Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Thomas Edward Lawrence >

Aufstand in der Wüste

Thomas Edward Lawrence: Aufstand in der Wüste - Kapitel 37
Quellenangabe
typereport
authorThomas Edward Lawrence
titleAufstand in der Wüste
publisherPaul List Verlag
printrun85.-88. Auflage der Gesamtausgabe
translatorDagobert von Mikusch
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20071107
modified20150330
projectid423a79c9
Schließen

Navigation:

34. Vereinigung mit den Engländern

Nasir residierte im Rathaus, setzte einen Militärgouverneur ein nebst der nötigen Polizeitruppe und ordnete eine genaue Durchsuchung der Stadt an. Ich ergänzte seine Anordnungen und ließ Wachen aufziehen bei allen Maschinenschuppen, Pumpstationen und den noch vorhandenen Material- und Proviantvorräten. Dann, in einstündigem Vortrag, entwickelte ich ihm ein genaues Programm aller Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit notwendig waren, wenn wir Herr der Lage bleiben wollten. Dem armen Nasir schien ganz wirr im Kopf zu werden.

Dann ging ich, um General Barrow ausfindig zu machen. Gerade kam ein Mann von Westen her in die Stadt und berichtete, daß die Engländer auf ihn geschossen hätten und sich bereits zu einem Angriff gegen die Stadt entwickelten. Dem mußte ich zuvorkommen und ritt daher, von Zaagi begleitet, zum Buweib hinauf, auf dessen Kamm eine indische Maschinengewehrabteilung in Stellung sichtbar wurde. Als uns die Inder herankommen sahen, richteten sie ihre Gewehre auf uns, sehr stolz auf ein so prächtig gekleidetes Ziel. Zum Glück erschien ein englischer Offizier, und ich konnte ihm erklären, wer ich sei. Tatsächlich waren die Engländer schon mitten in einer Angriffsbewegung gegen Deráa. Während wir noch sprachen, bombardierten die englischen Flugzeuge den unglücklichen Nuri Said, der – als letzter von Scheikh Saad kommend – mit seinem Stabe eben in die Eisenbahnstation einritt. Um dem Einhalt zu tun, eilte ich hinunter zu General Barrow, der eben in seinem Wagen die vorgeschobenen Stellungen abfuhr.

Barrow erklärte, daß er Wachen in den Ort legen müßte zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Ich unterrichtete ihn – mit sanftester Stimme – daß die Araber bereits ihren Militärgouverneur eingesetzt hätten. Barrow sagte, seine Pioniere müßten die Pumpen bei den Brunnen nachsehen. Ich erwiderte, ihre Hilfe wäre uns willkommen. Barrow schnarrte, wir schienen ja hier schon ganz zu Hause zu sein, jedenfalls aber müßte er Station und Eisenbahn besetzen. Ich wies auf eine Lokomotive, die eben die Station in Richtung auf Mezerib verließ, und bat ihn, seine Posten dahin zu instruieren, daß sie sich nicht in den von uns eingerichteten Betrieb einmischten.

Barrow hatte keinerlei Weisung erhalten in bezug auf die Araber und daher geglaubt, sie wie ein besiegtes Volk behandeln zu müssen. So schaute er einigermaßen verdutzt drein, als ich ihm mit ruhiger Entschiedenheit erklärte, er wäre hier mein Gast, aber es blieb ihm nichts andres übrig, als sich nach dieser Versicherung zu richten. Mein Kopf arbeitete fieberhaft in diesen Minuten, um bei dem Zusammentreffen beider Völker die unseligen ersten Schritte zu vermeiden, durch die der phantasielose Engländer bei bestem Willen gemeinhin die nachgiebigen Eingeborenen der Zucht der Selbstverantwortung beraubt und eine Lage schafft, die wieder gutzumachen es dann Jahre der Werbung und allmählichen Reformen bedarf.

