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Friedrich de la Motte Fouqué: Aslauga's Ritter - Kapitel 7
Quellenangabe
typenarative
authorFriedrich Baron de la Motte Fouqué
titleAslauga's Ritter
publisherWilliams und Norgate
firstpub1863
translator
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100317
modified20190902
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Siebentes Kapitel.

Der zum Turniere angesetzte Tag war nun herbeigekommen, und ein mächtiger Herzog, vom römischen Kaiser als Stellvertreter abgesandt, ordnete Alles auf das herrlichste und prachtvollste zu dem ernsten Feste an. Weit und schön geformt und eben dehnte sich der Kampfplatz aus, dicht mit dem feinsten Sande überstreut, daß Mann und Roß wohl darauf fußen konnten und er fast wie ein reines Schneefeld mitten aus dem blumigen Anger herauf leuchtete. Reiche Decken von Seide aus Arabia, mit indischem Golde in seltsamen Schwingungen verziert, hingen vielfarbig über dem Gehäge, das den Raum umschloß, und wallten von den hohen Gerüsten, für Frauen und zuschauende Fürsten gebaut, hernieder. Am Oberende, unter einer Laube von goldenen, zierlich und kühn verschlungenen Bogen, war Fraulein Hildegardis Stelle. Grüne Kränze und Gewinde wiegten sich anmuthig zwischen den glänzenden Pfeilern im Hauche der lieblichen Juliusluft, und mit ungeduldigen Blicken schaute die Volksmenge, die sich außerhalb der Schranken drängte, dort hinauf, den Anblick der allerschönsten Jungfrau Deutschlands erwartend und nur dann und wann durch das prachtvolle Einreiten der Kampfhelden nach einer andern Seite gelenkt. O wie viele der lichten Harnische, der sammtenen, reichgestickten Waffenröcke, der riesig hohen, wallenden Helmesbüsche waren hier zu erblicken! Die herrliche Ritterschaar wogte auf den angewiesenen Plätzen grüßend und sprechend durcheinander hin, wie ein vom Lufthauche bewegtes Blumenbeet, wo aber die Stauden zu Bäumen erwachsen wären und die gelben und weißen Blätter zu Gold und Silber erblüht und die Thautropfen zu Perlen und Diamanten. Denn was es nur Schönes und Köstliches gab, hatten die edlen Herren sinnvoll und mannigfach auf den Glanz dieses Tages verwendet.

Vieler Augen hefteten sich auf Frode, der, sonder Schärpe, Helmbusch und Wappenrock, mit seinem silberleuchtenden Panzer und dem goldenen Aslauga'sbilde darauf und dem kunstreichen goldenen Lockenhelm wie lauteres Erz durch das Gewimmel hervorblitzte. So fanden wieder Andere ihre besondere Lust daran, den jungen Edwald zu betrachten, dem ein Wappenrock von weißem Sammet, mit Himmelblau und Silber verbrämt, fast die ganze Rüstung, ein gewaltiger Busch von schwanenweißen Federn fast den ganzen Helm verhüllte. Er war beinahe weiblich geschmückt anzusehen, und dennoch verkündete die sichere Gewalt, mit welcher er sein wildes, weißgeborenes Roß bändigte, des zarten Helden mannhafte Siegerkraft.

Ganz wunderlich stach dagegen eine hohe, fast riesenmaßige Reitergestalt ab, in einen Wappenrock von schwarzer, glänzender Bärenhaut gekleidet, welchen edles Pelzwerk einfaßte, ohne allen Schmuck von leuchtendem Metall; selbst der Helm war mit schwarzem Bärenfell überlegt, und statt der Federn strömte eine Mähne von blutroth gefärbtem Roßhaar auf allen Seiten gewaltig darüber hin. Frode und Edwald kannten den finstern Ritter wohl; es war ihr unartiger Gast aus der Herberge, und eben auch schien er die beiden Ritter zu bemerken, als er schon sein Pferd ungestüm herum warf, sich durch den Kreis der Kampfhelden hinausdrängte und, nachdem er an den Schranken mit einem häßlichen braungelben Weibe gesprochen hatte, über die Gehäge mit einem wilden Satze hinflog und pfeilschnell jagend aus Aller Augen verschwand. Die Alte nickte ihm freundlich grüßend nach, das versammelte Volk lachte, wie über eine seltsame Faschingserscheinung, und Edwald und Frode hatten ihren eignen, fast schauerlichen Gedanken dabei, die sie aber nicht einmal Einer dem Andern mitzutheilen für gut fanden.

