's bei dir?

– Immer trag' ich's bei mir.

– Wo? im Gürtel?

– Ja, auch das könnt' sein, wenn er nur breit genug wär'.

– Wie denn das? ich versteh' nicht?

– Hej, Vater, wißt ihr – – wenn er nur breit genug wär', daß er das Herz zudeckte. Wo ist denn die Gerste?

Der alte Gonsiorek sieht ihn an und fragt:

– Aufs Herz legt man's?

– Ja.

– Wie denn das? klebt man's auf? ist wohl ein Pflaster?

– Man klebt's nicht auf, aber man muß es verschlucken, damit es ins Herz hineingeht.

Der alte Gonsiorek schüttelte ungläubig den Kopf: – Du sprichst merkwürdig seltsam, – sagt er. – Und zeigst du mir das? könnt' ich das nicht auch verschlucken?«

– Ej, da müßtet ihr bis nach Koscielisko fahren, um zu sehen, wie das ist.

– Von dort ist es?

– Ja.

– Und wer hat dir's gegeben?

– Warum forscht ihr mich denn so aus! Wo ist denn das Getreide?

Der alte Gonsiorek schwieg eine Weile, dann lachte er auf und sagte: – Richtig – da frag' ich noch viel, wo ich hier auf dem Kopf das beste Mittel gegen jede Verzauberung hab'.

Und er strich über seine grauen Haare.

– Komm, Jasiek, wir werden die Gerste in den Sack schütten.

Und eine Weile später ist es Jasiek, dem Musikanten, ergangen, als wenn der Blitz eingeschlagen hätte. Er geht, trägt den Sack auf dem Rücken, kommt zur Mühle, und da steht die Schultheiß-Maryna davor.

– Zur Mühle? – fragt sie.

Jasiek sah sie an, die Füße wankten ihm, er wurde blaß im Gesicht, trotzdem er einen großen Sack auf dem Rücken trug. So schlugen in ihn Marynas Augen ein, wie Blitze. Sie lächelte ihn nur an, kaum daß es ihr über die schmalen Lippen hinlief, und schaut ihn an, von oben herab, hochmütig; und er steht so vor ihr, vorgebeugt unter dem Sack.

– Komm, – sagt sie, – wir wollen's abnehmen.«

Jasiek übergibt dem Müllerburschen den Sack.

– Du bist ein Fremder, kein Hiesiger?– sagt Maryna, – du bist dieser Musikanten-Jasiek aus der Sägemühle vom Gonsiorek?

– Ja.

Sie sagt ihm nicht »ihr«, sondern sagt »du«, wie zu einem Hirten.

– Komm morgen früh ums Mehl.

– Ich werde kommen.

Er wollte ihr sagen: »Behüt' euch Gott«, aber sie sah ihn nicht mehr an und ging von der Mühle über die Wiese nach Haus.

Auch Jasiek machte sich auf den Rückweg.

Und wie da Marynas Stimme erklingt! . . . wie es sich in die Lüfte schwingt:

»Lilie, Lilie, sag, wie kamst her an diese Statt?
Tief wuchs, die auf Berge sich entfaltet hat . . .

Gib mich Mutter, gib mich, wenn sie von mir sprechen,
Blüht die Lilie, ist es Zeit, sie abzubrechen . . .«

Gib mich Mutter, gib mich, eh mein Reiz vergeht,
Nur die Lilie duftet, die jung in Blüte steht.

Gib mich Mutter, gib mich, Ständelein am Rain,
Eh der Wind mich abgepflückt und trägt ins Land hinein.

Nimmer wirst erfahren dann, du lieb Mutter mein,
Wo der Wind vom Garten hintrug die Lilie dein . . .

Und so schön war dieser Gesang, so süß, so wunderbar wie das Schlummerlied für ein Kind.

Und Jasiek Ludzmircyk konnte nicht begreifen, wie ein solches Mädchen, das so hochmütig und stolz schien, so zärtlich singen konnte? Es ging ihm durch und durch, bis ins Herz, denn er war doch selbst Musikant und fühlte es besser als andere.

Im Gehen wendet er sich nochmals um und sieht sie über die Wiesen eilen, ein gelbes Tuch am Kopf, im weißen Hemd mit rotem Mieder, die rote Schürze über dem dunklen Rock, so schillernd wie die Wiese von Blumen und so herrlich wie eine Fackel. Er blieb stehen.

Und sie singt aus der Ferne, noch süßer, noch schöner:

»Janiceks Gesänge wandern auf der Heiden
Schafen gleich, die eng im Niederholze weiden . . .«

»Janiceks Gedächtnis kann nie untergehen,
In den Talen, von den Bergen wird es wehen . . .«

Die Stimme klingt, und ihm schmilzt das Herz. Und sie singt weiter:

»Hab ich Heu am Fenster, fürchte nicht Gespenster;
Wenn dich Stroh empfahe, ist die Mutter nahe.«

Jasieks Herz jubelte auf.

