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Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 4
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
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[Von dem menschlichen Körper überhaupt]

Herr Joh. Sam. Halle, Prof. des Kön. Preus. Kadettenkorps zu Berlin, zeiget 68 deutsche Giftpflanzen an, liefert die eben genannten 16 Arten in illuminirten Kupfern, und beschreibt sie alle 68 genau, sowohl nach ihrem Aussehen, nach ihren Kennzeichen, als auch nach ihren zerstöhrenden und heilenden Eigenschaften. Es sind aber die Giftpflanzen entweder 1) natürlich, wie sie täglich wachsen; und diese tödten, wenn sie genossen werden, als Magengifte. Dergleichen Giftpflanzen sind scharf; deren Merkmahl ist: ein brennender Geschmack, aufgezogene Blasen, die sie auf der Haut verursachen, heftige Magenschmerzen und ein schneller Tod. Unter diese gehören: die beyden Giftzwiebeln, nämlich die Herbstzeitlose, und die in den Gärten prangende Kaiserkrone. Dann an Pflanzen: das Sumpfläusekraut, der braunrothe Fingerhut, das Schweinsbrod, die Zahnwarz. An Doldengewächsen: das Sumpfnabelkraut, die hohle Wasserrebendolde, die safrangelbe Rebendolde. Die Ranunkeln oder Hahnenfußarten: der Wasserwegrich, die gemeine Waldrebe, die kleine Heckenrebe oder Brennwurz, die weiße Waldrebe, die Küchenschelle, die Dotterblume oder deutsche Kapern, der kleine und große Sumpfhahnenfus, und der Hahnenfus mit Ahornblättern. Die Wolfsmilcharten, diese geben eine scharfe Milch und sind: die runde Wolfsmilch, und die Wolfsmilch oder Sonnenwende. Mit großer Blumenscheide: die Aronswurz, der Wasserpfeffer, der Wunderbaum oder die Giftstaude (Ricinus communis Lin.), und der gemeine und immergrüne Kellerhals. Die Gegengifte dieser Pflanzen sind: laues Wasser, Oehl, Honig, schleimigte Getränke in Menge, Klystire, Brechmitteln; oder dann Weinessig und Citronensäure, nur letztere nicht bey den Hahnenfusarten.

Der Giftpflanzen sind ferner 2) betäubende, ihr Merkmahl ist daß sie durch den Geruch betäuben, schläfrig, dumm und wahnwitzig machen, auf der Haut Brandflecken und faules Blut erzeugen. Zu diesen Gattungen Giftpflanzen gehören: der Stechapfel, das schwarze und einschläfernde Bilsenkraut, der Orant, das Christophskraut, der Sommerlolch oder Trespendorr, der falsche Gänsefus und der Eibenbaum oder Taxus. Die Gegengifte sind: Brechmittel, öhlichte Getränke, Purganzen und Seifenklystire; endlich Essig in Menge; äußerlich Blasenpflaster in den Nacken, und innerlich Biebergeilextract.

Ferner giebts 3) der Giftpflanzen scharfe und betäubende zugleich, diese sind: die Wolfskirsche oder Belladonda, der Tobak, die Zaunrübe oder Heckrübe, deren rothe Beeren besonders gefährlich sind, und Kinder dafür gewarnet werden müssen. Der wilde und bolligte Kälberkropf, die vier Schierlinggattungen, nämlich der kleine, Wassermerk, Wasser- und rothgefleckter Schierling, die stinkende Niesewurz, das beständigte Bingelkraut. Die Giftschwämme, solche sind: der rothe Fliegenschwamm, der braune Pfefferschwamm, und der rothe Speyteufel.

Es giebt auch 4) lähmende Giftpflanzen, die Fus- und Armgelenke lähmen; dieses thut besonders die purpurrothe Plattererbse. Sie tödten aber auch als Magen und Wundengifte, innerlich und äusserlich, dies thun: der wilde und der Giftlattich; der einschläfernde und der gehörnte Mohn; die schwarze und die weiße Niesewurz; die kleine, die weiße und die gelbe hahnenfusartige Waldanemone; das Eisenhütlein; der Napell und die Wolfswurz.

5) Giebt es auch widernatürliche Giftpflanzen, die von verdorbenen Bestandtheilen essbarer Pflanzen entstehen, als: das Mutterkorn; das Brandkorn und die brandigen Pflanzenöhle. Die Gegengifte der Pflanzen aus der 3., 4., 5ten Abtheilung sind: Brechmittel, erweichende und abführende Klystire, laue Wassergetränke mit Oehl, und schleimigte Brühen in Menge, Honig und Milch.