Barrow fand sich in das Gegebene und bat mich nun, ihm Verpflegung und Fourage für seine Truppen zu beschaffen. Als wir auf den großen Platz in der Stadt kamen, zeigte ich ihm den kleinen seidenen Wimpel Nasirs am Eingang zu dem angeräucherten Gouvernementsgebäude, mit einer gähnenden Schildwache daneben. Barrow richtete sich straff auf und grüßte den Wimpel; ein Beben der Freude lief durch die umstehenden arabischen Offiziere und Soldaten bei dieser Ehrenbezeugung des englischen Generals.

Umgekehrt bemühten wir uns wiederum, ein möglichstes Entgegenkommen zu zeigen, soweit es mit der allgemeinen Ordnung und Sicherheit vereinbar war. Den Arabern prägten wir nachdrücklichst ein, die Inder als ihre Gäste zu betrachten und ihnen daher alles zu gestatten, was sie zu tun wünschten, ja ihnen dabei noch behilflich zu sein. Diese Auffassung brachte uns in die sonderbarsten Lagen. Binnen kurzem waren sämtliche Hühner aus der Ortschaft verschwunden; und drei Sowars schleppten Nasirs Wimpel davon, dessen silberne Knöpfe und Nägel an dem zierlichen Stock ihnen begehrlich erschienen waren. Das ergab einen sehr sichtbaren Gegensatz zwischen dem englischen General, der den Wimpel ehrte, und den indischen Soldaten, die ihn stehlen wollten, einen Gegensatz, der die Araber in ihrem Rassevorurteil gegen die Inder bestärkte.

Inzwischen wurden von überallher noch türkische Mannschaften, Geschütze und Material eingebracht. Die Gefangenen konnten wir nach Tausenden zählen. Ein Teil wurde den Engländern übergeben, die sie nochmals zählten; die meisten wurden in die umliegenden Dörfer verteilt. Auch Azrak erhielt Kunde vom ganzen Umfang unseres Sieges. Faisal zog einen Tag danach in Deráa ein, voran die Reihe unsrer Panzerautos, hinter denen er in einem Vauxhall-Wagen folgte; er nahm in den Stationsgebäuden Quartier.

General Barrow, dessen Truppen jetzt verpflegt und ausgeruht waren, mußte sich auf den Weg machen zu der befohlenen Vereinigung mit General Chauvel, kurz vor Damaskus: beide Heeresteile sollten gemeinsam in die Stadt einziehen. Er bat mich, mit den arabischen Streitkräften die rechte Flanke zu übernehmen. Das entsprach meinen Wünschen: längs der Hedjas-Bahn ging bereits Nasir vor in engster Fühlung mit der Hauptmasse der weichenden türkischen Heertrümmer und zerrieb sie vollends durch ununterbrochene Angriffe bei Tag und Nacht. Ich persönlich hatte noch mancherlei zu tun und blieb daher noch einen weiteren Tag in Deráa, froh der Ruhe in der Stadt nach dem Abzug der Truppen. Denn Deráa lag am Rande der offenen Wüste, und die Masse Inder hatten mich irritiert, weil sie nicht hierher paßten. Zur Wüste gehört der einzelne, schweigende Mann, der Sohn der Einsamkeit, abgeschieden von der Welt wie im Grabe. Diese Soldaten, in Trupps wie Schafe, schienen dieser Wüste unwürdig.

Überhaupt empfand ich etwas Kümmerliches und Beengtes an der indischen Soldateska, ein Bewußtsein eigner Minderwertigkeit, eine wohlbedachte Unterwürfigkeit, grundverschieden von dem unbefangenen Freimut der Beduinen. Die Art, wie die britischen Offiziere mit ihren Leuten umgingen, entsetzte meine Leibgarde, der persönliche Ungleichheit ein fremder Begriff war.

