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Aufsätze gelehrten und gemeinnützigen Inhalts

Georg Christoph Lichtenberg: Aufsätze gelehrten und gemeinnützigen Inhalts - Kapitel 13
Quellenangabe
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typeessay
authorGeorg Christoph Lichtenberg
booktitleSchriften und Briefe ? Dritter Band
titleAufsätze gelehrten und gemeinnützigen Inhalts
publisherZweitausendeins
editorWolfgang Promics
isbnISBN 3-86150-042-6
correctorjohannschneller
senderwww.gaga.net
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Rezensionen

I

Leipzig

Im Verlage der Dykischen Buchhandlung ist erschienen: England und Italien von J. W. v. Archenholz, vormals Hauptmann in kön. preuß. Diensten, zwei Bände, wovon der erste in 2 Teilen 597 und der zweite 377 S. in Oktav begreift. 1785. Dem Herrn Hofr. Wieland zugeeignet. Der Verfasser dieses sehr interessanten Werks hat sich 2½ Jahr in zwei Perioden in Italien, und in drei verschiedenen Zeiten 6 Jahre in England aufgehalten, letztere fielen in das merkwürdige Dezennium von 1769-1779. England. Nach Rezensentens Urteil hat der Verfasser, einige den Hof betreffende Umstände abgerechnet, womit er, nach näherer Kenntnis, nicht ganz mit ihm gleich denkt, den Gesichtspunkt, aus dem der Charakter dieses edlen Volks betrachtet werden muß, besser gefaßt, als irgend ein Schriftsteller der ihm noch vorgekommen ist. Der Verf. fürchtet am Ende, nachdem er den Charakter der Nation meisterhaft geschildert hat, man möchte ihn für parteiisch halten, und entschuldigt sich deswegen. (Dieses war gewiß nicht nötig, jeder unbefangne Mann, der dieses Volk und seine vortreffliche Verfassung kennen gelernt hat, der nicht den Charakter einer Nation aus dem Abschaum derselben oder nach der Aufführung unmündiger Fähndriche beurteilt, wird ihm mit ganzer Seele beipflichten, und was bekümmert sich ein solcher Schriftsteller um die übrigen? Es würde gewiß sehr viel Mangel an Kenntnis der Welt, und der Würde des Menschen überhaupt, sehr viel Neid und eigne moralische, politische oder gelehrte Verdorbenheit dazu gehören, ein Jahr in dem Lande gelebt zu haben ohne, größtenteils mit dem Verf. zu stimmen und ohne zu bekennen, daß vielleicht bei keinem Volk auf der Erde im allgemeinen je so viel Treuherzigkeit, Edelmut und wahre Würdigung jedes Standes des Menschen anzutreffen gewesen sei, als bei dem englischen.) Die hohen Rechte der Menschheit seien nirgends so sehr gegen die Unterdrückung der Großen gesichert. Wer da fühlen wolle, was er ist, er sei wes Standes er wolle, der beleidige nur einen Bedienten. Es finde da keine geheime Kriminaljustiz statt, es gebe keine befestigten Residenzschlösser des unverschuldeten Elends, worin, wie in der Bastille, (und wie die ehrwürdigen Festungen sonst noch heißen mögen), die Strafe vor dem Prozeß hergehe. Linguet der hitzige, parteiische Schwätzer, der alles in England herabwürdigte, ehe er es kannte (und das ist nötig um es herabzuwürdigen), habe dieses am Ende erkannt, (er ging mit dem Gedanken nach England, dieses Land zu erleuchten – und wurde erleuchtet, wozu ihm zwei Jahre in der Bastille die nötige Muße verschafften) und feierlich seine Meinung widerrufen. Das Verbrechen mache alle gleich; der Adel, wenn er sich des Galgens fähig mache, könne ihn mit schwarzem Tuch behängen lassen (auch der Unadliche, wenn er es bezahlt, und mit Pleureusen obendrein), aber hängen müsse er. Man glaube, der Königin Christina, wenn sie ihren Mord in England begangen hätte, würde man förmlich den Prozeß gemacht haben (und warum auch nicht?) ob sie gleich der König begnadigt haben würde. Die Bittschrift für den Dr. Dodd war 87 Fuß lang und von 23 000 Personen unterzeichnet, und er mußte sterben; er habe sehr auf die Gnade des Königs gerechnet, (man rechnet falsch auf diese Gnade, solang die Rechnung gegen die Gesetze läuft, und was sind 23 000 Stimmen zum Teil erkaufter, schwachbarmherziger Seelen gegen die Stimme des Gesetzes und des erleuchtetsten Teils des Volks?). Nichts gehe über die menschenfreundliche Behandlung der Verbrecher, man sollte glauben, Richter, Geschworne und Advokaten wären vereinigt, den Beklagten zu retten (vortrefflich und ohne Ausnahme wahr bei Kriminalprozessen, allein auch ebenso ganz allgemein in