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Friedrich de la Motte Fouqué: Aslauga's Ritter - Kapitel 17
Quellenangabe
typenarative
authorFriedrich Baron de la Motte Fouqué
titleAslauga's Ritter
publisherWilliams und Norgate
firstpub1863
translator
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100317
modified20190902
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Siebzehntes Kapitel.

Noch wehten um Edwalds Haupt leichte, fröhliche Morgenträume, da war es ihm, als umleuchte ein heller Lichtglanz sein Haupt. Er dachte an Aslaugen, aber es war Frode, dessen goldener Lockenhelm jetzt nicht minder sonnig funkelte, als der Herrin wallendes Haar. – »Ei,« dachte Edwald in seinem Traum, »wie ist mein lieber Waffenbruder so schön geworden?« – Und Frode sagte zu ihm: »ich will dir etwas vorsingen, Edchen: leise, ganz leise, so daß Hildegardis nicht davon erwacht. Höre nur zu:«

    »Sie ist gekommen, hell wie der Tag,
Da, wo ihr Ritter im Schlummer lag.
Sie hielt in ihrer lichtweißen Hand
Ein Spielwerk, wie ein mondgoldnes Band;
Das schlang sie um ihr Haar und um sein's
Und sang dazwischen: wir zwei sind Eins.
Umher lag dunkel die Welt und arm,
Da hob sie ihn auf in ihrem Arm,
Da stand er in einem Garten süß,
Den hießen die Engel das Paradies.«

»So schön hast du in deinem Leben nicht gesungen;« sprach der träumende Jüngling.

»Das glaub ich wohl, Edchen;« sagte Frode lächelnd und verschwand.

Aber Edwald träumte fort und fort, und noch viele Gesichte zogen an ihm vorbei, alle sehr freundlicher Art, ohne daß er sich jedoch ihrer hätte erinnern können, als er schon hoch am Tage die lächelnden Augen aufschlug. Nur Frode und sein wundersames Lied standen ihm hell vor dem Geiste. Er wußte es nun wohl, daß sein Freund gestorben war, aber er konnte keinen Schmerz darüber empfinden, wohl fühlend, wie das reine Helden- und Sängerherz nur im Paradiesesgarten die rechte Freude finden könne und im seligen Spiel mit den hohen Geistern der Vorzeit. Leise schlich er sich von der schlummernden Hildegardis fort und in das Gemach des Todten hinüber. Er lag auf dem Ruhebette, fast so schön als er im Traum erschienen war, und den Goldhelm zu seinen Häupten hielt eine wunderbar strahlende Haarlocke umfangen. Da machte Edwald auf geweihetem Boden ein schöngelegenes, schattiges Grab, rief den Kapellan des Schlosses herbei und trug mit dessen Hülfe seinen lieben Frode dahinein.

Er kam zurück, als eben Hildegardis erwachte, und wie sie, vor seiner feierlichen Heiterkeit in Demuth staunend, ihn fragte, wo er so frühe gewesen sei, erwiederte er lächelnd: »ich habe die Leiche meines herzlieben Frode begraben, welcher in dieser Nacht zu seiner goldlockigen Herrin gegangen ist.« Darauf erzählte er Hildegarden die ganze Geschichte von Aslaugens Ritter und blieb in ungestörter, milder Freudigkeit, wenn auch eine geraume Zeitlang noch etwas stiller als bisher.

Oft fand man ihn auf seines Freundes Grabe sitzen und folgendes Liedchen zu der Zither singen:

    »Aslauga's Held,
Wie tanzt sich's schön
Im Sterngetön,
In goldnen Hains Geflitter!
Send' unsrer Welt
Aus deinen Höh'n
Manch Himmelslicht,
Manch Traumgesicht,
Aslauga's lieber Ritter!«

 


 

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