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Robert Hamerling: Aspasia - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorRobert Hamerling
titleAspasia
publisherMax Hesses Verlag
printrunSechste durchgesehene Auflage
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071227
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III. Der Bandkrämer von Malimos.

Als der Staatsmann Perikles und sein Freund, der weise Anaxagoras, das Haus des Perikles verlassen hatten, gingen sie die Straße, welche vom großen Theater des Dionysos am Fuße des Südabhangs der Akropolis hinführte, hinunter und wendeten sich dann nordwärts, um die Straße einzuschlagen, die zwischen dem westlichen Abhange der Akropolis und dem Hügel des Areopag bis zur Agora hindurchlief.

Nun hatten sie ihr Ziel erreicht. Sie standen auf der Agora.

Weithin dehnt sich im Stadtbezirke des Kerameikos dieser Mittelpunkt des athenischen Lebens und Verkehrs. Er liegt wie geborgen in der Hut der sämtlichen Hügel Athens: auf der Seite des Mittags hat er den schroffen Fels des Areopag und die Akropolis, auf der abendlichen Seite den Nymphenhügel, an welchen in mittäglicher Richtung die berühmtere Höhe der Pnyx sich schließt, mitternachtwärts liegt die mäßige Erhöhung, welche den Tempel des Theseus trägt, und im Nordwesten grüßen die Hänge des gefeierten Kolonos herüber.

So blicken alle die sagenberühmten und geheiligten Höhen Athens hinunter auf die Agora.

In ihrer Mitte ragt der Altar der zwölf großen olympischen Götter. Hier erheben sich ferner die ehernen Standbilder der zehn sagenhaften Stammesheroen des attischen Volkes und Landes. Angesichts dieser Standbilder der Stammeshelden ist jedem der neun Archonten, dieser ehrwürdigsten obrigkeitlichen Männer Athens, die Stätte seiner öffentlichen Wirksamkeit im Banne der Agora zugeteilt. Hier steht auch die Mehrzahl der Gerichtshöfe; hier sind die Versammlungsorte des Rates der Fünfhundert: das Bonleuterion und das mit einer Kuppel bedeckte Rundgebäude des Tholos.

Dichter als gewöhnlich wogt heute der Volksschwarm vor diesen Versammlungsorten. In den Tholos sieht man eilig die Prytanen gehen, jene Männer, welche der eben amtierenden Abteilung des Rates angehören. Auch viele andere obrigkeitliche Personen werden über den Platz hinschreitend gesehen. Man beachtet sie wenig. Nun aber kommt Perikles, der Stratege. Auf ihn sind sogleich die Augen aller gerichtet. Er verabschiedet sich von seinem Begleiter Anaxagoras und geht in den Tholos zu den Prytanen. Er hat mit diesen Männern, welche die Gegenstände der Volksversammlung zuvor beraten und in ihr selber den Vorsitz führen, noch einiges für den heutigen Tag zu besprechen.

Auch stattliche Tempel ragen im Umkreise der weithin sich erstreckenden, prangenden Agora der Athener, und es dehnen sich in edlem Schmucke der Kunst prangende Hallen.

Augerfrischend wirkt inmitten dieses weiten Kreises von sonneglänzenden Zinnen und Säulengängen das Grün der Platanen, welche, als ein dankenswertes Erbe Kimons, die sommerliche Schwüle der Agora dämpfen und wohltätig ihr heißes Getümmel beschatten.

Unter Rutengeflechten, die vor Regen und Sonne schützen, entfaltet in zahllosen Buden sich der buntfarbige, duftige, vielgestaltige Reichtum des athenischen Marktes.

Lauch und Lattich, und Kümmel und Kresse, und Thymian und Honig, und Rind und Fisch, Geflügel und Gewild – verdienen sie einen Blick, weil sie uns auf dem Markte des alten Athen begegnen? Warum nicht? Was unter Attikas Himmel reift, ist von edler Art, und die griechische Sonne hat es gewürzt mit feineren Säften.

Auch die Nachbarn liefern ihr Bestes auf den Markt von Athen. Dies zarte, saftige Grün hat Megara gesendet. Diese Gänse, diese ausgesuchten Wasserhühner und Strandläufer kommen aus dem fetten Böoterlande.

Schier das größte Getümmel des Marktes aber drängt sich dort um die geschuppte Wasserbrut. Vom billigen Salzfisch, dem Wohlfeilsten, was es gibt, und der doch, mit Oel bestrichen, in gewürzhafte Blätter gewickelt und in heißer Asche gebraten, trefflich schmeckt, bis zum gepriesensten und teuersten Leckerbissen dieser Gattung, dem Böoter-Aal, ist hier alles ausgelegt, was in den hundert Golfen der vielgezackten griechischen Küsten Genießbares und Leckeres wimmelt. Diese Sardellen da aus der nahen Bucht von Phaleron sind so zart, daß sie, um fertig gebraten zu sein, das Feuer sozusagen nur zu sehen brauchen.

Wer nicht Lust hat, den Rohstoff des Mahles nach Hause zu tragen, der kann am Orte sein Verlangen stillen. Nach dem Geruche zu schließen, ist selbst der saftige Eselsbraten dort nicht zu verachten, sein Verkäufer rühmt wenigstens das Bauchstück als einen Leckerbissen. Der Nachbar bietet freilich mit hellaustönender Stimme die ganze Beredsamkeit des Griechen auf, um zu beweisen, daß sein Ziegenfleisch den Vorzug verdiene, und daß es das nahrhafteste von allen Arten Fleisches sei und eine wahrhafte »Athletenkost«.

Willst du dich dem Fleisch- und Blutgedüft entziehen – an welchem übrigens doch selbst die opferfrohen Olympier ihr Wohlgefallen haben – und verlangst du, dich an feineren und zarteren Düften zu erlaben, so begib dich dort hinüber nach der Stelle, wo die schalkhaften Blicke einer Kranzwinderin oder eines rosigen Knaben dir winken. Der Athener liebt die Kränze in unglaublichem Maße. Sie begleiten ihn vom Mutterschoße bis zur Gruft. Mit Kränzen schmückt sich zu Athen nicht bloß der Ruhm, die Liebe, der Tod, die Freude und jede Art von Festeslust; nicht bloß der Zecher umwindet seine Stirn, ja seinen ganzen Leib mit Kränzen beim Symposion, auch der Würdenträger setzt einen Kranz aufs Haupt, wenn er seines Amtes waltet, und der Redner tut desgleichen, wenn er sich anschickt, auf der Pnyr zu dem versammelten Volke zu sprechen. Aus Myrten windet Athen seine Kränze, aus Rosen; den Efeu und selbst das Laub der Silberpappel verschmäht es nicht, Hyazinthen flicht es gern ins Grün der Myrten; aber am meisten scheint es doch die sinnigen Veilchen zu lieben, denn seine Dichter nennen es das »veilchenbekränzte«.

Nun aber stehen wir auf dem Töpfermarkte, dem Stolz des athenischen Kunsthandwerks. Benennt sich doch von den Töpfern seit uralten Zeiten dieser ganze Stadtbezirk, und auf den Schiffen der Seefahrer gehen von hier die Erzeugnisse der göttergesegneten attischen Töpfererde in alle Welt. Der Athener formt diesen gesegneten Ton seines heimischen Bodens, wie seinen attischen Marmor, mit dem bildsam-feinen Sinne, den ihm die Götter zu seinem trefflichen Ton und Marmor wohlbedacht hinzuverliehen.

