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Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 26
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
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Vorbeugungsanstalten, nebst den nöthigen Mitteln, gegen die Pferd- Hornvieh- und Schweinsseuche

Da gemeiniglich in ansteckenden Viehseuchen, wegen des mehrmalen gleich eintrettenden schnellen, ja oft plötzlichen Tods, wenn das Vieh einmal von der Seuche ergriffen worden, wenig zu thun ist, so muß man vorbauungsweise diesem Uebel vorzukommen suchen.

Die meisten Viehseuchen rühren von schlechter Behandlung des Viehs, von elenden oder verdorbenen Futter, am meisten aber von dem Weidgang her, worauf die Nahrung für das Vieh auf hunderterley weise verdorben, mehrentheils aber durch die so genannten giftigen Mehlthaue, das ist: durch die mancherley kleinen Insecten die in den Thautropfen und in dem ausgetrettenen Saft der Pflanzen und Gräser vegetiren oder leben, ungesund und zu ansteckenden Seuchen geneigt gemacht wird. Daß das Vieh, so von giftigen Mücken oder Fliegen gestochen worden, soll angesteckt werden, ist unwahr und eine lächerliche Behauptung; dann wäre dieses, so müsten auch Menschen und sonst noch andere Thiere davon erkranken, und alle Jahre würden Viehseuchen entstehen, weil alle Jahre das nämliche Ungeziefer einer Gegend, nur nicht immer in gleicher Menge, vorhanden ist, und so wie alles, seine Perioden hat.

Da nun die Einführung der Stallfütterung noch lange ein frommer Wunsch bleiben wird, so soll man das Vieh überhaupt und in keiner Gegend austreiben, bis Sonne und Luft den Thau und die Feuchtigkeit aufgesogen und die Weide getrocknet haben. Bey Regen und nebelichtem Wetter soll gar kein Vieh ausgetrieben werden, am wenigsten aber, wenn man von einer Seuche in der Gegend hört. Überhaupt soll man niemals das Vieh auf die Weide treiben, man habe ihm dann vorher etwas Futter im Stall gegeben und es sodann sauffen lassen, und zwar reines, helles und gesundes Wasser.

Mit Maaß, Vorsicht und Ziel dem Vieh zur Ader lassen, kann, besonders wenn eine Seuche im Anzug ist, gar nicht schaden; nur muß man wohl acht haben, daß man dem vollblütigen Vieh, und dem, dessen Blut schwarz und dick ist, immer mehr Blut weglasse, als demjenigen, bey welchem man keine Vollblütigkeit und Dicke des Bluts wahrnimmt. Ein geschickter Vieharzt kann hier das beste Verhältniß angeben.

Auch ist es gut bey schon im Anzug begriffenen oder wirklich grassirenden Viehseuchen, beym Hornvieh so wie bey den Pferden, (von diesen beyden Vieharten ist hier blos die Rede) das Haarseil, oder, die im spanischen Fliegen-Essig gebeizten schwarze Christwurz setzen zu lassen. Dieses muß aber auch unter Anordnung eines geschickten Vieharztes geschehen.

Gleich nach der Aderläße, etwa Tags darauf, fängt man an, drey Tage hintereinander früh nüchtern dem Vieh folgenden Einguß durchs Maul, ja nicht auf die gewohnte schädliche Weise durch die Nase, zu geben; man nimmt nemlich:

1 Quentel Kampfer

2 Loth Saliter oder Salpeter

Löset den Kampfer in etwas Weingeist auf, mischt den Saliter bey, und rühret alles in einer halben Maaß gekochten Wassers, worinnen Gerste gesotten worden, wohl durcheinander, und giebts nach besagter Art. Während diesen 3 Tagen muß das Vieh in den Stall gelassen und mit der Arbeit möglicht, wenigstens vormittags, verschont bleiben. Leichte Mehltränke, mit Salz und Essig vermischt, sind aber keinen Tag, so lange die Seuche im Anzug ist, zu unterlassen. Da die Pferde nicht gerne Essig nehmen, so kann man ihnen statt dessen den Trank mit Saliter und Salz säuerlich machen.

Sollten dem Vieh hie und da Beulen, groß oder klein, auffahren, die dann gemeiniglich größer werden, so muß man sich fleißig darnach umsehen, und solche durch einen erfahrnen Mann aufschneiden und aus dem Grunde mit Essig, Salz und Kampfergeist auswaschen lassen. Bey schon sehr großen Beulen nimmt man nach dem Aufschneiden und Auswaschen, wenn die Wunde ausgeblutet hat und das darauf fließende grün-gelbliche Wasser abgelaufen ist, Basiliksalbe 4 Loth, Therbentinessenz 1 Loth, gepülverte spanische Fliegen ½ Loth, Euphorbium auch ½ Loth, mischt alles aufs beste, streicht es auf Werg, und verbindet die Wunde bis zu der sich einstellenden Eiterung damit. Nun nimmt man 1 Quentl Therbentinessenz, 3 Loth Therbentin, 1 Loth flüßigen Storax, 1 Quentel Chinapulver und ½ Loth gelbes von den Eyern. Dieses mischt man alles aufs beste, und brauchts wie die vorige Salbe. Fallen endlich die abgestorbenen Theile weg, und nimmt der Grund der Wunde eine rothe Farbe an, so darf sie nur mit Werg, das mit Kampferbrandtwein angefeuchtet worden ist, verbunden werden. Ist die Wunde ganz rein, so wird sie mit der gemeinen Digestivsalbe, aus Therbentin und dem gelben vom Ey, bis zur gänzlichen Heilung besorgt. Bey Beulen, oder Geschwulsten am Euter oder am Schlauch, darf kein Schnitt gewagt werden, man öffnet solche blos mit dem Aderlaßeisen hie und da, und verstreicht die Ritzen mit der Basiliksalbe. Bey diesem Umstand legt oder setzt man ungesäumt das Haarseil oder die Wurz, damit der Ausfluß des bösartigen Wassers auf andere Weise dadurch befördert werde. Aderlaßen ist bey diesen Umständen, wo einmal Beulen und Geschwulste aufgefahren sind, nicht mehr rathsam, ausgenommen im Fall, daß sich Zeichen eines starken Brandes äußerten.

