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Friedrich de la Motte Fouqué: Aslauga's Ritter - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarative
authorFriedrich Baron de la Motte Fouqué
titleAslauga's Ritter
publisherWilliams und Norgate
firstpub1863
translator
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100317
modified20190902
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Zwölftes Kapitel.

Als am andern Morgen die Frühsonne gerade recht hell und lachend über die blühenden Ebenen um Hildegardens Veste stand, blies der Thurmwächter ein fröhliches Liedlein in sein silbernes Horn, denn er hatte mit seinen Falkenaugen schon aus sehr weiter Ferne die schöne Herrin erkannt, wie sie zwischen ihren beiden Rettern aus dem Walde herangetrabt kam. Und aus Burg und Städtlein und Dörfern bewegten sich viele jubelnde Festeszüge, die glückliche Kunde mit eignen vergnügten Augen zu sehen.

Hildegardis wandte sich thränenfunkelnden Blickes zu Edwald, sprechend: »wenn Ihr nicht wäret, junger Held, wohl sollten alle diese lang' und vergeblich suchen, ehe sie mich Entführte wieder fanden und ehe sie den edlen Frode aufspürten, der ohne Zweifel, ein blutig verhauener Leichnam, starr und stumm daläge in der finstern Felsenkluft.«

Edwald neigte sich demüthig, aber in seiner gewohnten Schweigsamkeit verharrend, ja, es schien, als drücke ungewohnter Kummer auch sein freundliches Lächeln nieder, das sich ehedem in süßer Kindlichkeit so leicht vor jedem gütigen Worte aufthat.

Der Herzog, Hildegardens Pfleger, hatte in großer Freude seines Herzens ein prächtiges Frühmahl bereitet und alle anwesenden Ritter und Frauen geladen. Während nun Frode und Edwald mit leuchtender Herrlichkeit dicht hinter der geretteten Herrin die Stiegen hinaufwandelten, sagte der Jüngling leise zu seinem Freunde: »du kannst mich nun wohl nie wieder lieb gewinnen, edler, standfester Held!« – Und wie ihn Frode staunend ansah, fuhr er fort: »das ist es, wenn Kinder sich's einfallen lassen, Helden zu berathen, wie gut es auch gemeint sein mag. Nun habe ich mich schwer an dir versündigt und an der hohen Herrin Aslauga noch mehr.« – »Weil du alle Blumen deines Lebensgartens abpflücken wolltest, um mich damit zu erfreuen!« sagte Frode. »Nein, du bleibst mein holder Waffenbruder nach wie vor, liebes Edchen, und bist mir vielleicht nur noch theurer geworden.«

Da lächelte Edwald wieder still vergnügt, wie eine Blume nach dem Morgenregen im Mai.

Hildegardens Augen leuchteten ihn mild und freundlich an, auch redete sie öfters huldvoll mit ihm, da hingegen seit gestern eine ehrerbietige Scheu sie von Frode zu entfernen schien. Aber auch Edwald war sehr verändert. Mit so demuthsvoller Freude er auch der Herrin Güte aufnahm, war es doch, als stehe etwas zwischen Beiden, das ihm jede, selbst die fernste Hoffnung auf Minneglück verbiete.