Da sieh! Von der kleinen, flachen, henkel- und fußlosen Phiole bis zum riesigen Pithos, der hundert Amphoren Weines faßt und doch Töpferarbeit ist, hat alles sein zugemessenes Teil von edler Zierlichkeit. Diese weitbauchigen, doppelhenkligen Amphoren, diese Hydrien, diese Salbenfiäschchen mit engem Halse, aus welchem die Flüssigkeit nur tropfenweise und mit einem glucksenden Tone herausfließt, diese gewaltigen Mischgefäße, diese Schöpfgefäße, diese hundertfach gestalteten Becher, sie alle sind schön.

Kein einziges Stück ist darunter, das formlos wäre und nur dem Bedürfnis diente. Auch schon das Gefäß des täglichen Gebrauchs, auch schon das Gefäß, in welchem der Grieche seinen Wein, seinen Honig, sein Speiseöl, sein Salböl aufbewahrt, ist schön. Es entbehrt nicht des Reizes gefälliger Gliederung, wohlberechneter Umrisse.

Wenn man hier wandelt, so glaubt man nicht auf einem Markte und unter Waren zu wandeln. Denn das Schöne gehört nicht bloß dem, der es bezahlt, es erfreut jeden, der vorübergeht, und wo die Dinge, mit welchen der Mensch sich umgibt, den herzerfreuenden Stempel der Schönheit tragen, da haben alle an allem Teil, und es verwirklicht sich im besten Sinne das Ideal der Gütergemeinschaft.

Wir möchten wohl auch den Salbenmarkt durchschreiten und den Kleidermarkt, wo mit der heimischen Tracht Moden des Auslandes, megarische Mäntel, thessalische Hüte, amykläische und sikyonische Schuhe Liebhaber und Abnehmer finden. Und am liebsten wohl möchten wir die Bücherrollen mustern, die dort meist in cylindrisch geformten Behältern zur Schau stehen. Gern möchten wir die breiten Blätter des beschriebenen Papyros entrollen, die um runde, an den beiden Enden mit elfenbeinernen oder metallenen Knöpfen verzierte Stäbe gewickelt und von roten oder gelben Pergamentbändern zusammengehalten sind.

Aber der Lärm der Ausrufer, das Getümmel des Marktes ist zu groß, als daß wir uns vertiefen könnten in die Bücherweisheit der Athener.

Ein Kohlenbrenner aus Acharnä und ein Bandkrämer aus Halimos wetteifern da soeben, im Vorüberwandeln ihre Ware anzupreisen. Ihnen gesellt sich ein dritter, welcher das Athenervolk auffordert, seine vortrefflichen Lampendochte aus Binsenmark zu kaufen. Bald aber ertönt es von allen selten: »Kauft Oel!« »Kauft Essig!« »Kauft Scheiter!« Und dazwischen verkünden öffentliche Ausrufer, daß diese und jene Schiffe im Hafen angekommen, daß diese und jene Waren ausgeschifft worden, oder machen den Preis bekannt, welcher für die Entdeckung des Täters eines Diebstahls oder für die Wiederbringung eines entlaufenen Sklaven ausgesetzt worden ist.

Was man im Gedränge des Marktes vermißt, sind die Frauen. Kein Athener sendet seine Gattin oder Tochter auf den Markt. Er sendet seinen Sklaven, oder er – geht selbst und besorgt in eigener Person den Einkauf für das Familienmahl.

Aber treibt nicht dort, beim Tempel der Aphrodite Pandemas, eine Anzahl von eigenartig geputzten Frauenspersonen sich umher? Nicht zu den Käuferinnen des Marktes gehören diese, sondern zu den Verkäuferinnen. Sie sind Verkäuferinnen und Ware zugleich. Es sind darunter Flötenbläserinnen und Tänzerinnen, die sich mieten lassen für die Symposien der Reichen zur Ergötzung fröhlicher Zecher. Auf der Agora stehen auch Wechslertische, so gut wie im Piräus, und der Athener legt seinen Barvorrat bei diesen Wechslern und Bankhaltern nieder, um ihn nach Bedarf in kleinen Beträgen wieder zurückzunehmen.

Der Athener hat unzählige Gründe, täglich wenigstens einmal die Agora zu besuchen, und wenn es ihm dennoch zufällig an einem Grunde fehlen sollte, so begibt er sich ohne Grund dahin. Er ist überaus geselliger Natur. Beständiger Verkehr mit seinesgleichen ist ihm Bedürfnis. Ueberall schlägt diese Geselligkeit und Gesprächigkeit ihren Tummelplatz auf: in den Hallen, in den Bädern, in den Barbierstuben, in den Verkaufsläden, selbst in Werkstätten der Handarbeiter, nur nicht in Schenken: diese kennt der Athener jetzt noch kaum oder überläßt sie der untersten Hefe des Volkes.

Was will der große, wohlbewaffnete Schwarm von Leuten, der dort gerade in der Mitte der fast unabsehbaren Agora gelagert ist? Das sind die tausend skythischen Bogenschützen, welche als Söldlinge den Markt nach altem Herkommen bewachen, eine Art von Stadt- und Polizeiwache, die dem Rate der Fünfhundert zur Hand ist. Diese Söhne des fernen Skythenlandes ergötzen die Männer von Athen durch das barbarische Kauderwelsch, mit welchem sie das Griechische radebrechen, und durch – den unstillbaren Durst ihrer Kehlen.

Sie sind stumpfnasig und haben ausdruckslose Gesichter, die sich von den prächtig geschnittenen Köpfen und bedeutenden Zügen der Eingebornen unvorteilhaft abheben. Jene Ausländer sind plump und ungeschlacht von Ansehen: diese Einheimischen dagegen sind fein gebaut, und doch ist alles Feuer und Nerv an ihnen. Die Bewegungen jener erscheinen bald träg und schleppend, bald unschön überhastet. In den Bewegungen dieser liegt etwas edel Gemessenes. Selbst jener Kohlenbrenner aus Acharnä hält sich gerade, und jener Bandkrämer aus Halimos, der seinem ärmlichen Linnengewande mühselig durch etwas Kreide zu einigem neuen Glanze für den heutigen Volksversammlungstag verholfen hat, er blickt, seine Ware ausrufend, mit einer Art von Stolz um sich. Er wirft, über den Markt hinschreitend, die Hüften hin und her; aber sein Oberleib verharrt in würdevoller Ruhe. In den Augen aller dieser Männer wohnt der sprichwörtliche »attische Blick«. Was dieser Blick bedeutet? Es ist schwer zu sagen. Der »attische Blick« ist, wie das ganze Wesen des Atheners, ein Spiegel sehr verschiedener, liebenswürdiger und unliebenswürdiger Eigenschaften. Jeden Moment ist dieser attische Blick bereit, sich in ein attisch gewürztes, beißendes Scherzwort umzusetzen. Der Athener scheint ernst, aber aus seinem Ernst springt und sprüht unversehens ein sarkastischer Einfall, wie der Funke aus dem Stein. Er hat Mutterwitz und weiß ihn zu brauchen.

