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Aufsätze gelehrten und gemeinnützigen Inhalts

Georg Christoph Lichtenberg: Aufsätze gelehrten und gemeinnützigen Inhalts - Kapitel 6
Quellenangabe
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typeessay
authorGeorg Christoph Lichtenberg
booktitleSchriften und Briefe ? Dritter Band
titleAufsätze gelehrten und gemeinnützigen Inhalts
publisherZweitausendeins
editorWolfgang Promics
isbnISBN 3-86150-042-6
correctorjohannschneller
senderwww.gaga.net
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Über einige wichtige Pflichten gegen die Augen

Wie wenn einmal die Sonne nicht wiederkäme, fragte Amintor. Und wie wenn sie wiederkäme und ich sähe sie nicht mehr; fühlte noch ihre Wärme, hörte noch den Lobgesang, womit sie der Wald begrüßt, und sähe sie nicht mehr? Ach! dieses ist das Los von Tausenden! Gerechter Gott! Vom Sehenden zum Blinden, welche Veränderung! Der, der noch kaum, gleich einem Gott, den Himmel mit seinem Blick umfaßte; der Sonnen aufzählte zu Tausenden, die Quellen des Lichts und des Lebens für Geschöpfe ohne Zahl; der in einem Nu die Frühlingslandschaft mit ihren Blüten und Herden, oder die Pracht der Städte, oder die Wogen des stürmenden Meeres, oder den Ätna und Vesuv, oder Ägyptens Pyramiden übersah; der die Figur der Reiche, ja der Erde selbst maß und zeichnete – da kriecht er nun, und ertastet sich mit Mühe in Monaten den kümmerlichen Plan seiner Schlafkammer; die roheste Nachformung von einer Dorfkirche würde ihn Jahre kosten, wenn sie ihn nicht den Hals kostete, und mit einer vom Ätna nur so genau, als das Bild, das im Winkel einer Landcharte Feuer speit, würde er Jahrhunderte zubringen, wenn sie nicht ganz seine Kräfte überstiege; der, der durch das Medium der Gebärden dem Menschen im Innersten des Herzens las, hört jetzt bloßes Zungenspiel; der die Wahrheit der Worte wiegen konnte, fühlt jetzt bloß ihre Glätte, und elender, abhängiger Glaube führt die Haushaltung für Selbstüberzeugung in ewiger, ewiger Nacht! –

Dieses ist das Los von Tausenden, und wer das Spinnengebäude des Organs kennt, auf welches hier alles ankommt, die Menge der Feinde die ihm von außen und innen drohen, der wird erstaunen müssen, daß es nicht das Los der Hälfte des menschlichen Geschlechts ist. Bei weitem der größte Teil derer, die dieses Unglück erleiden, die diesen Halbtod, möchte ich sagen, sterben, sterben ihn freilich unverschuldet durch Zufälle; allein keine geringe Anzahl und zwar gerade unter einer Klasse von Menschen, von denen man es am wenigsten erwarten sollte, ich meine der sogenannten gebildeten höheren Klasse, erleiden ihn öfters durch Schuld, wo nicht wissentlich durch mutwilligen Leichtsinn, doch gewiß sehr oft aus einer Unwissenheit, die leicht zu überwinden gewesen wäre. Für die noch Gesunden dieser Klasse enthält nachstehender Aufsatz Warnung und einigen Unterricht, für die bereits Kränkelnden Unterricht und Trost, wo er möglich ist; für die ganz Erstorbenen findet sich hier nichts; ihre Wiedererweckung, wenn sie möglich ist, gehört für den Arzt. Wie froh würde ich sein, wenn ich durch diese wenigen Blätter nur einem einzigen Leidenden Trost verschaffen, oder nur einen einzigen Leichtsinnigen zur Überlegung bringen könnte, oder jemanden der nie an den Verlust seiner Augen gedacht hat, dahin, daß er wenigstens daran zu denken anfängt, und sich den Genuß des Lebens nicht vergällt. O man braucht nicht völlig zu erblinden, und kann dennoch von dieser Seite sehr unglücklich sein. Wer je einen Fehler an seinen Augen bemerkt hat, wird wissen in was für eine Verfassung ihn diese Entdeckung setzte, und was für Zeit die Augenproben wegnahmen. Der Gedanke: in einem Jahre bist du vielleicht blind, mischt sich in alles ein, er ist der erste beim Erwachen und der letzte beim Schlafengehen; keine Gegend und keine Gesellschaft reizt mehr; Nachrichten von neuen Entdeckungen und von neuen Büchern werden mit Unmut gelesen; selbst in Träumen sieht man sich nicht selten im Spiegel durch Augen entstellt, die sich selbst in keinem Spiegel der Welt so sehen könnten. Trifft ein solches Schicksal eine ohnehin hypochondrische Seele, so geht alles viel schlimmer; der vermeintliche Kandidat der Blindheit wird nun wirklich krank, und die reelle Krankheit verschlimmert die halb eingebildete; das Probieren der Augen bei jeder Gelegenheit nimmt zu, und die Proben fallen immer elender aus, so geht es immer crescendo fort bis zur Verzweiflung oder dem Tod. Wer sich also früh einer Augenökonomie befleißigt, erspart sich ein großes Leiden, das, wenn es dennoch kömmt, gewiß schon dadurch, zumal bei empfindlichen Seelen, vieles von seiner Bitterkeit verliert, daß es unverschuldet kömmt. – Den guten Rat und die Lehren, welche nachfolgende Blätter enthalten, habe ich zum Teil aus einem Aufsatz des Herrn Prof. Büsch S. Erfahrungen von J.G. Büsch Professor in Hamburg. Hamburg 1790. 2 Bände in 8; im 2ten Band Seite 261: Guter Rat bei verschiedenen Fehlern der Augen; ein Aufsatz, der sich nicht allein, wie alles was von diesem vortrefflichen Manne kömmt, durch tiefe Einsichten in die Sache überhaupt, sondern über das, welches hier von großem Wert ist, durch Erfahrung und Beobachtungen an sich selbst, empfiehlt. gezogen, teils aus einer neuern Schrift des englischen Optikus Adams An Essay on Vision etc. intended for the Service of those whose Eyes are weak or impaired by G. Adams. London 1789. gr.  8., und teils aus eigner Erfahrung.