andern?). Der Spion, Obrist La Mothe, den man in Frankreich als einen Wurm behandelt hätte, erstaunte über die Nachsicht, womit er behandelt worden. Man ging mit ihm um, als wenn an seiner Rettung die Rettung des Wohls des Landes läge; er wurde von den größten Advokaten ohne Belohnung verteidigt. Sehen Sie, redete ihn endlich der Richter an, so verfährt man mit Ihnen in einem Land, dessen vortreffliche Constitution zu vernichten, Sie so viele Bemühungen angewandt haben. Der Adel sei der aufgeklärteste in Europa (so wie es auch gewiß das gemeine Volk ist), der gemischte Umgang habe daran den größten Anteil (daher auch die echte Würdigung des Verdienstes wo Schreiben nie der einzige Maßstab desselben werden wird. Man erkennt dieses freilich an andern Orten auch, aber die ganz unverabredete, praktische Äußerung dieser Grundsätze, und mehrerer, die anderwärts nur der Philosoph von Profession kennt, und vergeblich einzuprägen sucht, wird man nicht leicht in einem andern Lande finden). Sehr richtig wird bemerkt, daß der Engländer der höflichste Mann von der Welt sei, sobald man reellen Dienst und nicht Worte und Grimassen für Höflichkeit nehme. Sie hätten viel Nationalstolz, allein der Spanier habe noch weit mehr, und werde deswegen lächerlich, weil er sich auf nichts gründe, der Engländer aber werde bloß angefeindet, weil man im Herzen fühle, daß er Ursache habe stolz zu sein (sehr wahr, und den Anfeindern recht aus dem Herzen geschrieben). Die rührende Geschichte der 800 verlassenen deutschen Emigranten, zu deren Rettung ein gemeiner Bäckerknecht aus eignem Gefühl das erste beiträgt, und die endlich das Volk auf die Vorstellung eines deutschen Predigers vollendet. Reiche Deutsche hingegen ließen sich, bei dieser Geschichte, die ihren Landsleuten, geleisteten Dienste teuer aus dem gesammelten Fond bezahlen. Über Wilkes. (Nach Rez. Urteil viel zu vorteilhaft, und fast, wie an mehrern Stellen des Buchs, etwas zu deklariert Whiggish. Freilich wer nimmt nicht in England Partei? Auch dieses führt zum großen Zweck. Allein wo hat Wilkes Verstand gezeigt, von dem doch der Verf. redet? Rez. hat ihn gesehen, da er unter den Insignien der Gerechtigkeit als erste Magistratsperson der Stadt sitzend, die Zeitungen las, und mit Bleistift Stellen bemerkte, während über 13 gefesselte Menschen, die sich zum Teil auf die Knie warfen, das Todesurteil ausgesprochen wurde. Hat er irgend etwas getan, was nicht jeder abgefeimte, hartnäckige Bösewicht in Wilkes damals desperaten Umständen bei beständig von Freunden angefachtem und von der Menge begünstigtem Privathaß gegen König und Minister hätte tun können? Daß er 1780 die Bank gerettet, wenn er es anders allein war, der sie rettete, verdient kaum eine Betrachtung; er kannte seine Gegner und seinen Kredit grade bei dieser Klasse von Menschen. So etwas konnte ein solcher Mensch unter diesen Umständen immer wagen, der ohnedem bei herannahendem Alter, und eintretender Selbsterkenntnis diesen Schritt zur Aussöhnung mit dem Hof, vielleicht längst gewünscht hatte. –) Es hing von ihm (Wilkes) ab, ein Catilina zu werden, aber er ward es nicht, sondern begnügte sich, ein Wohltäter seines Volks zu sein, sagt der Verf. (Allein ein Catilina zu werden, war gerade, was dieser Patron fürchtete. Was wurde denn Catilina? Es ist immer angenehmer in einem warmen Plätzchen in der City sein Leben zu verschmausen, als eines am Tage der Schlacht mit seinem Leichnam zu bedecken, wäre es auch, wie Sallust sagt, das, auf dem man den ganzen Tag gefochten hat.) Der Verf. malt vortrefflich, man lese z.B. Olivers Abzug vom Tower usw. Er sagt bei der Gelegenheit mit Shaftesbury, der Enthusiasmus stecke an wie der Schnupfen; (wer noch an der Wahrheit dieses Satzes zweifelt, wird sich selbst durch die bloßen Erzählungen des Verf. hier und an mehrern Stellen seines Werks widerlegt finden). – Reizende Aussichten. Sie kämen oft den schönsten in Italien gleich, und Karl II habe Recht, wenn er behauptete, England sei das einzige Land in Europa, wo man im ganzen Jahr die größte Zeit ohne Unbequemlichkeit außerm Hause bleiben könne. Gibbons; der berühmte Geschichtschreiber heißt eigentlich Gibbon. Noch immer sei das Doomsday book unübersetzt, man habe Raspen zum Übersetzer gewählt, aber aus Mißhelligkeit zwischen