Durch das Getümmel der Agora bewegt sich seit einiger Zeit ein Mann, dessen Gewandung und stattliches Ansehen Wohlhabenheit verraten, der aber hier offenbar mit den Augen des Neulings um sich blickt. Er ist hie und da zu den Buden der Händler hingetreten, hat nach dem Preise dieser, jener Ware gefragt, immer aber schien er Schwierigkeiten zu finden, wie sie einem Fremden begegnen.

Soeben schreitet der Bandkrämer von Halimos langsam an ihm vorüber.

»Ich werde nicht klug«, spricht der Fremde den Bandkrämer an, vielleicht ermuntert durch einen Blick der Neugier oder des Anteils, den dieser ihm zugeworfen; »ich werde nicht klug aus den Forderungen dieser Händler. Ich glaube, man will mich prellen ...«

»Bist du denn ein Fremder?« fragte der Bandkrämer.

»Allerdings!« erwiderte jener. »Ich bin mit den Meinen aus Sikyon ausgewandert und erst vor wenigen Tagen hier angekommen. Ich denke mich hier niederzulassen. Ich will künftig lieber Beisasse sein zu Athen, als Bürger in Sikyon, wo mir von meinen Feinden übel mitgespielt worden.«

Der Bandkrämer von Halimos, da er hörte, daß dieser Mann, der ihn ansprach, kein athenischer Bürger, sondern nur ein Beisasse – er hatte ihn für einen Ratsherrn gehalten –, richtete sich noch etwas strammer empor und sagte dann mit einer Art von Herablassung:

»Freund«, sagte er, »wenn dir die Werte unserer Münzen und die Preise unserer Waren unbekannt, so mußt du dich eben bemühen, sie kennen zu lernen, und zwar womöglich von einem ehrlichen Manne.« – »Siehst du hier«, fuhr er fort, indem er ein ganz kleines dünnes Silberstück hervorzog und auf die Fläche seiner Hand legte, »siehst du, das ist attisches Silber, wie wir's da drüben in Laurion graben. In der ganzen Welt findest du kein so feines und reines Silber wie dieses. Die Münze da aber ist unser kleinstes Silberstück, ein halber Obolus; dafür kannst du dir einen gemeinen Käse, oder ein Würstlein mit kleinen Leberchen, oder auch ein ziemliches Stück Fleisch kaufen, wie du es bei gutem Appetit allein zu verzehren im stande bist. Gibst du einen ganzen Obolus, so erhältst du ein Fleischgericht in trefflicher Zubereitung. Um den Preis von vier solcher Obolen aber kannst du einen leckeren Meerfisch nach Hause tragen. Hast du sechs Obolen beisammen, so ist das soviel wie eine Drachme, und du kannst dir ein größeres Silberstück mit dem Kopfe der Athene auf der einen und der lorbeerumkränzten attischen Eule auf der andern Seite dafür einwechseln. Für eine solche Drachme nun bekommst du schon eine Schüssel gut zubereiteter Meerigel; für zwei Drachmen einen ganzen Scheffel Gerstengrütze, für drei einen Scheffel Weizen oder einen kopaischen Aal, für zehn solcher Drachmen aber kannst du dir schon einen Chiton kaufen. wenn er nicht von besonders feiner Art sein soll. Hast du hundert Drachmen beisammen, so gibt das eine Mine, und für anderthalb solcher Minen kannst du dir einen Sklaven kaufen; für drei Minen ein Pferd oder ein ganz kleines Häuschen, willst du ein größeres und besseres, so mußt du freilich bis an die sechzig Minen geben, und das macht schon ein Talent. – Siehst du, in dieser Weise kannst du vielerlei Leckerbissen und Herrlichkeiten zu Athen kaufen für weniges Geld. Wenn dir aber auch dies wenige gebricht, so mußt du es machen, wie wir anderen ärmeren Leute: du mußt dich bescheiden nähren von unserem heimischen Gerstenfladen und kannst dazu den würzigen heimischen Knoblauch kauen« –

In diesem Augenblick wurde der Sprecher unterbrochen durch den Klang einer gewaltigen Stimme, die über den Markt hintönte. Es war die Stimme des Herolds, welcher die vor dem Bouleuterion schriftlich an die Athener gerichtete Aufforderung, sich auf der Pnyx zu versammeln, nun mündlich wiederholte, beifügend, daß nach Ablauf einer Stunde von jetzt an die Versammlung eröffnet werden solle.

Zugleich wurde auf der Höhe der Pnyx eine große Fahne aufgezogen, welche als Zeichen der bevorstehenden Volksversammlung weithin sichtbar über der Stadt in den Lüften flatterte.

Ueberall staute um den Herold sich das Gedränge des Volkes und eine Art von Gärung griff in der Masse um sich. Schon seit dem frühen Morgen waren die Männer von Athen auf den Beinen, und überall, wo sich die Leute zu sammeln pflegten, hörte man lebhaftes, nicht selten haderndes Gespräch. Der Ausruf des Herolds entfachte den Eifer des politischen Gesprächs zu neuen und helleren Flammen.

»Achtzehnhundert Talente soll der Schatz betragen, der mit dem Staatsschiffe von Delos herübergebracht worden!« rief einer inmitten einer Gruppe von Bürgern.

»Dreitausend Talente sind's!« rief ein zweiter.

»Sechstausend!« fiel ein dritter lebhaft ein. »Sechstausend Talente, sag' ich euch, sind von Delos herübergekommen, – bare sechstausend Talente« –

»Juchhei!« rief ein vierter mit einem Freudensprunge, »wo Geld ist, sagt das Sprichwort, da geht das Ruder und bläst der Wind!« –

»Was die neuen Bauten betrifft«, sprach ein fünfter im Kreise bedenklich, »insbesondere das neue Festhaus der Pallas auf der Burg, so lasse ich mir dies gefallen; aber was den Richtersold anlangt, und insbesondere die Schauspielgelder« –

»Was? Gönnst du diese dem Volke nicht?« scholl es dem Sprecher von seiten der umstehenden ärmeren Bürger entgegen.

»Ich wohl!« versetzte jener. »Ich meine nur, der Antrag wird nicht durchgehen. Die Oligarchen werden ihn nicht durchgehen lassen. Schauspielgelder für's Volk? Das werden die vielen Lakonerfreunde nicht bewilligen. Nein, gewiß nicht!«

»Ich dagegen glaube«, warf ein anderer ein, »die Schauspielgelder werden leichtlich durchgesetzt werden, denn die Masse des Volkes ist ja doch auf der Pnyx gegen die Oligarchen in der Mehrzahl. Aber in betreff der Bauten, und insbesondere des neuen Festhauses der Pallas Athene« –

»Was?« unterbrachen mehrere lebhaft den Sprecher, »du willst, daß wir nicht bauen sollen?«

»Das nicht!« entgegnete jener. »Ich meine nur ...«

»Ei, wartet doch!« unterbrach ihn einer, »hören wir erst den Perikles!«

»Ja, hören wir erst den Perikles!« hallte es im Kreise nach. Nur der Wurstmacher Pamphilos rümpfte die Nase und sagte:

»Perikles und immer Perikles! Müssen wir denn immer auf diesen hören?«

»Warum nicht?« gab man ihm zur Antwort; »Perikles ist klug – Perikles ist wohlmeinend – Perikles ist der Mann, dem wir Athener die Fettaugen auf der Suppe verdanken – Perikles ist der einzige hier zu Athen, dem seine Mitbürger nichts Böses nachzusagen wissen« –

»Was?« rief jener Widersacher;, »nichts Böses? Sagen nicht alle älteren Leute, daß er in seinen Zügen eine gewisse Aehnlichkeit hat mit Peisistratos, dem Tyrannen?«

»Das ist wahr«, bemerkte Pamphilos. »Auch hat er, was nicht allen bekannt ist, einen sogenannten Zwiebelkopf!«

»Was? Einen Zwiebelkopf?« riefen die Hörer.