Sie aber verschwand singend im Weidenhain am Dorfesrand. Jasieks Herz zittert und er denkt bei sich: »Hej, woher denn! sie hat nur so gesungen . . . Woher denn auch . . . ein solches Mädchen mir! . . . Sie hat mich ja nicht einmal angesehen . . .«

Er fand den Mut nicht umzukehren, ging zu Gonsioreks Sägemühle zurück, aber alles bebte in seinem Innern.

* * *

– Na, wie ist's dort gegangen? – fragt ihn der Gonsiorek. – Hast du die Gerste zum Mahlen gegeben?

– Ja, hab' sie abgegeben.

– Hast du die Müllerstochter gesehen?

– Ja, hab' sie gesehen.

– Na, und was denn?

– Nichts.

– Nichts?

– Nichts.

– Also hat dich das geschützt, was du in Koscielisko verschluckt hast?

– Wo sind denn die Bretter, die wir sägen sollten? – fragt Jasiek.

»Oho!« dachte der alte Gonsiorek bei sich, »es hat dich schön geschützt, wenn du so rasch an der Arbeit bist! Geh und trink' noch ein halbes Quart von dieser Medizin!« Und laut sagte er:

– Die Bretter? die sind vorbereitet, nimm sie nur! Aber mir kommt vor, dir werden heut' die Hände bei der Arbeit zittern?

Jasiek antwortete nichts und ging Bretter sägen.

Der alte Gonsiorek hingegen wandte sich, den Wagen zu schmieren, denn er rüstete zum Jahrmarkt in Nowytarg; und die Räder um die Achse drehend, brummte er: »Gottes Erbarmen, was für Hexerei in diesem Mädel sitzt? Und nicht nur in der, überhaupt so in den Weibern! Und was ist das doch? Ist das der Kopf, ist das das Bein, oder ist's was anderes, oder alles zusammen? aber wenn man nur eine erwischt, dann möcht man sie fressen. Hej! Ein alter Kerl bin ich! Siebzig Jahre waren es zu Jakobi . . . Hej, wenn mir nur so zwanzig Jahre zurückkämen! . . . Aber was ich erlebt hab', das hab' ich halt erlebt, was ich gesehen hab', das hab' ich gesehen, ja gesehen, die Antoska Kurnotka und die Kasia Dlugopolska und meine erste Selige war auch fein, und die Kaska des Valentin vom Strande . . . Manche hätt' einem beinah' das Herz von der Leber gerissen, aber eine solche, wie diese Schultheiß-Maryna hab' ich doch mein Lebtag nicht gesehen. In alten Zeiten haben sich die Leut' von Feen erzählt, die den Menschen Böses zufügen: das muß so was gewesen sein. Und wenn ich nicht wüßte, wessen sie ist, wenn ich nicht ihren Vater kennen würde, ihre selige Mutter, wenn ich nicht wüßte, wann man sie zur heiligen Taufe nach Ludzimierz getragen hat, dann würde ich sagen, Gott weiß was sie ist? Woher ist das unter die Menschen gekommen? von welchem Stern, aus welcher Grotte ist das herausgekrochen? Rein Teufelsblumen müssen sich da in Lippen und Augen verwandelt haben, denn so etwas hat hier noch kein Weib zur Welt gebracht . . . Ja! . . . Den Wagen hab' ich aber tüchtig mit Schmier' hergerichtet, der wird nicht knarren, die MalgorzataMargarete. wird nicht wiederum vor Zorn auf dem Sitz herumhopsen. Hej! welcher Teufel hat mir's eingegeben, ein junges Weib zu nehmen! Strafe Gottes! Wenn mir wenigstens so zwanzig Jahre zurückkämen! . . . Wille Gottes . . .«

So brummte der alte Gonsiorek aus der Sägemühle vor sich hin, als er den Wagen so eifrig schmierte, weil er Furcht vor der Malgorzata hatte, seiner zweiten Frau.

Und in Jasieks Innerem schmolz es schon. Er sägt Bretter – vor seinen Augen aber steht die Schönheit Marynas und in den Ohren klingt ihm ihr Gesang. Marysia Chocholowska, Marysia die »Ferne« war wie Honig, aber diese hier ist wie eine Flamme. Sie hat ihn zuerst mit ihrem Gesang bezaubert, und dann hat sie ihm geschmeichelt – aber wozu? Denn daß sie's nicht ohne Grund gesungen, dessen war er gewiß. Sie muß ihn wohl früher irgendwo in der Kirche gesehen, jemand muß ihn ihr gezeigt haben. Und da hat sie ihm jetzt so was aufgeführt! . . .

Das Herz des unglücklichen Jasiek Ludzmircyk war so: dreihundert Weiber konnten sich ihm der Reihe nach an den Hals hängen – er nichts; aber wenn er auf die richtige traf, dann – leb' wohl! da war keine Sehne mehr in ihm, keine Rippe – Wachs.

»Hier werde ich durch sie zu Grund' gehen!« dachte er.

»Und wenn man's versuchen tät?« denkt er wiederum.