Vor allen Dingen lerne man auch bei dem besten Gesicht sich nie für ganz sicher zu halten, und ja bei gesunden Augen zuweilen an kranke zu gedenken, und durch behutsamen Gebrauch wenigstens Kraft für sie aufzusparen, wenn sie dereinst alt werden. Man bemühe sich daher, so viel als möglich, bei allen Verrichtungen ein gleichförmiges Licht zu erhalten, da wenigstens wo es leicht angeht, und wir von uns abhängen. Eine Vernachlässigung in diesem Artikel, ist die schleichende Ursache unzähliger Augenkrankheiten, ja nicht selten der völligen Blindheit. Adams erzählt bei dieser Gelegenheit folgende Geschichte. Ein Rechtsgelehrter in London wohnte so, daß seine Zimmer nach der Straße zu die volle Mittagssonne hatten, seine hintern Zimmer lagen daher nicht allein gegen Mitternacht, sondern gingen auch noch dazu in einen kleinen Hof, der mit einer hohen Mauer umgeben war, und waren also etwas finster. In diesen Zimmern arbeitete er, frühstückte und speisete hingegen in den vordern, in welche ihn überdas sonstige Verrichtungen öfters zu gehen nötigten. Dieses Mannes Gesicht nahm ab und er hatte dabei einen immerwährenden Schmerz in den Augen. Er versuchte allerlei Gläser, konsultierte Okulisten, aber alles vergeblich, bis er endlich fand, daß der öftere Übergang aus dem Dunkeln zum Hellen die Ursache seiner Krankheit sei. Er veränderte also seine Wohnung, und vermied alles Schreiben bei Licht, und wurde sehr bald wiederhergestellt. Weit trauriger ist der Fall, dessen Herr Prof. Büsch Erwähnung tut: »So manche Augenschwäche, sagt er a.a.O. S.318., und völlige Blindheit entsteht bloß aus Verfehlung dieser wichtigen Regel. Als ich vor fünfzehn Jahren den seligen Hagedorn in Dresden zum erstenmal besuchte, den ich fast ganz blind fand, nahm er meinen Besuch in einem Zimmer an, wo mir das Licht ganz unausstehlich war. Er wohnte in einer ziemlich schmalen Gasse. Das Sonnenlicht fiel von den Quadersteinen der gegenüber gelegenen Häuser scharf zurück in das Zimmer. Haben Sie, fragte ich, in diesem Hause schon lange gelebt? – Schon über zwanzig Jahr. – Und war dies immer Ihr gewöhnliches Arbeitszimmer? – Das war es beständig. – So, sagte ich ihm, sehe ich mit Bedauern die Ursache Ihres Unglücks ein, denn in diesem Licht konnten Ihre Augen nicht gesund bleiben.- Ich habe, fährt Herr Prof. Büsch fort, bei mehr als einem Kinde Augenkrankheiten, die vielleicht keinen bösen Ausgang gehabt haben möchten, in einer völligen Erblindung sich endigen sehen, weil deren arme Eltern keine Vorhänge vor die Fenster und die Wiegen der Kinder hatten.« Vorzubeugen ist hierbei leicht, die Kur des eingetretenen Übels aber oft schwer, ja wie Adams sagt, und wie es auch wohl bei dem Herrn v.  Hagedorn der Fall gewesen sein wird, ganz unmöglich. Hieraus wird sich nun leicht auch in dem Zimmer selbst die Lage des Schreibtisches, und der Katheder bestimmen lassen. Man schreibe oder lese nie, wenn man es haben kann, in der Lage, daß ein helles Fenster gerade gegenüber so steht, das jedesmal das Licht in das aufgeschlagene Fenster fällt, sondern lasse das Licht von der Seite einfallen. In Fällen wo keine solche Abänderung statt findet, als bei Kanzeln, suche man mit Vorhängen oder sonst auf eine Weise dem Schaden vorzubeugen, und allemal ist es nützlich es wenigstens zu wissen. Wer weiß, ob nicht wenn diese Regeln allgemeiner befolgt würden, die schwachen Augen unter die seltenen Krankheiten gezählt werden würden. Als Aufmunterung zur Befolgung dieser Regel muß ich anführen, daß dadurch und einige andere, die unten vorkommen werden, Herr Prof. Büsch nunmehr zweiunddreißig Jahre nach dem Zeitpunkt, da er Grund hatte zu fürchten, daß aller Gebrauch seiner Augen aufhören und er im Mittage seines Lebens erblinden würde, noch immer sieht und lieset und schreibt. Auch ergibt sich hieraus die Stellung der Betten. Das freie Tageslicht, und noch viel weniger das volle oder reflektierte Sonnenlicht sollte nie die Augen des Schlafenden treffen können; denn selbst wenn es, ihm unbewußt, während des Schlafes auf die Augenlider fällt, so kann dieses, zumal wenn er bereits schwache Augen hat, den ganzen Tag über die größten Beschwerden verursachen. Hierauf hat man besonders auf Reisen zu sehen, und wenn man des Abends spät ankömmt, die Lage der Fenster und die Beschaffenheit der Bettvorhänge zu untersuchen, damit man nicht auf eine unangenehme Weise des Morgens vom Tage oder gar der Sonne überfallen werde. Im Wagen, wo die hellen Fenster sehr stark gegen das übrige abstechen, ist ein doppelter oder dreifach zusammengenähter, grüner Flor für empfindliche Augen das beste Hülfsmittel, denn die Läden hemmen den Umlauf der