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Aufstand in der Wüste

Thomas Edward Lawrence: Aufstand in der Wüste - Kapitel 15
Quellenangabe
typereport
authorThomas Edward Lawrence
titleAufstand in der Wüste
publisherPaul List Verlag
printrun85.-88. Auflage der Gesamtausgabe
translatorDagobert von Mikusch
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20071107
modified20150330
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12. Akaba, Suez, Allenby

Wir saßen ab, um den Strom unserer Leute vorüberziehen zu sehn: lange Reihen erhitzter, leerer Gesichter, in denen nichts zu uns sprach. Seit Monaten war Akaba das Ziel und der einzige Gegenstand unseres Wollens gewesen; wir hatten keinen andern Gedanken gehabt, keinen andern Gedanken haben wollen, als diesen einen. Nun, da das Ziel erreicht war, fühlten wir uns ein wenig enttäuscht über diese Menschen, die ihre äußerste Kraft an eine Aufgabe gesetzt hatten, deren Vollendung dennoch nichts Wesentliches in ihnen, weder in geistiger noch körperlicher Beziehung, veränderte.

Der Hunger riß uns aus unseren Betrachtungen. Zu unseren fünfhundert Mann waren jetzt noch siebenhundert Gefangene und an die zweitausend erwartungsvolle Verbündete gekommen. Wir hatten kein Geld (außerdem auch keine Möglichkeit, etwas zu kaufen) und vor zwei Tagen zum letztenmal etwas zu essen bekommen. Zwar besaßen wir in unseren Reitkamelen einen Fleischvorrat, ausreichend für sechs Wochen; aber es war eine armselige und dabei höchst kostspielige Nahrung: machten wir allzu ausgiebigen Gebrauch davon, so waren wir späterhin zur Unbeweglichkeit verurteilt.

Beim Abendessen wurden wir uns über die dringende Notwendigkeit klar, zu den Engländern nach Suez, hundertfünfzig Wüstenmeilen weit, Nachricht zu schicken und ein Entsatzschiff zu erbitten. Ich beschloß, die Reise selbst zu unternehmen, wählte acht Mann – meist Howeitat – als Begleitung auf den leistungsfähigsten Kamelen unserer Truppe, darunter die berühmte Djedhah, eine siebenjährige Stute, um derentwillen die Nowasera mit den Beni Sakhr gekämpft hatten. Während wir die Bucht umritten, überlegten wir, wie der Marsch einzurichten wäre. Machten wir nur kurze Tagesreisen, um die Tiere zu schonen, so konnte es geschehen, daß sie vor Hunger versagten; ritten wir dagegen mit möglichster Beschleunigung, so konnten sie uns mitten in der Wüste erschöpft und huflahm zusammenbrechen.

Schließlich kamen wir überein, Schritt zu reiten, auch über noch so verlockendes Gelände, und so viele von den vierundzwanzig Stunden des Tages im Sattel zu bleiben, als es unsere Kraft irgend zuließ. Eine solche Leistung bedeutet eine harte Probe für einen Mann, namentlich für einen Ausländer, dessen Kraft meist schon vor der seines Reittiers versagt; überdies hatte ich in den letzten vier Wochen täglich an die fünfzig Meilen zurückgelegt und war nahezu am Ende meiner Leistungsfähigkeit. Hielt ich durch, so konnten wir Suez in fünfzigstündigem Ritt erreichen. Um unterwegs jeden unnötigen Aufenthalt zu vermeiden, lud sich jeder einen Sack mit gekochtem Kamelfleisch und gedörrten Datteln hinten auf den Sattel.

Gegen Mitternacht erreichten wir Themed, die einzigen Brunnen auf unserem Wege, die in einer freundlichen Talsenkung lagen hinter dem verlassenen Stationshaus der Sinai-Gendarmerie. Wir ließen die Kamele einen Augenblick verschnaufen, gaben ihnen Wasser und tranken selbst. Dann ging es weiter durch so tiefe Nachtstille, daß wir uns alle Augenblicke im Sattel umdrehten, nach eingebildeten Geräuschen fern unterm Sternhimmel. Aber es war nur unsre eigene Bewegung, das Rascheln unseres Rittes durch niederes Gesträuch, das uns gleich Geisterblumen umduftete.

