Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Fritz Mauthner >

Aus dem Märchenbuch der Wahrheit

Fritz Mauthner: Aus dem Märchenbuch der Wahrheit - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
authorFritz Mauthner
booktitleDer letzte Tod des Gautama Buddha, Aus dem Märchenbuch der Wahrheit
titleAus dem Märchenbuch der Wahrheit
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1919
firstpub1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070417
projectidfd68f955
Schließen

Navigation:

Der Gummiwarenfabrikant

Er war ein alter Gummiwarenfabrikant und hatte eine schöne Frau und einen jungen Zeichner. Der junge Zeichner fertigte Modelle an für Gummihunde, Gummielefanten und Gummiaffen, und die schöne Frau gebar einen schönen Sohn.

Da war der Gummiwarenfabrikant von Herzen froh und beschloß, seinem Erben eine gute Erziehung zuteil werden zu lassen, damit er dereinst die Gummifabrik zu großer Blüte bringen und die Konkurrenz vernichten könnte. Glücklicherweise zeigte der Sohn, er wurde Alf genannt, auch noch Talent zum Zeichnen und Malen. Das wurde ausgebildet, denn der Gummiwarenfabrikant wollte dereinst den Zeichner entlassen, weil der immer frecher und anspruchsvoller wurde. Auch redeten die Leute mancherlei.

Alf war ein geweckter Junge, aber er nahm lieber Vogelnester aus, als daß er Lesen und Schreiben lernte; da prügelte ihn der Gummiwarenfabrikant mit der Rute so lange, bis Alf regelmäßig zur Schule ging. Alf hatte keine Freude an den lateinischen und griechischen Vokabeln, der Gummiwarenfabrikant schlug ihn so lange mit dem Stocke, bis Alf der Erste in der Klasse war. Als Alf mit der Schule fertig war, wollte er ein Maler werden; der Gummiwarenfabrikant gab ihm aber keinen Pfennig und blieb dabei, ihn verhungern zu lassen, wenn Alf etwas anderes malte als Hunde, Affen und Elefanten für die Gummifabrik. Alf mochte noch nicht verhungern und trat in die Dienste des Vaters.

Zur Belohnung wollte der Vater sein Glück und verlobte ihn mit der Tochter einer großen Schäftefabrik. Alf war aber schon fünfundzwanzig Jahre alt und fürchtete sich nicht mehr vor dem Verhungern. Er verließ das väterliche Haus und wurde nacheinander ein Lump, ein Bettler und ein berühmter Maler. Als er ein Lump war, hatte er Freunde. Als er ein Bettler wurde, nahm sich der ehemalige Zeichner des Vaters seiner an.

Als er aber berühmt geworden war, da verzieh ihm sein Vater und stellte in einem besonderen Saale der Gummifabrik Alfs Hunde, Affen und Elefanten aus.

Jetzt ist der Gummiwarenfabrikant schon lange tot, auch die Frau und der Zeichner sind längst gestorben, und der berühmte Maler Alf lebt auch nicht mehr. Nach Alfs Tode wurden viele Bücher über ihn geschrieben.

Der gelehrteste Alfkenner aber bereitet eben ein besonderes Werk vor über Alfs Vater, den Gummiwarenfabrikanten. Die Darstellung wird auf dem Prinzip der Vererbung beruhen. Der Alfkenner sammelt noch an den Materialien, und wenn der geehrte Leser den alten Gummiwarenfabrikanten gekannt hat, so wird er den Alfkenner mit jeder biographischen Mitteilung über des Künstlers Vater zu Dank verpflichten.

 << Kapitel 43  Kapitel 45 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.