Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Fritz Mauthner >

Aus dem Märchenbuch der Wahrheit

Fritz Mauthner: Aus dem Märchenbuch der Wahrheit - Kapitel 33
Quellenangabe
typefiction
authorFritz Mauthner
booktitleDer letzte Tod des Gautama Buddha, Aus dem Märchenbuch der Wahrheit
titleAus dem Märchenbuch der Wahrheit
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1919
firstpub1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070417
projectidfd68f955
Schließen

Navigation:

Draht und Peitsche

Ein eifriger junger Missionar ging nach Afrika, um dort im dicksten Innern am Ufer des Rufizi in seinem Beruf tätig zu sein. Vor seiner Abreise besuchte er einen berühmten Afrikareisenden. Der wohnte seit zehn Jahren in der Berliner Friedrichstraße nicht weit vom afrikanischen Bahnhof, ganz bequem.

Der Missionar hatte einen Frack angezogen und wurde freundlich empfangen. Er fragte dies und das, erhielt ordentliche Auskunft und machte sich kurze Notizen.

Endlich sagte er noch:

»Herr Doktor, in welcher Münze bezahle ich denn, was ich von den guten Schwarzen käuflich erstehe an Tand des irdischen Lebens?«

»Mit der Peitsche, hochwürdigster Herr. Sie kaufen sich in Bremen eine Peitsche von Nilpferdleder. Ein Hieb ist etwa so viel wert wie ein Taler. Handelt es sich um Groschen, so brauchen Sie nur zu drohen.«

»Ich danke, Herr Doktor. Und was für Götter haben denn die Schwarzen am Rufizi gern?«

»Messingdraht, hochwürdiger Herr. Nehmen Sie ein paar Lasten Messingdraht mit. Daraus machen die Schwarzen des Rufizi sehr geschickt Armspangen, Ohrringe, Haarnadeln und andere Götter.«

Der Missionar kaufte alles ein, wie ihm geraten worden, und reiste nach dem dicksten Afrika. Kurz bevor er dort anlangte, erkrankte er an einem heftigen Fieber, das ihn aber nicht umbrachte; denn er war ein frommer Missionar. Sein Gedächtnis nur wurde schlecht durch das Fieber, und so verwechselte er auch nach seiner Genesung die wichtigsten Dinge. Ja sogar das Geld und die Götter der Schwarzen verwechselte er miteinander. Am Ufer des Rufizi gab er den guten Schwarzen Messingdraht, wenn sie Bezahlung haben wollten, und Peitschenhiebe gab er für die Götter aus, die er mitgebracht hätte. Die Schwarzen waren glücklich über sein prächtiges Geld und waren zufrieden mit seinen Göttern. Götter waren schon früher Nilpferdleder gewesen. Darin schien der weiße Mann sich von den schwarzen Medizinmännern nicht zu unterscheiden. Und der vergeßliche Missionar kam in den Ruf, der gütigste weiße Mann im Innern Afrikas zu sein.

Erst nach vielen Jahren, als der Missionar nach Hause zurückgekehrt war, bemerkte er seinen Irrtum. Aber er hatte in Afrika verlernt, sich zu entsetzen.

 << Kapitel 32  Kapitel 34 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.