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Friedrich de la Motte Fouqué: Aslauga's Ritter - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarative
authorFriedrich Baron de la Motte Fouqué
titleAslauga's Ritter
publisherWilliams und Norgate
firstpub1863
translator
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100317
modified20190902
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Fünftes Kapitel.

Von einem Altane der prächtigen Mainesburg pflegte sich Hildegardis in der Abendkühle am Anschauen der blühenden Gegend zu erquicken, aber mehr wohl noch an dem Waffenfunkeln, das gewöhnlich auf manchen fernen Straßen zugleich sichtbar ward, von heranziehenden Rittern mit und ohne Gefolge, begehrend, um den hohen Preis des Turnieres Muth und Kraft zu erproben. Sie war in der That eine sehr stolze und hochgesinnte Jungfrau und trieb es wohl weiter damit, als es selbst ihrer blendenden Schönheit und ihrem fürstlichen Stande geziemen mochte. Als sie nun einstmalen auch so über die blitzenden Straßen lächelnd hinsah, hub ein Fräulein aus ihrer Dienerschaft folgendes Liedchen zu singen an:

»Ach wär' ich nur
Ein Vögelein!
Das darf die Flur
Durchklingen fein
Gar mannigfalt
Mit Allem, mit Allem, was in ihm schallt!«

»Ach möcht' ich blühn
Als Blume rein!
Die darf das Grün
Durchhauchen fein
So fromm und mild
Mit Allem, mit Allem, was in ihr quillt!«

»So bin ich nur
Ein Rittersmann,
Auf hoher Spur
In Acht und Bann,
Und nehm' hinab
Mein Alles, mein Alles, verstummt ins Grab.« –

»Wozu singt Ihr dieses Lied, und gerade jetzt?« sagte Hildegardis und bemühte sich, sehr höhnisch und stolz dabei auszusehen, aber sichtlich wehte eine tief geheime Wehmuth über ihr Antlitz. – »Es klang mir so unversehens durch den Sinn,« entgegnete das Fräulein, »als ich auf die Straße blickte, von wo der sanfte Edwald mit seinen kleinen, anmuthigen Liedern zuerst herüber gezogen kam, und da sang ich ihm dieses hier nach. Aber ist es Euch nicht auch, meine Herrin, und Euch, meine Gespielinnen allzumal, als reite Edwald wieder von dorten nach der Burg herauf!« – »Träumerin!« hohnlachte Hildegardis und vermochte dennoch ihr Auge lange nicht von dem Ritter abzuwenden, bis sie es endlich fast mit Gewalt auf den neben ihm ziehenden Frode wandte, sprechend: »nun ja, Jener dort ist Edwald. Aber was habt Ihr so Großes an dem stillen, demüthigen Knaben zu sehen? Hier auf diese erhabene Heldengestalt, Ihr Mädchen, richtet Eure Augen, wenn Ihr einen herrlichen Mann zu erblicken wünscht.« – Sie schwieg. In ihrem Innern klang es, wie Weissagung, nun reite der Sieger des Turniers in den Hof, und zum erstenmal vor irgend Jemanden in der Welt empfand sie vor dem hohen Nordlandsritter eine demüthige, fast ängstliche Scheu.

Bei der Abendtafel setzte man die beiden neu angekommenen Ritter der königlichen Hildegardis gegenüber. Weil Frode nach nordischer Sitte im vollen Panzerschmucke geblieben war, leuchtete Aslaugens Goldbild der stolzen Herrin strahlend von den silbernen Platten entgegen. Sie lächelte hochmüthig, als seie sie sich bewußt, nur an ihrem Willen liege es, das Bild der Dame von der Brust und aus dem Herzen des fremden Ritters zu vertreiben. Aber da zog plötzlich ein hell goldenes Licht durch den Saal, daß Hildegardis meinte, »es blitze so stark,« und ihre Augen mit beiden Händen bedeckte. Frode jedoch sah lustig und grüßend in den blanken Schein. Da vermehrte sich noch Hildegardis Furcht vor ihm, ob sie gleich meinte, »gerade dieser höchste und wunderbarste aller Männer sei recht eigentlich für sie geboren. Doch konnte sie nicht unterlassen, beinahe wider ihren Willen oft mit Rührung und Innigkeit auf den armen Ewald zu blicken, der schweigsam und freundlich da saß, als lächele er seinen eignen Schmerz und seine eigne vergebliche Hoffnung mitleidig an.

Als beide Ritter in ihrem Schlafgemach allein waren, sahe Edwald noch eine lange Zeit aus dem Fenster still in die duftige, blühende Nacht hinein. Dann sang er zu der Zither:

    »Ein weiser Held,
Ein frommes Kind,
Ihm treu gesinnt,
Die zogen mitsammen durch die Welt.«

    »Der Held gewann
Sich Glück und Ruh,
Das Kind sah zu
Und hatte so recht seine Freude dran.«

Frode aber nahm ihm die Zither aus den Händen und sagte: »nein, Edchen, ich will dich ein andres Lied lehren. Gib Acht:«

    »Im Saale wird's hell, als wenn es tagt;
Das ist die schöne, geschmückte Magd.
Sie schauet wohl rechts, sie schauet wohl links.
Die Freier die warten ihres Winks.
Der mit dem goldenen Rock solls sein?
Sie wendet sich ab. Ich denke nein.
Oder der mit dem klugen Spruch und Wort?
Da kehret sie Ohr und Auge fort.
Vielleicht der Fürst in gediegner Pracht?
Sie hat sich was Andres wohl erdacht.
So kündet mir doch in aller Welt,
Wer ist's, der endlich der Magd gefällt?
Ganz schweigsam sitzet in Liebesschmerz
Ein feiner Knappe, der hat ihr Herz;
Sie machen sich alle manch falsch Gedicht,
Der Eine, der ist es, und weiß es nicht.«

Edwald glühte hoch auf. – »Wie Gott will,« sagte er leise vor sich hin, »aber ich glaube, ich könnte niemals begreifen, wie das also hatte kommen dürfen.« – »Wie Gott will!« wiederholte Frode. Die beiden Freunde umarmten sich und schliefen bald darauf fröhlich ein.

 

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