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Auff des Ehrnvesten und Wolgelahrten Herrn Reineri Brockmans / Der Griechischen Sprache Professorn am Gymnasio zu Revall / Und der Erbarn / Viel-Ehren und Tugendreichen Jungfrawen Dorotheen Temme / Hochzeit - 1

Paul Fleming: Auff des Ehrnvesten und Wolgelahrten Herrn Reineri Brockmans / Der Griechischen Sprache Professorn am Gymnasio zu Revall / Und der Erbarn / Viel-Ehren und Tugendreichen Jungfrawen Dorotheen Temme / Hochzeit - 1 - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDeutsche Gedichte
authorPaul Fleming
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-002455-2
titleAuff des Ehrnvesten und Wolgelahrten Herrn Reineri Brockmans / Der Griechischen Sprache Professorn am Gymnasio zu Revall / Und der Erbarn / Viel-Ehren und Tugendreichen Jungfrawen Dorotheen Temme / Hochzeit ? 1
pages10-24
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Ich wolte noch mehr gesungen haben / aber die gleiche entgegenkunfft zweyer / welche der Bekleidung nach von fernen uns Befehlichshaber zu seyn schienen / unternam es. Wer sind diese / fragte Polus? Ich gab zur Antwort: Dafern ich anders mit meinem halb gantzen Auge nicht noch doppelt sehe / so däucht mich / der eine ist unser Olearius. Wie? antwortete er / wo soll er itzt hieher kommen? Wir bestunden ein wenig umb ihre herzunäherung zu erwarten. In der Warheit / hub er wieder an / er ists. Und der andre / sagte ich / ist Pöhmer. Hiermit giengen wir auff sie zu. Und da wir noch eine gute strecke von ihnen waren / schrye uns Olearius an: Ich vermeine ja / sprach er / Ihr seyds / ihr lieben zwey Freunde? Wir eben auch also von euch / sagte Polus / O ihr gantz unversehens Gäste. Hierüber empfiengen wir einander mit Frewden. Und nun erfahre ich / fuhr Olearius fort / daß sich gleich und gleich gerne gesellet. Ich ward hierüber ein wenig lachend. Wer uns beyde / sprach ich / gleich heisset / der muß fürwar ungleicher Augen seyn. Du aber / sagte Er zu mir auff dieses / kanst deine alten Einfälle nicht lassen. Und weil sie beyde mit einander redeten / führete mich Pöhmer ein wenig bey der Hand ab / und sprach: Mein / wie hastu so gar unterlassen können / in so geraumer zeit an mich zu schreiben? Beschuldige mich nicht / antwortete ich / mein Bruder / es ist unterschiedener mahlen geschehen. Und eben den Tag hernach / als ihr von Moskaw abgereiset waret / da ich denn deiner in einer Ode / so einem unsrer besten Freunde gemacht wurde / auch gedachte. Du weist / fuhr er fort / daß ich ein Liebhaber deiner Poesis bin. Kan ich bittselig seyn / so laß mich selbige hören. Gerne / antwortete ich / aber sie ist mir meistens aus dem Gedächtnüß entgangen. Ohne gefähr war sie so gesetzt:

        Er / der liebste deiner Tage /
Den der güldne Titan trägt
Auff der hohen Sternenwage /
Und in diese Stunden legt /
Er / der liebste / heist uns lachen /
Und mit dir uns lustig machen.

    Wol / damit du seyst gebunden /
So sey dieser Eppichstrauß
In dein weisses Haar gewunden.
Freund / es geht auff lösen aus.
Du wirst nicht ohn deinen Schaden /
Uns darfür ein müssen laden.

    Wir sind da / wir trewen Dreye /
Die du mehr / als vor / nun kennst.
Die du dir verknüpffst auffs newe /
Daß du sie mehr deine nennst.
Wir sind da / mit dem verlangen /
Was du denn nun an wirst fangen.

    Folge / Bruder / was zu üben
Wir / und Zeit / und Himmel heist.
Mein / wer wolte den doch lieben /
Der sich stets der Lust entreisst?
Denn ists Zeit / daß wir uns grämen /
Wenn wir unsers Glücks uns schämen.