Übersetzer und Unternehmer sei nichts aus der Sache geworden. Deutsche haben zuerst die Papier- und Eisenmühlen in England eingeführt. Herrn Thielens in Bremen Verdienste um die Seeuhren. (Es ist doch immer noch ein Preis für diejenigen offen, die nach von Harrisons verschiedenen Prinzipien etwas Vorzügliches liefern.) Coxes Museum. (Freilich sehr herrlich, ein Himmel, wie sich ihn der Bauer denkt, aber, das Barometer etwa ausgenommen, doch im Grunde, so wie die Drozischen elenden Spielereien, nichts als sublime Nürnberger Ware, wodurch weder Wissenschaft noch Kunst sonderlich gewinnt.) Von Grahams magnetisch-elektrischem, himmlischem Bett, sehr schön, etwas für unsere magnetisierenden Zeiten. Der Hauptfleck heiße Sanctum sanctorum (nicht so profan, oder wenigstens nicht so neu als man denkt, zählte ja P. Kircher schon Gott selbst mit unter die Magneten). Von Mrs Abington der großen Schauspielerin. Der Verf. spricht am Ende noch einmal von ihr, durchaus treffend und meisterhaft. Vom Bettler, Obrist Champigny, der die Bettelkunst in ein System brachte, Equipage hielt und traktierte. (An andern Orten tut man etwas Ähnliches fast noch systematischer, auf Rechnungen, die nicht bezahlt werden.) Zweimal wird 1660 als das Jahr des großen Londonschen Brandes genannt, es war 1666. Sehr richtig wird bemerkt, daß die größten Kunstwerke Italiens in England ihr Grab fänden. – Die einzige Oxfordstraße in London habe mehr Lampen als ganz Paris (eine bitter scheinende aber, nach dem, was Rez. sonst gehört hat, sehr wahre Behauptung). Die Facade der Paulskirche nach Ludgate hill zu, sei prächtiger und tue eine größere Wirkung als die von der Peterskirche in Rom, nur fehle es ersterer an dem freien Platz (ob aber die Paulskirche nicht vielleicht durch den freiem Prospekt wieder verlöre? Man rechnet jetzt viel auf die Hindernis, sie nicht, wie man will, betrachten zu können). Mit Recht eifert der Verf. gegen die Aufstellung des Bildes der großen Elisabeth in Westmünsters Abtei in Wachs. (Das Bild verdiente vielleicht aufbewahrt zu werden, aber nicht an diesem feierlichen Ort, wo das Auge an Marmor und Verewigung gewöhnt, gerade bei dem erhabensten Gegenstand auf dieses Honigkuchenwerk geleitet wird.) Die Brücken. Sie hätten in Europa nichts was ihnen gleiche; selbst die Brücke Rialto zu Venedig komme hierbei nicht in Betracht, deren 90 Fuß großer Bogen sich auch in Schottland zu Aire bei einer Brücke über den Dun befinde. Religion. Es gebe in London katholische Bischöfe, die von Almosen leben, auch sei ein Erzbischof von Canterbury der vornehmste unter ihnen; die Anzahl der Katholiken erstrecke sich in London allein auf 40000. Eine Folge der toleranten Grundsätze der englischen Kirche sei der geringe Eifer Proselyten zu machen; was sich noch in Ost- und Westindien diesem Geschäfte unterziehe, seien gemeiniglich Methodisten und Herrnhuter. Die ostindische Compagnie nehme sich der Religion gar nicht an, und in ganz Bengalen sei weder Kirche noch Kapelle. Quäker sowohl als Herrnhuter nähmen merklich ab. Williams deistischer Gottesdienst. Er habe Briefe vom Könige von Preußen und Voltairen erhalten, die seinem Unternehmen ihren Beifall erteilten. Es habe aber nicht gedauert. (Dieses war auch leicht voraus zu sehen, ein Sonntags-Collegium über theologiam naturalem hat zu wenig Anziehendes für den gemeinen Mann, und der Denker entbehrt es leicht. Herr Williams scheint ein vortrefflicher Mann und guter Kopf, allein seine Hauptabsicht verrät im ganzen doch große Unbekanntschaft mit der Natur des Menschen.) Seine Kapelle diene jetzt zum Versammlungshaus einer methodistischen Gemeinde (die verstehen auch besser, worauf es ankömmt, nur gehen sie auf ihrer Seite wieder zu weit; die Wahrheit liegt also wohl auch hier in der Mitte). Der sich ausbreitende Deismus sei eine Hauptursache des häufigen Selbstmords, (was beförderte also Williams;), die englischen Gesetze aber behandelten diese Selbstvernichtung als eine Krankheit des Geistes, die mehr Mitleid als Strafe verdiene, (doch nur in den Fällen wo ein Coroner ausdrücklich auf Lunacy erkennt, welches freilich meistens geschieht, und auch der Fall sein mag, sonst begräbt man den Selbstmörder doch auch an Kreuzwege, und treibt ihm einen Pfahl durch den Leib). Die deutschen Juden