»Einen Zwiebelkopf!« entgegnete jener. »Wisset«, fuhr er geheimnisvoll fort, »wisset, daß der schöne und stattliche Perikles auf der Höhe seines Scheitels einen kleinen Höcker trägt, so daß sein Kopf einigermaßen spitz zuläuft, einer Zwiebel nicht unähnlich« –

»Possen!« riefen die anderen. »Hat einer diesen Zwiebelkopf des Perikles gesehen?«

»Niemand!« fuhr jener lebhaft fort. »Niemand hat ihn gesehen! Das ist gewiß. Aber wie käme denn auch einer dazu den Zwiebelkopf des Perikles zu sehen? Im Felde trägt Perikles seinen Strategenhelm, und auch im Frieden werdet ihr ihn, wo es nur angeht, mit seinem Strategenhelm den Kopf bedecken sehen. Und wo es nicht angeht, nun, da sucht er sich anders zu helfen. Auf der Rednerbühne z. B. trägt er den üblichen Myrtenkranz des Redners auf dem Haupte; und für gewöhnlich sieht man ihn auf der Straße mit dem breitkrämpigen Thessalerhut; und so ist es allerdings wahr, daß niemand den Kopf des Perikles genau gesehen; aber eben weil ihn keiner gesehen, liegt die Vermutung nahe, daß sein Kopf ein Zwiebelkopf; denn wäre er dies nicht, welchen Grund hätte Perikles, ihn so geflissentlich zu verbergen?« –

»Freilich, freilich!« sagten viele der Hörer mit zustimmendem Nicken: »es ist kein Zweifel, daß des Perikles Kopf ein Zwiebelkopf« –

»Wenn das ist«, bemerkte lächelnd einer von der Oligarchenpartei, der sich in der Gruppe befand, mit einem spöttischen Seitenblick auf einige ärmlich aussehende Männer aus dem Volke, welche dem Gespräch zuhörten, »wenn der Volksfreund Perikles einen Zwiebelkopf besitzt, so mag er denselben hüten vor der Liebe seiner besten Freunde und Anhänger, der Zwiebel- und Knoblauchkauer« –

»Einige belachten den Scherz des Oligarchen. Aber unter den Männern, welche der spöttische Seitenblick getroffen hatte, befand sich auch der Bandkrämer von Halimos. Er antwortete zunächst mit einem Blitz aus seinen schwarzen Augen, ballte die Faust und stand auch auf dem Punkte, ein scharfes Wort gegen die Oligarchen zu schleudern.

Aber in diesem Augenblicke näherte sich ein Mann, der seinen Markteinkauf in der Busenfalte des Gewandes trug.

»He da, Pheidippides!« rief einer ihm entgegen; »hast wieder eine halbe Stunde lang gefeilscht, alter Knauser! Nicht wahr?«

»Allerdings«, versetzte Pheidippides, »für diese beiden Fischlein da begehrte die Vettel zwei Obolen!« –

»Und zuletzt bekamst du sie –?« »Für einen!« versetzte schmunzelnd Pheidippides, fügte aber sogleich hinzu: »Ohne Zweifel taugt die Ware nichts, sonst hätte die Alte sie mir nicht so billig gelassen. Man ist immer der Betrogene.«

Die Hörer lachten. »Pheidippides«, fuhr jener fort, »du bist ein Mann, der hauszuhalten weiß, was sagst du zur Verschwendung des Perikles, der jetzt haben will, daß wir den hierher gebrachten Bundesschatz für allerlei Sold und Schauspielgelder und für ein großes, prächtiges Festhaus der Pallas auf der Akropolis verwenden sollen? Hast du nichts dagegen einzuwenden, Pheidippides?«

»Pallas Athene bewahre mich davor!« rief Pheidippides. »Komme aller Götter Segen über das Haupt unseres großen und weisen Perikles! Ganz und gar nichts habe ich dagegen einzuwenden; im Gegenteil, ich sage: wir müssen bauen; das prächtige Festhaus der Athene auf dem Burgberge müssen wir haben, und wenn es die sämtlichen Bundesgelder verschlingen sollte« –

»Was? Du knauserst im eigenen Hause, du spaltest den Kümmel für den Tagesbedarf, und mit den öffentlichen Geldern bist du so freigebig?« fragten einige.

»Ja seht«, erwiderte Pheidippides, »zu Hause, da lohnt sich's nicht der Mühe, freigebig zu sein, sich's verschwenderisch einzurichten, wann ist denn unsereiner zu Hause? Wann erlauben es dem athenischen Bürger seine Geschäfte, zu Hause zu sein? Jetzt muß er auf den Markt gehen, jetzt in die Volksversammlung, jetzt in die Stammesgenossenschafts-Versammlung, jetzt in die Bruderschaftsgenossen-Versammlung, jetzt in die Gaugenossenschafts-Versammlung, jetzt in diesen, jetzt in jenen Gerichtshof, jetzt in den einen oder den anderen Klub, jetzt in den Piräus, jetzt aufs Land, um nach seinen Aeckern und seinen Schafen zu sehen – wann also, frag' ich, ist der athenische Bürger zu Hause? Der athenische Bürger gehört der Oeffentlichkeit und die Oeffentlichkeit ihm; darum ist immer mein Wahlspruch: bescheiden am häuslichen Herd, aber großmütig und freigebig für's Gemeinwesen, für's Allgemeine! Womit ich mein eigenes Haus schmücke, das ergötzt mich kurze Zeit, und vielleicht schon mein Sohn und Erbe verzettelt's, was ich auf der Akropolis droben bauen helfe, das währt, und das vererb' ich den spätesten Enkeln!«

»Pheidippides hat recht!« sagten die Männer, einander anblickend und dabei mit den Häuptern nickend.

Aber der Mann von der Oligarchenpartei, der früher den volksfeindlichen Scherz sich erlaubt hatte, erhob nun seine Stimme aufs neue. »Alles mit Maß!« sagte er. »Man muß mit der Hand und nicht mit dem Sacke säen. Halten wir nicht Maß, so geht das Gemeinwesen abwärts, und das stolze Gebäude der athenäischen Macht und Größe kommt zu schmählichem Falle!«

»Fall' es dir auf die Nase!« rief der noch immer grollende Bandkrämer von Halimos, die Faust gegen den Oligarchen gewendet.