»Ej, was bei der versuchen!« sagt er sich. »Nicht dein ist das Glück bei ihr!

»Dort hatte ich kein Glück – vielleicht wird mich hier Herr Jesus segnen . . .

»Nicht nur solchen, wie du bist, hat er seinen Segen gegeben . . .

»Ej! wenn ich sie noch sehen könnte! . . .

»Ah, du gehst doch morgen ums Mehl . . .

»Und die dort, Marysia Chocholowska? . . .«

Aber das Andenken an Marysia Chocholowska verschwamm plötzlich in dem schwermütigen aber empfindlichen Künstlerherzen Jasieks, wie ein in den Regen gestelltes Bild.

»Marysia? die Ferne? wenn die mich gewollt hätte . . . Aber sie will doch niemanden – niemals . . .«

Und dieses große Wort verlöschte in Jasiek den inneren, übrigens nur noch scheinbaren Zwiespalt.

An diesem Tage, am Abend, es war im Juli und strahlendes Wetter, spielte Jasiek lange auf einer Weidenpfeife, denn er verstand auf allem zu spielen. Er saß im Hof auf einem Klotz zum Holzhacken und der alte Gonsiorek, im Bette liegend, brummte für sich: »Pfeif' nur, pfeif' – du wirst noch besser pfeifen; gewiß! . . . Gott sei's gedankt, die Malgorzata schläft . . . Gott sei's gedankt, Gott dem allerhöchsten . . . Pfeif' nur, pfeif' – schon kriecht dir die Seele durch die Weidenlöcher heraus – du wirst schon sehen, wenn sie dir auf dem ganzen Leib herumspringen wird, wie ein Vogel auf den Zweigen . . . Gott gebe nur, daß die Malgorzata bis zum Morgen nicht aufwacht. – Wenn mir nur so zwanzig Jahre zurückkämen.«

Aber Jasiek Ludzmircyk schlief in dieser Nacht sehr wenig. Erst gegen Morgengrauen verfiel er in einen dumpfen Schlummer und ihm träumte, er schreite in einer Prozession, und in dieser Prozession ginge Marysia Chocholowska mit, wende ihm das Gesicht zu – er stand beiseite – und sage ihm: »Ej, Jasiek! das ist schon so mein unglückseliges Los! . . .« Und sie verschwand, und Etwas stieß ihn so, als ob er in einen Abgrund flöge.

Am andern Tag geht er in der Früh in die Mühle ums Mehl und je näher er kommt, um so heißer wird ihm. Maryna steht in der Tür.

– Gelobt sei . . . – sagt Jasiek und hebt den Hut ein wenig.

– In Ewigkeit. Amen, – antwortet Maryna.

– Ist das Mehl fertig?

– Ja.

Sie selbst maß es ihm ab und gab es ihm heraus und stößt ihn dabei, als ob es unabsichtlich wäre, bald mit dem Ellenbogen, bald mit dem Rock ihn streifend. Er wagt kaum, sie anzusehen, aber wenn er es tut – dann haften ihre Augen auf ihm, und so glühend, wie Kerzen auf dem Altar. Es ging ihm durch Mark und Bein.

»Hej! das ist hier nichts für dich!« denkt er.

Erst als er sich auf den Weg machen sollte, sagt ihm Maryna:

– Jasiek, weißt du, ich hab' den Pferdeknecht fortgejagt. Möchtest du nicht – zu uns kommen?

– Ich?

– Du.

– Zu euch?

– Ja.

Er sieht sie an. Wie das Morgenrot steht sie vor ihm.

– Ihr möchtet mich? wirklich?

– Aber ja! Warum sollte ich dich zum Narren halten!

Jasiek wurde es auf einmal hell und dunkel vor den Augen.

– Einverstanden.

– Bedank' dich beim Gonsiorek. Zieh' zu uns herüber.

– Habt ihr mit dem Schultheißen gesprochen? mit dem Vater?

– Der Vater macht nur das, was ich will.

– Wann soll ich kommen?

– Na, wenn schon, – heute noch.

Jasiek kehrt zurück zur Sägemühle, um sich beim Gonsiorek zu bedanken, und Maryna setzt sich auf die Schwelle und singt:

»Muß nach diesem gehen, muß nach jenem sehen,
Janicek, o könnt ich endlich dich erspähen . . .

Liebe, meine Liebe, Liebe dir sei Schande,
Schmiede, legt mein Herz in Ketten und in Bande . . .

Liebe Schwalbe, baue Nest im Almverhaue
Schwalbe, daß von dir mein Herzchen Trost erschaue.«

Nimmer auf der Alme wird die Schwalbe nisten –
Hier im Herzen bleibet Gram zu allen Fristen . . .

Diese Weise folgt dem Jasiek so traurig, so wohlklingend, sie floß herab wie schmeidige Birkenzweige, schimmernd wie Spinnweben im Herbst, und rauschten über die Seele Jasieks und umschlangen sie, daß ihm das Blut aus den Händen und Füßen in das Herz zusammenströmte. So klangen hinter ihm Marynas Gesänge.