seien dort eine Menschenklasse, die man als einen Auswurf der Menschheit ansehen könne, meistens Stehler oder Hehler (merkwürdig genug, daß sie sich gerade dieses Fach wählen, in einem Lande, wo man weniger als in irgend einem andern nötig hat, Lieblingsneigungen zu unterdrücken, und worin daher jeder sich bald so zeigt, wie er ist. Doch scheint der Verf. hauptsächlich von denen zu reden, die aus Deutschland und Holland flüchten müssen). Vom public Spirit. Es gebe in sonst keiner Sprache ein Wort diesen Begriff auszudrücken (vermutlich weil man in den meisten Ländern höhern Orts die Sache selbst unnütz befunden). Was indessen das Wort sagen will, erläutert der Verf. durch wohlgewählte Beispiele vortrefflich, und errichtet hierbei dem General Wolfe, dem Herzog von Athol und dem großen Lord Chatham ein musterhaftes Denkmal. Den Beschluß der ersten Abteilung des ersten Bandes macht die die Menschheit entehrende Geschichte, wie sie der Verf. mit Recht nennt, von Deeds und Morton. Zweiter Teil: Der Prozeß der Herzogin von Kingston vortrefflich erzählt. Unüberwindliche Macht mancher englischen Gesetze mit den Geschichten von Sayre, Guerchy und d'Eon erläutert. (Bei der Gelegenheit eine treffliche Vergleichung zwischen dem Maßstab echter englischer Justiz und dem französ. pied du Roi). Der Verf. ist ganz für das männliche Geschlecht d'Eons, und bringt zur Unterstützung seiner Meinung Gründe bei, welche, die Besichtigung ausgenommen, nicht stärker sein können. Lustiger Dedikationshandel des Gazettier cuirassé Morande. Über Dr. Dodd umständlich und schön. Wenn ein Adlicher zum Beil verdammt wird, so verrichte ein Fleischermeister die Operation; er werde von der Familie dazu ausgesucht, die ihm dann am Ende gemeiniglich ein Beil mit einem silbernen Heft zum Geschenk mache. Kaum läßt es sich ohne Lächeln lesen, daß in England (wo bei weitem der größte Teil des Volks die Flüche als gewöhnliche partes orationis ansieht) das Fluchen durch ein Gesetz verboten ist. Es fänden sich aber selten Ankläger. Die Anzahl der Häuser von London und Paris verhielten sich jetzt wie 5:2. Mit Abscheu liest man den Diebshandel, den die deutschen Juden mit Bürgschaften treiben. Lord Mansfield: Der Charakter dieses außerordentlichen Mannes, wird von dem Verf. mit wenigen, aber starken Zügen meisterhaft geschildert. Das Fleet und Gefängnis von Kings Bench. Für sich bestehende Republiken mitten in London, nennt sie der Verf. Ununterrichtete Leser müßten solche Nachrichten ganz natürlich in die Klasse der Fiktionen setzen. So wenig kennten wir ein Volk von dem wir täglich sprächen etc. (Die Einrichtung der großen englischen Gefangenen- Republiken kennt der Deutsche doch ziemlich gut selbst aus den Smolletschen Romanen, wenn er sie dort nicht für Fiktionen hält.) Es seien da Gärten zum Spazierengehen, Plätze zum Ballspiel, Wein- Bier- und Coffeehäuser, Kramladen, alle Arten von Handwerkern, Bälle und Konzerte werden gegeben, auch Freimäurer-Logen gehalten. Man halte wöchentlich eine Versammlung, worin man Klagen anhöre, man schlichte Streitigkeiten der Republikaner durch 12 Geschworne, mache Polizeiverordnungen, man pfände böse Schuldner aus, doch müssen die Schulden in der Republik gemacht sein; überhaupt werde strenge Gerechtigkeit geübt, unparteiischer als in manchem sogenannten Freistaat. – Der Soldat stehe in England ganz unter dem Zivilgericht, nur Vergehungen im Dienst würden vom Regiment bestraft; man hole verschuldete Offiziere oft von der Parade weg, (um sie eben genannten Republiken einzuverleiben). – Von den Dieben. Highwaymen, footpads, housebreakers und pickpockets sind vier Klassen derselben. Es greife nicht leicht eine der andern in ihr Fach (der Engländer liebt überhaupt die Polyhistorie nicht). Von den Freudenmädchen. (Sollte doch wohl Leid- und Freuden-M. heißen.) Bei vielen von der ersten Klasse derselben fänden sich außer Schönheit, Grazie und Sanftmut, nicht unedle Gesinnungen, ja selbst eine gewisse Schamhaftigkeit, man könne sich nach ihnen einen Begriff von griechischen Buhlerinnen machen; unter den übrigen fänden sich oft selbst Kinder von 8 bis 9 Jahren, auch wohl, nach Bewandtnis der Umstände, alte Bettelweiber. Eine eigne Bemerkung über Charles Fox: Solange er der Venus geopfert und Bacchanalien beigewohnt