Die Umstehenden lachten. Pheidippides aber begann wieder: »Seht doch einmal die reichsten Männer Athens. Sie wissen es gar wohl, womit sie sich den meisten Ruhm verschaffen können; nicht indem sie großartige Behausungen für sich herstellen, sondern indem sie Schiffe für den Staat ausrüsten und Chöre für die öffentlichen Schauspiele auf ihre Kosten einüben und anderes dieser Art leisten, wozu das Gesetz sie verpflichtet, worin sie aber unter einander einen rühmlichen Wetteifer, mehr als das Verlangte zu leisten, entwickeln. Gibt es etwas, worauf sie ihre Reichtümer lieber verwenden als auf solches, obgleich sie damit nur den Glanz des Gemeinwesens mehren, sich selbst aber beinahe in Armut stürzen?«

»In der Tat«, fiel der Oligarch hier ein, »so handeln die Reichen. Aber leider kommt man jetzt dahin, bei den Leistungen mehr auf äußeren Glanz und Tand, als auf das Tüchtige und wirklich Ersprießliche zu sehen. Die Trierarchen gehen oft an Bord, ohne sich für ihre Mannschaft mit etwas anderem als Mehl, Zwiebeln und Käse zu versehen. Diejenigen aber, welche einen tragischen Chor auf ihre Kosten auszustatten und einzuüben übernehmen, füttern diese Chorenten zur Ausbildung und Erhaltung ihrer Stimme eine geraume Zeit hindurch mit allen Süßigkeiten und Leckerbissen und müssen sich, wenn ihr Chor gegen einen anderen im Wettkampfe zurückbleibt, noch überdies verlachen und beschimpfen lassen. Diese Gewohnheiten werden uns weichlich machen. Wollten wir doch nur ein wenig mehr auf das Beispiel der mannhaften Lakedaimonier achten.«

»Ein Lakonerfreund!« riefen spottend einige im Kreise.

»Ja, ein Lakonerfreund!« sagte der Oligarch. »Ich wiederhole es, wir müssen das Beispiel der Spartaner nachahmen, sonst wird unsere Herrlichkeit nicht lange währen, insonderheit wenn wir fortfahren, die Zügel des Gemeinwesens immer mehr in die Hände der unbemittelten, hungrigen, bestechlichen Klasse schlüpfen zu lassen.«

Der Bandkrämer von Halimos, aus der Entfernung zuhörend, ballte bei diesen Worten des Oligarchen neuerdings die Faust. Mit Mühe beschwichtigte ihn einer seiner Gefährten.

»Ich habe die verwichene Nacht einen wunderlichen Traum gehabt«, begann jetzt einer im Kreise der Männer, »und möchte wohl wissen, was er etwa bedeutet. Ich sah zuerst eine große Finsternis rings umher verbreitet. Dann sah ich einen Mann kommen – er trug die Züge des Perikles – und eine Fackel aufstecken, die immer größer wurde, bis sie zuletzt als feurige heiße Sonne vom Himmel leuchtete. Da glänzte alles rings im heiteren Tagesglanz. Aber jene riesige Sonnenfackel begann eben durch ihren heißen Strahl wieder Dünste aus der Erde an sich zu ziehen – diese wurden immer dichter und trüber und ballten sich zu Wolken, und zuletzt verschwand die Fackel ganz hinter ihnen, und es war so dunkel wie zuvor. Es war ein seltsamer Kreislauf von Licht und Finsternis. Ob dieser Traum nicht etwa Unheil bedeutet?«

»Nicht alle Träume senden die Götter!« erwiderte einer der Zuhörer.

»Du irrst!« warf der Oligarch ein. »Träume sind immer bedeutungsvoll. Mich selbst rettete einmal ein warnender Traum, als ich ein Schiff zu besteigen die Absicht hatte, welches nachher mit allen darauf Befindlichen in den Wellen unterging. Die Götter haben nicht gewollt, daß ich auf solche Art umkommen sollte« ...

»Vielleicht wollten sie, daß du gehangen werden solltest!« rief der Bandkrämer von Halimos herüber, seinen lang verhaltenen Groll nicht länger bezähmend.

Finsteren Blickes sah der Oligarch auf den Mann, der so gesprochen. Er hatte das Ansehen, als ob er den kühnen Spötter zur Rechenschaft zu ziehen gedächte.

Aber im Kreise umher blickend, begegnete er nur solchen Mienen, welche dem Spötter Beifall lachten, und da dieser überdies so kampflustig auf ihn zutrat, als ob er ihm mit der Ferse an die Hüfte springen wollte, so zog er es vor, im Gedränge der Gruppe des Volkes zu verschwinden, welche sich in Bewegung setzte, um den Weg gegen die Höhe der Pnyx einzuschlagen, denn die Stunde der Versammlung war gekommen.

Auch der Bandkrämer von Halimos schloß sich an, noch immer erregt vom Zorne gegen den Oligarchen. Der Sikyonier war in seiner Nähe. »Hast du gehört«, sprach er, sich ihm wieder gesellend, »was ein Schurke von Oligarch noch immer zu Athen sich erlaubt? Das gemeine Volk zu verachten! Unser einen zu verachten, weil man arm ist – als ob man deshalb weniger athenischer Bürger wäre! Es ist wahr, ich bin ein Bandkrämer, und mein Weib hat sich im Drange der Not schon ein paarmal als Amme verdingen müssen. Aber das Gesetz verbietet ausdrücklich, daß man einem athenischen Bürger, wenn er aus Armut rechtlich ein Gewerbe treibt, dieses zum Vorwurf mache. Und bei der Pallas, ich bin ein athenischer Bürger so gut als irgend einer, wenn ich auch nicht in der Tripodenstraße wohne, sondern in einem kleinen Vororte drunten an der Bucht von Phaleron. Nun, ich denke, besser ist's, mit dem Bündel auf dem Rücken seinen Unterhalt suchen, als in der Weise derjenigen leben, welche lieber verhungern würden als arbeiten, es aber nicht unter ihrer Würde halten, als Schmarotzer die Teller anderer Leute rein zu lecken oder umherzugehen und zu lauern, wo etwa irgend ein Mensch wissentlich oder unwissentlich gegen eines der unzähligen Gesetze Athens verstößt, damit man ihn anklagen und von der Geldstrafe, in die er verfällt, seinen bestimmten Anteil einstreichen könne. Halten sie's für eine Ehre, als Parasiten oder als Sykophanten zu leben, wohl bekomm's! Ich aber dünke mich besser als diese, und wer meiner spotten will, der komme heran: da steh' ich und fürchte keinen, ich, der Bandkrämer von Halimos! Ich tue meine Bürgerpflicht so gut als einer; ich stecke etwas Brot und Zwiebeln in meinen Ranzen und stehe dann wohlgemut dem Vaterlande den ganzen Tag zu Diensten auf der Pnyx! Ich danke den Göttern, daß sie mich als Athener geboren werden ließen: und wenn ich so am frühen Morgen von Halimos gegen die Stadt her wandere und die Akropolis im Glanz der Morgensonne mir entgegenleuchten sehe, und die riesige Vorkämpferin Athene mir zu winken und zu sagen scheint: »Auch du bist einer von meinen Söhnen!« da geht das Herz mir auf und im stillen sag' ich dem alten Helden Theseus Dank, daß er uns Kinder des attischen Landes alle, gleichviel ob wir in der Stadt oder in den ländlichen Gauen hausen, in Urväterzeiten zu einem einzigen Gemeinwesen vereinigte. Denn das müßt ihr anderen Hellenen doch zugeben: wie sich Städte von Dörfern unterscheiden, so unterscheidet sich wieder unser Athen von allen übrigen hellenischen Städten, wir Athener sind nun einmal Autochthonen und anerkanntermaßen das reinste, unvermischteste Hellenenblut. Du begreifst aber auch, daß es nichts Geringes ist, ein Gemeinwesen, wie dieses, als Bürger regieren und verwalten zu helfen. Ich habe mir in den letzten Tagen weidlich den Kopf zerbrochen, inwieweit man den Anträgen des Strategen Perikles gerecht werden könnte. Perikles ist klug, sehr klug, und ich bin ganz einverstanden mit der Uebertragung der Bundeskasse von Delos nach Athen, auch mit der volkstümlichen Verwendung der Gelder und mit dem neuen Tempelhause der Pallas Athene auf der Burg. Aber wir Bürger können doch andererseits auch nicht alles gleich so unbesehen bewilligen, als ob es sein müßte – wir müssen eben merken lassen, daß wir die Herren sind, und daß wir zu entscheiden haben, wir, das Volk, und daß wir die Volksherrschaft haben hier zu Athen« ...