»Am Hollunder hingen rote Blutkorallen – –
Liebe mich, mein Knabe, liebe mich vor allen . . .«

Frost ließ vom Hollunder alles rot verbleichen,
Du doch Knabe, nimmer sollst du von mir weichen . . .

flog es ihm nach.

* * *

– Auffressen wird dich das Mädel, – sagte der alte Gonsiorek zu Jasiek, als er ihm den Lohn auszahlte.

– Mag sie mich fressen! – antwortete dieser. – Wißt ihr, wie der JanosikDer berühmteste authentische Tatraräuber, zu Ende des XVIII. Jahrhunderts in Lipto-St. Miklos gehenkt. gesagt hat, als man ihn folterte und er gehenkt werden sollte: ›Wenn ihr mich schon gebraten habt, so freßt mich denn auch auf!‹

Und eine seltsame Zeit brach für ihn an.

Maryna geht wie eine Königin in der Wirtschaft und in der Mühle aus und ein, und er geht um sie herum, wie um eine Königin. Niemals ein Wort, gar nichts. Jasiek verdorrt, er kann nicht essen, er kann nicht schlafen, er quält sich, es scheint ihm, daß wenn er nur ihren Rock faßte, er ihn heiraten würde – aber immer nichts. Nur ihre Augen glänzen wie glühende Sterne, nur die Brust will ihr im Mieder das Hemd sprengen, nur die Hüften wiegen sich wie die Wellen im Bach. Jasiek verliert die Macht über sich, es ist ihm, als hätte ihn eine Krankheit übermannt.

Aber er hatte so wenig Mut, daß er es nicht über sich bringen kann, ihr auch nur einen Schritt näher zu kommen. Alles blieb ihm in Brust und Kehle stecken. Da kommt ihm plötzlich eines Morgens der Gedanke: Was soll ich mich denn da quälen! Ich laß das alles und geh' zum Teufel! Und dieser Gedanke wurde zum Entschluß.

Nun ereignete es sich, daß während des Mittagessens zu den Kruzels ein Kind kam, ein kleiner dreijähriger Junge der Filomena Komperda, einer Verwandten der seligen Schultheißin.

– Wonach kommst du? – fragt ihn der alte Kruzel.

– Um Äpfel, – sagt das Kind.

– Und hast du mich gern?

– Ja, ich hab' euch gern.

– Und dieses Mädchen, hast du es gern? – fragt ihn der Schultheiß, auf Maryna weisend. Und der Bub antwortet:

– Nein, die hab' ich nicht gern.

– Du hast mich nicht gern? – fragt Maryna.

– Nein, ich mag dich nicht.

– Auch nicht ein bißchen? auch nicht ein kleines bißchen?

– Nein, ich hab' dich nicht gern.

– Auch nicht so ein bißchen? – und sie zeigt dem Buben die Fingerspitze und lächelt und spricht mit so schöner, so süßer Stimme, daß es Jasiek vorkam, als neigten sich die Fuchsien auf dem Fenster mit den Blüten zu ihr hin, um ihr zu lauschen.

Auch nicht so ein bißchen?

Das Kind denkt nach und sagt: – Ja, so ein bißchen.

Und Marynas Augen glühen wie die stillen Sterne nach Sonnenuntergang.

Und Jasiek, der Musikant, blieb bei des Schultheiß' Pferden.

* * *

Einmal ereignete es sich wiederum, daß der Müllerbursch krank wurde, und Jasiek ihn vertrat. Es war etwas am Rad verdorben – sie bessern es beide aus, Maryna und er. Jasiek fühlt auf seinem Rücken ihre gewölbte Brust, er fühlt ihren heißen Atem auf seinem Hals, fühlt sie ganz über sich gebeugt. Er denkt sich: »Ich halt's nicht aus, mag kommen, was will! Ich wend' mich rasch um, pack' sie wenigstens einmal und küsse sie auf das rosige Mündchen, wenigstens einmal, und drücke sie wenigstens einmal an mich . . .«

Aber es gebrach ihm an Mut . . . Er war halt so: das erste beste Mädchen umfaßte er ohne zu fragen, aber was ihm gefiel, das raubte ihm jede Kraft.

Und so standen sie lange nahe beisammen; ihm zitterten die Hände bei der Arbeit am Rad, und ihre locker geflochtenen Haare ergossen sich über seinen Kopf und irrten auf seinem Hals. Aber so oft er bei sich dachte: »Mag geschehen, was will! ich wend' mich um!« so oft gebrach es ihm an Atem in der Brust und an Mut im Herzen.

Das Rad war fertig. Jasiek war es, als hätte Maryna ihn so seltsam angesehen, bevor sie hinaustrat.

»Ej! wenn du nicht diese wärest!« dachte er, seine Lippen beißend. »Nicht so schön, nicht so stolz, nicht so reich! . . . Ej, wenn du nicht so wärst! . . .«

Ej, wenn sie nicht so wäre . . . Wenn sie wenigstens nur so schön, so stolz wär', aber nicht so reich . . .