Ist der Brand vorhanden, so muß, neben der Aderlässe, auf der Stelle folgender Einguß gegeben werden. Nimm 1 Loth Kampfer, 4 Loth Salpeter, 3 Quintl Chinapulver, 6 Loth Sauerhönig, mische dieses alles wohl, löse es in einem abgesottenen Holderblüthwasser auf und giebs dem Thier alle 12 Stunden. Aeuserlich, wo sich der Brand ansetzen will, sind Ueberschläge von Essig, worinn Chinarinde abgesotten worden, aufzulegen und immer anzufeuchten. Hat man das Glück, das Thier bis den folgenden Tag zu fristen, so wird blos die Hälfte von eben gemelten Einguß so lange morgens und abends gegeben, bis die tödtlichen Zeichen der Krankheit verschwunden sind, nach welchem Zeitpunkt man dem Thier ein leichtes Laxiermittel giebt. Daß die strengste Diät oder Lebensordnung im Freßen und Saufen unter diesen Umständen beym Vieh muß beobachtet werden, versteht sich von selbsten. Einige mit Essig und Salz fürs Hornvieh, mit Salpeter aber für die Pferde angenehm säuerlich gemachte leichte Mehltränke, sind schon hinreichend zur Nahrung für die ersten Tage; in der Folge müssen solche aber nahrhafter gemacht werden, damit das Thier nicht aus Schwäche der Krankheit unterliege.

Da die Schweine nicht so leicht, wie die Pferde und das Hornvieh, zu behandeln sind, so schneidet man ihnen vorbauungsweise, statt der Aderläße, etwas von den Ohren und dem Schweif ab, und läßt auf diese Weise etwas Blut heraus. Ferner giebt man ihnen 3 oder 4 Tage eine scharfe Diät; ein wenig saure Milch oder Topfenwasser, dem Stück etliche Quentel Saliter und fein gestoßenen glänzenden Kaminruß beygemischt, sind in Ansehung der Nahrung auf diese 3 oder 4 Tage genug. Nach und nach giebt man ihnen ihr gewöhnliches Futter wieder, und schwemmt sie fleisig, wenn sie nicht erhitzt sind. Die Vorsicht in Ansehung des Austreibens ist bey den Schweinen eben so nöthig, als bey dem Rindvieh und den Pferden.

Gesunde, lüftige Ställe, Reinlichkeit, gehörige Porzionen Salz, frische Luft, trockne und gesunde Weide und ein vernünftiger Hüter verwahren auch die Schafe für allen Krankheiten.

Der glänzende Ofen- oder Kaminruß, den man in allen Haushaltungen haben kann, ist ein sehr gutes Mittel bey den Pferden, dem Hornvieh und den Schweinen, den Gang des Urins und die nöthige Ausdünstung zu befördern. Man thut daher wohl, wenn man diesen Thieren alle Wochen zweymal etwas von diesem Ruß, fein gepulvert, auf das Futter streut. Den Stall, wenn die Thiere im Winter nicht gerade schwitzen, öfters lüften und zuweilen vorsichtig mit Wachholder- (Kranewit) Beeren und Eßig ausräuchern, sind neben Reinlichkeit, gesundem Futter und Trank, Hauptmittel zur Erhaltung der Gesundheit des Viehs.

 

Mit diesem beschloß der Herr Pflegskommissarius von Justus, zu Mainbach, die Vorlesung seines Aufsatzes über die Krankheiten von Menschen und Vieh und deren Erkenntniß und Heilart. Die Zusammenkünfte wurden geschlossen und das darinn vorgetragene und abgehandelte dem Herrn von Mildheim schriftlich zu Handen gestellt. Diesem edeldenkenden Kavalier haben wir das zweyte Bändchen des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins samt gegenwärtigem Arzneybüchlein zu verdanken, und wir hoffen, daß er uns noch mehrere Aufsätze zum besten des gemeinen Mannes wird zukommen lassen; besonders da wir so eben vernehmen, daß er wirklich eine Feld- und Akerbaugesellschaft zu Mildheim errichtet hat, und demnächst eine Vieharzneyschule aufrichten wird. Alle uns zukommende Resultate dieser beyden Akademien werden wir getreulich in unserm Kalender, oder, wenn sie dahin zu weitläuftig wären, in unserer Volksbibliothek nachtragen.

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