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Kazimierz Przerwa-Tetmajer: Aus der Tatra - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
authorKazimierz Przerwa-Tetmajer
titleAus der Tatra
publisherDr. J. Marchlewski & Co.
year1903
translatorJ. von Immendorf
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150210
modified20170703
projectid47a37cbb
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Aus dem Vorwort zur polnischen Ausgabe

Meine Erzählungen »Aus der Tatra« sind weder eine Wiederholung originaler Goralenerzählungen, noch Variationen auf deren Thema; sie sind ausschließlich von meiner Einbildungskraft gesponnen.

Meine künstlerische Idee war, daß die von mir geschaffenen und geschilderten Vorgänge so aussehen möchten, als hätten sie in Wirklichkeit stattgefunden und als würden sie von Bauern erzählt. Wegweiser hatte ich zwei: einen, daß ich unter Tatra-Goralen geboren und erzogen bin; den zweiten: ihre Lieder, deren ich wohl ein ganzes Tausend kenne. In den Liedern spricht sich die Seele des Volkes am kräftigsten aus. Sie handeln von Räuberei, vom Hirtenwesen, Kriegsdienst, Geld, von Schlägereien, Blut, Mord, Verrat, Trunksucht, Zorn, Leidenschaft, von Liebe, Sehnsucht, Freiheit, Mannhaftigkeit, Tüchtigkeit, Leiden, Trauer, von der Vergangenheit und unzähligen Vorfällen und Ereignissen des alltäglichen und nichtalltäglichen Lebens, aber sie sprechen nirgends von etwas, dem gegenüber die Poesie nicht das Ziel, sondern nur das Mittel wäre.

Ich könnte hier als Motto Goethes geniales Wort anführen:

Wer den Dichter will verstehen,
Muß in Dichters Lande gehen . . .

Meine Erzählungen sind aus vergangenen Zeiten, einige fünfzig oder hundert und noch mehr Jahre her – aus jener Epoche, in welcher die heute noch gesungenen älteren Lieder entstehen konnten, die sich leicht von den neuen unterscheiden lassen (vor allem, weil diese im allgemeinen mißlungen und ohne Charakter sind). Es gab eine Epoche, von der man singt:

»Vermodert die Ahorne und Zirbelbaumwälder,
Wo sind hingekommen die Altväter-Zeiten . . .«

oder

»unsre guten Zeiten . . .«

Ahorne gibt es nur noch sehr wenig, die Wälder der Cembraföhren liegen seit langem in Moder und Staub. Nur die Erinnerung an sie ist geblieben.

Zakopane, den 2. Dezember 1902.

 

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