Was wird sie vor allem denken: daß diese fünfzig Morgen Acker, diese fünf Morgen Wald, diese Kühe, diese Pferde, diese Schafe, diese Mühle ihn noch mehr anziehen, als sie. Und dann würde sie ihn so anschauen, daß er es nicht ertrüge . . .

Recht hatte der alte Schymek Tyrala, daß diese Musikanten so ein ganz anderes Volk sind, daß wenn auch manche gescheit darunter, der, der einen Stuß hat, schon gleich ein ganzer Teufel ist – denn natürlich würde doch einer, der eine solche Maryna heiraten wollte, vor allem an ihren Besitz denken und erst nachher an ihre Schönheit, und niemand würde sich darüber wundern, auch sie selbst nicht. Aber Jasiek war einer von denen, die nicht gescheit sind.

»Ein solches Mädchen!« denkt er. »Selbst Herr Jozio TetmajerJoseph Przerwa-Tetmajer aus Ludzimierz. Gab einen Band Gedichte im Jahre 1828 heraus. vom Gutshof zu Ludzimierz, der, der die Verse schreibt, könnten sie nehmen, und gewiß würden ihm sein Vater, der alte Gutsherr, Herr Wojciech,Adalbert. der immer mit der rechten Hand über den Kopf streicht und die linke hinter den Gürtel über dem KontuszEhemalige Nationaltracht der polnischen Edelleute. steckt, nichts sagen . . . Wenn sie arm wäre . . . Aber so . . .«

Hätte jemand, sei es Mann oder Frau, ihm zuhören können, wie er so nachdachte, da hätten sie ihm gesagt: »Du bist doch wirklich dumm, wie ein Bock!«

Bald darauf verheiratete Jendrzej Kruzel, der Onkelsonkel Marynas, seine Tochter.

Jasiek spielt bei der Hochzeit auf, neben ihm der zweite Geiger und der Bassist. Die Mädchen wie Rehe, wie Blumen, aber – wo reichen denn die an Maryna heran!

Jasiek spielt und er sieht nichts, nur sie.

Zu dieser Hochzeit war Maticek, der Sohn des früheren Schultheißen von Rogoznik, Bartlomiej Fit gekommen. Er war soeben vom Militär zurückgekehrt, von den Ulanen, hatte die Konfederatka auf dem Kopf und die grüne Ulanka an; er war ein hübscher Bursch, flink, kräftig und nicht arm. Wenn er tanzte, im schnelleren Rogozniker Takt die Fersen zusammenschlug, da schienen Funken zu stieben, obzwar er Kyrpce trug.

Er holte Maryna zur Polka – ej! wie sie dahinflogen! Er war in Wien gewesen, in Preßburg, in Olmütz, und dort hatte er mit österreichischen Schatzerln und mit den böhmischen Holki tanzen gelernt. Maryna glüht, und er umschlingt sie in der Mitte, drückt sie an sich und schwebt mit ihr gleichsam in der Luft. Und auch Jasiek glüht.

Man rief zum Essen. Es war späte Nacht. Jasiek trat hinaus, um aufzuatmen, denn er war vom Spielen ermüdet, aber das war das geringste – das Herz war's, das ihm springen wollte, vor Leid, vor Eifersucht, vor Schmerz und Zorn. Er, er spielte an der Wand, daß die Roßhaare vom Bogen flogen, und der da drückte sie an die Brust, der da trug sie, der da preßte sie an sich! Ej, tausend Teufel! Er geht an einem kleinen Schuppen vorbei und hört hinter der Wand ein Flüstern:

»Du mußt!« Das sagte ein Mann.

Eine zweite Stimme antwortet auch flüsternd: »Ich muß nicht!«

Und das war eine Frauenstimme.

»Du mußt!«

»Ich muß nicht!«

»Du mußt! . . .«

Jasiek lächelt, geht weiter, schlendert eine halbe Stunde durch das Feld und kehrt zur Hochzeit zurück. Er blickt nach allen Seiten um: weder Maryna, noch Maticek sind da. Kalt und warm läuft es ihm über den Rücken. Er fliegt zum Flur hinaus, greift nach einem Stein unter den Füßen und preßt ihn in der Hand – da stößt er auf Maryna.

Er erkannte sie im Licht, das aus den Fenstern fiel.

– Wo warst du? – fragt er sie und verstellt ihr den Weg.

Maryna erbebt, bleibt stehen, dann will sie weitergehen und antwortet nicht.

Aber Jasiek trat nicht mehr zurück. Er ergreift sie bei der Hand, drückt sie heftig in der seinen, stiert sie an:

– Wo warst du?! Rede!

Maryna macht eine zornige Bewegung, zieht die Brauen zusammen, daß sie sich auf der Stirn aneinanderlegen, läßt aber dann die Hand ruhig in der seinen und sagt sanft und mild: – Laß mich doch, Jasicek, was ist dir geschehen? was verstellst du mir so den Weg wie ein Räuber, und ich weiß doch, daß du mich gern hast. Na, so will ich dir sagen, wo ich war. Ich war zu Hause, um andere Schuhe anzuziehen, denn die neuen haben mich gedrückt.