    Brauch der Zeit. die leichten stunden
Schiessen schneller / als kein Fluß.
Zeit hat Flügel angebunden.
Glücke steht auff glattem Fuß'.
Und die hat nur vornen Haare /
Die nicht allzeit kömpt im Jahre.

    Gott weiß / was wir morgen machen.
Heute laß uns lustig seyn.
Trawren / froh seyn / weinen / lachen /
Ziehn bald bey uns aus / bald ein.
Wol dem / welcher ist vergnüget /
Wie sich sein Verhängnüß füget.

    Bringt uns Lauten / Geigen / Flöten.
Junger hole das Regal.
Die Music kan trawren tödten /
Sie zertreibt der Sinnen Qual.
Auch die Götter sind betrübet /
Wo nicht sie die Frewde giebet.

    Wenn wir edlen Menschen sitzen
Umb den Ofen und ein Glaß /
Und an Seel' und Leibern hitzen /
So ist besser nichts / als das /
Daß man bey so süssen Dingen
Auch läst süsse Lieder klingen.

    Her die Schalen. frisch / ihr Brüder.
Wir sind heut' und Morgen hier.
Daß ich warlich komme wieder /
So gilt / Herr Martinus / dir
Der trunck dieses weiten Römers /
Auff Gesundheit unsers Pöhmers.

Er drückte mir die Hand / und sprach: Du solst bedanckt seyn / mein Bruder. Was aber bringet ihr uns itzo / fragte Polus / als wir wieder zusammen getreten waren? Wir hetten uns ehe eines Himmelfalles versehen / als dieser ewrer lieben Gegenwart. Olearius wolte gleich seine Frage beantworten / als wir vor uns in dem Püschlein ein liebliches Gethöne allerhand süssen Instrumenten / doch uns fernen / erhöreten / welches uns der Orten ein ungewöhntes bedünckte zu seyn. Ich weiß nicht / hub ich zu meinen Gesellen an / ob wir einerley Ohren haben? Nicht einerley Ohren / gab Polus zur antwort / aber vielleicht einerley Gehör. Es ist nahe dahin kein Vorwerck / auch nach Art unsers Lieffländischen Winters noch der Zeit nicht / daß man sich auff den Landgütern mit dergleichen belüstige. Wenn ewer Land / fuhr Olearius fort / nicht so nahe mit der Barbarey gräntzete / so gläubte ich / daß die Musen ihren Parnass verlassen / und in diese Gegend sich verfügt hetten. Sey doch nicht so hönisch / antworttete Polus / auff das gute Lieffland / welches / were es ohne die fast in die hundert Jahre mit ihren Nachbarn geführte unerhörte Kriege / unserm Teutschlande an Künsten / Reichthumb und Gerüchte nicht weichen solte. Doch meyne ich / daß unser Vaterland durch so langwierige KriegsLäuffte etlicher Orten auch ziemlich kahl gemachet worden. Und warumb zeuchst denn du ferne in die Wüsteney / die es warlich ist? Wie ich höre sol Reussen ein ziemblich holdselig Land seyn. Von Casan biß Astracan abwarts in die fünffhundert deutscher Meilen so gebawet / daß man fast kein Dörfflein zu Augen bekömpt. Ferner / was hat lustigs und nützlichs zu beschawen

    Der Sandstrich / dessen Feld gräntzt mit dem Tarterlande /
Und von den weissen See läufft zum Bahuverstrande /
Aus dem kein Strohm nicht fleust / und der doch viel schlurft ein /
So / daß die Erde sie schlingt / oder Sonnenschein.

Wie fruchtbar und bewohnet Meden sey / in dessen Häuptstädte / Tauris oder Casmin / einer ihr itzt regierenden Schach Saphian Sophi antreffen sollet / machen Herodotus und Tacitus genugsam offenbar. Ich schertze nur / gab Olearius zur antwort: Doch wisse / fuhr er fort /

Daß auch in der Barbarey
Alles nicht barbarisch sey.

