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Asien und Australien

August Wilhelm Grube: Asien und Australien - Kapitel 17
Quellenangabe
typereport
authorAugust Wilhelm Grube
titleAsien und Australien
publisherVerlag von J. F. Steinkopf
seriesBilder und Szenen aus dem Natur- und Menschenleben in allen fünf Hauptteilen der Erde
volumel. Teil: Asien und Australien
printrunNeunte Auflage
year1912
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080630
projectid1d489415
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In den Vorbergen des Himalaja.

Nach Ernst v. Hesse-Wartegg im »Universum« 1908.

Himalaja! »Heimat des Schnees«, wie die Indier ihn nennen. Wie fern und unerreichbar hat mir dieser zauberhafte Name in der Schule geklungen! Wie oft hatte ich auf der Landkarte die dunklen Schatten seiner Bergketten, über die Hälfte des asiatischen Kontinents ausgedehnt, verfolgt, dieses unerforschte Labyrinth der höchsten Berge und tiefsten Täler, der größten Gletscher und riesigsten Urwälder! Nun saß ich im Eisenbahnwagen, der mich in einer Nacht und einem Tage von dem unheimlichen, schwülen, staubigen Kalkutta in das Herz des Himalaja bringen sollte, gerade so wie der Berliner Tourist in der gleichen Zeitspanne das Gebiet der Jungfrau erreicht! Damals freilich – vor einigen Jahren – war die Expedition überhaupt nur mit den von anstrengenden Bergbesteigungen unzertrennlichen Gefahren und Mühen verbunden, während heute, wo der Aufruhr diese Grenzgebiete nach Afghanistan durchtobt, ich niemand raten möchte, einen solchen Ausflug anders, als bis an die Zähne bewaffnet und im Schutze einer beträchtlichen Anzahl Soldaten zu unternehmen. Und auch da noch wäre das Wagnis kaum durchführbar; denn es ist nicht möglich, in den wilden Bergregionen größere Menschenmassen auf längere Zeit hinreichend mit Lebensmitteln zu versehen. Nur der einzelne, der geübte Bergsteiger und genaue Kenner von Land und Leuten Nord-Indiens, vermag hier, wenn auch mit großen Strapazen, vorzudringen.

Zwei Stunden nachdem der Zug die düstere, rauchige Station von Kalkutta verlassen hatte, mußten wir beim Schein flackernder Fackeln eine Dampffähre besteigen, die uns an das jenseitige Ufer des 18-20 km breiten Gangesstromes brachte. Dort, bei der Station Sara Ghat, nahm uns ein Zug der Eastern Bengal-Eisenbahn auf, und am frühen frostigen, nebeligen Morgen war Silliguri erreicht, wo die berühmte Himalajabergbahn ihren Anfang nimmt. In wenigen Stunden führt diese kühne Anlage, Eigentum der Familie Gladstones, auf 2300 m Höhe mitten in das Fürstentum Sikkim hinauf, von dessen Herrscher sich England im Jahre 1835 das Gebiet von Dardschiling »pachtete«. Es umfaßt 3200 qkm, also mehr, als das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz; die Miete ist aber nicht größer, als die einer Berliner Wohnung!

Schon in Silliguri bekam ich von den eigenartigen Bewohnern Sikkims und der angrenzenden Gebiete viel zu sehen. Der Menschenschlag zeigt hier schon den Einfluß der benachbarten Mongolen: breite Gesichter, vorstehende Backenknochen, schiefgestellte Augen, spärlichen Bartwuchs. Auch die Kleidung erinnert an die chinesische; statt des mächtigen indischen Turbans sitzen auf den Köpfen Pelzmützen oder Chinesenhüte, unter denen bei vielen der lange chinesische Haarzopf über den Rücken baumelt – noch grotesker nahmen sich verschiedene schlitzäugige gelbe Mongolen aus, die auf ihren Stirnen die roten oder weißen Kastenabzeichen der Hindus, und darüber bunte Turbane trugen. Ihre Frauen zeichnen sich keineswegs durch Schönheit aus, und das Verschmieren ihrer Gesichter macht ihr Aussehen noch abstoßender. Zum Schutz gegen Kälte bedecken sie ihre Stirne und Wangen mit Ochsenblut, und zum Zeichen der Trauer um ihre Gatten färben sie ihre Nasen pechschwarz! Reinlichkeit ist beiden Geschlechtern unbekannt. Wie man sich erzählt, kommt der Bewohner von Sikkim in seinem Leben nur dreimal mit Wasser in Berührung: zweimal unfreiwillig, nämlich nach seiner Geburt und nach seinem Tode, und einmal freiwillig, wenn er heiratet. Sonst bleibt der Schmutz auf ihnen jahrelang sitzen, bis die Kruste ganz von selbst abfällt.