Die Mittel gegen genossene Giftpflanzen, setze ich nicht diesfalls her, daß man solche nach Gutdünken und ohne Ueberlegung brauchen und die Hülfe eines geschickten Arzts in dem Fall einer traurigen Vergiftung darüber vernachlässigen soll. Sie stehen blos da, um so lange zu dienen, bis der Arzt erlangt werden kann, der dann nach Beschaffenheit der Umstände, die Kur verordnet wie sie eigentlich seyn soll. Diese Mitteln sind also nichts weiter, als eine Aushülfe im Nothfall; nach dem Arzt muß jederzeit und ohne Verzug gesendet werden.

Damit nicht Misbrauch von vorwizigen Leuten kann begangen und dadurch der Schade, statt ihn zu heben oder zu verhindern, größer gemacht werden: so ließ ich wohlbedächtlich die Anzeige der Heilkräfte, die fast alle Giftpflanzen in den Händen eines geschickten Arztes und Wundarzts haben, weg, und berührte nur hie und da dasjenige, was nicht misbraucht werden kann. –

Pflegsk. Genug, hochwürdiger Herr! sie haben ja da fast mehr erzählt, als in all den Nummern im ersten Bändchen des Unterr.- Noth- und Hülfsbüchlein steht.

Pfarrk. Man kann in diesen Materien nicht zu viel thun, ja man ist es kaum im Stande, ohne weitläufig zu seyn, deutlich genug zu werden.

Verwalter. Wir wollen es gut seyn lassen, vernünftige Leute haben nun Fingerzeig und Winke genug sich in Acht zu nehmen, und werdens auch thun. Eigensinniges und unvernünftiges Volk wird nicht klug, wenn man auch über jede einzelne Pflanze ein Buch schriebe, bey diesen muß es heißen: durch Schaden müßt ihr klug werden, und der Tod in den Töpfen wird euch aufmerken lehren.

Pflegsk. Nehmen wir also Nro. 34 bis 44 einschlüßig vor; Herr Schulmeister lesen sie diese Nummern eine nach der andern ganz her.

Nachdem der Herr Schulmeister Lehreviel mit dem Vorlesen der Nummern 34 bis 44 fertig war, so sprach der Herr Pflegskommissarius von Justus folgendes.

Der Verfasser des Unterrichts- Noth- und Hülfsbüchleins hat mir im ersten Bändchen, – unter Nro. 34, – die Ehre angethan, und einen Auszug meiner sonntäglichen Gespräche, die ich schon seit mehrern Jahren mit meinen Pfleggerichtsunterthanen halte, eingerückt; er verspricht darinnen, in diesem zweyten Bändchen das dort Zurückgebliebene nachzuholen und noch ein anderes anzufügen, das bey den Krankheiten und Gebrechen des Leibes, und bey den Krankheiten des Viehes von guten Nutzen seyn soll. Dieser Mühe will ich ihn überheben, und, mit ihrer Erlaubniß, meine Herren, den Aufsatz, den ich diesfalls zusammen geschrieben habe und den geschickte Männer geprüft und richtig gefunden haben – hier vorlesen.

Das Haupt hat unter dem äußerlichen Theilen des menschlichen Leibes den alleredelsten Anblick. Das Angesicht oder Antlitz ist der schönste Theil des Menschen. Auf diesem sieht man alles abgemalt, was innerlich in der Seele vorgeht. Man sieht auf dem Angesicht den Zorn, die Liebe, den Haß, den Neid, die Verwirrung, den Schrecken, die Freude, die Furcht, und alle innerliche Empfindung der Seele abgedrückt: und oft kann ein verständiger Arzt am Gesicht allein die ganze Krankheit des Menschen errathen.

Am Kopf sind vorzüglich alle fünf Sinne angebracht, jene theuren Werkzeuge, wodurch wir alles, was in uns, außer uns, und ziemlich weit von uns geschieht, empfinden, sehen, hören, riechen und schmecken können.

Durch die Zunge, die voll kleiner und empfindlicher Nerven ist, erfahren wir, ob eine Speise, oder ein Trank süß oder sauer schmecke. Die Zunge dient uns zum Saugen, zum Reden, zum Singen, und zum Hinunterschlingen der Speisen.

