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Auf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes

Gustav Schüler: Auf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes - Kapitel 133
Quellenangabe
typepoem
authorGustav Schüler
titleAuf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes
publisherFritz Eckardt Verlag
year1908
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160221
projectid90127d03
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In einer Winternacht.

Beinahe die halbe schneevergrabene Nacht
Hab ich an meinem Fenster verbracht.
Ich habe in der starrenden Wacht
An dich gedacht:
Gott!
Gott! Das Wort knirscht schrill wie Kies,
In den man rostige Spaten stieß. –
Der Mond brach groß
Aus den Tannen los,
War glitzerig-gelb und triefte von Zorn.
Da stand eine Gestalt am Heckendorn,
Wie ein Mensch, ein Wandrer. Der Mantel schlug
Um den Rücken, der eine Bürde trug,
Einen Korb, ein rohes Weidengeflecht,
Wie's Dörfler tragen, nicht gut, nicht schlecht,
Zum Lastentragen eben recht.
Er nahm, es wollt' nur mühsam glücken,
Die Last sich nieder von dem Rücken.
Dann aber bückte sich der Mann,
Nahm Schnee auf Schnee und tat ihn dann
Mit wunderlichen Lächelns Schein
Sachte in seine Kiepe hinein.
Und bückte sich wieder, nahm Ball auf Ball,
Die glitten ins Körblein mit seidigem Fall.
Drauf brach er Dörner aus den Hecken,
Zu oberst in den Schnee zu stecken.
Zehn Zweiglein, zwanzig oder mehr,
Als ob der Korb eine Pflanzschul wär.
Doch da auf einmal – wunderkühn!
Wurden die Stecken alle grün.
Da ward der Gärtnersmann uralt,
So klein und grau ward seine Gestalt.
Je mehr er also zusammensank,
Wurden die Stecken groß und schlank,
Die Blätter, quellend grün und kraus,
Lugten oben und unten heraus.
In die Erde schlüpften die Stecken hinein.
Die hart und klirrend war wie Stein.
Und von dem Gärtner blieb nichts mehr,
Die Stätte, wo er stand, war leer. –
Eine Eule geistert ins blinkende Laub
So scharf, als stieße sie nach Raub.
Eine Krähe krächzte im nahen Baum
Ein kreischend Krächzen im Ängstetraum.
Der Hund vom Nachbar bellte kurz,
Durch die alten Bäume schütterts wie Sturz. –
Der Mann mit dem Korb und mit den Stecken
War Gott.
Und die Tiere in Bäumen und Hecken
Waren töricht vor ihm in Schrecken
Und in Not. –
Doch wie blitzte und prunkte frühlingskühn
Auf dem weißen Weiß das grüne Grün!

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