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Aus dem Märchenbuch der Wahrheit

Fritz Mauthner: Aus dem Märchenbuch der Wahrheit - Kapitel 62
Quellenangabe
typefiction
authorFritz Mauthner
booktitleDer letzte Tod des Gautama Buddha, Aus dem Märchenbuch der Wahrheit
titleAus dem Märchenbuch der Wahrheit
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1919
firstpub1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070417
projectidfd68f955
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Der Buchweizen und die Rechenmeister

Das Volk hatte nicht genug Buchweizengrütze. Als es immer lauter nach Grütze schrie, bestellte die Regierung einen gelehrten Rechenmeister, der herausbringen sollte, auf welchem Boden Buchweizen am besten gedeihe. Der Meister erhielt einen Gehalt, eine Frau, drei Assistenten, ein Laboratorium und eine Bibliothek. Nach langen Mühen und Versuchen brachte er endlich heraus, daß Buchweizen am besten in einem Boden gedeihe, der aus der und der Mischung von Lehm, Sand und seinen Nitraten bestehe. Er veröffentlichte diese Entdeckung, und das Volk freute sich.

Bald stellte es sich aber heraus, daß das Volk nicht wußte, welcher Boden aus der und der Mischung bestehe. Da gab die Regierung einem anderen Rechenmeister einen Gehalt, eine Frau, drei Assistenten, ein Laboratorium und eine Bibliothek, und dazu den Auftrag, herauszubekommen, woran man einen Boden von der und der Mischung erkenne. Der treffliche Gelehrte studierte zuerst mit der Retorte und dem Mikroskop, dann erst entschloß er sich, Experimente mit dem Aussäen von Buchweizen anzustellen. Sie glückten. Nach langen Mühen und Versuchen brachte er es heraus, daß man einen Boden von der und der Mischung daran erkenne, daß Buchweizen darin am besten gedeihe. Er veröffentlichte diese Entdeckung, und das Volk freute sich.

Viele Jahre später kam ein schlechter und sparsamer Mann an die Spitze der Regierung. Da beide Rechenmeister eben gestorben waren, gab der neue Minister eine Frau, drei Assistenten, ein Laboratorium und eine Bibliothek an das Nachbarvolk ab, steckte einen Gehalt in den Staatssäckel und betraute einen dritten Gelehrten mit beiden Wissenschaften.

Schleunig bekam dieser eine Gelehrte Kopfschmerzen und dachte nach, wie er die beiden Entdeckungen vereinigen könnte. Eines Tages, als er es vor Kopfschmerz nicht mehr aushalten konnte, fiel es ihm ein. Wo Buchweizen am besten gedeiht, da ist der und der Boden; wo der und der Boden ist, da gedeiht Buchweizen am besten. Alle drei Assistenten sprangen von ihren Arbeitsstühlen auf, als sie den logischen Schluß vernahmen: Also gedeiht Buchweizen dort am besten, wo Buchweizen am besten gedeiht.

Uneigennützig überließ der treffliche Rechenmeister seine Entdeckung den drei Assistenten und seiner Witwe. Denn er hängte sich auf.

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