Mit den Augen sehen wir. Sie liegen in einer starken beinernen Höle, und sind äußerlich mit Deckeln versehen, die man Augenlieder heißt. Die Haare unter und ober den Augenliedern dienen recht meisterlich, nicht nur den Staub und manches Ungeziefer, sondern auch den Schweiß, der sehr sauer und salzig ist, von den Augen abzuhalten.

Mit der Nase riechen wir. Sie ist oben beinig und unten krusplig, in der Mitte aber in zween Gänge oder Löcher getheilt. In diesen Löchern ist eine Schleimhaut, die voll kleiner Nerven ist, durch die wir die feinsten Dünste gewahr werden, sie mögen wohl oder übel riechen.

Daß wir im Mund Zähne haben, das wisset und sehet ihr. Gewöhnlich bekommt der Mensch zwey und dreyßig Zähne. Sie sind uns nothwendig, damit wir die Speisen in kleine Theile zerschneiden und zerreiben können. Wer gute weiße Zähne haben will, muß sie oft mit frischem Wasser auswaschen, nicht darin herumstechen, nicht allzuheiß essen und trinken, und weder Nüsse, noch andere harte Dinge damit abbeißen. O hütet euch so gut ihr könnet, vor Zahnweh; denn das sind ganz entsetzliche Schmerzen.

Unter dem Kopf ist der Hals, in welchem sich der Kopf wie in einem Angel bewegen kann, wohin er will. Auf den Hals folgen die Schultern, die so gebaut sind, das schwere Lasten auf denselben können getragen werden.

An den Schultern sind die Arme, und an den Armen die Hände befestiget, welche also eingerichtet sind, daß wir sie, wie wir wollen, gebrauchen können, bald etwas aufzufassen, zu heben, zurückzustoßen, zu tragen, und nach Belieben zu bewegen. Mit diesen macht der Künstler seine Meisterstücke, der Bauer bearbeitet sein Feld, und der Baumeister führt ungeheure Gebäude auf.

Unter dem Hals ist die Brust, die das Herz und die Lunge bewahrt, und daher aus festen starken Knochen und Rippen gebaut ist.

Die ganze Last des Körpers ruhet auf den Hüften, Schenkeln und Füßen, die, wie die Arme und Hände, an verschiedenen Orten Gelenke haben, damit sie sich leichter bewegen können. Die Zähen an den Füßen tragen viel dazu bey, daß man den Fuß fester an die Erde andrücken kann.

Fleisch und Haut bedecken den ganzen Körper, und die Haut hat viel tausend kleine Schweißlöcher, daß alles aus dem Körper ausdünsten kann, was überflüßig, scharf, sauer und schädlich ist.

Das sind nun erst die äußern Theile des menschlichen Leibes. Aber das innere Uhrwerk ist noch weit verwunderlicher.

Jeder Mensch hat an seinem Leib ungefähr zweyhundert und sechzig große und kleine Knochen, die alle ihre bestimmte und nothwendige Verrichtung haben.

Im Kopf liegt das Hirn, das fast eben so aussieht, wie das Hirn eines Kalbs. Der Mensch hat durch seinen Leib eine große Menge Nerven; diese kommen alle im Kopf, und im Hirn zusammen, und zeigen dort gleichsam an, was am ganzen Leib, und in allen fünf Sinnen geschieht. Wenn eine solche Nerve nur im geringsten verletzt wird, so empfinden wir es sogleich im Kopf. Das Hirn ist also fähig, alles zu erfahren, zu wissen und zu empfinden, was außerhalb dem Menschen geschieht. Daher glaubt man auch, daß im Kopf der Sitz und die Wohnung der Seele sey.

Aber das gröste Wunder und Meisterstück Gottes liegt in unserm Herzen. Von dem Herzen kommt das Leben, und die ganze Bewegung unsers Leibes her. Das Herz liegt in der Brust, und das Klopfen zeigt an, daß es mehr auf der linken, als rechten Seite liegt. Dieses Klopfen kommt von der allerwichtigsten Verrichtung her, die das Herz hat. Nämlich das Herz ist ungefähr wie eine Längliche Birn gestaltet, aus verschiedenen Adern und fleischigen Theilen zusammengesetzt. Inwendig ist es auf beyden Seiten hol, und diese Hölen heißen die zwo Herzkammern, die das Herz wie eine Wand von einander theilen.