Was seltzam ist / das ist mehr angenehm. Zu dem reisen wir mit Leuten / derer Gesellschafft uns jetzo Trost / Lust und Zeitverkürtzung / dermaleins Beförderung und Frewde geben kan. Wie mag der von Süssigkeit urtheilen / der nie zuvor bittere und herbe Sachen gekostet hat? Aus gegeneinanderhaltung werden widerwertige und ungleiche Dinge mehr offenbar und käntlich. Unser Vaterland / welches mit Warheit eine der schönsten Landschafften in der gantzen Welt ist / wird uns dermal eins noch schöner fürkommen / wenn wir dasselbige gegen solche Oerter setzen / und darvon Unterredung anstellen werden. Unter solchen Reden waren wir dem Gethöne ein gut theil Weges nachgegangen / welches je mehr wir folgeten / je weiter es aus den Ohren zu rücken bedünckte. Wir waren nun vor den Pusch ankommen / da wird Pöhmer einer Taffel ansichtig / welche an eine mittelmessige Danne auffgehenckt war. Wir giengen etwas geschwinder drauff zu / und besahen sie. An ihr selber schiene die Taffel von Pflaumenbäumen Holtze gemacht zu seyn / und waren umb sie / wie sie denn achteckigt war / zwey Lorbeerreiser / einem gespitzten Krantze nicht ungleich / hergelegt. Die Schrifft war güldin / allerdings so sauber / daß man abnehmen kondte / sie müste mit keiner sterblichen Hand geschrieben seyn. Polus nam die Taffel ab / und wir andern traten mit verlangen umb ihn her. Eine seltzame Geschicht! hub er an. Fürwar unser Olearius hat mit schertzen ernstlich gemutmasset. Und diß hat uns die Music bedeutet / die nun aus unsern Ohren verschwunden ist. Die neun Musen haben unseren Brocmanne ihre Hochzeitwündsche verehret. Und lase sie folgender Gestalt nacheinander her:

Clio.

    Die schöne Temmin freyt / und Brocmann wird ihr Mann.
Ihr Götter / seht diß Werck mit Gnadenaugen an.

Melpomene.

    Er liebe sie / wie Orpheus seine liebte /
Doch ohne das / was ihn so sehr betrübte.

Thalia.

    Hirsche werden langsam alt.
Keine Krahe stirbt nicht bald.
Ihren Jahren müß' im gleichen
Hirsch und Krahen alter weichen.

Euterpe.

    Die Braut ist durch den schein der schönen Sitten klar /
Wie die Sulpitia Paterculana war.

Terpsichore.

    Ist er von Jahren jung / und grüne von Gestalt /
So ist der Bräutgam doch an grawer Weißheit alt.

Erato.

  Niemand weis der Sternen zahl
Umb des Himmels blawen Saal /
Ihres Glückes reiche Gaben
Können keinen Zähler haben.

Calliope.

    Mein / was vermählt diß Paar der süssen Jugend?
Was ist ihr Schatz; ihr gantzes Alles? Tugend.

Urania.

  So einig / so getrew / so fruchtbar und so rein /
Sey dieses newe Paar / wie Turteltauben seyn.

Polyhymnia.

    Seyd tausent mal gegrüst / und tausent mal gesegnet /
Ihr beyde / denen nichts als Glück' und Heyl begegnet!

Wir sahen einander an / und verwunderten uns des Verlauffs solcher Sachen. So kommen wir / fieng Olearius an / so gestalter Dinge zur Hochzeit? Ich frewe mich des Glückes / und wündsche meinem Brocmanne und seiner Liebsten allen Segen. Aber was halten wir uns hier länger auff? Der heranrückende Abend gebeut uns von hinnen zu gehen. So ist es auch unbillich / daß wir diese Frewde unsern guten Freunden in der Stadt etwas langer mißgönnen und verhalten sollen. Hieran werden wir Materi gnug haben uns den Rückweg zu verkürtzen. Wir liessens uns sämptlich gefallen. Grüsseten die Oreaden und Hamadryaden / als einheimische Nimfen des Orts / theten auch unsere Ehrerbietung gegen den Baum / an dem wir der Musen Hochzeitwündsche gefunden hatten / und wendeten uns nach der Stadt zu. Ich liebe / redete Olearius weiter / den Bräutigam als meinen Bruder. Ich nichts weniger / sagte ich. Er ist der erste von den Gelehrten / der bey unserer Ankunfft nach mir gefraget / und mit dem ich Freundschafft gemacht. Zu dessen Zeugnüß ich ihm bey uberreichung seines Stammbuchs nachfolgendes zu Latein drein schriebe:

    So viel Athen und Rom an Weißheit schönes hat /
So viel hat beydes dir gegeben in der That.
O du der Musen Zier / und Lust der Charitinnen /
Den jeder lieben muß / der Liebe kan beginnen.
Ich ehre deinen Geist / und wundre mich der Kunst.
Doch ubertrifft sie zwey der Freundschafft wehrte Gunst.
Ich weis nicht / was ich vor und nach an dir sol lieben.
Diß weis ich / du bist mir gantz in den Sinn geschrieben.

Er ist Ihrer / sprach Polus / und Sie seiner wol wehrt. Ist auch kein zweiffel / daß aus vermählung so ähnlicher Gemüther eine gewündschte Ehe erspriessen wird. Sie meynen einander von Hertzen. Er für seine Person gibts sonderlich zu vernehmen in einem Liede / welches er ihr einsten an einem Freytage ubergeben lassen / und nunmehr in vieler Händen ist:

        Ja / Leben / ich bin angezündet
Von deiner Liebe keuschen Brunst.
Was meine freyen Sinnen bindet /
Das sind die Ketten deiner Gunst.

    Wie selten sind sie sonst beysammen /
Ein Leib und Geist / an Zier gleich reich:
Diß duppelt meiner Liebe Flammen /
Bey dir ist Schmuck und Zucht zugleich.

    Der Glantz / die Schönheit / das gebärden
War dich zu lieben ubrig satt.
Doch muß dir vor gelobet werden
Daß deine Jugend Tugend hat.

    So komm / und laß mich werden innen
Der schönen Frewden süssen Frucht.
Schatz / deiner recht geniessen können /
Ist einig / was mein Hertze sucht.

Ich thue es nicht gerne / fieng ich hierauff an / daß ich Heimligkeiten offenbare / doch gereicht ihm diß zu keinem Schaden. Unlängst gerieth ich uber sein Buch / darein er viel Liebsgedichte geschrieben hatte. Unter hunderten gefielen mir / theils der kürtze / theils des Verstandes halben / nachgesetzte Uberschrifften:

Auff der Liebsten Demant.

Was ists / das du mir sagst / du liechtester der Steine /
Und härttester darzu / mit deiner Krafft und Scheine?
Diß ists. mein Lieb und du trefft mit einander zu.
Ihr Hertz und Augen sind so hart und hell / als du.

Auff ihr Armband.

    Fahr hin / du liebes Band / fahr hin an deinen Ort /
Dieweil du selbst so eilst / und wilst mit ernste fort.
Fahr hin / und bind mir die / die mich mit dir gebunden.
Bindst' du sie / wie sie mich / so hab' ich überwunden.

Er redet der Liebsten Halßperlen an.

    Was bildet ihr euch ein / ihr Muscheltöchter ihr?
Vermeynt ihr / daß mein Lieb euch trägt zu ihrer Zier?
Nein. darümb trägt sie euch / darmit ihr selbsten schawt /
Wie viel ihr dunckler seyd als ihre klare Haut.

Bey ubersendung eines Confects.

Cupido schickt euch diß / ihr schönste der jungfrawen /
Aus seiner Mutter Schoß / umb fast nur anzuschawen.
Er weiß / daß ewer Mund sich über diß erstreckt /
Für dem der Zucker auch wie bittrer Wermuht schmeckt.

Als sie im Schnee sich erlustirete.

Spiel immer / wie du thust. doch dencke diß darbey /
Daß unter diesem Schertz / auch etwas ernstlichs sey.
Du übertriffst / mein Lieb / des liechten Schnees brauch:
So viel du weisser bist / so bist du kälter auch.

Uber deroselben Demant.

Was siehst du mich viel an / du liechtes Sternlein du?
Ach / zeuch nur wieder heim / und thu dein Antlitz zu.
Da bist du viel zu schlecht / zu seyn ein Widerschein
Der Augen / die mir mehr als Mon und Sonne seyn.