So sprach der Bandkrämer von Halimos nachdrucksvoll, als athenischer Bürger, zu dem neuen Beisassen aus Sikyon. Dann trat er in den Laden seines Freundes, des Bartscherers Sporgilos, und ließ sich von ihm das Kinn und die Wange glatt rasieren, damit er unter den anderen Bürgern in der Volksversammlung würdig erschiene; zugleich übergab er dem Sporgilos sein Krämerbündel, damit er es ihm bis zur Zurückkunft aus der Volksversammlung aufbewahre.

Mittlerweile war durch eine Anzahl der skythischen Bogenschützen unter Anführung eines der sogenannten Lexiarchen im Umkreise der Agora ein Seil gespannt worden, in der Art, daß nur die Straße frei blieb, welche auf den Hügel der Pnyx hinaufführte – ein alter Brauch, dessen Sinn und Zweck nur war, die Athener, welche gern auf dem Markte schwatzend säumten, zu erinnern, welchen Weg sie einzuschlagen hätten. Und da das Seil mit Mennig bestrichen war, um diejenigen, welche es überspringen wollten, rot zu zeichnen, so mußte der Ausreißer fürchten, sich dem Gelächter der spottlustigen Menge auszusetzen.

Der Bandkrämer nahm mit dem Schwarme der übrigen Bürger seinen weg nach der Pnyx. Der Beisasse blieb an seiner Seite, begierig, noch manches von ihm zu erfahren. Bis an die Schranken des Volksversammlungsplatzes durfte er ihn ja begleiten.

Der Hügel der Pnyx ist der mittlere von jenen dreien, welche auf der Abendseite der Stadt von Mittag her sich erstrecken. Nordwestlich trennt ihn eine Schlucht von dem sogenannten Nymphenhügel, auf der Mittagseite eine noch tiefere Einsenkung, durch welche ein in den Felsen gehauener Fahrweg läuft, von dem Hügel des Museion, der am höchsten ansteigt in dieser Gruppe meist schroffer Erhebungen. Gen Norden und in der entgegengesetzten Richtung senkt der Hügel sich ziemlich sanft gegen die Ebene; auf dem östlichen Abhange aber, gegen die Akropolis hin, stützt eine schroffe Mauerterrasse in Form eines Kreisausschnittes das Erdreich, erweitert die Oberfläche des Hügels und gleicht die Unebenheiten derselben aus. Felstreppen und durch Kunst gebahnte Wege führen zu dieser teils natürlichen, teils durch Menschenhand erweiterten und geebneten Hochfläche hinauf, die in Urzeiten den Felsaltar des obersten Gottes trug.

Der Bandkrämer von Halimos und sein Gefährte aus Sikyon hatten die Höhe erreicht. Die Schranken waren geöffnet, am Eingange aber standen die Lexiarchen, sechs an der Zahl, Amtspersonen, in deren Händen die Verzeichnisse der athenischen Bürger hinterlegt waren und welche hier an den Schranken dafür sorgten, daß kein Unberechtigter in die Versammlung der Bürger sich einschleiche. Dreißig Gehilfen standen ihnen zur Seite.

Das Volk strömte ins Innere des weiten, eingehegten Bezirkes, über welchen nur der blaue Himmel sich wölbte. Der Bandkrämer aber leistete dem Beisassen, welcher vor den Schranken zurückbleiben mußte, noch ein wenig Gesellschaft. Mit neugierigen Blicken musterte der Sikyonier über die Schranken hinweg den Raum, der mit den dichten Massen des herandrängenden Athenervolks sich füllte. Er sah den Hintergrund der Hochfläche durch eine Felswand abgeschlossen, aus welcher ein hoher, würfelartiger Stein vorsprang. Dieser im Viereck zugehauene Stein war die Bühne, von welcher herab die Redner zum Volke sprachen. Zu beiden Seiten führte eine schmale Treppe auf dieselbe hinauf. In alten Zeiten war dieser Raum ein Heiligtum, dieser Steinwürfel der Altar des höchsten Zeus gewesen. Der Rednerbühne gegenüber reihte sich hinter einander eine Anzahl von steinernen Bänken, auf welcher ein Teil der Versammelten sich niederlassen konnte.

Nachdem der Fremde diese Dinge betrachtet, wendete er sich rückwärts und ließ seine Blicke von der Höhe des weitschauenden Hügels gegen die Stadt hin schweifen. Er sah vor sich die gesamte Stadt der Athener, im Kreise gelagert um den heiligen Felsberg der Akropolis, der in geringer Entfernung, der Pnyx gerade gegenüber, emporragte. Die Glimmeradern seiner über einander getürmten Felsmassen funkelten in der Sonne. Zur Linken des Berges der Akropolis erhob sich, viel niedriger von Ansehen, aber aufstarrend als ein einziger riesiger, wildzerklüfteter Felsblock, der Areshügel, die geheiligte Stätte des Areopags, umweht zugleich von den Schatten ihres Eumenidenheiligtums.

Immer dichter ward das Gedränge des Volks um den Standort der Lexiarchen an der Schranke des Eingangs. Lebhaft zeigte sich auch hier, wie auf der Agora, das Wesen des Atheners. Jeden Augenblick erschollen die Zurufe des Lexiarchen: »Vorwärts, Eubulides! Nicht so lange geschwatzt hier vor den Schranken!« – »Ruhig, Charondas! Nicht so gezaudert mitten im Gedränge! Patz gemacht für die Hintermänner!« –

Der Bandkrämer von Halimos drückte sich beiseite, um, unbemerkt von den gestrengen Amtsleuten, seinen wißbegierigen sikyonischen Gefährten im Gedränge der Zuströmenden einzelne Gestalten zu weisen, die ihn zu der einen oder der anderen Glosse veranlaßten.