reinen Luft, und die feinsten Vorhänge die Aussicht, die, zumal auf entfernte Gegenstände, dem Auge in vieler Rücksicht so wohltätig ist. Einfache Flore, dergleichen die Damen tragen, um dadurch zu sehen, und gesehen zu werden, sind zu dünne, und wenn sie geblümt sind, noch eher schädlich. Aus dieser ersten Regel überall nach gleichförmigem Lichte zu trachten, ergibt sich auch die Beschaffenheit der Schirme. Man gibt dem schwachen Auge gern einen Schutz von oben, dieses ist sehr recht getan, sagt Herr Prof. Büsch, insofern dadurch das helle von oben einfallende Tageslicht von dem Auge abgehalten wird. Aber man bedenkt nicht, daß dadurch die untere Hälfte des Auges, in welche das Licht von oben fällt, ganz in Schatten gesetzt, die obere Hälfte aber beständig durch das in dasselbe fallende Licht gereizt wird. Dies ist keinem Auge gut. Es muß ein sehr gesundes Auge sein, das dabei lange aushält. Wie aber, wenn das Übel gar mehr im obern Teil des Auges seinen Sitz hat» dann ist es gerade verkehrt gehandelt. Der gesundere Teil wird geschützt und der schwächere soll immerfort Dienste tun a.a.O. S.323.. Überhaupt erfordert alle Erleichterung, die man dem Auge durch Dunkelheit verschafft, viele Vorsicht. Alle am Tage selbst mit grünen Vorhängen erkünstelte Verdunkelung kann schädlich werden, teils weil sie nie so vollständig erhalten werden kann, daß nicht hier und da etwas durchschimmere, teils, weil man, wenn man nicht ganz müßig oder unfähig ist sich zu bewegen, unmöglich lange darin aushalten wird. Die natürliche Dämmerung ist die beste, und man sollte den Genuß derselben dem ermüdeten Auge nicht mißgönnen, zumal da sie außerdem der Überlegung so sehr günstig ist. Schreiben oder lesen muß man in der Dämmerung nie. Es ist ein Verfahren, das, den gelindesten Ausdruck zu gebrauchen, töricht ist. Der schnöde Gewinn an Öl und Zeit geht tausendfach durch das Leiden und den Unmut hin, den man sich durch schwache Augen zuzieht. Ein Freund von mir klagte mir eines Tages: er habe sonst so schön in der Dämmerung lesen können, jetzt könne er es nicht mehr, und fürchte, wenn es mit dieser Abnahme seines Gesichts so fort ginge, so würde er vor seinem vierzigsten Jahre blind werden. Ich sagte ihm, er habe freilich Recht, ich glaube auch, daß wenn es so fortginge, aber mit dem Lesen in der Dämmerung, so würde er blind werden. Er habe sehr richtig geschlossen, ob er gleich die Wirkung für die Ursache genommen habe, er könne nicht deswegen, sagte ich, nicht mehr in der Dämmerung lesen, weil sein Gesicht im Abnehmen sei, sondern es nähme ab, weil er immer noch in der Dämmerung lesen wolle. Sein Fehlschluß, so sehr er auch sonst Fehlschlüsse hassete, machte ihm dieses Mal keine geringe Freude. Er unterließ das Lesen in der Dämmerung, und sein Gesicht nahm So wenig ab, daß ich diese Geschichte auch mit deswegen hieher setze, um ihm, der diese Zeilen in diesem kleinen Druck, jetzt in seinem fünfzigsten Jahre gewiß, (vielleicht gar einmal aus Mutwillen in der Dämmerung) lesen wird, eine Freude in der Ferne zu machen. Es ist überhaupt ein sehr großer, wiewohl sehr gemeiner Irrtum, zu glauben, ein schwaches Licht sei den Augen günstig. Dem unbeschäftigten Auge wohl, das nicht sehen will, allein dem sehen wollenden ist es schlechtweg schädlich, und ein starkes zuträglicher. Daß hier die Rede nicht vom unmittelbaren Sonnenlicht, oder von weißen Gegenständen als z.B. Schnee zurückgeworfenem ist, versteht sich von selbst. Dieses kann freilich Entzündungen der Augen bewirken, die nicht bloß Schwäche des Gesichts, sondern völlige unheilbare Blindheit in kurzer Zeit zur Folge haben können. Gegen einen solchen Mißbrauch des Lichts warnt aber auch die Natur gemeiniglich bald durch ihr gewöhnliches Mittel, den Schmerz, und das Unerträgliche, was jene Empfindung begleitet. Was man gemeiniglich Schädliches im starken Lichte zu finden glaubt, ist nicht sowohl dieses, als der Mangel an gleichförmiger Verbreitung desselben im Auge. Man kann am Tage ohne die mindeste Beschwerde Stunden lang in den Mond sehen, selbst wenn er hoch über dem Horizont steht, bei der Nacht geht dieses nicht an, ja man hat Beispiele, daß Astronomen, die ihn des Nachts durch Ferngläser lange unverrückt und ohne gefärbte Gläser betrachtet haben, um ihr Auge gekommen sind. Dieses rührt daher: Am Tage leuchtet nicht bloß der Mond, sondern auch alle Gegenstände umher, und selbst der benachbarte Himmel wirft blaues Licht zurück. Dadurch wird die Pupille gehörig verengert, überflüssiges Licht abgehalten, und überdas der Boden des Auges mit gleichförmigem übermalt. Hingegen bei der Nacht wirken die Gegenstände sehr ungleichförmig