Die Eisenbahn, die von Silliguri in die Berge führt, ist von eigenartiger Konstruktion. Der Höhenunterschied zwischen Anfangs- und Endstation auf einer Entfernung von 60 km beträgt über 2 km; beim Bau galt es, sich dem bewaldeten Felsenlabyrinth anzupassen, scharfe Kurven, lange Tunnel möglichst zu vermeiden. So bauten die Engländer eine Bahn von 60 cm Spurweite und setzten darauf winzige Lokomotiven von zehn Tonnen und ganz kleine offene Waggons, ich möchte sagen Eisenbahndroschken. Bei so leichtem Material war es nicht nötig, einen eigenen Bahnkörper herzustellen. Die Bahn folgt einfach der alten Karawanenstraße von Indien nach Sikkim und Tibet, und konnte daher für eine unglaublich geringe Summe gebaut werden – 5000 Mark der Kilometer.

Schon nach der ersten Stunde begann der Aufstieg durch tropischen Urwald von unglaublicher Fülle und Wildheit. Die Nebelmassen, welche die Äquatorsonne aus dem Indischen Ozean pumpt, werden vom Südwestmonsum über die glühenden Ebenen Hindostans gejagt, bis sie im Norden von dem vergletscherten Gebirgswall des Himalaja – doppelt so hoch wie unsere Alpen – aufgehalten werden. Nach der anderen Seite, nach den trockenen Hochebenen von Tibet, können sie nicht gelangen, und so fallen sie als Regen wieder zur Erde nieder. Aber welcher Regen! Während die jährliche Regenmenge bei uns 60-70 cm erreicht, regnet es am Südfuße des Himalaja jährlich 10 m! Im Jahre 1861 waren es sogar 22 m, nahezu 2 m im Monat!

Dazu kommen die tiefe, üppige Humusschicht des Bodens und die außerordentliche Wärme, und das hat einen Pflanzenwuchs zur Folge, wie er in der Welt in solch fabelhafter Üppigkeit nur selten wieder angetroffen wird. Wo immer eine Windung oder ein Felsvorsprung den Ausblick auf die hochragenden Vorberge des Himalaja, die tiefeingeschnittenen Schluchten, überhängenden Felsen, steilen Abstürze gewährt, da sehen wir sogar sie mit Vegetation bedeckt, denn aus jeder Ritze, jedem Spalt schießen Bäume, Sträucher, Gräser, Farne, Lianen empor. Im Tale unten und auf den Felsstufen erheben sich Bäume von nie gesehener Mächtigkeit, bis zur Spitze von Schmarotzerpflanzen umfangen, eine neben der anderen, eine die andere überwachsend, verdrängend, tötend, und damit auch den Baum selbst, der mit seinem Safte ihnen allen Nahrung gibt. Selbst über die höchsten Spitzen dieser Baumriesen ragen noch gewaltige hellgrüne Farne mit ihren schlanken Wedeln hoch in die Luft. Magnolien, Eichen, Gummi, Akazien, Mimosen, Mahagoni, Teakbäume sind ganz begraben unter schweren Massen von grünem, feuchtem Moos, das in langen Strähnen an jedem Zweige herabhängt. Schlingpflanzen, Lianen bis zu 100 m lang, umwinden und würgen die Stämme schlangengleich und verbinden die Bäume miteinander. In der grünen, heißen, feuchten Dämmerung unterhalb der Baumkronen wuchern in größter Üppigkeit Farnbäume, Rhododendren und andere Bäume, und ihre Stämme stehen metertief in einem dichten Teppich von Sträuchern und Gräsern.