habe, sei er wegen seiner Rechtschaffenheit und seines wahren Patriotismus verehrungswürdig gewesen; sobald er sich aber den politischen Mysterien ganz geweihet, so habe er mit seinen Ausschweifungen auch jenen Tugenden ganz entsagt. Erstaunlicher Aufwand auf diese Wollüste, in den Bagnios und Tavernen, wogegen Paris nicht in Betracht komme. Beaumarchais, der letzteres gut kennt, erstaunte und sagte, er glaube, daß an einem Abend in diesen Häusern in London mehr aufginge, als die sieben vereinigten Provinzen in 6 Monaten zu ihrem Unterhalt gebrauchten. Von den Mahlzeiten der Engländer und ihrer Neigung zu starken Getränken, (die wenigsten sind aber doch so entnervend, als der elende Branntwein unsers Pöbels, bei dem wenig gegessen, hingegen viel geraucht wird). Die zinnernen Porterkrüge, in welchen man den Porter holt, lege man, wenn sie leer sind, vor die Haustüre, wo sie abgeholt werden. (Sie liegen da so sicher, wie der Pflug auf unsern Feldern. Auch ist dieses Geräte in der Tat nicht unehrwürdig; Der public spirit mancher Klasse würde ohne eine tägliche Bearbeitung von der Seite sehr fallen.) Von den Bedienten sehr umständlich und unterhaltend. Es gebe in den Spielhäusern Aufwärter, die es weit über 8000 Taler des Jahrs bringen; auch haben sie Landhäuser, wo sie öfters von ihren wichtigen Geschäften ausruhen. Vom Frauenzimmer; dessen schönste Zierde sei der Hut, den man in andern Ländern nur sehr unvollkommen nachahme, daher auch die große Wirkung wegfalle, die Linguet so sehr erkannte, daß er sagte, wenn Homer diese reizende Tracht gekannt hätte, so würde er seiner Venus zu ihrem Gürtel auch einen englischen Hut gegeben haben. Von den Whims der Engländer; hier kommen lustige Erzählungen vor, die sich sehr vermehren ließen. Hierbei auch der seltsame Schritt eines schottischen Edelmanns, der mit 60 Familien seiner Vasallen nach Neuseeland überging, sich dort zu setzen. (Seltsam ist es allemal, daß man davon so gar nichts in den englischen Blättern gelesen hat.) Noch 6 andere Herrn von der reizenden Schilderung, die der jüngere Herr Forster von jenen Gegenden machte, hingerissen, entschlossen sich, mit ihren jungen Weibern nach Otahaite zu ziehen, und erkundigten sich bei Herrn F., der aber ihrem Entschluß mit sehr gegründeten Bemerkungen begegnete, die sich hauptsächlich auf die 6 jungen Weiber bezogen, und der philosophische Entschluß unterblieb vermutlich deswegen. Vom Theater durchaus vortrefflich. Unter andern malt der Verf. Garricks Jubiläum von Shakespear mit so vielem Geist und so lebhaften Farben, daß Rezensent sich wieder ganz gegenwärtig glaubte. Ebenso das Leichenbegängnis der Julie im Romeo. Von Mad. Cornely, einer Deutschen, der Kaiserin des Geschmacks, sehr unterhaltend. Der Hof halte sich des Sommers in Richmond, Kew, Windsor und zuweilen in Hamptoncourt auf (in Richmond schwerlich). Das berühmte Pferd hieß nicht Child, sondern Childers. Von der Robin Hood und debating Society, und bei der letzteren ein Zug von englischem Edelmut, den niemand ohne den herzlichsten Beifall lesen wird. Fast übertrieben scheinen denn doch die Weissagungen des Verf. von dem sich beschleunigenden Fall des britischen Reichs. Sollte nicht bei der glücklichen Lage des Landes, bei seinem vortrefflichen Boden und weiserer Behandlung der unermeßlichen Besitztümer in Indien, durch Abstellung bisher, im Überfluß, übersehener unzähliger Mißbräuche und Nachlässigkeiten, hauptsächlich bei Schiffahrt und Fischerei, wodurch die eingegangene Schule für Seeleute einigermaßen wiederhergestellt werden kann; mit dem durch die bekannten Unfälle nicht nur nicht niedergeschlagenen, sondern vielmehr erweckten Geist der Nation nicht endlich neue Quellen von Reichtum und Größe ausgefunden werden, die nun näher zusammen gebracht, auch im Notfall leichter geschützt werden können, als die vertrockneten? Man ist oft zu sehr geneigt, die Wirkungen des tätigen Geistes den glücklichen Umständen zuzuschreiben, und bedenkt nicht, daß wenn diese gefehlt hätten, er andere benutzt haben würde. Auf diese, wie Rez. dünkt, richtige Bemerkung gründet sich vermutlich die gemeine Sage: manche Leute würden nicht eher reich, bis ihnen das Haus abbrenne. Vortreffliche Einrichtung mit der Mutiny-Bill und der Landmiliz, bei welcher der große