auf das Auge, und bringen daher in einander nahe liegenden Teilen desselben entgegengesetzte Wirkungen, teils gleichzeitige, teils sukzessive hervor, welches immer eine Art von anfangs zwar vorübergehender, aber endlich mehr oder weniger anhaltender Zerrüttung ist, derjenigen analog, die plötzlicher Übergang von Hitze zur Kälte dem Leibe verursacht. Man findet daher schon wirklich in obigem Fall einige Erleichterung, wenn man das Objektivglas erleuchtet, da doch nun gewiß noch mehr Licht auf das Auge fällt, als vorher, da der Mond allein da war, allein es ist nun alles gleichförmiger, der Mond scheint nicht mehr an einem schwarzen, sondern an einem weißlichten Himmel zu stehen. So würde das Blatt, worauf ich schreibe, das mir mit so sanftem Licht zu leuchten scheint, unerträglich zu glühen scheinen, wenn es dieses verborgte Licht des Nachts in einem übrigens dunkeln Zimmer als sein eignes zurückwürfe. Ich würde glauben auf weißglühendes Blech zu schreiben, und mit der Federspitze einzelne Stellen abzulöschen. – Also, wenn es dann doch einmal bei Licht gelesen oder geschrieben sein soll, so ist es immer besser zwei oder drei Lichter zu gebrauchen, als ein einziges, nur muß die Flamme selbst mit so wenigem Aufwand von Schatten verdeckt werden, als es die Umstände verstatten. Herr Prof. Büsch hält zu dieser Absicht die kleinen Taschenschirme aus Taffet für die bequemsten und besten, deren Mangel man auch ebenfalls mit einer Karte ersetzt, die man vermittelst einer Haarnadel befestigt. Die Lampen mit Schirmen, die, wie die Segnerschen und andere ähnliche, das ganze Zimmer verfinstern, bis auf die Stelle da man lieset, müssen bei fortgesetztem Gebrauch notwendig das beste Gesicht durch eben diese ungleiche Verteilung des Lichts schwächen, da bei jedem Umhersehen, das Auge die Veränderung erleidet, von der wir oben geredet haben, und auch selbst in dem Falle, da man nicht umhersieht, jene ungleiche Erleuchtung des Inneren des Auges bewirkt, die so schädlich ist. Schade, daß die vortreffliche Lampe des Argand, die sonst in aller andern Rücksicht eine der schönsten Erfindungen ist, auch diesen Fehler hat. Der Erfinder hat zwar einigermaßen dieser übeln Wirkung dadurch vorzubeugen gesucht, daß er die Schirmstürze aus dickem, weißem Papier macht, wodurch das Licht mehr durch die Stube verteilt wird, und freilich nicht so schädlich als ein undurchsichtiger Schirm, oder als der Anblick der Flamme selbst wird, aber doch noch immer zu abstechend gegen das übrige Licht des Zimmers, weil die Lichtflamme bei dieser Lampe so äußerst lebhaft ist. Auch hat man den Rauchfang aus gefärbtem Glas gemacht, dadurch wird aber ein Teil der Absicht dieser Lampe verfehlt, nämlich die große Helle. Daß Schirme, die man über den Kopf stürzt, das Licht im Auge ebenfalls ungleichförmig verteilen, ist schon oben erinnert worden. –

Der zweite Hauptrat ist: Man muß den Augen nie mehr anmuten, als sie vertragen können, und die Art und die Zeit der Beschäftigungen so viel möglich, nach dem Zustande der Augen wählen Busch a.a.O. S. 333.. Man muß also, so viel als möglich, alle lange anhaltende Anstrengung der Augen vermeiden, und in den Beschäftigungen abwechseln. Zum Glück werden die von Nerven herrührenden Augenschwächen gewöhnlich solchen Menschen zu Teil, die dieses noch können, und seltner Leuten, die in körperlichen oder in leichtern Handarbeiten sich anhaltend beschäftigen. Herr Prof. Busch enthält sich seit vielen Jahren alles anhaltenden Lesens bei Licht, und wählte dafür lieber das Schreiben, weil er dann seinen Augen noch durch den Gebrauch des blauen Papiers zu Hülfe kommen kann. »Weil mir aber, setzt er hinzu, meine gesetzten Arbeiten nicht Beschäftigung genug gegeben hätten, so mußte ich mich nach andern Gegenständen umsehen. Kurz, dieser Umstand insonderheit habe ihn erst spät zum Schriftsteller, und nun beinahe zum Vielschreiber gemacht.« Mancher Ausländer wegen (denn der Almanach wird übersetzt,) muß ich hinzusetzen, – und zwar zu einem, der der Nation Ehre macht. So viel Trost diese Geschichte dem Denker gewähren wird, der aus sich selbst schöpfen kann, so wenig Tröstliches enthält sie für den Kompilator, der seine Bibliothek oder gar die öffentliche mit zu seinem Kopf rechnet, und bei welchem sich besinnen nachschlagen heißt. Doch diese gehören mit unter die subtilen Handarbeiter, von denen wir soeben gesagt haben, daß sie nicht so leicht mit dieser Krankheit befallen werden. Wer sich vorlesen lassen und diktieren kann, kann sich freilich große Erleichterung verschaffen, und allen anstrengenden Gebrauch der Augen bloß auf den Tag versparen, mit sehr großem Gewinn für dieselben.