Und doch ist sogar diese Wildnis von den Menschen bezwungen worden. Mit Beil und Säge war ihr nicht beizukommen, denn in diese Urwälder kann niemand eindringen. Dafür verheert das Feuer in jedem Jahre während der trockenen Zeit viele Meilen weite Strecken; der Brand wird künstlich angefacht und auf dem durch die Asche gedüngten Boden werden dann Teepflanzungen angelegt.

Mitten unter ihnen, auf 1800 m Höhe, liegt die Station Kurscong, nur 30 km von dem rätselhaften, verschlossenen Tibet entfernt. Während wir dort unser Mittagmahl einnahmen, erzählte uns der Stationsvorsteher, er hätte erst am Tage zuvor ganz nahe der Eisenbahn einen Panther geschossen. Diese, wie auch Tiger, kommen hier sehr häufig vor und richten unter dem Viehstand großen Schaden an. Oberhalb Kurscong geht es so steil aufwärts, daß die Ingenieure Zickzackwege und Klafterschlingen anlegen mußten. Die kleine kreischende, fauchende Lokomotive schleppte den Zug die Felswand entlang, einige hundert Meter schräg aufwärts; dann wurde umgestellt, die Lokomotive schob ihn in der entgegengesetzten Richtung eine ebenso lange Strecke; dann wurde wieder gezogen, wieder geschoben, und so kamen wir nach dreistündiger Fahrt fröstelnd und frierend nach Ghoom, 2200 m hoch, dem höchsten Punkt der Bahn, eine Stunde von dem Endziele Dardschiling gelegen.

Dort sollte uns endlich ein Blick auf den bisher in Nebel und Wolken gehüllten, himmelragenden Himalaja gestattet werden. Mitten am hellen Tage erschien für einen Augenblick am Himmelszelte zwischen den Wolken ein weißer Stern, oder ein Stückchen von der Mondfläche, so hoch, so fern, daß es unmöglich etwas anderes sein konnte, und doch sagte man mir, es sei die Spitze des Kindschindschanga gewesen!

Dardschiling ist einer der vielen Luftkurorte, die die Engländer am Südabhang des Himalaja auf 1500 – 2000 m Höhe angelegt haben, um der unerträglichen Tropenhitze der indischen Ebenen während der Sommerszeit zu entgehen. Einen großartigeren Fleck hätten sie nicht nur in Indien, auch auf dem ganzen Erdball nicht finden können! Das ungeheure Bergmassiv des Himalaja sendet gegen Süden in eine Art Amphitheater einen Felssporn von 3000 m Höhe, den Siudschul. Nahe dem Ende dieses Sporns, fast in der Mitte des Amphitheaters, liegt Dardschiling mit englischen Basaren und Kirchen, Villen und Klubs, so daß man sich irgendwo in England wähnen könnte, wenn die buntscheckige Menge von Eingeborenen aus Tibet und China, Indien und Nepal und Sikkim sich nicht in den Straßen drängte. Aber so interessant diese fremdartigen Völkertypen auch sind, der erste Gang jedes Besuchers von Dardschiling gilt doch dem Observatory Hill, von wo man die ganze Himalajakette erblicken kann – wenn man Glück hat.

Und als ich oben stand, genoß ich dieses Glück in der Tat, denn die Wolken hatten sich zerteilt und die höchsten Erhebungen des Erdballs lagen in unbeschreiblicher Majestät vor mir, über mir! Zwischen 8 und 9 km hoch türmten sich rings um meinen Standpunkt die gewaltigsten Felsmassen, die größten Gletscher, die dräuendsten Granitmauern auf, in der ungemein klaren, scharfen, dünnen Luft in allen Einzelheiten erkennbar, obschon die Entfernung in der Luftlinie immer noch 70 km beträgt.