Zur Nacht lagerte ich mit meinen Leuten auf dem einstigen Flugplatz. Bei den halb niedergebrannten Schuppen lärmten sie und stritten sich nach Herzenslust, veränderlich und leicht erregbar wie der Spiegel des Meeres. Abdulla brachte mir – zum letzten Male – den nach seiner Art gekochten Reis in der silbernen Schale. Nachdem ich gegessen hatte, versuchte ich, meine Gedanken in die Leere der Zukunft zu richten; aber mein Geist war ebenso leer, meine Träume verloschen wie Kerzen im Sturmwind des Erfolges. Vor mir lag unser Ziel, schon zu nahe, um noch ein Ziel zu sein; doch hinter mir lag das Werk zweier langer Jahre, und alle Mühsal war vergessen oder verklärt. Namen klangen mir durch den Sinn, alle herrlich in der Erinnerung: Rumm die Erhabene, Petra die Strahlende, Azrak die Stille, Batra die Lichte. Aber die Menschen waren anders geworden. Der Tod hatte die Besten und Edelsten hinweggerafft; und die neue hochmütige Gespreiztheit derer, die übriggeblieben waren, verletzte mich.

Schlaf wollte nicht kommen. Noch vor Tag weckte ich daher Stirling und meine Fahrer; wir stiegen in unsern Rolls, genannt »der blaue Dunst«, und machten uns nach Damaskus auf. Die weiche, schmutzige Straße war anfangs tief ausgefahren, dann mehr und mehr verstopft durch die vorrückenden Kolonnen und die Nachhut der Division Barrow. Wir bogen seitlich ab und fuhren querfeldein zu der einst von den Franzosen gebauten Bahnlinie, deren alte Schotterung uns einen zwar etwas holprigen, aber freien Weg gab; und wir ließen den Wagen laufen. Gegen Mittag sahen wir den Wimpel Barrows am Ufer des Flusses, wo seine Pferde getränkt wurden. Meine Leibgarde war schon nahe heran, und so bestieg ich mein Kamel und ritt zu ihm hinüber. Wie alle auf Pferde eingeschworenen Reiter, dachte er über Kamele etwas verächtlich; in Deráa hatte er geäußert, wir auf unsern Kamelen würden wohl kaum mit seiner Kavallerie Schritt halten, die Damaskus in drei starken Tagemärschen erreichen könnte.

Als er mich daher so frisch heranreiten sah, zeigte er sich etwas erstaunt und fragte, wann wir in Deráa aufgebrochen wären. »Heute Morgen«, erwiderte ich. Seine Miene zog sich in die Länge. »Und wo gedenken Sie heute zur Nacht haltzumachen?« »In Damaskus«, rief ich vergnügt und ritt davon. Ich hatte mir wiederum einen Feind gemacht.

Ich kehrte zu Stirling zurück, und wir fuhren weiter. In jedem Dorf ließen wir für den englischen Vortrab Nachricht zurück, wo und wie weit vom Feinde wir wären. Stirling und ich fanden die Vorsicht, mit der Barrow sich vorwärts bewegte, denn doch stark übertrieben: jedes völlig einzusehende Tal wurde von Patrouillen abgesucht, jede verlassene Höhe von vorgeschobenen Abteilungen besetzt; und das alles bei einem Marsch durch befreundetes Land. Man sah daran so recht den Unterschied zwischen den raschen und sicheren Bewegungen unserer arabischen Irregulären und den behutsamen Methoden normaler Kriegführung.

Bis nach Kiswe, hart südlich Damaskus, war Ernstliches nicht zu befürchten. Und dort trafen wir mit der von Südwesten kommenden Division Chauvel zusammen; außerdem näherte sich dort die Hedjas-Bahn unserer Straße. Längs der Bahnlinie aber befanden sich Nasir, Nuri Schaalan und Auda mit den Stämmen, in Verfolgung jener feindlichen Kolonne von viertausend Mann (in Wirklichkeit waren es nahezu siebentausend), die von unsern Fliegern vor drei Tagen bei Scheikh Saad gemeldet worden war. Die Stämme hatten die ganzen drei Tage ununterbrochen mit dieser Kolonne im Kampf gelegen.