Das Herz ist ohne Aufhören Tag und Nacht in Bewegung, und hört einmal diese Bewegung auf, so hat das Leben des Menschen ein Ende. Es zieht sich nämlich das Herz immerdar zusammen, und dehnt sich wieder aus; es schließt sich auf, und schließt sich wieder zu.

Man glaubt, daß ein erwachsener Mensch fünfzig Pfund Blut im Leib habe. Alles dieses Blut, das im ganzen Leib vertheilt ist, und nie einen Augenblick still steht, sondern in einem Kreis von vier und siebenzig Ellen herumlaufen muß; all dieses Blut muß in jeder Viertelstunde einmal durchs Herz fließen.

So oft nun eine neue Porzion Blut ins Herz kommt, so öfnet es sich auf einer Seite; aber auf der andern Seite stoßt es das Blut wieder hinaus, theils in die Lunge, theils in den übrigen Leib; und zwar mit so großer Gewalt, daß man diesen Stoß an allen Pulsadern am ganzen Leib wohl merken kann. Ein gesunder Mensch wird in einer Minute gegen sechzig, mithin in einer Stunde dreytausend sechshundert solche Stöße, oder Pulsschläge zählen können.

Im menschlichen Leib sind eine Menge Adern, die das Blut zum Herzen führen, und deßwegen Blutadern heißen. Aber dieses Blut muß wieder hinaus, und es wird auf der andern Seite durch eine Menge Adern vom Herzen durch den ganzen Leib herumgeführt, und diese heißt man Schlag- oder Pulsadern. Kein einziger Tropfen Blut im Menschen ist ruhig, keiner bleibt am alten Ort. In einer einzigen Stunde muß das ganze Blut vier und zwanzigmal, mithin in Tag und Nacht fünfhundert sechs und siebenzigmal durch den ganzen Leib laufen. Weil das Herz auf jeden Stoß zwo Unzen Blut ausstößt, so müssen in einer Stunde siebentausend zweyhundert Unzen durchs Herz, welches in allem sechs Zentner Blut beträgt. Denket, wie viel tausend Zentner Blut der Mensch haben müßte, wenn nicht immer fast ebendasselbe wieder von- und zu gienge. Denket aber auch, wie wunderbar es ist, daß bey manchem Menschen diese Bewegung des Herzens siebenzig bis achtzig, ja hundert Jahre dauert, ohne einen Augenblick von dieser unaufhörlichen Arbeit auszuruhen!

Daß diese strenge und unausgesetzte Arbeit des Herzens viel Hitze verursachen müßte, könnt ihr wohl denken. Aber dafür hat auch der gütige und weise Schöpfer wohl gesorgt, daß diese Hitze nicht zu sehr überhand nehmen möge. Denn er hat auf beyden Seiten des Herzens die Lunge hingeschaffen, durch die wir frische Luft von außenher einathmen, die die Hitze des Herzens und des Geblütes mäßigen und abkühlen muß. Die Lunge besteht aus zwey schwammigen Lappen, oder Flügeln, die die rechte und linke Brusthöhle ausfüllen. Die Lunge selbst ist voller kleiner Blasen und Löchlein, die sich durch die Einnahme der Luft alle Augenblick öfnen, und wieder schließen müssen. Die Einathmung der Luft ist uns zum Leben nothwendig; denn wenn die Lunge nicht mehr Luft bekommt, so steht das Herz stille, und der Mensch muß sterben.

Unter der Lunge liegt der Magen, der wie ein Beutel gestaltet, und recht dazu gemacht ist, die Speisen zu empfangen, und zu verdauen. Damit fressende scharfe Säfte ihm nicht schaden mögen, ist er mit einem dicken Schleim überzogen, welcher von kleinen Zasern festgehalten wird, damit er von den durchgehenden Speisen nicht weggeführt werden möge. Sobald die Speisen im Magen sind, vermischen sie sich mit dem Magenschleim, werden nach und nach warm und weich, und miteinander so vermischt und verkocht, daß sie ungefähr nach zwo Stunden zu einem Brey verwandelt werden. Dieser Speisbrey geht vom Magen in die Gedärme. Hier wird ein Theil zu Blut, ein anderer Theil giebt Säfte zur Erhaltung des Lebens, der übrige grobe Theil geht als Koth oder Auswurf vom Menschen wieder weg.