Da geschah es, daß ein edler Graf von des Kaisers Hoflager gemeldet wurde, der, auf eine wichtige Botschaft ausgesendet, der Herrin im Vorüberziehen seine Ehrfurcht bezeigen wollte. Sie nahm ihn freudig an, und gleich nach den ersten Begrüßungen sagte er, auf sie und Edwald blickend: »ich weiß nicht, ob mich vielleicht mein gutes Glück gerade zu einem sehr schönen Feste herführt? Das würde meinem Herrn, dem Kaiser, eine gar fröhliche Botschaft sein.« – Hildegardis und Edwald waren in ihrem verwirrten Erröthen sehr lieblich anzusehen, und der Graf, alsbald bemerkend, er habe sich übereilt, neigte sich demüthig vor dem jungen Ritter, sprechend: »verzeiht mir, hoher Herzog Edwald, mein zu vorlautes Wesen, aber ich kenne den Wunsch meines Gebieters; und die Hoffnung, ihn bereits erfüllt zu sehen, riß meine Zunge fort.« Aller Augen hefteten fragend auf den jungen Helden, welcher mit anmuthiger Verlegenheit sagte: »es ist wahr; der Kaiser hatte bei meiner letzten Anwesenheit im Hoflager die übergroße Gnade, mich zum Herzoge zu erheben. Mein gutes Glück wollte, daß in einem Treffen einige feindliche Reiter, die sich an die geheiligte Person des Herrn gewagt hatten, gerade vor meinem Dazukommen auseinander jagten.« – Der Graf erzählte auf Hildegardens Begehr die Heldenthat ausführlich, und es ergab sich, daß Edwald nicht nur den Kaiser aus der bedrohlichsten Gefahr errettet, sondern auch mit kühnem, kaltem Feldherrnsinn bald darauf die ganze entscheidende Hauptschlacht siegreich beendet habe.

Das Staunen versiegelte zu Anfang Aller Lippen, und noch ehe die Glückwünsche beginnen konnten, wandte sich Hildegardis gegen Edwald und sagte mit leiser Stimme, welche dennoch in dem Schweigen allgemein vernehmbar ward: »der edle Graf hat meines kaiserlichen Oheims Wunsch ausgesprochen; und ich berge es nun nicht länger: meines Herzens Wunsch ist derselbe. Ich bin des Herzog Edwald Braut.« Und damit reichte sie ihm die schöne Rechte hin, und Jedermann erwartete nur, daß er sie annehme, um in lauten Beifallsruf auszubrechen. Aber Edwald that nicht, wie man glaubte; vielmehr ließ er sich vor der Herrin auf ein Knie nieder, sprechend: »da sei Gott vor, daß dir erhabene Hildegardis je ein Wort zurücknehme, welches sie feierlich den Frauen und Rittern verkündete. Keinem Ueberwundenen, spracht Ihr, dürfe der kaiserlichen Nichte Hand gehören, und dort steht der edle Dänenritter Frode, mein Sieger.«

Hildegardis wandte sich bebend mit leisem Erröthen ab und verbarg ihre Augen, und indem sich Edwald erhob, war es, als rinne eine Thräne über seine Wange.

Rasselnd in seinen Waffen schritt Frode mitten in den Saal, ausrufend: »ich erkläre meinen vorgestrigen Sieg über Herzog Edwald für einen bloßen Glücksfall und fordere den ritterlichen Helden auf morgen abermals in die Schranken.« – Zugleich warf er seinen ehernen Handschuh tönend auf den Estrich hin.

Aber Edwald regte sich nicht, ihn aufzuheben. Vielmehr glühte eine hohe Zornesröthe auf seinen Wangen, die Augen funkelten ihm unwillig, daß ihn sein Freund kaum hatte für denselben halten mögen, und nach einigem Schweigen sagte er: »edler Ritter, Herr Frode, hab' ich je wieder Euch gefehlt, so sind wir jetzo quitt. Wie dürfet Ihr, ein von zwei Schwerthieben rühmlich wunder Held, einen gesunden Mann auf morgen in die Schranken fordern, dafern Ihr ihn nicht verachtet?«

»Verzeiht mir, Herzog;« entgegnete Frode etwas beschämt, aber sehr heiter. »Ich habe zu dreist gesprochen. Erst nach meiner völligen Genesung fordere ich Euch.«

Da nahm Edwald freudig den Handschuh auf, kniete abermals vor Hildegarden, die ihm abgewandt die schöne Rechte zum Kusse reichte, und schritt Arm in Arm mit seinem hohen Dänenfreunde aus den Hallen.

 

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