Allmählich dämmerte der Morgen. Als die Sonne aufging, waren wir schon weit draußen in der Ebene, die von einigen trocknen Wasserrinnen, Zuflüssen des El Arisch, durchfurcht war. Wir machten einen kurzen Halt, um unseren Kamelen wenigstens so etwas wie Weidegelegenheit vorzutäuschen. Dann weiter bis zum Spätnachmittag, wo wir die einsamen Ruinen von Nekhl aus der Luftspiegelung auftauchen sahen. Wir ließen sie rechts liegen und machten dann bei Sonnenuntergang einen einstündigen Halt.

Die Kamele waren kaum mehr vorwärts zu bringen und wir selbst aufs äußerste erschöpft; aber der einäugige Motlog, Besitzer der berühmten Jedlah, trieb zur Eile an. Also wieder in den Sattel. Mechanisch klommen wir den Höhenzug von Mitla hinauf. Der Mond ging auf, und die Gipfel, in schroffen Kalksteinkonturen, erglänzten wie Schneefirne. Gegen Morgen kamen wir an einem Melonenfeld vorbei, das irgendein unternehmungslustiger Araber in diesem Niemandsland zwischen den feindlichen Armeen ausgesät hatte. Wieder opferten wir eine unserer kostbaren Stunden zu einer Rast, ließen die Kamele frei laufen, um in dem sandigen Tal nach Futter zu suchen, pflückten die unreifen Melonen und kühlten unsre ausgedörrten Lippen an ihrem markigen Fleisch. Dann wieder weiter durch die Glut eines neuen Tages, obwohl in dem schon zum Kanal sich senkenden Tal, das durch die ständige Brise vom Golf von Suez erfrischt wurde, die Hitze nicht mehr so bedrückend war.

Mittags gelangten wir an den Dünengürtel, und nach einem lustigen Berg-und-Tal-Ritt darüber hin erreichten wir den flachen Küstenstrich. Suez wurde sichtbar: ein Gewoge undeutlicher Punkte, die in der Spiegelung über dem Kanal flimmernd auf und ab tanzten.

Wir ritten, ohne anzuhalten, an ausgedehnten Schützengräben vorbei, mit Stützpunkten, Stacheldraht, Straßen und Feldbahngeleisen, alles in sichtlichem Verfall. Unser Ziel war der Schatt, ein auf dem asiatischen Kanalufer gelegener Posten, Suez gerade gegenüber; und um drei Uhr nachmittags erreichten wir ihn, neunundvierzig Stunden nach dem Aufbruch von Akaba. Selbst für einheimische Araber würde das eine ansehnliche Leistung gewesen sein, und dabei waren wir schon beim Abmarsch stark erschöpft.

In Schatt herrschte erstaunliche Unordnung, und nirgends war ein Posten, der uns anhielt. Vor zwei oder drei Tagen war hier die Pest aufgetreten. Das alte Lager war in Eile geräumt worden und stand verlassen, während die Truppen draußen in der freien Wüste biwakierten. Davon wußten wir natürlich nichts, und ich suchte in den leeren Büros umher, bis ich ein Telephon gefunden hatte. Ich klingelte die Kommandantur in Suez an und sagte, daß ich übergesetzt werden wollte.

Sie bedauerten sehr, aber dafür wären sie leider nicht zuständig. Den Verkehr über den Kanal besorgte das Binnenwasser-Transportamt nach höchsteigenen Methoden. Man ließ durchblicken, daß diese Methoden nicht die Billigung des Generalstabs fänden. Da ich nie ein Zuständigkeitsnarr war, rief ich kühn das Wasseramt an und setzte auseinander, daß ich von der Wüste her in Schatt angekommen sei und dem Hauptquartier wichtige Nachrichten zu überbringen hätte. Sie hätten zur Zeit leider keine Fahrzeuge zur Verfügung, war die Antwort, würden aber bestimmt morgen in aller Frühe ein Boot senden, um mich in die Quarantänestation zu bringen. Dann läuteten sie ab.