»Siehst du«, sagte er, »die beiden dort mit den langen, struppigen Bärten, den blassen, finsteren Gesichtern, den kurzen und grobwolligen Mänteln und mit den dicken Stöcken in der Hand? Ihre Ohren sind platt eingedrückt, als ob sie täglich den erzgebuckelten Faustriemen einander um den Kopf schlügen. Sie möchten aussehen wie Athleten, die mindestens schon einmal in Olympia gesiegt. Das sind die Leute, die wir Lakonisten zu nennen pflegen, weißt du? Die für Sparta schwärmen und hier alles so haben möchten, wie es dort ist« ...

Wieder stieß der Bandkrämer seinen Gefährten an: »Jener dort ist Pheidias – Pheidias, der Bildner, der die große Vorkämpferin Athene gefertigt auf der Burg – die Schar, die ihn umgibt, das sind die Seinen, seine Schüler und Helfer – die stimmen alle für Perikles!«

Jetzt kamen die Prytanen herangeschritten. Der Bandkrämer zeigte sie seinem Gefährten. Bald aber stieß er diesen noch heftiger an: »Da sieh – Perikles! Der Stratege Perikles!«

»Und seine Begleiter?« fragte der Sikyonier. – »Sind ebenfalls Strategen!« erwiderte der Bandkrämer.

»Wie heißen sie?« fragte jener weiter.

»Das mögen die Götter wissen!« gab der Krämer zurück. »Es gibt, glaub' ich, zehn Strategen in Athen, aber wir kennen nur den Perikles.«

»Und die ehrwürdigen Männer, die da mit so würdevollen Schritten sich nähern?« fuhr der Sikyonier fort zu fragen.

»Das sind die neun Archonten!« sagte der Bandkrämer.

»Sind es nicht diese«, fragte der Sikyonier, »welche bei euch von allen obrigkeitlichen Personen die meiste Ehre genießen?«

»Ehre wohl«, erwiderte der Bandkrämer, »aber höher schätzen wir im Grunde doch die Strategen« –

»Wie das?« fragte jener.

»Weil wir unsere besten Köpfe dazu wählen«, versetzte mit schlauer Miene der Krämer. »Bei den Archonten sehen wir auf Alter, fleckenlosen Ruf und ehrwürdiges Aussehen. Große Ehre genießt ein solcher Archont, sehr große Ehre, das ist nicht zu leugnen; seine Person wird beinahe für heilig geachtet. Dafür ergeht es ihm aber auch schlimm, wenn seine Amtszeit verflossen, und wir mit ihm nicht ganz zufrieden sind. Wir verurteilen ihn – rate wozu? Ein Standbild aus purem Gold in Lebensgröße nach Delphi zu stiften« –

»Ein Standbild aus purem Gold in Lebensgröße?« rief erstaunt der Sikyonier, »das ist ja doch keiner zu bezahlen im stande« –

»Eben darum!« versetzte der Bandkrämer. »Ein Schuldner des Staats, der nicht zahlen kann, ist nach unserem Gesetze bürgerlich ehrlos. Ein solcher Archont bleibt also zeitlebens ehrlos. Und mit Recht. Hat er früher die große Ehre genossen, so soll er jetzt auch die große Schande dafür haben.«

»Wer ist denn nur jener lahme, krüppelhafte, mit Lumpen behängte Mann, mit dem Bettlerranzen um die Schultern, der sich dort mit tollen Gebärden um den Eingang der Volksversammlung drängt?«

»Jenen tückisch-grinsenden Bettler meinst du?« erwiderte der Bandkrämer. »Dies stadtbekannte Menschenkind ist als Sklave in einem Prozesse seines Herrn gefoltert worden und seither verkrüppelt geblieben, hat auch seinen Verstand halb eingebüßt, und jetzt, als Bettler sich herumtreibend, ist er von der Sucht befallen, sich überall einzudrängen, wo athenische Bürger sich versammeln, auf dem Markte, auf der Pnyx. Immer wird er hier von den Lexiarchen zurückgestoßen; dann antwortet er mit Schmähungen und lästert das ganze Athenervolk, wofür er oft geschlagen oder gar mit Steinen beworfen wird, wenn ihn der junge Steinmetz Sokrates nicht beiseite führt, der des tollen Menon – so wird er genannt – sich gern erbarmt, und den du auch jetzt wieder in seiner Nähe dort erblickst.« –

Nunmehr wurde die Fahne eingezogen, welche von der Höhe der Pnyx den Athenern die bevorstehende Volksversammlung angekündigt hatte. Mit ihrem Einziehen war das Zeichen der Eröffnung gegeben. Jetzt beeilte sich auch der Krämer von Halimos, den umhegten Raum zu betreten, mit einem Gemisch von Stolz und Mitleid sich von dem Sikyonier verabschiedend, der vor den Schranken zurückbleiben mußte. Dem Gezwitscher eines vollen Vogelnestes ähnlich erscholl das Gemisch von Stimmen der Männer von Athen, die in dem weiten Raume sich drängten.

Nun gebot ein Herold Ruhe. Sein heller Ausruf klang weithin über die Höhe. Es ward stille.

Der Sikyonier war stehen geblieben, wo er zuvor im Gespräch mit dem Krämer von Halimos gestanden, und betrachtete, so gut es aus dieser Entfernung möglich war, die Vorgänge innerhalb des weitgedehnten, von Menschen dichtgefüllten Raumes der Versammlung. Sein Standort war ein wenig erhöht, so daß er über die Köpfe der Menge hinweg zu blicken vermochte.

Er sah, wie jetzt, nach vollkommen hergestellter Ruhe, ein als Reinigungsopfer geschlachtetes Ferkel unter dem Vortritt eines Priesters umhergetragen und mit dem Blute desselben der Platz, sowie die Bänke besprengt wurden, Er sah dann, wie ein helles Feuer angefacht und das eigentliche Rauchopfer gebracht wurde. Und neuerdings wurde ihm des Herolds Stimme vernehmlich, welcher die Götter feierlich anrief. Er sah, wie aus der Mitte der Prytanen sich einer erhob, wie die Athener der Vorlesung eines Schriftstücks lauschten, das ohne Zweifel die dem Volke gestellten Anträge des Strategen Perikles und die Vorbeschlüsse des Rats enthielt, wie dann wieder der Herold sich erhob, um zu fragen, wer über diesen Gegenstand zu sprechen verlange; er sah, wie nunmehr die Redner zur Bühne emporstiegen, wie sie nach altem Brauche sich den Myrtenkranz aufs Haupt setzten, wie sie zum Volke sprachen; er sah, wie das Volk zustimmend oder mißbilligend sich äußerte, jetzt atemlos lauschte, jetzt unruhig aufwallte, erst sacht, wie ein Aehrenfeld, welches von mäßigen Winden gekräuselt wird, dann aber ungestüm aufgärend, lärmend, tobend, wie ein sturmgeschüttelter Bergwald, so daß der Herold auf den Wink des ersten der Prytanen Ruhe gebieten mußte; er sah, wie zuweilen der Widerstreit der Meinungen in den Volksmassen zum Kampf der Hände zu entarten drohte, wie hier ein Mann aus dem Volke die Faust gegen einen Oligarchen schüttelte, dort ein Lakonerfreund den Knotenstock mit lauten Verwünschungen gegen die Volksmänner emporhob; er sah jetzt die großen Massen des Volks wie ein Mann jubelnden Beifall zollen, während die Oligarchen murrten oder grollend verstummten; dann sah er wieder diese durch Mienen, Gebärden und Ausrufe ihre Befriedigung an den Tag legen, jene aber in Lauten des Unmuts lärmend sich Luft machen.