Auf der rechten Seite ist die Leber, die sich um einen Theil des Magens herumwickelt, und durch ihre Wärme die Verdauung befördert. Die Leber sondert vom Blut die Galle ab, welche sich in einer besondern Blatter, wie in einer kleinen Flasche versammelt, und sich auch durch die Eingeweide ergießt; denn die Galle muß durch ihre Schärfe machen, daß der Auswurf der Unreinigkeiten erleichtert wird.

Der Leber gegenüber ist die Milz, wie ein schwammiger Sack. In diese läuft das Blut durch eine eigene Pulsader, und kommt wieder zurück in die Blutadern.

Hinter der Leber und der Milz sind die Nieren, auf jeder Seite eine. Hier müssen die scharfen Feuchtigkeiten sich sammeln, in eine Blatter abgeleitet, und als Urin aus dem Leib geschaft werden.

In dem Unterleib liegt das Gedärm, in welchem das übrige von den Speisen durchgeht, woher aber der Speise-Saft und Nahrung durch eigene sehr subtile Röhren in das Geblüt geführt wird. Dies Gedärm ist mit dem Kröß befestiget, und noch mit einem andern Häutlein bedeckt, welches das Netz genannt wird, damit die Därme nicht so leicht mögen beschädiget werden, und allezeit in der nöthigen Wärme und Feuchtigkeit liegen.

Dieses Netz kann durch schweres Heben, oder hohes Springen leicht zerrissen werden, und das heißt man einen Bruch. Sobald nämlich das Netz zerrissen wird, so dringt ein Theil des Darms durch den Riß, oder durch das Loch heraus: und man kann leicht davon sterben, wenn man sich nicht ein Bruchband machen läßt, welches den herausgetretenen Darm beständig zurückpreßt. Denn wenn der Darm soweit heraus ist, daß er sich verstopft, und nichts mehr durch kann, so bleibt der Unrath darin stecken; da muß der Darm nach und nach anfaulen, und der Mensch stirbt am kalten Brand.

Ach lieben Leute, ihr seyd manchmal so verwegen, und wollet zeigen, wie stark ihr seyd, wenn ihr einen Sack Korn, oder einen schweren Stein aufheben könnet. Durch solchen Muthwillen im Heben, oder Springen, könnt ihr euch auf eure ganze Lebenszeit unglücklich machen. Ich kenne zween junge Bursche, die, wenn sie im Wirthshause zusammenkamen, ihre närrische Freude daran hatten, daß einer nach dem andern in die Höhe aufspringen, und mit der Kreide in der Hand oben an der Dille einen weissen Strich machen mußte. Das gieng einige Zeit so ziemlich gut. Aber einmals hatten sie sich von Brezen, Fleisch und Würsten recht satt gegessen, und darnach wieder ihr Spiel angefangen. Der erste sprang. Aber der Sprung in die Höhe, und der Bruch im Leib, war Eins. Das nämliche widerfuhr auch dem andern. Jetzt sind sie Krüppel. Liebe Leute, werdet doch aus fremden Schaden klug. Kein Schaden ist häufiger als der Bruchschaden. Traget, oder hebet nicht allzu schwere Lasten, oder springet nicht muthwilliger Weise in die Höhe, besonders wenn ihr euch recht satt gegessen habt; denn da ist der Magen und das Eingeweide ohnehin stark gespannt, und das Netz ist dünner, folglich auch zerbrechlicher. Wenn ihr lang reiten müßt, oder sehr schwere Arbeit habt, so schnallet oder bindet euch den Leib mit einem zwey Hand breiten Gürtel zusammen. Merkt euch das, und saget es auch andern verwegenen jungen Leuten!