– Und du warst nicht im Schuppen?

– In welchem Schuppen?!

– In dem dort, am Obstgarten.

– Vom Onkel?

– Ja!

– Nein.

Sie kniff die Lippen zusammen und zog wieder die Augenbrauen aneinander. Jasiek fürchtete, sie zu erzürnen. Ohne ein Wort zu sagen, ließ er sie los. Sie traten ins Zimmer; sie voraus, er hinter ihr.

Er saß schon an der Wand, er spielte schon, als er Maryna wiederum im Gedränge erblickte. Sie war blaß, sie tanzte nicht.

– Warum tanzest du nicht? – fragt er sie, als sie sich in seiner Nähe aufstellte.

– Der Fuß schmerzt mich! er ist aufgedrückt.

Und Maticek wirft ihm dann drei Sechser hin und singt:

Mädchen, komme, komm hervor aus den Verstecken,
Kannst du noch so gut wie gestern Burschen necken?

Und er tanzt mit der Braut.

Jasiek spielt, daß die Saiten kreischen, der da singt und Maryna tanzt nicht, blaß lehnt sie an der Wand – – Jasiek will die Geige zu Boden schleudern, aufspringen, den Maticek an der Gurgel packen – aber er singt ja vielleicht nur so, vielleicht waren sie es gar nicht . . . so viele Mädchen sind bei der Hochzeit, so viele Burschen, so viele sind ihrer während des Nachtessens ums Haus auseinandergelaufen –. Und in seinen Ohren, in seinem Herzen tönt und klingt ihre Stimme: »Ich weiß doch, daß du mich gern hast . . . Ich war zu Haus, um andere Schuhe anzuziehen . . . Jasicek . . .«

* * *

Und vier Wochen waren noch nicht vergangen, da sollte die Hochzeit des Maticek mit der Schultheiß-Maryna gefeiert werden. Jasiek wollte alles zum Teufel hauen, fortlaufen, aber Maryna sagt immer einschmeichelnder zu ihm: »Du wirst mir doch, Jasiek, bei der Hochzeit aufspielen . . . Du wirst mir doch, Jasiek, bei der Hochzeit aufspielen . . .« Und er blieb.

Maticek kam tagtäglich zu den Kruzels, immer lustig, immer lachend, immer froh. Einmal, als Maryna beim Abendessen dem Vater frech antwortete, sagt er ihr: – Weißt du, Maryna, das merk' dir: wenn du mir einmal eine solche Antwort gäbest, dann würde ich dich dort, wo sich's gehört, so durchprügeln, daß du dich drei Tage lang nicht niedersetzen könntest!

Marynas Augen funkelten auf – Sauerkraut stand am Tisch – sie hebt die Hand mit dem Löffel und sagt: – Ej! wenn ich dir jetzt sofort einen Schlag übers Maul gäbe!

Aber Maticek ballt die Faust und sagt: – Schlag' nur! – Sie sahen sich eine Weile in die Augen – Maryna ließ den Kopf sinken und – aß weiter. Der alte Kruzel aber, der Schultheiß, sagt: – So ist's recht, heiliger Vater! Wenn das Weib auf dich mit dem Rechen losgeht, dann geh' du auf sie mit Dreschflegeln, wenn das Weib mit dem Messer kommt, dann nimm du die Sense. So gehört sich's, heiliger Vater! – denn dieses Sprichwort hatte er.

Und in Jasiek wollte das Herz sterben.

Am Abend geht er durchs Dorf, und Maryna sitzt auf einem Klotz neben dem Stall und weint.

– Warum weinst du denn, Maryna? – fragt er voll Rührung und Angst, denn es war das erste Mal, daß er sie weinen sah.

– Weil er mich schlagen wird.

– Wer?

– Der Maticek.

– So heirat' ihn nicht!

– Wie denn? er will's!

– Da kannst ja du nicht wollen.

– Ich kann nicht.

– Hast du dich in ihn verliebt?

– Nein – aber ich bin wie verzaubert.

– Du?!

– Ja . . .

Sie schweigen.

– Warst du damals im Schuppen? bei der Hochzeit?

– Ich . . .

Jasiek ließ sich schwer neben ihr nieder.

– Ich hab's gewußt, später, ich hab's gefühlt, daß du's warst . . .

Maryna weint.

– Maryna, höre, – sagt Jasiek nach einer Weile, – warum hast du mich hier in den Dienst verpflichtet?

– Weil du mir gefallen hast.

– Ich?!

– Du.

– Wozu sagst du mir denn das – jetzt?! süßester Herr Jesus!

– Du hast mir gefallen . . . wegen des Ruhmes, den du in der Welt hattest. Sie haben so viel von dir gesprochen.

– Und jetzt?

– Und jetzt . . . Nichts! Es ist vorüber.