Nun war ich vier Monate in Arabien ständig in Bewegung gewesen. Ich hatte in den letzten vier Wochen Kamelritte von insgesamt vierzehnhundert Meilen zurückgelegt und mich nie und in keiner Weise geschont, um den Krieg vorwärtszutragen; aber ich hatte keine Lust, auch nur eine einzige Nacht länger als nötig in Gesellschaft des Ungeziefers zu verbringen, das sich bei mir schon recht gemütlich eingenistet hatte. Mich verlangte nach einem Bad, nach etwas zu trinken mit Eis darin; mich verlangte danach, meine Kleider, die voller Dreck an den wundgerittenen Stellen anklebten, zu wechseln und etwas Bekömmlicheres zu essen als grüne Datteln und Kamelsehnen. Ich ließ mich nochmals mit dem Wasseramt verbinden und redete wie der heilige Chrysostomus. Das hatte ebensowenig Erfolg, und ich wurde recht deutlich, worauf sie wieder einfach abhängten. Ich war nahe daran, fuchsteufelswild zu werden, als sich von der militärischen Umschaltstelle eine Stimme in vertrauten Heimattönen durch den Draht vernehmen ließ: »Es ist zum K . . ., hat gar keinen Zweck, Herr, mit dem besch . . . . . Wasseramt zu reden.«

Damit war offenbar der Nagel auf den Kopf getroffen, und der freundliche Mittler verband mich nunmehr mit dem Büro des Schiffahrtsamts. Dies leitete Major Lyttleton, der Tüchtigsten einer, der es sich neben seinen sonstigen zahllosen Obliegenheiten auch noch zur Aufgabe gemacht hatte, jedes einzelne Kriegsschiff der Roten-Meer-Flotte, das die Suezstraße passierte, anzuhalten und ihm mit freundlicher Überredung so lange zuzusetzen, bis es sich, oft mit saurer Miene, bereit erklärte, seine Decks mit Material für Wedjh oder Janbo vollzustopfen.

Auf diese Art expedierte er mühelos und sozusagen im Nebenamt Tausende von Ballen und Mannschaften für uns und fand dabei noch Zeit, über die sonderbaren Methoden von uns sonderbaren Leuten zu lächeln.

Wir konnten stets auf seine Hilfe rechnen; und auch heute, sobald er hörte, wer und wo ich war und wie das Binnenwasseramt versagt hatte, war jede Schwierigkeit mit einem Schlage behoben. Seine Barkasse stände bereit, würde in einer halben Stunde in Schatt sein. Ich sollte direkt in sein Büro kommen und nichts davon verlauten lassen (außer etwa jetzt, nach dem Kriege), daß eine gewöhnliche Hafenbarkasse sich ohne ausdrückliche Genehmigung der zuständigen Behörde in die geheiligten Gewässer des Kanals gewagt hatte. Und so geschah es. Meine Begleiter sandte ich mit den Kamelen nordwärts nach Kubri, wo ich ihnen telephonisch von Suez aus Unterkunft und Verpflegung in dem dortigen Tierdepot an der asiatischen Küste verschaffte. Später kam dann natürlich ihre Belohnung in Gestalt herrlicher und aufregender Tage in Kairo.

Lyttleton sah meine Erschöpfung und sandte mich gleich in das Hotel. Vorzeiten war es mir höchst schäbig vorgekommen, erschien mir aber jetzt als ein Paradies; und nachdem der erste befremdende Eindruck meiner Person und meiner Kleidung überwunden war, bekam ich mein heißes Bad, eisgekühlte Getränke (gleich sechs hintereinander) und das Diner und das Bett meiner Träume. Ein Nachrichtenoffizier, den man von dem verdächtigen Aufenthalt eines verkleideten Europäers im Sinai-Hotel unterrichtet hatte, besuchte mich; bereitwillig übernahm er die Sorge für meine Leute und verschaffte mir Fahrkarte und Paß nach Kairo für den nächsten Tag. – –