Daß er unbillich gethan / in dem er ihm vorgesetzt /
Sie in zweyen Tagen nicht zu besuchen
.

  Ich dachte / laß doch sehn / was denn die Liebe kan /
Wiewol sie sich noch nie mir recht hat kundt gethan.
Dictynna soll ihr Häupt zu zweyen mahlen zeigen
Und zweymal sol von Ost' Apollo wieder steigen /
Eh mich mein Schatz soll sehn. Cupido war nicht weit /
Was / sprach er / aber ist denn diß vor ein Bescheid?
Mit diesem truckt er loß. Ach Lieb / ich bin getroffen.
Diß hier diß war der Pfeil. Die Wunde steht weit offen.
Giebst du mir einen Kuß / so hat es keine Noth.
Siehst du mich sawer an / so bin ich plötzlich todt.

Weiln du mich erinnerst / redete Polus weiter / so muß ich euch erzelen / was sich mit mir begeben hat. Unlängst stunde er neben mir in der S. Oluffs Kirche / weis nicht / wie ers versahe / daß er im abziehen seines lincken Handschuchs ein Briefflein daraus fallen ließ / und / wo ich mich nicht irre / so habe ichs noch bey mir verwahret. Das werden gewiß Geistliche Sachen seyn / fieng Olearius an / weil es an einem Geistlichen Orte von so einer Geistlichen Person verschüttet / und einer gleichen Standes auffgenommen worden. Wir lachten hierüber. Ja / ja sagte Polus / es ist nicht anders. Zog es darmit heraus / und lase es uns vor / nebenst der Uberschrifft:

Wie er wolle geküsset seyn.

Es war fast gar zu deutsch. Derowegen sagte ich: Ich achte für rathsamb / daß dieses unter uns verbleibe / damit wir der Venus ihre Ungunst nicht auff uns erwecken. Nichts gefährlichers ist / als geheime Sachen außbringen / bevorab dieser Göttin / welcher Wercke mit heiligem stillschweigen wollen geehret seyn. Was könten wir wol billichers thun / sprach Olearius / als daß den beyden zu Ehren ein jeder unter uns ein HochzeitGedichte hören ließ? Frembden gebühret die Ehre / sagte Polus. So fange denn an / wir wollen erfahren / was dein Gedichte uns für Gedancken erwecken wird. Derowegen sang OLEARIUS an die Vertrawten zweye:

        Was thun doch wir / daß wir die süsse Jahre /
Der Jugend Lentz / so lassen Fuß für Fuß
Vorüber gehn? soll uns denn der Verdruß /
Die Einsamkeit noch bringen auff die Bahre?
    Sie kehrt nicht umb / die Zeit / die thewre Wahre.
Bewegt uns nicht / diß / was man lieben muß?
Die Höffligkeit? der Muth? die Gunst? der Kuß?
Die Brust? der Halß? die Goldgemischten Haare?
    Nein. wir sind Felß / und stählerner als Stahl.
Bestürtzt / verwirrt. Wir lieben unsre Qual.
Sind lebend todt / und wissen nicht / was frommet.
    Diß einige steht uns noch gantz und frey /
Daß wir verstehn / was für ein gut Ding sey /
Das uns stets fleucht / und das ihr itzt bekommet.

Hiermit wandt er sich zu Pöhmern. Und du / sprach Er / Bruder / must auch dran. Ich gebe keinen Poeten / antwortet er / bin auch der verlobten Personen bekannter nicht. Doch / weil ich höre / daß ihr ihnen so gewogen seyd / so wil ich an meinem Theile meine Glückwündschung nicht hindan setzen. Zu dem bin ich versichert von ewrem geneigten Willen / welcher alles zum besten deuten wird. Hub derowegen an.