Ein Amphitheater von mehreren hundert Quadratkilometern Ausdehnung, dessen Boden, 2000 m unter meinem Standpunkt, mit Urwäldern erfüllt ist, einem ungeheuren, baumhohen, dichtgeflochtenen Teppich gleich, der erst in weiter Ferne, in den gelben, sonnverbrannten Ebenen Bengalens, sein Ende findet. Aus diesem Amphitheater ragen hier und dort Berge hervor von der Höhe des Brockens, von Nebel- und Wolkenmassen umzogen, die zeitweise den ganzen Talkessel erfüllen, und doch schienen sie mir von meinem hohen Standpunkt nur wie kleine Hügel. Ringsum wird dieses gewaltigste Amphitheater der Welt begrenzt von den höchsten Bergriesen der Erde, nicht mit scharfen, kühnen Spitzen, wie Schreck- oder Finsteraarhorn in den Alpen, sondern wie ungeheure, im Aufsteigen erstarrte weiße Meereswellen, die schließlich hoch oben, anscheinend am Firmamente selbst, durch unsichtbare Gewalten festgehalten wurden, wie um den Himmel durch sie mit der Erde zu verbinden, eine gigantische Treppe zu bilden für die Götter, wenn sie unter die winzigen Menschenkinder hinabsteigen wollten. So dachten auch schon die Hindus in den Urzeiten ihrer Religion und gaben der höchsten dieser Himalajastufen den Namen ihrer beiden höchsten Götter, Sankara, das ist Siwa, und Gauri, das ist die Gemahlin Sankaras, vereinigt zu Gaurisankar.

Dieser König unter den Bergriesen der Erde ist am Dardschiling nicht zu sehen; dafür stehen hier im weiten Halbkreise gleich Dutzende anderer, die ganze Himalajakette in unbeschreiblicher Majestät, so hoch, wie ein halbes Hundert Kölner Domtürme aufeinandergestellt! Vom Westen ausgehend, erscheint zuerst, von dem klaren Tiefblau des Firmaments sich scharf abhebend, der umgletscherte Gipfel des Dschanu, dann der Kabur, Pandim, Tschorniamo yakscham und wie sie alle heißen mögen, alle 7–8000, ja 8500 m hoch; dann folgt eine lange Reihe noch namenloser Schneegipfel, beinahe so hoch wie eine Reihe Matterhörner auf eine zweite Reihe derselben gestellt, mit dem majestätischen Donkhia im Osten als Abschluß.

Zwischen all diesen höchsten Gipfeln und Graten des Erdballs in einer Länge von weit über 300 km dehnen sich in den Sätteln ungeheure Schneehalden und Riesengletscher aus, kilometertief und kilometerbreit. Aus ihrer Mitte, Dardschiling am nächsten, steigt der höchste Monarch der Kette, der von einem blendenden Eisdiadem gekrönte Kindschindschanga, empor auf eine Höhe von nahezu 9 km! In unberührter Jungfräulichkeit blickt seine Spitze aus der eisigen, von menschlichen Wesen nie erreichten Höhe auf all die anderen Riesen, wie auf seine eigenen Trabanten herab, die an seinen Flanken aufragen. Durch diese, sowie durch seine Gestalt erinnerte er mich lebhaft an die Jungfrau mit ihrem Schneehorn und Silberhorn, aber mehr als zweimal so hoch, zweimal so massig!