Ismailia war die Umsteigestation für Kairo, und auf dem Bahnsteig warteten die Reisenden auf den Expreß von Port Said. Ein zweiter Zug lief ein mit einem üppigen Salonwagen, dem Admiral Wemyss, Burmester und Neville entstiegen, in Begleitung eines Generals von sehr hohem Rang und sehr umfangreicher Erscheinung. Der ganze Bahnsteig geriet in gewaltige Spannung, während die Vier in gewichtigem Gespräch auf und ab schritten. Offiziere grüßten einmal, ein zweites Mal: die Vier schritten immer noch auf und ab. Dreimal war zuviel. Einige zogen sich an die Schranke zurück und blieben dort in strammer Haltung stehen: das waren die unterwürfigen Seelen. Einige verdrückten sich: das waren die Stolzen. Einige wandten sich nach dem Bücherstand um und studierten eifrig die Titel: das waren die Schüchternen. Nur einer blieb dreist und gottesfürchtig stehen.

Burmesters Blick fiel auf mich, wie ich dastand und starrte. Er überlegte, wer das wohl sein könnte, denn ich war kupferrot gebrannt und knochenhager von den langen Ritten (später stellte ich fest, daß ich kaum sechsundvierzig Kilo wog). Schließlich redete er mich an, und ich erzählte ihm die Geschichte unseres noch nicht gemeldeten Vorstoßes auf Akaba. Er fing sogleich Feuer. Ich bat ihn, den Admiral zu veranlassen, sofort ein Schiff mit Proviant nach Akaba zu entsenden. Burmester sagte, daß die heute eintreffende »Dufferin« in Suez Proviant laden und direkt nach Akaba fahren sollte, die dortigen Gefangenen könnte sie dann gleich zurücktransportieren (Großartig!). Er würde gleich selbst den Befehl geben, ohne erst den Admiral oder Allenby damit zu belästigen.

»Allenby!« rief ich, »was macht er hier?« »Er hat den Oberbefehl übernommen.« »Und Murray?« »Ist nach Hause gegangen.« Das waren gewaltige Neuigkeiten von allergrößter Bedeutung für mich; ich stieg wieder in meinen Zug, und während der Weiterfahrt überdachte ich in meinem Herzen, ob dieser schwerfällige Mann mit dem geröteten Gesicht wohl ebenso wäre wie die meisten andern Generäle, und ob es uns wieder sechs Monate Arbeit kosten würde, ihn zu überzeugen. Murray und Belinda waren so zögernd an die Sache herangegangen, daß wir anfangs immer nur darauf bedacht sein mußten, nicht den Feind, sondern die Widerstände unserer eignen Führung zu besiegen. Erst ganz allmählich und mit glücklichem Fortschreiten des Aufstandes waren Sir Archibald Murray und sein Stabschef gewonnen worden, hatten sich dann aber während der letzten Monate beim Kriegsamt in London für das arabische Unternehmen und insbesondere für Faisal mit aller Entschiedenheit eingesetzt. Das war hochherzig und zugleich für uns ein stiller Triumph, denn die Zwei waren ein höchst ungleiches Gespann – Murray intuitiv, scharf zupackend, nervig, elastisch, unbeständig; Lynden Bell dagegen ganz und gar aus soliden Berufsanschauungen aufgebaut, gehalten vom Mörtel offizieller Meinung und Billigung und dann poliert und abgeschliffen zum vollendeten Normaltyp.

In Kairo schlappten meine Sandalen über die mittäglich stillen Gänge des Savoy-Hotels zu Claytons Zimmer, der seine Mahlzeiten tunlichst abzukürzen pflegte, um sich die stets dringliche Arbeit vom Halse zu schaffen. Als ich eintrat, blickte er kurz vom Schreibtisch auf und murmelte: »Musch fadi« (englisch-ägyptisch für »beschäftigt«); doch dann erkannte er mich und hieß mich überrascht willkommen. Ich hatte am Abend vorher in Suez einen kurzen Bericht niedergeschrieben; so brauchten wir nur über das zu sprechen, was zunächst zu tun war. Während der Unterredung klingelte der Admiral an und teilte mit, daß die »Dufferin« bereits in Suez war und Mehl für Akaba an Bord nahm.