            Die warme FrühlingsLufft macht ihren Himmel klar.
Seht / wie das güldne Liecht der Sonnen heller blicket.
Der Felder schwangre Schoß ist zur Geburt geschicket.
Die grüne See geht auff. die Quelle springen gar
    Aus ihren Adern auff. der Blumen bunte Schar
Mahlt ihre Gärten aus. die Felsen stehn erquicket.
Die Thäler auffgeputzt. Die Awen außgeschmücket.
Der Berge Zierath gläntzt. den Wäldern wächst ihr Haar.
    Seh' ich diß alles an / so acht' ich unvonnöthen /
Daß auff diß HochzeitFest die embsigen Poeten
So ernstlich sein bemüht. Ihr Baldefraw und Mann /
    Erkennt des Glückes Gunst. Lufft / Himmel / Sonne / Felder /
See / Quelle / Garten / Fels / Thal / Awen / Berge / Wälder /
Die stimmen Euch jetzund ein süsses BrautLied an.

Die Reye traff nun Polussen / welcher sprach: weil ihr zwey ersten so glückselig in Sonneten seyd / so muß ich mein Heyl auch versuchen. Diß waren aber seine Worte:

            Wie? ist die Liebe nichts? was liebt man denn im Lieben?
Was aber? Alles? Nein. wer ist vergnügt mit ihr?
Nicht Wasser. sie erglüt die Hertzen für und für.
Auch Fewer nicht. warumb? was ist für Flammen blieben?
    Was denn? Gut? aber sagt / woher kömpt ihr betrüben?
Denn Böse? mich dünckts nicht. nichts solches macht Begier.
Denn Leben? nein. wer liebt / der stirbt ab seiner Zier.
Und wird bey Leben schon den Todten zugeschrieben.
    So wird sie todt denn seyn? nichts minder / als diß eben.
Was tod ist / das bleibt todt. aus Liebe kompt das Leben.
Ich weiß nicht / wer mir sagt / was? wie? wo? oder wenn?
    Ist nun die Liebe nicht Nichts? Alles? Wasser? Fewer?
Gut? Böse? Leben? Todt? Euch frag' ich / newe Freyer /
Sagt ihr mirs / wenn ihrs wisst: was ist die Liebe denn?

Ein gut Stücke / sagte Olearius / welches wol weiset / bey was vor einem Meister er in die Schule gangen. Du aber / sprachen sie Beyde endlich wider mich / must beschliessen. Zu Oden / antwortete ich / habe ich besser Glücke / als zu anderer Art Versen. Wil derowegen / weil wir das Stadthor schon sehen können / meine sonst kurtze Reime noch kürtzer machen:

        Wilst du denn vor untergehn /
Und so wieder aufferstehn /
Güldnes Auge dieser Welt /
Eh sich dieses Paar gesellt?

    Diß Paar / dem der Musen Chor
Seine Stimme hebt empor.
Dem die Venus und ihr Sohn
Zugesagt längst ihren Lohn.

    Sieh doch / wie sie bittend stehn /
Und vor deinem Wagen flehn /
Schaw doch / wie sie kläglich thun /
Daß du sie nicht lässest ruhn.

    Nein / du hörest / grosses Liecht
Itzt der krancken bitte nicht.
Dißmahl ruffen sie umbsunst /
GOtt der Götter / deiner Gunst.

    Liebstes Paar / seyd unbetrübt /
Liebt doch / wie ihr habt geliebt.
Seyd doch ewer / wie ihr seyd /
Und verschmertzt den Neid der Zeit.

    Es ist umb ein kleines noch /
Biß daß Euch das süsse Joch /
Das Joch / daß Euch jetzt noch drückt /
Beyderseits ohn end' erquickt.

    Jetzund seh' ich schon den Tag /
Daß / eh Phebus auffstehn mag /
Man Euch beyde Weib und Mann
Gantz mit Ehren nennen kan.

Hiermit giengen wir in die Stadt / und nötigte uns Polus / daß wir die Abendmahlzeit bey ihm nehmen musten. Darbey denn Olearius und Pöhmer ihrer Ankunfft und anderer Sachen halben uns Bericht gaben. Ward auch selbiger gantzer Abend mit Gelehrten Unterredungen und höflicher Kurtzweile / biß an die Mitternacht / vertrieben / umb welche Zeit wir Abschied nahmen / und auff künfftige Hochzeit zusammen zu kommen / einander gewisse Zusage theten.

ENDE.

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