Die Pauken wirbelten, die Trompeten schmetterten; an der Hand des alten Herzogs trat Hildegardis, reich geschmückt, strahlender noch in allem Glanz ihrer eignen Schönheit, unter den Wölbungen der goldenen Laube hervor und neigte sich gegen die Versammlung. Tief senkten die Ritter ihre Häupter, uud fast in Aller Herzen mochte das Gefühl klopfen: »es gibt wohl keinen Menschen auf Erden, der sich eine so königliche Herrin verdienen kann.« – Indem Frode sich neigte, war ihm, als streife der goldene Lichtglanz von Aslaugens Locken vor seinen Blicken, und ihm ward sehr stolz und froh zu Muthe, daß ihn die Herrin werth genug halte, ihn öfter an sich zu erinnern.

Das Turnier begann. Zu Anfang ward mit stumpfen Schwertern und mit Streitäxten gefochten, dann mit den Lanzen Mann gegen Mann gerannt, zuletzt aber theilte sich Alles in zwei gleiche Parten und hub ein allgemeines Treffen an, wo es Jedwedem frei stand, Klinge und Speer nach Willkühr zu gebrauchen.

Frode und Edwald hatten sich gleichen Preis über ihre Mitkämpfer gewonnen, welches Beiden, die eigne rühmliche Kraft und die des Freundes wohl ermessend, wahrscheinlich gewesen war, und nun sollten sie durch einen Zweikampf im Lanzenrennen entscheiden, wem die höchste Krone des Sieges gebühre. Sie ritten vor dem Beginn des Streites langsam in der Mitte der Bahn zusammen und besprachen sich, wo sie ihre Stelle nehmen wollten. – »Halte dir nur immer deinen begeisternden Stern im Angesicht,« lächelte Frode. »Mir wird darum die gleiche liebliche Hülfe nicht fehlen.« – Edwald sahe staunend umher nach der Herrin, auf die sein Freund zu deuten schien, und dieser fuhr fort: »ich habe Unrecht gethan, dir etwas zu verhehlen, aber nach dem Turnier sollst du Alles erfahren. Jetzt entschlage dich der unnöthigen Gedanken, liebes Edchen, und sitze sehr fest im Sattel, denn ich sage dir, ich werde aus ganzer Macht rennen, dieweil es nicht nur meinen Ruhm, sondern den noch viel höhern meiner Dame gilt.« – »Auf gleiche Weise denke ich es auch anzufangen;« sagte Edwald freundlich. Sie schüttelten einander die Hände und ritten auf ihre Plätze.

Im Klange der Trompeten, pfeilschnell rennend, trafen sie wieder zusammen; die Lanzen zerkrachten splitternd, die Rosse strauchelten, die Ritter, unbewegt in ihren Bügeln, rissen sie in die Höh' und trabten an ihre Stellen zurück.

Wie man sich zum abermaligen Rennen ordnete, schnaubte Edwalds Schimmel wild und scheu; Frode's gewaltiges Rothroß stieg bäumend in die Luft; man sahe die beiden edlen Thiere vor dem zweiten harten Zusammenstoßen bange, aber fest hielten sie die Reiter zwischen Sporn und Zügel, und beim erneuten Rufe der Trompeten donnerten sie wieder gehorsam und kräftig vorwärts. Edwald, der mit einem tiefen, glühenden Blicke der Herrin Schönheit auf's neue in seine Seele gefaßt hatte, rief im Augenblicke des Aneinandertreffens laut: »Hildegardis!« und so gewaltig faßte seine Lanze den tapfern Gegner, daß dieser mit dem Oberleibe auf den Rücken des Gauls zurück sank, sich nur mühsam im Sattel erhielt und kaum bügelfest blieb, während Edwald ohne Wanken vorüberflog, an Hildegardens Laube grüßend den Speer neigte und dann unter dem lauten Jubelruf der Menge zum dritten Rennen an seinen Ort sprengte. Ach, auch Hildegardis hatte ihn freundlich, überrascht, erröthend gegrüßt, und ihm ward zu Muth, als sei die berauschende Seligkeit dieses Sieges bereits erfochten.

Das war sie aber noch nicht, denn der edle Frode, von kriegerischem Schamroth glühend, sammelte so eben wieder sein wild gewordenes Pferd und strafte es mit scharfen Spornschlägen für den Antheil, welchen es an diesem Unfalle gehabt hatte. Zugleich sagte er leise: »liebe, schöne Herrin, thue dich mir sichtbarlich kund: es gilt deines Namens Preis.«

Allen andern Menschen kam es vor, als ziehe eine rosig goldne Sommerwolke über den tiefblauen Himmel, aber Frode sah in seiner Dame himmlisches Angesicht, fühlte sich wie angeweht von ihrem Lockengolde, und: »Aslauga!« rief er, und zusammen trafen die Ritter, und weit von seinem Rosse flog Edwald auf den stäubenden Kampfplatz hin.

 

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