– Vorüber?!

– Für immer.

– Warum?! weshalb?! . . .

– Weil du jetzt für mich so bist, wie nichts.

– Warum? Ich würde dir doch zu Füßen liegen, ich wäre dir treu wie ein Hund! ich würde zu dir emporsehen, wie zu einem Stern . . .

– Das gefällt mir auch nicht an dir – du bist zu weich.

– Der dort taugt dir besser, der dich schlagen wird?

– Aber er ist ein Mann.

Jasiek Ludzmircyk fuhr sich mit beiden Händen ins Haar.

– Maryna! es wäre besser, du hättest mir's nicht gesagt . . . Heilige Wunden Christi! – und er wiegt seinen unglückseligen Kopf hin und her, und verzweiflungsvolles Leid überfällt ihn.

Sie aber wiederholt: – Du warst zu schwach. Warum hast du mich nicht gepackt, warum hast du mich nicht bei der Kehle gewürgt, so wie er? Jetzt bin ich wie verzaubert . . .

– Hej! so war's nötig! – sagt Jasiek, der Musikant, zu sich. – Hej! so war's nötig! . . . Und ich, ich wußte es nicht . . .

Und er schlägt mit dem Kopf gegen seine Knie.

– Wenn du mich damals noch, als ich aus dem Schuppen kam, nicht so ohne weiteres gelassen hättest. Wenn du mir damals nicht geglaubt hättest, wenn du mich an die Wand gestemmt, wenn du mich geprügelt hättest! Aber du hast mich sofort freigelassen, kaum daß ich dir ein Wort gesagt . . . Ej! was ist denn das für ein Mann?! dachte ich mir, – sagt Maryna.

– Dich schlagen?! Du wußtest doch, daß ich dich so gern hab', wie mein eigenes Leben! Noch mehr!

– Ich wußte es nicht! Ich dachte mir: Gern haben, ja, aber, wenn er mich liebte, würde er sich doch an mich machen! Und ich bin nicht so, daß ich die Erste gegen jemanden die Finger ausstreckte. – Und Maryna erhob stolz ihren prachtvollen Kopf.

Jasiek wiegte sich im Schmerz: – Hej! so also war's nötig! – ächzte er. – Hej! so also war's nötig! . . . Und ich wußte es nicht . . . Und jetzt, was?

Plötzlich sprang er auf:

– Und wenn ich ihn erschlüge?!

Aber Maryna darauf:

– Da würde man dich einsperren, und wenn auch nicht, ich würde dich auch so niemals heiraten. Eine weiche Seele steckt in dir, eine Kindesseele, aber keine Mannesseele.

– Ich hab' zu dir aufgeschaut, wie zu einer Königin . . .

– Und er hat mich wie ein Knecht gepackt . . .

Jasiek schüttelte den Kopf.

– Hej, Maryna! – sagt er nach einer Weile, – auch ich hab' eine Menge Dirnen gepackt. Du aber warst mir zu schön, zu schön, und hundertfach lieb . . .

– Ein seltsames Herz in dir . . .

– Ein seltsames. Was wird jetzt mit uns sein?

– Nichts. Ich hab' schon den Willen zu dir verloren. Du bist zu schwach.

Jasiek erhob sich.

– Lebwohl!

– Oh nein! Du mußt mir bei der Hochzeit aufspielen.

– Um nichts in der Welt!

– Jasiek! Du hast mich doch gern . . . Du wirst mir spielen. Tu' mir das nicht an!

Und Jasiek blieb und spielte.

Er spielte drei Tage und drei Nächte, denn eine solche Hochzeit hatte der alte Kruzel für seine reiche Tochter gerüstet. Er spielte so, daß ihm die Saiten nicht kreischten, sondern sprangen, und daß ein ganzer neuer Bogen in Fetzen ging. Er spielte so, daß ihm die Haut von den Fingern fiel und die Fersen von dem Zustampfen anschwollen und von den Haaren drei Tage und drei Nächte das Wasser troff. Er spielte so, daß die Leute sich wunderten, und ihm selber schien, daß seine Seele in die Geige übergegangen wäre, und daß er sie mit dem Bogen peitscht, peitscht und peitscht und ihr zuruft: Zu weich! zu weich! . . . Eine Kindesseele, aber keine Mannesseele! . . .

Drei Tage und drei Nächte, solange die Hochzeit Marynas währte, nahm er nichts zu sich, als Wein und Schnaps. Er trank und spielte.

Als dreimal vierundzwanzig Stunden vorüber waren, fanden diese Hochzeit und dieses Spiel Jasieks gegen Morgengrauen ihr Ende.

Er nahm von niemand Abschied, er wollte niemand mehr sehen, er ließ seine Sachen wie sie waren, und wie er ging und stand, nur die Fidel unterm Arm, verließ er Rogoznik.

Er traf den alten Gonsiorek, wie er neue Stangen in seinen Zaun steckte. Der war auch bei der Hochzeit gewesen, aber kurz, denn er war froh, daß seine Malgorzata dort blieb, und daß er ohne sie zu Hause ausruhen konnte.