Adel des Königreichs, öfters mit dem blauen Band behangen, die Offiziersstellen bekleidet. Richtige Bestimmung des Worts Gentleman. Vom Zustand der Wissenschaften, dieser sei uns am meisten bekannt. (Wir sind freilich hierin sehr gefällig, denn, einige unserer Tonkünstler, Astronomen, Chemisten und Helden abgerechnet, die man dort kennt, kennen wir noch immer Englands Romanenhelden und Straßenräuber besser, als es unsere verdiente Männer.) Was Lord Baltimores Notzuchts-Geschichte, (wenn es anders Miß Woodcock war, von der der Verf. redet), und Barettis Vorfall anbetrifft, so hat doch Rez. die Sache anders gehört, doch will er nicht entscheiden. Den Beschluß machen sehr treffliche Anmerkungen über die Gärten. Nur wenige Sprachunrichtigkeiten sind Rez. aufgestoßen: als S. 80 Furcht fürs Unterhaus anstatt Furcht vor dem U. H., S. 83 er ahndete nichts Gutes anstatt ihm ahndete etc. auch wird von Mad. Cornely S. 513 gesagt: Tyroler Deutsch und gebrochenes Französisch war alles, was ihre Zunge zu Markt bringen konnte. (Die Kaiserin des Geschmacks wäre doch wohl eines edlern Ausdrucks wert gewesen.) Doch dieses sind Kleinigkeiten. Das Werk selbst, wovon der unterhaltendste Teil keines Auszugs fähig war, wird, nach Rez. Urteil, was Mannichfaltigkeit von Unterhaltung, Lebhaftigkeit des Stils und malerische Darstellung betrifft, immer als ein vorzügliches Produkt unserer neuern Literatur angesehen werden können. Italien künftig.

2.

Göttingen

Im Dieterichschen Verlag ist erschienen: Physikalisches Wörterbuch oder Erklärung der vornehmsten zur Physik gehörigen Begriffe und Kunstwörter sowohl nach atomistischer, als auch nach dynamischer Lehrart betrachtet, mit kurzen beigefügten Nachrichten von der Geschichte der Erfindungen und Beschreibungen der Werkzeuge, in alphabetischer Ordnung, von D. Joh. Carl Fischer, Prof. zu Jena. Erster Teil, von A bis Elektr. VIII und 998 Seiten in gr. Oktav, mit fünf Kupferplatten in Quart. Der Verfasser, der sich bereits durch mathematische und physikalische Schriften rühmlichst bekannt gemacht hat, erwirbt sich durch gegenwärtiges Werk ein neues Verdienst um die Ausbreitung einer gründlichen Naturlehre. Lesern, die mit dem vortrefflichen Werke des sel. Gehlers bekannt sind, könnte des Verf. ähnliches Unternehmen vielleicht überflüssig scheinen. Das ist es aber bei genauerer Betrachtung nicht. Zwar hat sich der Verfasser bei seiner Arbeit des Gehlerschen Buchs, wie er in der Vorrede ausdrücklich erinnert, bedient, und in Wahrheit, bei einem solchen Unternehmen nicht auf die Schultern eines solchen Vorgängers getreten zu sein, wäre ein unverzeihliches Wagestück gewesen, wofür ihm, selbst beim glücklichsten Erfolge, der Leser am Ende wenig Dank würde gewußt haben: allein es fällt überall, und selbst bei solchen Artikeln, worin es weder der Plan des Werks erlaubte, noch irgend ein neuer Fortschritt der Wissenschaft notwendig machte, weiter zu gehen als Gehler, in die Augen, daß er ihm nicht sklavisch gefolgt sei. Zuweilen sind kleine Erläuterungen eingeschoben, oder dem Verfasser eigene Bemerkungen beigebracht, auch ist hier und da wohl etwas nachgeholt, wovon es wahrscheinlich war, daß es von seinem trefflichen Vorgänger nicht ganz mit Willen übergangen worden sei. Daß der Verfasser nun ferner, soweit es seine Lage verstattete, von allen Hauptfortschritten, die die Wissenschaft seit der Erscheinung des Gehlerschen Supplement-Bandes (1795) gemacht, oder den Veränderungen, die sie sonst erlitten hat, Rechnung ablegt, versteht sich von selbst. Proben davon finden sich hier in den Artikeln Kohäsion, Dämpfe, Elektrizität (tierische) und mehrern andern. Allein freilich hängt diese Art von Bereicherung eines neuen Werks, zumal eines physisch-chemischen, in unsern Tagen von hundert Umständen ab, die selten in eines einzigen Mannes, selbst des fleißigsten, Macht stehen. Dem, der in diesen Fächern jetzt mit mehr als Registerschreiber-Augen lesen, oder aus etwas Edlerem als bloßem Kompilier-Trieb schreiben will, bleibt selten Zeit genug übrig, sich mit allem Neuen so geschwind bekannt zu machen, als der Registerschreiber oder Kompilator. Billige Nachsicht gegen Versehen dieser Art ist also wohl jedem Beurteiler solcher Schriften sehr zu empfehlen, zumal wenn sie, wie gegenwärtige, teilweise