Dritter Rat: Man beschäftige seine Augen in freien Stunden, so viel als möglich in freier Luft und im Sehen in die Ferne Ebendaselbst S. 336., man wähle seine Vergnügungen in dieser Rücksicht. Reiten hat einen längst erkannten Nutzen für nervenschwache Augen, durch die heilsame Erschütterung der Nerven. Fahren und Spazierengehen haben ihn auch in dieser Rücksicht. Von allen aber ist dieses der Hauptvorteil, den sie dem schwachen Auge verschaffen, daß dasselbe mit einer Menge von Gegenständen beschäftigt wird, deren keiner das Auge lange auf sich zieht, und die in der Entfernung, worin man sie sieht, demselben ein hinlänglich sanftes Licht zusenden.

Zum Trost bei anhaltender Augenschwäche dient die Bemerkung, daß sie sich selten mit völliger Blindheit endigt, zumal wenn man sich der erwähnten Vorsicht bedient, und man lasse sich daher nicht gleich durch Okulisten schrecken. Es gibt unter ihnen sehr seltsame Menschen, die alle die prachtvolle Windigkeit des Ritter Taylor ohne seine Geschicklichkeit besitzen. Ich kann hier aus eigner Erfahrung reden, und ergreife mit Vergnügen diese Gelegenheit, einem Manne ein kleines Denkmal zu stiften, das ich ihm schon längst zugedacht habe, ohne die Gelegenheit dazu finden zu können. Dieser Mann ist der berühmte Okulist Wenzel der Vater in London. Wer ihn noch nicht kennt, kann die kurze aber brillante Geschichte seines eignen Wertes, mit stehenbleibenden Schriften gedruckt in jedem englischen Morning paper lesen. Wenn schon die Gleichzeitigkeit einem Geschichtschreiber so vielen Kredit gibt, so kann man leicht denken, was gar diese Geschichte sein müsse, da er selbst der Verfasser davon ist. Zu diesem wackern Landsmanne verfügte ich mich im Jahr 1775,da sich ein Zufall an einem meiner Augen zeigte, der einigen meiner Freunde und besonders mir sehr bedenklich schien. Er wohnte in einer der ersten Straßen Londons, in Pall-Mall, da wo nachher auch Graham seine himmlische Bettlade aufschlug. Bei dem Eintritt in das Haus, wurde ich von einem Paar Bedienten oder Lehrlingen, denn sie hatten in ihrem Betragen etwas von beiden, mit den Augen gemessen und gewogen, vermutlich zu erforschen, ob ich ein solventer oder ein gratis Patient sei, denn in meinem Anzug mochten sie wohl auch so etwas von beidem entdeckt haben. So kam ich endlich vor Herrn Wenzel, der mit jemanden in der Stube ein sehr breites Englisch sprach. Ich fragte ihn auf die bescheidenste Weise von der Welt auf Englisch, ob ich wohl Deutsch mit ihm reden könne, denn es gibt in England Deutsche die es nicht gern Wort haben wollen, daß sie es sind. O, sagte er, sprechen Sie mit mir, was für eine Sprache Sie wollen. Dieses gab mir eine sehr hohe Idee von den Sprachkenntnissen dieses Mannes; ich klagte ihm also mein Anliegen deutsch. Er ließ mich niedersitzen, besah mein Auge mit sehr bedeutendem, liebreichem Kopfschütteln, und auf die Frage: was er von dem Umstand hielte, sagte er: Sie werden blind. – Können Sie mir aber wohl helfen? – O ja – und was muß ich Ihnen dafür bezahlen? – Zehn Guineen, war die Antwort, ich gebe Ihnen etwas in einem weiten Glase, da halten Sie das Auge des Tages etliche mal hinein usw. Ein feiner Scharlatan war denn doch der Mann nicht. Er hätte mich bloß niederschlagen sollen, allein der unanständige dezisive Ton seiner Worte richtete mich mehr auf als mich ihre Bedeutung niederschlug, und ich sah auf einmal wen ich vor mir hatte, bezahlte ihm eine halbe Guinee für die gemachte Freude, und ging nach der Straßentür zu, wohin er mich mit bezahlter Höflichkeit unter vielen Bücklingen begleitete. Vollkommen tröstlich für mich war indessen diese Unterredung im ganzen nicht, denn ich hörte nachher von Wenzels Talenten wenigstens nicht immer schlecht sprechen. Indessen nahm nun bald meine Geschichte eine andere