Clayton ließ sechzehntausend Pfund in Gold anweisen und sorgte für Begleitmannschaft, die das Geld noch mit dem Drei-Uhr-Zug nach Suez bringen sollte. Vor allem mußte Nasir in die Lage gesetzt werden, seine Schulden zu bezahlen. Denn wir hatten in Bair, Djefer und Guweira nur auf Depeschenformulare geschriebene Anweisungen ausgegeben, zahlbar auf den Inhaber in Akaba. Ein großzügiges, aber etwas ungewohntes System; denn bis dahin hatte noch keiner gewagt, in Arabien mit Papiergeld zu bezahlen, weil die Beduinen weder Taschen in ihren Kleidern noch Geldschränke in ihren Zelten haben und Noten nicht gut zur sicheren Aufbewahrung vergraben werden können. Daher bestand ein unüberwindliches Vorurteil gegen Papiergeld, und im Interesse unseres Ansehens war es dringend notwendig, die Anweisungen sobald als möglich einzulösen.

Da ich in meiner arabischen Tracht überall Aufsehen erregte, mußte ich mir andere Kleidung beschaffen; aber meine alten Sachen waren von Motten zerfressen, und es dauerte drei Tage, bis ich wieder in der europäisch-fragwürdigen Weise angezogen erscheinen konnte.

Noch vor dieser Umwandlung war der Oberkommandierende auf mich aufmerksam geworden und wünschte mich zu sprechen. In meinem Bericht hatte ich die Bedeutung der östlichen Stämme Syriens besonders hervorgehoben, als ein wirksamer Faktor zur Bedrohung der rückwärtigen Verbindungen der Türken jenseits Jerusalem. Das paßte gut in seine Pläne, und er wollte sich ein Urteil über mich bilden.

Es war ein recht drolliges Interview; denn Allenby war bei sehr umfangreicher und selbstsicherer Physis auch geistig von so großem Format, daß er sich nur langsam auf uns kleine Leute einstellen konnte. Er saß in seinem Stuhl und beobachtete mich – nicht geraden Blickes, wie es sonst seine Gewohnheit war, sondern halb von der Seite und etwas verdutzt. Er war eben erst aus Frankreich gekommen, wo er jahrelang ein Rad gewesen war in der großen Maschinerie, die an der Zermürbung des Feindes arbeitete. Er war erfüllt von westlichen Ideen über die ausschlaggebende Bedeutung der Artillerie – für unsern Feldzug hier die wenigst geeignete Vorbereitung –, aber als alter Kavallerist doch schon halb und halb bereit, die neuen Kriegstheorien in dieser so ganz andersartigen Welt Asiens abzuwerfen und sich wieder zu Dawnay und Chetwode und ihren alten guten Lehren vom Bewegungskrieg zu bekehren. Immerhin war er kaum auf eine so fremdartige Erscheinung wie mich vorbereitet – einen kleinen, barfüßigen, in seidene Gewänder gekleideten Mann, der sich anheischig machte, den Apostel und Prediger dieses Aufstandes zu spielen, wenn man ihm Waffen, Material und einen Fonds von zweihunderttausend Pfund zur Verfügung stellte, um der Wirkung seiner Bekehrungskünste Nachdruck und Dauer zu verleihen.

Allenby konnte sich nicht recht klar darüber werden, wieweit er es hier mit einem ehrlich Überzeugten oder mit einem Scharlatan zu tun hatte. Ich merkte, wie diese Frage hinter seiner Stirn arbeitete, tat aber nichts, ihm auf die Sprünge zu helfen. Er redete nicht viel, stellte nur wenige Fragen, aber studierte die Karte und hörte aufmerksam meinem Vortrag über das östliche Syrien und seine Bewohner zu. Zum Schluß warf er das Kinn hoch und sagte kurz: »Gut, ich werde für Sie tun, was ich kann.« Damit war ich entlassen.

Ich wußte nicht recht, wieweit ich ihn gewonnen hatte. Aber mit der Zeit sollten wir erfahren, daß er es vollkommen ernst damit meinte, und daß, was ein General Allenby »tun konnte«, vollauf genügte, auch für seinen anspruchsvollsten Untergebenen.

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