und allmählich erscheinen, und obendrein ihr Vortrag nicht systematisch ist, wo folglich der Verfasser manches auf einen verwandten Artikel verspart haben konnte. Auch hat der Vortrag nach alphabetischer Ordnung noch den Vorteil, dem Verfasser Gelegenheit zu geben, sich bei manchen Artikeln an manche Übersicht zu erinnern, und sie so zu verbessern. So führt z.B. unser Verfasser die Diamantspat- und die Austral-Erde noch unter eigenen Artikeln als einfache Erden auf. Die erste hat aber der Urheber dieser Meinung, Herr Klaproth, selbst nunmehr zusammengesetzt befunden, und die Einfachheit der andern ist von eben diesem großen Scheidekünstler wenigstens höchst verdächtig gemacht worden. Alles dieses wird sich recht gut unter dem Artikel Erden beibringen lassen. – Bei dem sonst wohlgeratenen Artikel Ebbe und Flut hätte wenigstens Rez. gewünscht, kurz angezeigt zu lesen, was Laplace in seiner trefflichen Darstellung des Weltsystems darüber gesagt hat: einem Werke, aus welchem überhaupt mancher künftige Artikel noch wird bereichert werden können, da es so vieles Große, Nützliche und Eigene, ganz hierher Gehörige, enthält, welches der Titel, nach der gewöhnlichen Bedeutung des Worts genommen, kaum erwarten läßt. Überhaupt aber muß es jeden Denker in diesem Fache interessieren, zu wissen, was ein so viel umfassender Geist, wie Laplace, dem so große, tiefe und mannigfaltige Kenntnisse zu Gebote stehen, über Gegenstände dieser Art gedacht, und wobei er sich am Ende dieses Jahrhunderts wenigstens beruhigen zu müssen geglaubt hat. – Was nun aber gegenwärtiges Werk von dem Gehlerschen ganz unterscheidet, ist der deswegen auch auf dem Titel bemerkte Umstand, daß hier die Erscheinungen in der Natur nicht bloß nach dem atomistisch mechanischen, sondern auch nach dem dynamischen System, und aus nach der Natur unsers Erkenntnisvermögens notwendig anzunehmenden Grundkräften der Materie, Anziehungs- und Zurückstoßungskraft, erklärt werden, wodurch einem, vielleicht öfters zu frühzeitigen, und daher mitunter nicht seltenen unphilosophischen, Eingeständnisse von unüberwindlicher Unwissenheit vorgebeugt wird. Proben davon findet man auch schon in diesem Bande häufig, vorzüglich unter den Artikeln Attraktion und Kohäsion. Bekanntlich hat uns das letzte Fünftel unsers Jahrhunderts mit einer neuen Chemie und einer neuen Philosophie beschenkt, und zwar nicht ohne die mitgegebene Versicherung, durch sie endlich in das Land der Verheißung zu gelangen. Von der ersten hat bereits Gehler mit Recht so viel in sein Werk aufgenommen, als zu einem Vortrage der Naturlehre und zum Verständnis neuerer Schriftsteller über dieselbe schlechtweg unentbehrlich ist, und eben dieses ist auch von unserm Verfasser geschehen. Von der zweiten aber findet sich in den vier Hauptbänden des Gehlerschen Werks keine Spur. Wirklich kömmt auch der Name Kant, wie sich aus dem höchst vollständigen und musterhaften Register ergibt, in demselben nur ein einziges Mal vor, und dieses bei einer andern Gelegenheit, und doch erschien selbst der erste Band des genannten Werks in demselben Jahr (1787), in welchem bereits die zweite Auflage von Kants metaphysischen Anfangsgründen der Naturlehre, von welcher bloß eigentlich hier die Rede ist, herauskam. In dem Supplement-Bande des Werks werden diese Anfangsgründe nur ein einziges Mal, und zwar unter dem Artikel Zurückstoßen, angeführt, und gegen die Annahme einer solchen Grundkraft in der Materie, und also gerade einen Hauptsatz des Kantischen Systems, gesprochen. Warum Gehler keine weitere Rücksicht auf dieses tiefsinnige Werk genommen habe, sagt er weder in der Vorrede zum ersten Teile, noch in der zum Supplement-Bande. Wahrscheinlich ist es indessen, wie aus mehrern Stellen seines Buches erhellet, daß er dergleichen Untersuchungen, die eigentlich in die Metaphysik gehören, auch dieser allein überlassen zu müssen geglaubt habe. Da er aber dennoch hier und da gegen Sätze disputiert, die offenbar in jenes Kantische System nicht bloß gehören (z.B. in dem Artikel Gravitation), sondern in demselben zu einem gewissen Ganzen zusammengedacht sind, das schwerlich seinesgleichen noch gehabt hat: so wäre es doch wohl vieler Leser wegen zu wünschen gewesen, daß der treffliche Mann, der so schnell und richtig