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Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 5
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
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Von der Wassersucht.

Diese Krankheit kann oft ganz geschwind entstehen, zum öftern aber stellt sie sich ganz unvermerkt ein, nimmt nach und nach überhand, und setzt den Kranken, wenn die Eingeweide angegriffen, oder die Säfte scharf und aufgelöset sind, nicht selten in Lebensgefahr.

Der vorzüglichste Sitz der Wassersucht ist das Zellgewebe, und die nähere Ursache derselben beruhet auf einer Erweiterung oder Zerreissung der lymphatischen (Wasser- oder Feuchtigkeiten enthaltenden) Gefäße, welche, wenn die Menge der in ihnen angehäuften Lympha nicht gehörig zurückgeführet werden kann, entweder reissen, oder sich in ihre Oefnungen erweitern, und in beyden Fällen ihre Lympha (Feuchtigkeit) ausgießen. Je nachdem sich nun eine solche Feuchtigkeit vorzüglich in gewissen Theilen des Körpers angehäuft hat, so erhält diese Krankheit auch verschiedene Benennungen, als die Kopfwassersucht, die Brustwassersucht, die Bauchwassersucht u. s. w.

Bey einer jeden wassersüchtigen Geschwulst, sie mag nun allgemein seyn, und sich über den ganzen Körper erstrecken, oder aber nur einzelne Theile einnehmen, muß man genau untersuchen, ob die in der Geschwulst enthaltene Feuchtigkeit flüßig und dünne, oder aber gestockt, zähe, schleimicht und sulzicht sey, und ob die Geschwulst eine natürliche Farbe beybehalten habe, oder vielleicht entzündet und roth aussehe, oder gar hin und wieder schon blaulichte, purpurrothe, oder schwärzlichte Flecken habe.

Um nun zu erfahren, ob die wässerichte Feuchtigkeit ganz flüßig sey, darf man nur die Geschwulst anfühlen; läßt sich die Haut ganz leicht eindrücken, füllt sich die eingedrückte Höhle gleich wiederum aus, und hat über dieses noch die Geschwulst ihre natürliche Wärme, so ist die darinn enthaltene Feuchtigkeit flüßig; läßt sich hingegen die Geschwulst nicht so leicht eindrücken, und füllt sich die eingedrückte Höhle nur sehr langsam wiederum aus, und ist die Geschwulst kälter als gewöhnlich, so ist die darinn enthaltene Feuchtigkeit zähe und sulzicht.

In allen Arten der Wassersucht muß der Kranke alle schwerverdauliche, blähende und hitzige Nahrungsmittel meiden, indem sie ihm Erstickungen, Beängstigungen, Ohnmachten, Wallungen, Fieber und unruhigen Schlaf verursachen. Auch muß ein solcher Kranker sehr wenig trinken, weil sonst das viele Getränke die Menge des angehäuften Wassers vermehrt und er auch dann viel stärker von Blähungen gequält wird. Seinen heftigen Durst löscht er mit überzuckerten Citronenscheiben. Oder er nimmt des Tages einigemal einen Eßlöffelvoll Wein, der ihn in seiner Schwachheit stärket.

Ist die Wassersucht noch im Anfange, so muß der Kranke sich durch harntreibende Mittel von dem Wasser befreyen. Dergleichen harntreibende Mittel finden sich auf dem Lande in ziemlicher Anzahl. Auch hat die Natur wider keine Krankheit eine größere Menge von verschiedenen Mitteln verordnet, als eben wider diese, damit, wenn ja wegen ihrer verschiedenen Ursachen und Graden das eine nicht wirkete, die Heilung an einem andern und dritten versucht werden könne.

Doch dies Auswählen ist dem Arzt zu überlassen. Da die Wassersucht von vielen Ursachen herrühren kann, z. B. von einem zu frühzeitig gestillten Fieber, wo die Fiebermaterie nicht aus dem Körper geführt worden ist, oder von zu häufigen und heftigen Aderlassen, so sind auch die darwider dienende Mitteln verschieden. Der präparirte Weinstein oder Weinsteinrahm (Cremor tatari) täglich dreymal zu einem Theelöffelvoll genommen, treibt den Urin, und ist das sicherste und einfachste Mittel, bis man einen erfahrnen und denkenden Arzt herbeyholen kann. Attich- und Kreuzbeerenlatwerge, die man in der Apotheke bekommt, dienen auch hierzu.

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