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Auf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes

Gustav Schüler: Auf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes - Kapitel 110
Quellenangabe
typepoem
authorGustav Schüler
titleAuf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes
publisherFritz Eckardt Verlag
year1908
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160221
projectid90127d03
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Der Gottsucher.

Ich kann doch Gott nicht finden,
Ich such mich grau und such mich alt.
Nach Namen, wie ich rufen mag,
Frug ich die Nacht, frug ich den Tag –
Die Sehnsuchtspein zu binden,
Gab ich ihm Menschgestalt. –
Ich kann doch Gott nicht finden,
Ich such mich grau und such mich alt.

Ich kann ihn nicht beleben,
Sein Menschenleib ist kalt und tot,
Und wenn ich ihn bewegen will,
Er steht wie eine Puppe still.
Ich färbte, Glut zu geben,
Ihm Mund und Wangen rot. –
Ich kann ihn nicht beleben,
Sein Menschenleib ist kalt und tot.

Ich machte seine Augen,
Ich machte seine Stirne stolz.
Es war umsonst; es glückte schlecht:
Die Stirn blieb Knecht, das Auge Knecht –
Mein Bildwerk will nicht taugen,
Es ist aus schlechtem Holz. –
Ich machte seine Augen,
Ich machte seine Stirne stolz.

Ich hab das Bild zerschlagen,
Es ist doch nur ein Possenspiel –
Nun spür ich im Geschaffenen hin
Mit heißerregtem Suchersinn.
O sagt, wen soll ich fragen,
Wie bring ich mich ans Ziel! –
Ich hab das Bild zerschlagen,
Es war doch nur ein Possenspiel.

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