Lange – stundenlang blieb ich in Betrachtung dieses großartigsten und überwältigendsten Gebirgspanoramas der Erde versunken. Mit dem Glase konnte ich die Tausende von Metern hohen Felswände mit ihren Rissen und Spalten und Kaminen genau durchmustern. Besonders die gewaltigen Granitflanken des Kindschindschanga sind deutlich in allen Einzelheiten zu erkennen; über ihnen, auf den Schultern liegen bläuliche Gletscher und riesige Massen ewigen Schnees, und erst aus diesen ragen die dunklen Bergspitzen in den tiefblauen Himmel empor. – Allmählich hoben sich die Wolkenmengen, die unten das weite Amphitheater erfüllten – weiße, dicke Baumwollflocken von Kubikmeilen Größe unternahmen wieder ihre Attacke auf die Himalajariesen, eroberten sie in schwerem Aufwärtsfluge Stück für Stück, und endlich verhüllten sie sie ganz, wie ein Vorhang, der sich vor das erhabenste Schauspiel der Erdenwelt legt. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, ein Stück der Weltordnung mitangesehen zu haben. Dieses Wolkenchaos zu meinen Füßen erschien mir wie in einer geheimnisvollen Gärung, ein Protoplasma, aus dem sich die ungeheuren Felsmassen herauskristallisierten. Nirgends erschien mir die Gegenwart des Allmächtigen so nahe, so gegenwärtig, nirgends die eigene Ohnmacht so groß, wie hier auf diesem Sporn des Himalaja, auf dem sich die Pygmäen, die Menschen, angesiedelt haben. Bis hierher konnten sie mit ihren Erfindungen und Hilfsmitteln vordringen; hier aber gebietet ihnen die großartige Natur ein unüberwindliches Halt. Das Labyrinth von Schnee und Gletschern, das sich dort drüben, hoch über Dardschiling, wie am Firmament aufgehängt, ausbreitet, wird den Menschen wohl auch verschlossen bleiben. Selbst schüchterne Ausflüge erfordern höchst umständliche Ausrüstung und so viel Zeit, daß selbst die sportlich angelegten Engländer nicht daran denken, und die Ersteigung auch nur eines dieser hehren Gipfel ist noch niemals gelungen.

Dabei ist der höchste darunter vom Dardschiling nicht einmal zu sehen: der majestätische Gaurisankar, der noch um nahe 300 m über die höchste Spitze des Kindschindschanga hinausragt, auf nahezu 9000 m Höhe, genau 8846 m! Was sind alle Gebilde der Menschenhand, alle Pyramiden, Dome, Türme für Winzigkeiten im Vergleich dazu! Der höchste bis jetzt geschaffene Bau, der Eiffelturm, müßte in dreißig gleich großen Nachbildungen aufeinandergestellt werden, um die Höhe des Gaurisankar zu erreichen! Um wenigstens seine höchsten Spitzen, wenn auch nicht ihn selbst zu sehen, unternahm ich an einem der folgenden Tage einen Ritt nach dem 10 km entfernten Tiger Hill, noch um 600 m höher als Dardschiling. Es war frühmorgens, als ich dort ankam, und fröstelnd drückte ich mich, in eine Wolldecke gehüllt, zwischen die beschneiten Felsblöcke auf der Höhe. Alles lag noch in Dunkelheit. Von unten drang das Rauschen des Rangmostromes herauf, der, von schäumenden Wasserfällen unterbrochen, dem mächtigen Randschitstrom zueilt. Es mochte fünf Uhr morgens sein; das Firmament begann sich gelb zu färben. Da erschien hoch oben ein schwach leuchtender, rosenroter Stern. Verwundert sah ich, daß er immer größer wurde, und endlich erschienen zu seinen Seiten, ihm ganz nahe, zwei andere ähnliche Sterne von rosenroter Färbung. Mein Führer wies auf sie und murmelte: Gaurisankar!

Das war also der höchste Berg der Welt! Gespannt wartete ich, bis die aufgehende Sonne mehr von ihm enthüllen würde; rechts und links von diesen drei wie Fingerhüte großen Schneespitzen, die an 170 km von mir entfernt sein mochten, erschienen andere, der Rivale des Gaurisankar, der Kindschindschanga, schälte sich in immer größerer Majestät aus den Nebeln, er, wie die anderen Bergriesen wurden immer heller, immer weißer, die Sonne erleuchtete endlich viele Meilen weite Gletscher und Schneefelder, ohne daß sie selbst noch über dem Horizont erschienen war. aber die drei Fingerhüte des Gaurisankar vergrößerten sich nicht. Sie sind nur seine höchsten Spitzen; alles andere wird dem Blicke von diesem Standpunkte aus durch die vorliegenden Bergriesen verborgen. Aber doch war ich dem Schöpfer für den Anblick jener drei Spitzen dankbar, denn nur wenigen Sterblichen ist er vergönnt!

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