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Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 25
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
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Vieharzneybüchlein.

Präservative oder Verwahrungs-Mittel wider Krankheiten sind das erste und beste; von diesen wollen wir also zuerst reden:

Die Gesundheit des Viehs hängt hauptsächlich von der Fütterung, und dem Getränke, das ist, von dem, was es frißt und säuft, ab. Dasjenige, was seiner Gesundheit schadet, muß man ihm nie reichen, und es davon zurückhalten, dagegen ihm das, so nützet, immerhin vorlegen und verschaffen.

Schädliche, giftige Fütterungen und Getränke, z. B. Schierling, Bilsenkraut, Tabakkraut, Eisenhütchen u. d. gl. so wie auch Wasser, welches mit schädlichen Innhalt von der Quelle ausgemischt wäre, als mit Alaun, Vitriol, Schwefel oder andern dergleichen der Gesundheit nicht zuträglichen Dingen, muß man dem Vieh nicht zulassen.

Eben so schädlich kann das beste Gras und Heu dem Vieh werden, wenn jenes naß, kalt, gefroren, dieses erwärmt, staubigt, kothigt, und schleimicht, vorgelegt wird; wie nicht minder das sonst gute Wasser, wenn es zu kalt, oder zu lange im Kübel, oder in Sümpfen stehend, faul, stinkend worden ist, und so zu saufen gegeben wird.

Es gibt auch Dinge, die in Rücksicht auf gewisse Vieharten zwar giftig, andern aber sehr zuträglich seyn können. So ist fettes Gras für das Schafvieh, welches länger leben, und zum Zuchtvieh gehalten werden soll, sehr schädlich: dem Mastvieh hingegen, welches bald abgethan werden soll, sehr zuträglich. Körner oder Getraide, als Roggen u. d. gl. mag immerhin jede Gattung von Vieh fressen; der bald setzenden Schweinsmutter aber, wie auch denjenigen, die erst eben gefärkelt oder geworfen haben, sind sie Gift, machen Verstopfungen, verursachen schwere Geburten, erhitzen, verursachen öfters Raserey und das schleunigste Umfallen.

Der Haber ist dem ältern Pferde unentbehrlich und gesund, dem Fohlen aber taugt er gar nicht, oder man gibt ihm diesen nur sehr sparsam; man glaubt, er verursache Blindwerden. Frisches Getreide, als Roggen, ist an und für sich gesund, man lasse ihn aber von den Hühnern, beym Ausdreschen gleich nach der Aernte, an der Scheune häufig auffressen, so werden sie sogleich davon erkranken und krepieren.

Aeusere Umstände können ebenfalls das Futter und Getränke, welches sonst gut ist, sehr schädlich machen; z. B. frisches Wasser ist allemal an und für sich dienlicher als laues; wenn das Vieh aber sehr erhitzt, begierig, schnell und viel kaltes Wasser söffe so würde es ihm Gift und das lauchlichte weit dienlicher seyn.

Gras ist die angenehmste und gesundeste Fütterung; gebe man es aber dem Pferde und dem Ochsen, zur Zeit anhaltender Arbeit, so werden beyde bald matt, dürre, und so entkräftet werden, daß sie die Arbeit nicht mehr verrichten können und endlich erkranken werden.

Auch in Ansehung der Absicht, die man mit diesem oder jenem Vieh hat, ist die eine oder andere Gattung von Futter bald gut bald schädlich: das Salz welches dem Vieh sehr gesund und nöthig ist, schadet, wenn es in zu großer Menge dem Mastschweine gegeben wird. Die Metzger sagen einstimmig, daß dadurch die Gedärme zu mürbe würden und zum Wurstmachen nicht taugen. Man sollte glauben, daß fette Fütterungen besonders wann sie schon für sich aus unschädlichen, gesunden Theilen bestehen, jeder Viehart zuträglich seyen, und doch sind sie, wenn man von einer Kuh ein Kalb erhalten will, mehr schädlich als nützlich. Die Kuh würde zu fett werden, gar nicht aufnehmen und trächtig werden, oder nicht ohne Gefahr kalben, das Kalb absetzen, d. i. verwerfen.

Ein Kalb, mit zu fetter Milch ernährt, krepirt leicht. Kälber mit fetten Grase von einer Wiese, in welche die Mistwässerung unmittelbar einläuft, gefüttert, sah ich in Menge Lungenfaul werden, und ohne Rettung umkommen, wenn gleich das Mastvieh davon sehr fett wurde und dem natürlichen Tod dadurch entging, daß es bey Zeiten geschlachtet wurde.

Der Zustand des Viehs, der meinen Absichten nicht entspricht, scheint mir Krankheit zu seyn: denn, wenn seine innern Theilchen nicht mehr dahin wirken können, wozu sie doch von der Natur bestimmt sind, so ist das Ganze nicht mehr in dem Stande der Gesundheit.

Die Gesundheit des Viehes hängt auch hauptsächlich von der Art und Weise, wie es gefüttert und getränkt wird, wie es frißt und säuft, ab.

Hier kommen allerdings, der Ort, wo, in Betrachtung. Man kann sein Vieh im Stall und auf der Weide haben und füttern, und es kann an beyden Orten gesund bleiben; doch aber in einem Ort nicht so, wie im andern vor Krankheiten verwahrt und wider Zufälle gesichert werden.