faßte, und so deutlich darzustellen verstand, was er gefaßt hatte, jenem System einige Aufmerksamkeit geschenkt, und wenigstens die Hauptsätze desselben in gehörigem Zusammenhang dargestellt, und alsdann in diesem Zusammenhang bestritten hätte. Dieses hätte vielleicht in einem etwas umständlichem Artikel, dergleichen er z.B. der antiphlogistischen Chemie noch besonders gewidmet hat, hinreichend, für den Denker wenigstens, geschehen können. Er würde alsdann auch gefunden haben, daß das, was er gegen die ursprüngliche Zurückstoßungskraft der Materie einwendet, bei weitem nicht hinreicht, den Satz des Königsbergischen Weltweisen umzustoßen. Denn aus dem Begriff der bloßen Existenz eines Dinges, ohne dessen Verhältnisse gegen unser Erkenntnisvermögen, das ist, ohne die Kräfte anzugeben, wodurch es für uns erkennbar wird, läßt sich so wenig auf Impenetrabilität desselben schließen, als auf dessen Anziehungskraft, welches eigentlich dieselbe Sache, nur mit veränderten Zeichen, ist. Das eine zu erklären ist nicht schwerer, oder, wenn man will, nicht leichter als das andere, und es ist, wie wenigstens Rez. deucht, sehr philosophisch, beide nach diesem offenbar gemeinschaftlichen Fuße zu behandeln. – Das Verdienst nun, die Erscheinungen der Natur nach diesem Kantischen System zu erklären, hat sich unser Verf. durchaus zu erwerben bestrebt, welches ihm gewiß sehr viele Leser Dank wissen werden. Mit wie vielem Glücke dies überhaupt geschehen sei, läßt sich aus gegenwärtigem Bande noch nicht ganz beurteilen, indem bei einigen Hauptstellen mit Recht auf den Artikel Grundkräfte verwiesen wird, den wir noch erst erwarten. Überall leuchtet indessen die Vorliebe des Verfassers für das dynamische System, Rez. möchte fast sagen, zu stark hervor. Sie verleitet ihn nämlich hier und da zu fast verächtlichen Seitenblicken auf die Gegner desselben, deren Gegengründe nicht immer in der Stärke dargestellt werden, deren sie fähig sind. Ja, er scheint den letztern hier und da sogar Gründlichkeit abzusprechen. Dieses kann man zu geben, wenn man sich erklärt, was man hier Gründlichkeit nennt. Widrigenfalls möchte man in die sonderbare Verlegenheit geraten, eingestehen zu müssen, die Naturlehre habe alle ihre größten Erweiterungen bisher einzig und allein nicht gründlichen Physikern zu danken; den gründlichen aber, diese Art von Gründung etwa ausgenommen, wenig oder nichts, wenigstens nichts, was nicht ohne diese Gründlichkeit auch hätte gefunden werden können. Rezensent sagt dieses, wie hoffentlich jedem denkenden Leser einleuchten wird, nicht zum Tadel. Er ist vielmehr überzeugt, daß, wenn man einmal für allemal nicht sowohl das Unergründliche ergründen, als vielmehr sich über das Unergründliche als Mensch erklären soll und will, man es auf keine zusammenhängendere, und eben deswegen beruhigendere, und dem Umfang unsers Geistes und selbst seiner Würde angemeßnere Weise tun könne, als es von Herrn Kant in seinem Buche geschehen ist, Rezensent wollte nur zu verstehen geben, daß, um sicher zu sein, daß man nicht auf Sand baue, man eben nicht nötig habe, den Boden mit großem Kostenaufwand bis zu einer gefährlichen Tiefe zu untersuchen, und folglich in einem gewissen Verstande gründlich bauen könne, ohne sich um das Innere der Gebirge oder gar der Erde selbst zu bekümmern; er wollte ferner andeuten, daß das atomistische System, ob es gleich nicht so metaphysisch tief und von der Grenze unsers Wissens an ausholt, wie das dynamische, dennoch von da an, wo es anhebt, mit diesem einen gewissen analogen Schritt hält, dem sich die Mathematik, die sich nur selten mit intensiven Größen beschäftigt, besser anpassen läßt, und folglich seinem Verehrer Vorteile gewährt, die wohl dem Dynamiker entgangen wären. Ob sich die Sache in der Natur wirklich so verhalte, kann ihm, in dieser Rücksicht wenigstens, gewisser Maßen gleichgültig sein. Er nützt diese Vorteile seines Systems, wie der Schiffer die von seiner Mercators-Karte, so wenig getreu auch übrigens diese Darstellung der Kugelfläche dem Originale sein mag. – S. 859 steht durch einen Schreibfehler einmal Mairan statt Nairne. Einige andere Schreib- und Druckfehler wird der Herr Verfasser, wie Rez. vernimmt, bei dem zweiten Teile anzeigen.

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