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Aus dem Märchenbuch der Wahrheit

Fritz Mauthner: Aus dem Märchenbuch der Wahrheit - Kapitel 75
Quellenangabe
typefiction
authorFritz Mauthner
booktitleDer letzte Tod des Gautama Buddha, Aus dem Märchenbuch der Wahrheit
titleAus dem Märchenbuch der Wahrheit
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1919
firstpub1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070417
projectidfd68f955
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Der Bravo

Ein Jüngling war Mann geworden und sah Feinde ringsum.

In einer dunkeln Mitternacht winkte er darum den Bravo herauf, der gegenüber an der Ecke vom Abend bis zum Morgen auf ein Geschäft zu lauern pflegte, einen Dienstmann. Eine rote Mütze trug er und eine rote Nelke steckte in seinem Knopfloch.

»Sie befehlen, Eccellenza?«

»Du sollst mich von meinen Feinden befreien.«

»Mit Vergnügen, Eccellenza.«

»Wann wird's geschehen sein?«

»Zur richtigen Zeit für Eccellenza. Übrigens, was kriege ich dafür?«

»Ich will im Jenseits dein Knecht sein.«

»Geben Sie mir lieber hier ein Glas Branntwein. Schön! Und Ihre Feinde?«

Der Jüngling, der Mann geworden war, nannte die Namen, Männer und Frauen seines Umgangs. Endlich wurde er blaß und flüsterte dem Bravo die beiden letzten Namen ins Ohr.

Der Bravo trank seinen Branntwein und sagte: »Ich werde Eccellenza von allen Feinden befreien.«

Der Mann wirkte weiter und wartete. Von Zeit zu Zeit starb wohl einer seiner Feinde, aber für jeden Toten standen zwei Lebende auf. Und so oft er herausblickte, stand drüben an der Ecke der Bravo mit der roten Mütze, als lauerte er auf ein neues Geschäft.

Immer älter wurde der Mann und immer dichter scharten sich die Feinde. Eines Tages trat der Bravo wieder vor ihn und hielt ihm die rote Nelke vor die Nase. Den Tod sog er ein mit ihrem Duft.

»Du bringst ja mich um!«

»Freilich, Eccellenza. Ich habe Ihnen ja versprochen, Sie von Ihren Feinden zu befreien. Es ist ja ganz gleichgültig, wer von beiden Platz macht, Eccellenza oder die Feinde.«

»Du bist von ihnen bestochen?«

»Sissignore, von jedem einzeln, wie von Ihnen. Von jedem gegen alle. Aber ehrlich, ist Ihnen nicht schon etwas wohler?«

»Ich... glaube wirklich ... ich ... von allen Feinden... befreit... Dank.«

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