Wendung. Auch hier muß ich ein paar Männer nennen, nicht um ihnen ein Denkmal zu stiften, denn dieses haben sie, die sehr weit über alles Lob, das ich ihnen erteilen könnte, erhaben sind, selbst längst getan. Ich sprach nämlich von meinem Zufall an einem hohen Orte. Die Folge war, daß der Königliche Wundarzt Hawkins zu mir kam. Bei seinem Eintritt in die Stube war es, als gingen Zutrauen und Hülfe vor ihm her, mit so liebreichem Ernst nahte er sich mir. Er sah mir lange in das Auge, aber ohne Kopfschütteln, gab mir alsdann die Hand, und sagte mit unbeschreiblich sanftem Ton, den ich noch immer höre: Sein Sie ganz ohne Sorgen, Sie haben nichts zu befürchten, und verordnete mir ein sehr leichtes Mittel, das mich ein paar Groschen kostete. Als ich bald darauf nach Göttingen kam, fing ich doch wieder an zu sorgen, denn die Augenkranken sind gar vorsichtige Menschen, und fragte unsern jetzigen Herrn Leibarzt Richter. Hier erhielt ich dieselbe herzliche Versicherung mit denselben Mitteln, und seit der Zeit hat das Übel, das doch schon zu dem Grade angewachsen war, daß es die Hornhaut durch Andruck etwas verstellte, und ich wirklich mit diesem Auge doppelt sah, nicht allein nicht zugenommen, sondern ist so völlig verschwunden, daß ich noch kaum im Vergrößerungsspiegel die Spur davon finde. Dieses zeigt wie man die Augenärzte wählen müsse deutlich. Die Regel gilt auch bei der Wahl der Ärzte überhaupt. – Ehe ich nun zu den Hülfsmitteln schreite, die das Gesicht von Gläsern hoffen kann, und der dabei nötigen Vorsicht, so schreibe ich Herrn Adams, einem erfahrnen, vorsichtigen Manne ein äußeres Mittel nach, das allemal ohne Schaden, und oft mit Vorteil gebraucht worden ist, wo sich eine Schwäche der Augen früher als man vom Alter des Patienten erwarten sollte, einstellt, und wovon auch sonst keine in die Augen fallende Ursache vorhanden ist: Zu einem halben Quartier Branntwein tut man zwei Unzen Rosmarinblätter in eine schwarze Flasche, und schüttelt alles drei Tage hinter einander etlichemal des Tages durcheinander, läßt es drei Tage stehen, und seiht es alsdann durch. Von dem Klaren dieses Aufgusses mischt man sodann einen Teelöffel voll mit vier Teelöffeln voll warmen Wassers, und wäscht damit beim Schlafengehen die Augen so, daß man die Augenlider jedesmal in eine solche Bewegung setzt, daß dabei etwas von dem Aufguß zwischen das Augenlid und den Augapfel kömmt. Nach und nach kann man immer weniger Wasser nehmen, bis man endlich mit gleichen Teilen von jedem beschließt. –

Allein aller Mühe und Vorsicht ungeachtet, wird oft das Auge schwächer so wie die Stärke der körperlichen Hülle zu sinken anfängt, oder leidet wenigstens Veränderungen die eine Beihülfe nötig machen. Doch ist dieses nicht immer eine notwendige Folge des Alters, ob es gleich eine sehr gewöhnliche ist. Herr Prof. Busch redet von einer Frau, die als er seinen Aufsatz schrieb, noch in Hamburg lebte, die in ihrem hundertundzehnten Jahre noch eines vollkommenen Gesichts genießt; und ähnliche Beispiele gibt es im siebenzigsten und achtzigsten Jahre gewiß unzählige, und würden gewiß noch häufiger sein, wenn man von den Jahren des reifenden Verstandes an eine gehörige Gesichtsökonomie bei sich eingeführt hätte. Ist es aber nun einmal nicht anders, stellen sich die Folgen des Alters beim Gesicht ein, so affektiere man nicht lange eine Kraft, die einem nicht mehr natürlich ist. Durch Affektation von Kraft in gewissen Jahren geht nicht selten auch noch der Teil derselben verloren, den man noch hat, ohne daß man sonst etwas dabei gewänne. Daher sind auch die geraden offenherzigen Leute, die nicht um ein Haar stärker oder jünger oder gesünder sein wollen als sie sind, diejenigen die am längsten aushalten. So empfängt auch hier die Tugend ihren Lohn durch sich selbst.