Als wir näher kamen, sah man hinter dem Höhenrücken rechts, hinter dem die Bahn lag, Schrapnells aufsteigen. Bald darauf zeigte sich eine türkische Kolonne, etwa zweitausend Mann stark, die sich, in einzelne ungeordnete Gruppen zerteilt, nordwärts bewegte und von Zeit zu Zeit anhielt, um ihre Gebirgsgeschütze abzufeuern. Wir fuhren rasch weiter, um die Verfolger einzuholen; unser großer blauer Rolls war weithin sichtbar auf der Straße. Bald auch erschienen von der türkischen Kolonne her einige arabische Reiter und galoppierten auf uns zu, dabei mit elegantem Sprung die zahlreichen Bewässerungsgräben nehmend. Wir erkannten Nasir auf seinem hellbraunen Hengst, dem herrlichen Tier, nach hundert Meilen Gefechtsritt noch voller Feuer; ferner den alten Nuri Schaalan und etwa vierzig Mann ihres Gefolges. Sie berichteten, daß die dort sichtbare türkische Kolonne der ganze Rest der Siebentausend wäre. Die Rualla hingen mit zäher Hartnäckigkeit an ihren beiden Flanken. Auda abu Tayi wäre über den Djebel Mania geritten; er wollte die Wuld Ali, seine Freunde, sammeln und sich dort in den Hinterhalt legen, um die feindliche Kolonne abzufangen. Sie hofften, die Türken von hier aus in die Berge ihm in die Falle zu treiben. Ob mein Erscheinen endlich das Eintreffen baldiger Hilfe bedeute?

Ich berichtete ihnen, daß starke englische Kräfte dicht hinter mir im Anmarsch wären. Wenn sie den Feind nur noch eine Stunde aufhalten könnten . . . Nasir sah sich nordwärts um und entdeckte einen ummauerten und mit Baumgruppen umstandenen Pachthof, der das Tal, durch das die Türken zogen, sperrte. Er gab Nuri Schaalan Bescheid, und sie eilten dorthin, um die Türken aufzuhalten.

Wir fuhren die Straße drei Meilen zurück bis zu den Indern im Vortrab der Division Barrow und unterrichteten ihren alten, mürrischen Oberst davon, was die Araber unternommen hätten, um uns den letzten Rest des Feindes in die Hand zu liefern. Er schien wenig geneigt, sich die schöne Marschordnung seiner Kolonne durcheinanderbringen zu lassen; aber zuletzt ließ er doch eine Schwadron seitlich herausschwenken und sie mit aller Vorsicht über die Ebene hin gegen die Türken vorgehen, die ihre kleinen Gebirgsgeschütze ihr entgegenrichteten. Ein oder zwei Schrapnells krepierten in der Nähe der Schwadron, woraufhin der Oberst – zu unserm Entsetzen, denn Nasir hatte sich in Erwartung sicherer Hilfe stark exponiert – den Rückzug befahl und seine Kolonne rasch wieder auf der Straße zusammenzog. Wir eilten hin – das Auto in tollen Sprüngen querfeldein – und baten ihn, doch vor diesen kleinen Gebirgsgeschützen keine Bange zu haben, gegen seine leichten Maschinengewehre könnten sie kaum ankommen. Aber weder freundliches Zureden noch Drohungen vermochten den alten Mann zu bewegen, fernerhin auch nur einen Zoll breit vom Wege abzuweichen. Wir fuhren schleunigst die Straße zurück, um den höheren Vorgesetzten ausfindig zu machen.