So gingen im erregten Gewoge der Meinungen und Stimmungen einige Stunden hin.

Jetzt sah der Sikyonier den Strategen Perikles, der schon früher, aber nur mit wenigen Worten, zum Volke gesprochen, neuerdings die Rednerbühne besteigen, wieder herrschte völlige Stille im Schwarm der Athener. Ruhig und würdevoll ragte die Gestalt des Mannes, den sie den Olympier nannten, inmitten des Volks empor. Er machte keine lebhaften Bewegungen. Seine Hand verbarg sich ruhig im Obergewande. Aber seine Stimme erscholl mit eindringlichem und wunderbarem Klange hin über die Häupter der Lauschenden. Der Sikyonier vernahm den Klang dieser Stimme, und ohne die Worte selbst zu erfassen, horchte er wie durch einen Zauber gebannt nach jenen Lauten hin, welche einschmeichelnd waren wie der säuselnde Westwind und doch markig zugleich, wie der Laut des sachtrollenden Donners in den Lüften.

Plötzlich sah der Sikyonier den Perikles die Rechte unter dem Obergewande, in welchem er sie bisher verborgen hatte, hervorziehen und sie gerade vor sich hin ausstrecken, hinüberweisend auf die nachbarliche, gegenüber aufragende Höhe der Akropolis.

Bei dieser Gebärde des Perikles wendeten alle die Tausende von Athenern die Häupter, und alle blickten, der Richtung folgend, welche ihnen die ausgestreckte Rechte des Redners wies, nach der im hellen Tageslichte leuchtenden heiligen Höhe der Akropolis hinüber. Der Sikyonier tat desgleichen. Es war, als ob jene geheiligte Höhe immer heller erglänzte, als ob sie ein neuer, ahnungsvoller Schimmer umzitterte. Der ahnungsvolle Glanz aber, welchen die Akropolis ausstrahlte, schien sich in den Augen der unverwandt hinüberblickenden Athener widerscheinend zu spiegeln. Es war, als sähen sie dort bei dem Klange der Worte des Perikles vor ihren geistigen Augen etwas emporsteigen, was für die leiblichen Augen noch nicht sichtbar. Es schien, als wolle der Berg sich mit einer Zauberkrone schmücken, welche viele Herrscherkronen überdauern und viele Geschlechter der Menschen an sich vorüberziehen sehen würde, und welche in reinem Glanze ruhig fortleuchten würde bis ans Ende der Tage ...

Der lauschende Sikyonier hörte den Rededonner des Olympiers Perikles verhallen; er sah, wie der Redner den Kranz vom Haupte nahm, wie er herabstieg von der Bühne unter dem Jubel des Athenervolks, wie der Vorsitzende Prytane das Volk zur Abstimmung aufforderte, wie dieses durch Emporheben der Hände der Aufforderung nachkam, wie die Entscheidung verkündet, und zuletzt durch den Herold auf den Wink des Prytanen das Ende der Versammlung angesagt wurde.

Die Menge strömte zurück durch die geöffneten Schranken. In aufgeregten Wogen ergoß der Strom sich den Abhang der Pnyx hinunter. Fragend trat der Sikyonier seinem Befreundeten aus Halimos entgegen, als er ihn wiedersah:

»Wie ist's abgelaufen, Freund?«

»Wir haben alles bewilligt!« rief der Mann aus Halimos mit leuchtenden Augen, »wir haben zuerst die Oligarchen und Lakonerfreunde niedergestimmt«, fuhr er fort, »und den Kriegersold, den Richtersold und die Schauspielergelder bewilligt. Denke dir den Jubel des ärmeren Volkes, als wir den Oligarchen zum Trotz uns selber alle diese schönen Dinge bewilligten! Und was das neue prächtige Festhaus der Pallas auf der Burg betrifft, mitsamt dem Hinterhause für den öffentlichen Schatz und mit dem großen Standbilde der Pallas und der dreifach gegliederten Prachtvorhalle, durch welche der Festzug der Panathenäen künftig die Akropolis beschreiten soll, und deren Plan von Pheidias ebenfalls schon entworfen wurde, so gibt es keinen athenischen Bürger, so viel ihrer jetzt innerhalb der Schranken gewesen, der nicht die Hälfte dessen, was er sein nennt, dafür hingäbe, wenn der Prachttempel schon so vollendet droben stünde, wie ihn Perikles uns geschildert und förmlich mit dem Finger gezeigt hat. Nur einige von jenen mit den langen Bärten und den dicken Lakonerstöcken – du weißt schon – machten Einwendungen: es sei schon viel gebaut worden; die neue Ringschule und das Odeion sei auch schon in Angriff genommen; man könne mit dem großen Marmortempel auf der Burg noch warten; der Bau werde ungeheure Summen verschlingen. Da kam aber Perikles. »Wenn ihr Athener«, sagte er, »dies herrliche Werk nach dem Plane des Pheidias und des Iktinos nicht ausführen wollt auf öffentliche Kosten, so haben schon Hippias und Hipponikos, und Dionysodoros und Pyrilampes und viele andere der reichsten Männer Athens das Gelöbnis getan, den Bau mit ihren Mitteln zu betreiben, und diese Männer, nicht das Volk der Athenäer, werden sodann den Ruhm davon haben für immerwährende Zeiten!« Das war genug. Du kannst dir vorstellen, wie wir uns beeilten, die Hände mit lautem Ausruf emporzustreben und zu bewilligen, was Perikles und Pheidias wollten. Und denke dir, wie wir eben im größten Eifer der Bewilligung sind, tritt Pheidias hervor, von Perikles gerufen, damit er uns die Kosten des Baues und der Bildwerke auseinandersetze, und sagt: »Aus Elfenbein und Gold gefertigt, wird meine Pallas Athene so und so viel kosten; aus Marmor oder Erz aber nur so und so viel« – Da scholl es von allen Seiten: »Aus Gold und Elfenbein! Nur nicht geknausert, Pheidias, und geh' sogleich an die Arbeit!« –

So erzählte der athenische Mann aus dem Volke unter lebhaften Gebärden dem neuen Beisassen aus Sikyon.

Ganz Athen war in einer Art von Aufregung, welche die von der Pnyx Herabkommenden überall hin verbreiteten.

Stolz wie ein König, träumend von Schauspielgeldern, öffentlichen Spielen, Prachttempeln, Schatzhäusern, Gold- und Elfenbeinbildern, sich freuend über all' dieses, als stünde es schon fertig da und wäre seines eigenen Hauses Zier, schritt durch das Tor des Südens der Bandkrämer von Halimos seiner Heimat zu. Er erzählte allen, denen er begegnete, von den Verhandlungen auf der Pnyx und begrüßte, in seinem Flecken angelangt, sogar sein braunes Weib, das ihm mit dem Kinde auf dem Arme an der Schwelle des Hauses entgegen kam, feierlichst mit den Worten: »Wir haben alles bewilligt!« –

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