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Christoph Martin Wieland: Athenion - Kapitel 12
Quellenangabe
typetractate
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Dreißigster Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1857
firstpub1781
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titleAthenion
pages44
created20131126
sendergerd.bouillon@t-online.de
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11.

Ehe wir aber fortfahren, wird es rathsam seyn, eine Vorsicht zu gebrauchen, welche nunmehr nöthiger zu werden anfängt, als sie es zu Anfang dieser Geschichte war, und unsere Leser wegen der historischen Glaubwürdigkeit derselben sicher zu stellen. In der That wäre die Geschichte des Philosophen Aristion das platteste Stück Arbeit, das man sich nur einbilden könnte, wenn es weiter nichts als ein kleines politisch-satirisches Romänchen wäre, welches wir in der wohlgemeinten Absicht, den Lesern ein paar gute Sittenlehren dadurch beizubringen, aus dem Füllhorn unserer eigenen Erfindungskraft ausgeschüttet hätten. Allein die Geschichte des Aristion ist nichts weniger als Roman, sondern in ganzem Ernst mit allen Umständen, die man bereits gelesen hat und noch lesen wird, eine wahre Geschichte, deren 332 Glaubwürdigkeit auf dem Ansehen zweier Zeugen beruht, gegen welche keine Einwendung stattfindet; wie man uns gern eingestehen wird, wenn wir sagen, daß der eine kein geringerer, als der berühmte Posidonius, und der andere der weise und biederherzige Plutarchus selbst ist. Posidonius von Apamea in Syrien, auf welchen sich Athenäus ausdrücklich als auf den Gewährsmann Alles dessen beruft, was er im fünften Buche seines Gelehrten-Gastmahls von unserm Aristion erzählt, war ein Zeitgenosse des letztern und stand (wie man aus verschiedenen Stellen des Cicero sehen kann) in dem Ruf eines der gelehrtesten, beredtesten und weisesten Männer seiner Zeit und seiner Secte, welche die stoische war. Gesetzt aber auch, der Posidonius, aus welchem Athenäus seine Nachrichten von Aristion gezogen, wäre nicht der stoische Philosoph dieses Namens, sondern ein anderer Posidonius von Olbiopolis, welchem Snidas einige Bücher athenischer Geschichten oder Denkwürdigkeiten zuschreibt; so wäre doch kein Grund vorhanden, die Glaubwürdigkeit desselben zu bezweifeln. Doch dieß im Vorbeigehen, da es allenfalls an dem blosen Zeugniß des Athenäus, wenn er auch seinen Gewährsmann nicht genannt hätte, und an dem, was Plutarch im Leben des Sylla von Aristion meldet, schon genug seyn könnte.


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