Ein Adjutant, den wir unterwegs trafen, sagte uns, daß die Inder dem General Gregory unterständen. Mit Hilfe unseres Freundes fanden wir denn auch den General und liehen ihm unsern Wagen, damit er der Brigade-Kavallerie rasche Befehle zukommen lassen könnte. Eine Ordonnanz galoppierte zurück, um die reitende Artillerie vorzuziehen. Sie eröffnete denn auch bald ein wirksames Feuer, indes das Middlesex-Kavallerieregiment vorging und, sich in die Araber einschiebend, über die türkische Nachhut herfiel. Als die Nacht herabsank, löste sich der Feind völlig auf; und Geschütze, Gepäck und Ausrüstung zurücklassend, strömten die Reste in eiliger Flucht in die Berge, den beiden Gipfeln von Mania zu, in der Meinung, sie kämen dort jenseits in sicheres Gelände.

In dem sicheren Gelände jedoch stand Auda mit seinen Arabern bereit; und in dieser seiner letzten Nacht des Kampfes tötete der alte Mann, was er nur töten konnte, fing, raubte, plünderte, bis ihm der dämmernde Tag zeigte, daß es nichts mehr für ihn zu tun gab. Das war das Ende der vierten türkischen Armee, die uns zwei Jahre lang den Weg gesperrt hatte.

Dank Gregorys glücklichem Einschreiten konnten wir Nasir jetzt gerechtfertigt gegenübertreten. Wir fuhren nach Kiswe, wo wir, der Verabredung gemäß, um Mitternacht mit ihm zusammentreffen wollten. Hinter uns strömten die indischen Truppen in den Ort. Wir suchten nach einem einsamen Fleckchen, aber schon wimmelte es überall von Tausenden von Soldaten.

Das Gelärm und Gewudel so vieler Menschen trieb mich umher, machte mich selbst ruhelos. In der Dunkelheit blieben meine Abzeichen unerkannt, und ich konnte nach Belieben umherstreifen, ein unbeachteter Araber; und so, mitten unter Menschen meiner Rasse und dennoch abgeschieden von ihnen, kam ich mir wunderlich einsam vor. Die Mannschaften unserer Panzerwagen waren mir zu individuellen Persönlichkeiten geworden, weil es ja nur wenige waren und mir durch lange Kameradschaft verbunden; auch hatten diese Monate schutzloser Preisgegebenheit an flammende Sonne und tobenden Wind sie wirklich zu ausgeprägteren und erfreulicheren Persönlichkeiten gemacht. Inmitten dieser Soldateska von Neulingen: Engländern, Australiern, Indern, gingen sie so fremd und scheu umher wie ich selbst, gekennzeichnet durch ihr unansehnliches Äußeres; denn in wochenlangem, ununterbrochenem Tragen hatten sich ihre Kleider durch Schweiß und Gebrauch allmählich nach ihrem Körper geformt und waren mehr zu einer Art zweiter Haut geworden. Die andern aber waren schmucke, adrette Soldaten, ein seltener Anblick nach zwei Jahren irregulären Wüstenkrieges. Und wieder kam mir das Geheimnis der Uniform zu Bewußtsein: sie gibt einer Masse Festigkeit, Würde und etwas Überpersönliches, gleichsam die Straffheit eines einzelnen, aufrechten Mannes.

Rings um die Biwaks der Soldaten lagerten die Araber in freien Schwärmen, ernst dreinblickende Männer einer andern Welt. Mein verschrobenes Pflichtgefühl hatte mich zwei Jahre lang in ihre Mitte verbannt. In dieser Nacht heute stand ich ihnen näher als den Truppen, und ich empfand das als einigermaßen beschämend. Dieser sich mir aufdrängende Kontrast, gemischt mit Heimweh, schärfte meine gereizten Sinne mehr denn je: ich sah nicht nur die Ungleichheit der Rasse, hörte die Ungleichheit der Sprache, sondern konnte auch ihre Gerüche unterscheiden – die schwere, stockige, geronnene Säuerlichkeit verschwitzter Baumwolle über den arabischen Haufen, und den muffigen Brodem der englischen Soldaten, diesen warmen Pißdunst zusammengepferchter Männer in Wollkleidern, beißend und atemversetzend wie Ammoniak, einen scharfen, gärenden Naphthageruch.

 << Kapitel 36  Kapitel 38 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.