Jasiek sprach ihn nicht einmal an, er wollte an ihm vorübergehen, aber der alte Gonsiorek legte ihm die Hand auf den Arm.

– Du grüßest mich nicht einmal, mich, den Alten? Sagst nicht einmal ein ›Gelobt sei . . .?‹ Wohin gehst du denn?

– In die Welt!

– In die Welt? Von wegen der Hochzeit? Hab' ich dir's nicht gesagt: Sieh dich vor, sonst frißt sie dich auf. Und sie hat dich aufgefressen.

– Bleibt mit Gott!

– Gott geleite dich. Hej! weißt du, dieses Höllenmädel hat dich doch gefressen. Aber der Maticek wird sich schon Rat schaffen mit ihr. Ich hab' mir ihn gut angeschaut. Ein Mordskerl. Für so eine ist der Hosenriemen nötig, nicht Fidelsaiten und Bogen. Du bist weich.

– Bleibt mit Gott.

– Mit Gott. Sei nicht traurig. Vielleicht hat dich auch Herr Jesus behütet, denn du wärest hier bei ihr zu Grund gegangen.

Jasiek war bereits auf der Landstraße, und der alte Gonsiorek brummte noch: »Ganz verrückt werden kann ein Mensch wegen eines Weibes. Und das schien doch ein tüchtiger Bursch bei der Sache und geschickt zu allem, zur Sägemühle und zu den Pferden und zur Mahlmühle, und spielen, das konnte er schon bis auf den Grund. Und das hat ihn so auf den Hund gebracht . . . Liebe . . . Hm . . . Ist das der Kopf, ist das das Bein, oder etwas anderes, oder alles zusammen . . . Aber wenn du's erwischen tätest, dann würdest du's aufessen . . . Hm . . . Ej, wenn ich noch zwanzig Jahre zurückbekäme . . .«

Jasiek Ludzmircyk ging durch die Wälder und über die Berge gegen Ungarn hin und sprach zu sich: »Ej, wie dumm! ej, wie dumm! Hättest du dich nicht damals in der Mühle umdrehen sollen?! hättest du das nicht viele Male tun können?! Sie hat doch selbst gewartet, sie wollte doch selbst . . .

»Wie dumm! wie dumm! . . . Was für eine Seele steckt denn in mir?! Weiß Gott, ich wunder' mich selber! Was ich nicht will, das geht mir in die Hand, und was ich haben möcht', das ist nicht mein, und was mein hätt' sein wollen, das versteh' ich nicht zu packen . . . Bin ich denn verhext? Die Marysia Chocholowska konnte ich nicht gewinnen, wegen ihr hab' ich mich ordentlich abgehärmt; und diese hätt' ich kriegen können – und ich hab's verpaßt. Hej! hat mich doch nicht etwa die Geige behext?! Führt nicht sie mich, wo ich nicht hingehör', und die Seele hat sie mir weich gemacht, daß mir dieses Mädchen sagt: »Du hast keine Mannesseele, du hast eine Kinderseele! . . .

»Kein Glück, kein Glück hab' ich mit ihr! Hej! war sie es vielleicht, die mich behext hat? . . . Und wäre nicht die Fidel, so hätte sie mich nicht zu den Pferden aufgenommen. Sie haben von mir gesprochen . . . das war's! . . .«

Und ein furchtbarer Zorn packte ihn gegen die Geige, daß er die Hand, in der er sie hielt, hoch erhob und sie an einem Baumstamm zertrümmern wollte – aber da fiel ihm ein, daß sie sein alles und alles und einziges ist, was er auf der Welt hat . . . daß nichts mehr sein ist . . . nichts, nur diese Geige, und der Ruhm, den sie ihm gibt auf der Welt . . .

Und er spielte, aber nicht seine eigene Weise, auch keine andere traurige, sondern er fuhr mit dem Bogen über die Saiten, daß sie alle auf einmal erklangen, und kräftig brauste der Marsch von Czarny Dunajec auf:

Hej! ich geh im Forst – die Feder glänzt am Hut,
Hej! ich geh – die Erde dröhnt, wenn ich mich spute;
Schwing ich hoch das Beil – da strömt rotblutge Flut,
Heb ich meine Axt – die Gründe sind rot vom Blute!

So spielend ging er gen Ungarn: die Leute hörten nichts mehr von ihm. Die einen sagten, daß er sich zu der Zigeunerbande geschlagen, die ihn einmal anwerben wollte; andere, daß er sich in der Waag ertränkt habe; andere wieder, daß er sich dem Trunke ergeben und gestorben, und noch andere behaupteten, daß er sich dort weit in den Siebenbürgischen Bergen Räubern angeschlossen hätte. Niemand wußte etwas Gewisses. Nur sein Ruhm blieb in der Welt, und das Liedchen:

»Janicek sein Ruf ertönt in aller Munde,
Janicek verdarb, sein Ruf geht nie zu Grunde . . .«

 


 

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