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Aus dem Märchenbuch der Wahrheit

Fritz Mauthner: Aus dem Märchenbuch der Wahrheit - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorFritz Mauthner
booktitleDer letzte Tod des Gautama Buddha, Aus dem Märchenbuch der Wahrheit
titleAus dem Märchenbuch der Wahrheit
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1919
firstpub1892
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070417
projectidfd68f955
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Der Invalide

Ein Mann hatte im Kriege mit Menschen seinen rechten Arm eingebüßt.

»Armer Teufel!« sagte der Arzt, als er den Stumpf zunähte.

»Ach was!« rief ein kecker Soldat, der heil nach Hause zurückkehren mußte, um da als Tagelöhner sein Brot zu verdienen. »Der Kerl hat Glück! Ein eisernes Kreuz baumelt ihm auf der Brust, das ist was für Weiberaugen. Drehorgelspielen kann er auch mit der linken Hand. Und in seinem Armstumpf spürt er das Wetter von morgen voraus. Da kann er mit Wahrsagen extra Geld verdienen.«

Der Invalide wurde also Wahrsager und hatte recht gute Einnahmen, so oft er den Leuten schönes Wetter voraussagen konnte. Sonst freilich prügelten sie ihn.

Mit der Zeit aber wurde es ihm zum Jammer, daß er sich von den schmerzhaften Stichen in seiner Narbe ernähren lassen sollte. Auch kamen immer viel mehr trübe Tage als schöne, und er erhielt mehr Prügel als Münzen. Da faßte er den Entschluß, die Stiche in seinen Narben still zu dulden, kein Gewerbe aus seinen Schmerzen zu machen und fortan nur noch mit seiner gesunden Linken die Drehorgel zu spielen.

Eines Tages kam ein Dichter vorüber. Sie grüßten einander mit den Augen. Aber keiner konnte dem anderen eine Gabe reichen, denn sie waren beide arm, der invalide Drehorgelspieler und der wunde Dichter, der immer noch ein Gewerbe machte aus den Stichen in seinen Narben.

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