Weil unser ganzer Körper hauptsächlich von Speis und Trank ernährt und erhalten wird; so ist leicht zu denken, das von Speis und Trank auch die meisten Krankheiten entstehen müssen. Es ist zwar dem Menschen beydes schädlich, zu wenig, und zu viel; nämlich der Hunger sowohl als die Unmäßigkeit. Weil aber Gott unsre Natur so eingerichtet hat, daß der Mensch mit Wenigem kann zufrieden seyn, so kann man leicht denken, daß allemal tausend Menschen wegen der Unmäßigkeit sterben, bis ein einziger wegen Hunger umkommt. Die meisten Krankheiten kommen daher, daß man unmässig gelebt oder schädliche Speisen genoßen hat. Da dies nun natürliche Ursachen sind die uns krank machen, so können sie auch nie anders als durch natürliche Mitteln gehoben werden. Meidet und verabscheuet daher alle sogenannte sympathetische Mittel und andere Frazen und Possen, womit euch Leute, die nichts anders als entweder listige Betrüger oder erzdumme Personen sind, kuriren wollen; all ihr Vorgeben ist entweder Betrug, um euch das Geld unverantwortlicher Weise aus den Beutel zu locken, oder es ist Dummheit und aus dieser entspringender Aberglaube und falscher Wahn euch helfen zu wollen. In beyden Fällen, wenn ihr darauf achtet und eure Gesundheit und wohl gar das Leben auf das Spiel setzet, seyd ihr in der allergrößten Gefahr beydes zu verliehren. Darum wendet euch in allen Krankheiten und Gebrechen des Leibes, an erfahrne und gelehrte Doctorn oder Aerzte und Wundärzte. Alle Gauckelpossen und sogenannte Sympathie ist nichts und leeres Vorgeben, wie ihr dessen das mehrere in einem schönen Buch, betittelt: Aberglaube, Misbrauch und falscher Wahn, das erst kürzlich im Verlag dieses unsers Unt. N. u. H. Büchleins erschienen ist, zu eurer wahren Belehrung ersehen könnet.

Da aus der künstlichen Beschaffenheit des menschlichen Leibes, die ich euch so eben beschrieb, ersichtlich ist, daß ganz ungemein viel dazu gehöret einen tüchtigen und geschickten Arzt oder Doctor abzugeben; und daß ein Mann der auch dies alles weiß, doch noch lange nicht den funfzigsten Theil von dem weiß und versteht, was ein geschickter Arzt wissen und verstehen muß: so seht ihr selbsten ein, wie ungerecht und gewissenlos ihr an euch handelt, wenn ihr euch unberufenen Leuten, wie Marktschreyer, Scharfrichter, Abdecker, Waldhanseln und andere dergleichen Pfuscher sind, anvertrauet, und den Rath und die Hülfe der gesetzmässigen Aerzte freventlich verabsäumet. Eine gleiche Beschaffenheit hat es auch mit den sogenannten Universalarzneyen, die vor alles helfen und gut thun sollen. Wahre Gifte sind diese Schmierereyen, und sollten von einer jeden Obrigkeit scharf verboten werden. Wie lächerlich ist es z. B. wenn ich das sogenannte schwarze oder französische Pulver (Ailhaudische Pulver), welches nichts anders als ein gefährliches Laxiermittel ist, im Fieber, in der Ruhr, bey den Blattern und sonst überall brauchen will. Wie können hitzige Essenzen oder Tropfen, die höchstens bey einem verkälteten Magen einige Dienste leisten, alle Krankheiten kuriren oder heilen? Wie kann das Geschmier so man Theriak oder Mithridat nennt, alle und jede Uebel im Körper heben, da diese Salbe kaum einen verdorbenen Magen nur in etwas herstellet? Und so giebt es dergleichen Hausarzneyen hunderte, die, wenn sie auch für ein Uebel gut wären, aus Vorurtheil und Unverstand überall angewendet werden und dadurch unsäglichen Schaden stiften. Freylich kann dann auch der geschickteste Arzt oft nicht mehr helfen, wenn man den Körper mit solchen gefährlichen Schmierereyen verdorben und die Gesundheit zu Grunde gerichtet hat. Die Hausmitteln sind nicht alle zu verwerfen, aber die genaueste Vorsicht und Unterscheidung ist nöthig solche gehörig anzuwenden, und diese Vorsicht und Unterscheidungsgabe ist nicht eines jeden Sache.

Schon im ersten Bändchen dieses Büchleins sind unter Nro. 34 und 35. Anleitungen gegeben, wie man sich beym Verspühren einer Krankheit, bey deren wirklichen Eintritt und während derselben, als auch bey der Wiedergenesung zu verhalten habe. Diese Anleitungen sind mustermäßig und es kann nichts nothwendiges mehr beygesetzt werden. Auf meine Vorschriften die ich dorten gegeben habe, berufe ich mich hier, und setze jetzt blos noch einige Kennzeichen der bekanntesten und gewöhnlichsten Krankheiten, und einige Arzneymittel her, die man so lange gebrauchen kann, bis man die Hülfe des berufenen Arzts erlangt. Keineswegs darf man glauben daß diese Mitteln die Krankheiten heben sollen, sie sollen nur in der Masse dienen und bewirken, daß die Krankheiten nicht weiter um sich greifen und die Hülfe des Arzts nicht zu späth kommen oder vereitelt werden möge.

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