Man kann überzeugt sein, daß dieser Fehler der Augen eintreten werde, oder bereits eingetreten sei, wenn man 1) genötigt ist, um kleine Gegenstände deutlich zu sehen, sie in einer beträchtlichen Entfernung vom Auge zu halten. 2) Wenn man des Abends mehr Licht nötig hat als sonst, und z.B. um deutlich zu sehen die Kerze zwischen den Gegenstand und das Auge bringen muß. Ein in aller Rücksicht äußerst schädliches Verfahren, wenn damit angehalten wird. 3) Wenn ein naher Gegenstand, den man mit Aufmerksamkeit betrachten will, sich zu verwirren und wie mit einem Nebel zu überziehen anfängt. 4) Wenn die Buchstaben beim Lesen zuweilen in einander zu fließen und doppelt und dreifach zu sein scheinen. 5) Wenn die Augen nach einer mäßigen Anstrengung gleich so sehr ermüden, daß man genötiget ist zur Erholung auf andere Gegenstände zu sehen. Bemerkt man einen oder mehrere von diesen Umständen, so ist es Zeit sich nach Gläsern umzusehen, die alsdann gut gewählt, den Augen zur mehrern Erhaltung, ja zur Heilung dienen können, die sonst durch unnütze Anstrengung deutlich zu sehen, noch mehr verdorben werden würden. In diesem Verstande können die Brillen wirklich Konserviergläser werden. Man muß aber ja nicht glauben, wie sehr gewöhnlich geschieht, daß es Gläser gebe, die ein noch völlig gesundes Gesicht zu konservieren dienen. Brillen sind Krücken, und Konservierkrücken für gesunde Beine gibt es nicht und braucht man nicht. Je eher man dazu tut, desto besser. Jeder Aufschub verschlimmert die Sache. Adams führt einen Fall an, da eine Dame aus falscher Scham, den Gebrauch der Brillen so lange aufschob, daß man ihr am Ende nur noch mit Gläsern von solcher Dicke und Brennweite, dergleichen man am Star operierten Personen zu geben pflegt, eine leidliche Hülfe verschaffen konnte; da hingegen Personen, die bei Zeiten Gläser von großen Brennweiten gebrauchten, öfters im Stande gewesen sind, ihre Brillen bei Seite zu legen und mit den bloßen Augen zu sehen. Man sei daher bei der Wahl, zumal der ersten Brillen, sehr auf seiner Hut, und wende sich an erfahrne Leute. Man wähle keine starken Vergrößerer, sondern nur solche, durch welche man mit Leichtigkeit in eben der Entfernung lesen kann, in welcher man sonst mit Bequemlichkeit ohne Brillen zu lesen pflegte. Wird freilich das Auge noch flacher, so muß man stärkere Vergrößerer suchen, aber sich immer hüten, nicht plötzlich zu weit zu gehen. Eine gute Probe, daß man zu weit gegangen und seine Brillen zu stark gewählt habe, ist, wenn man das Buch näher ans Auge bringen muß, als sonst Personen von gesunden Augen zu tun pflegen, nämlich näher als neun bis acht Zolle. Zuweilen ereignet es sich, daß Personen, die am Tage gut und bequem durch die Brille lesen können, bei Licht aber nicht, wenigstens nicht ohne beschwerliche Anstrengung; diese werden wohl tun, wenn sie sich eine etwas mehr vergrößernde anschaffen, die sie nur bei Licht gebrauchen. Man hüte sich vor den sogenannten Brillen mit Bedeckungen oder Blendungen, die die Engländer visual spectacles nennen, deren Gläser, von geringer Apertur mit sehr breiten schwarzen Ringen, gewöhnlich aus Horn eingefaßt sind. Ein unwissender Mann hat ihnen aus einem mißverstandnen Principio diese Einrichtung gegeben, die bei Fernröhren nötig, hier aber nicht bloß unnütz sondern schädlich ist, eben wegen dieser starken und nahen Schatten, und weil bei etwas langen Zeilen der ganze Kopf in Bewegung gesetzt werden muß. Ebenso unnütz und schädlich, wiewohl nicht in ganz so hohem Grade, sind die grünen Brillen. Herr Prof. Busch sowohl als Adams sprechen aus Erfahrung stark dagegen. Das Grüne ist allerdings eine sanfte und angenehme Farbe, aber nicht die Farben der Gegenstände, die man durch grüne Brillen ansieht. Sie geben allen Farben, das Weiße und Grüne ausgenommen, ein unangenehmes und schmieriges Ansehen, und werden sie abgenommen, welches der Fernsichtige bei fernen Gegenständen tut, so erhalten die Gegenstände ein blendendes, anfangs sogar rötliches, Ansehen, welches den Augen schadet. Auch in dieser Erfindung also ist mehr guter Wille als Verstand. Die Furcht und Scham alt zu scheinen, denen wir den ganzen zweiten Teil der kosmetischen Kunst zu danken haben, haben ebenfalls an den Krücken gekünstelt, wodurch sich das alternde Gesicht forthelfen muß, oder ihnen wenigstens das Ansehen von einem Spazierstock zu geben gesucht, den man mehr aus Laune als Not gewählt hätte. Sie haben nämlich das Auge zu bewaffnen gesucht ohne die Nase zur Waffenträgerin zu machen, und die sogenannten Lesegläser erfunden, die man in der Hand hält. Die Absicht dieser Gläser soll sein, sich bei der Fernsichtigkeit des Alters noch ein Ansehen von Jugend zu geben; dann soll die Würde des Gesichts nicht so sehr darunter leiden, und endlich auch die Nase nicht gemißbraucht werden, und den guten Ton nicht verlieren. Der erste Vorteil ist gewiß sehr gesucht, und würde wegfallen, sobald man dergleichen Gläser nur bei Alten sähe. Was den zweiten Vorteil betrifft, so ist zwar nicht zu leugnen, daß zu allen Zeiten und bei allen Völkern, die meisten Handlungen, worin sich die Nase entweder von selbst mischt, oder in welche sie mit Gewalt gezogen wird, sobald sie nicht mit zu den Geruchsgeschäften gehören, ein etwas lächerliches Ansehen gewinnen. Dahin gehört z.B. das Tragen großer Warzen darauf, die gar für die Nase nicht gehören; das Umschlagen von Blättern in Büchern, das Auffangen und Parieren von Schlägen, denen sie nicht gewachsen ist, oder wenn sie sich gar zum Zügel oder zur Handhabe gebrauchen läßt, ihren Besitzer daran herum zu führen. Allein nichts, was die Nase zu Unterstützung der Augen tut, hat sie je lächerlich gemacht, wegen der bekannten Verwandtschaft die zwischen beiden stattfindet. Es ist nämlich bekannt, daß beide schon in der frühesten Jugend gemeiniglich zugleich weinen, ja daß selbst im Alter die Augen noch übergehen, wenn die Nase gereizt wird, und daß sie nicht selten zu gleicher Zeit rot werden. Den guten Ton wird sie ebenfalls nicht verlieren, wenn die Dienstfertige nicht zu sehr geklemmt wird, und etwas Unterstützung durch Bügel an den Schläfen erhält, und, was hier wohl bemerkt zu werden verdient, so hat es Leute gegeben, die diese im Dienst veränderte Sprache für schön gehalten haben, zumal wann sie sich nicht sowohl dem näselnden Klarinettenton, als vielmehr der vornehmen, halb erstickten Schnupftabakssprache nähert, die das m fast wie b ausspricht. Doch genug mit dieser Art zu widerlegen und von solchen Argumenten. – Die Lesegläser sind schädlich und unnütz, 1) weil sie ihrer Natur nach nicht festgehalten werden können, und also folglich das Auge immer andere Stellungen erfordert und auch annimmt, wodurch es ermüdet und geschwächt wird, daher solche Personen öfters sich genötigt sehen zu Brillen überzugehen, wenn es fast zu spät ist. 2) Weil das von ihrer Oberfläche zurückgeworfene Licht bei mancher Gelegenheit stark blendet und verwirrt, und dadurch das Übel vermehrt; und 3) weil sie beim Schreiben und vielen andern Verrichtungen nicht zu gebrauchen sind. Personen, die in ihren besten Jahren kurzsichtig gewesen sind, bedürfen im Alter der Brillen selten oder gar nicht, weil ihr Auge zu viel Konvexität hatte, die sich nun verliert, aber nicht immer zu dem Grade, daß sie konvexer Brillen bedürften. Die Menge rechnet ihnen dieses zur Glückseligkeit, daß sie im späten Alter ohne Brillen lesen können, das heißt, nicht nötig haben einen halben Gulden für ein Paar Gläser hinzugeben, dafür sie denn die ganze übrige Lebenszeit für die Schönheit der Natur im Großen blind waren, und nie den entzückenden Anblick einer schönen Gegend genossen haben. – Die Kurzsichtigen müssen sich bei der Wahl ihrer Brillen eben der Vorsicht bedienen, deren wir oben Erwähnung getan haben, nämlich ihre Gläser nicht gleich allzu hohl wählen, und würden wohl tun sich bei Zeiten der Brillen von solcher Konkavität zu bedienen, die ihnen verstattet das Buch acht bis zehn Zoll vom Auge zu halten, anstatt es dem bloßen Auge immer näher zu bringen, und dadurch den Fehler immer mehr zu verschlimmern.

Noch muß ich denenjenigen zum Trost erinnern, die von den kleinen schwarzen vor den Augen schweben zu scheinenden schwarzen Flecken geschreckt werden, welche die Franzosen mouches volantes nennen, daß sie wenig zu bedeuten haben. Ich kann hierin Herrn Prof. Büschs Erfahrung auch noch die meinige beifügen. Als ich mich im Jahr 1769 und 1770 sehr mit mikroskopischen Beobachtungen abgab, bemerkte ich ihrer mehrere, zumal im rechten Auge, nicht als wenn ich sie mir durch das Mikroskop zugezogen hätte, sondern weil die Lage des Auges, bei dem zusammengesetzten Mikroskop, da bei dem Abwärtssehen die Axe desselben fast vertikal zu stehen kommt, ihrer Beobachtung sehr günstig ist. Ich wurde dadurch beängstigt, zeichnete die Figur von einigen, um ihren Wachstum oder Abnahme zu bemerken, fing aber endlich an mich nicht weiter mehr um sie zu bekümmern, welches gegen viele Übel in der Welt, wo nicht ein treffliches Mittel selbst, doch gewiß eine große notwendige Unterstützung dabei ist, und fand nach fünf, sechs Jahren unvermutet, daß die Flecken alle verschwunden waren. –

Außer den oben erwähnten Ursachen von Augenschwächen gibt es freilich auch noch andere, deren Hebung für den Arzt allein gehört. Aber die Schwäche entstehe woher sie wolle, so wird allemal die oben erwähnte Ökonomie beim Geschäfte des Sehens nötig sein, und jede Verabsäumung derselben die Sache verschlimmern.

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