Der Stall ist unstreitig der Ort, wo man sein Vieh, wenn man es da füttert und tränket, in voller Aufsicht und unter seiner Gewalt hat und es für allen widrigen Zufällen verwahren kann; auf dem Weidgang ist aber gerade das Gegentheil vorhanden; weswegen dieser, wo es nur immer möglich zu machen, wenn auch sonst keine andere Ursache vorhanden wäre, geradezu abzuschaffen ist; denn die Weide ist die gewisseste und beynahe die einige Ursache aller Viehseuchen und fast aller Krankheiten einzelner Stücke.

Nichts kann so leicht eingesehen und erwiesen werden als dieses: man halte nur die Beschaffenheit der Weidgänge und die Beschaffenheit und Natur des Viehkörpers zusammen, so wird es sich bald ausweisen, daß, wenn auch dieser von Eisen wäre, er doch endlich unter den vielen widrigen Zufällen, welche die Weide verursacht und herfürbringt, krank werden und erliegen muß.

Hitze, Frost, Regen, Schnee, Mücken, Koth, erkältende Winde, elende, oft ungesunde Fütterung, Pfüzenwasser, kurz alles vereinigt sich da wider die Gesundheit des Viehes.

Daß man aber, wenn das Vieh im Stalle gehalten wird, dieses alles abwenden, und solche Einrichtungen und Anordnungen machen kann, die auf die Erhaltung der Gesundheit abzwecken und wirken, ist klar bewiesen.

Der Ansteckung wegen, erfordert die Klugheit, das gesunde Vieh nicht an den Ort des Kranken zu bringen, sondern es davon zu entfernen; wo kann aber die Ansteckung weniger als auf der Weide, wo alles Vieh aus so vielen Ställen unter einander läuft, abgewendet werden? –

Es gibt zwar einige, welche behaupten, das beständige stehen im Stalle sey dem Vieh ungesund; diese Behauptung ist aber ein bloses Vorurtheil; denn eine mehr als hundertjährige Erfahrung widerspricht ihnen und beweiset das Gegentheil. Nirgend hört man weniger von Vieherkrankungen, als da, wo das Vieh im Stalle gehalten wird, und nie wird man da krankes Vieh vorfinden, wenn man mit Ordnung und Behutsamkeit, die immer nöthig und leicht möglich ist, zu Werke geht.

Man überfüttere nemlich das Vieh nicht, gebe ihm zur gehörigen Zeit gesunde Nahrung und Getränke, verwehre hastiges Fressen und Saufen, vergesse die nöthigen Salzungen nicht, öfne den Stall zu zwey bis dreymal des Tages, etwa, wenn man ausmistet, tränket, und füttert, um ihm frische Luft zu geben man lege, um diese zu befördern Luftzüge an, und eröfne sie zu gewissen Stunden des Tages, besonders im Sommer häufiger als im Winter; man striegeln, bürste und stäube das Vieh recht fleißig, des Tags wenigstens zwey bis dreymal, streue wohl unter, miste den Abfall wohl aus, und dulde nicht stehenden Harn im Stalle. Die Pflege sey überhaupt so, wie sie im ersten und zweyten Bändchen, des Unterricht Noth- und Hülfsbüchleins hin und wieder besonders aber im ersten Bändchen, Nummer 50 von Anfang bis zu Ende enthalten ist.

Der Weidgang hat bey einigen Vieharten, als Schaafen und Schweinen, wie auch bey Pferden sein Gutes. Das Schaaf, immer im Stall gehalten, gedeihet weniger, als auf Weiden; wenn ihm auch gleich die Weiden sehr ungesund werden können. Immer im Stalle, oder nur stets über Nacht im Stalle liegend, bekommt das Schaf leicht die Pocken; diese entstehen aus einer fast unsichtbaren Art Läuse, die nach und nach so viele Feuchtigkeiten auf verschiedenen Flecken der Haut anziehen, daß daraus endlich Grunde, die man Pocken heißt, werden: gerade so, wie es bey Kindern die Menschenläuse thun; auf dem Felde weidend und liegend, werden sie nicht leicht davon heimgesucht werden; hingegen werden die Schaafe sich bald faul fressen, wenn sie in Sümpfen und Moosen, oder auf Haberfluren, wo der Haber ausgefallen im Herbst frech aufwächst, vor dem Frost geweidet werden, oder im Frühling da fressen, wo die Ausflüsse aus Aeckern auf den Wiesen fettes Gras herfürbringen. Man muß hier das Gegentheil thun, und sie zu präserviren suchen.

Das Krepiren der Schweine geschieht gemeiniglich im Sommer, von Johannes bis Jakobi, in der grösten Sommerhitze, wenn sie auf der Weide keine Pfuhl, Sümpfe oder Bäche haben, wo sie sich wälzen, schwemmen und abkühlen können; es sey nun, daß man sie zu solcher Zeit weidet oder im Stalle hält, so muß man sie alle Tage in Seen, Bächen oder andern Wassern schwemmen und sie auf diese Weise, weil sie von Natur sehr hitzig sind, und äuserliche Hitze nicht vertragen können, abkühlen. Die Mangold oder Viehrüben- und Rangersblätter sind ihnen gesund, da sie sich aber, so man ihnen diese gekocht, vollauf vorschüttet, leicht überfressen, so ist es zuträglicher, sie ihnen grün vorzulegen.

Das Pferd liebt die Weide: man thut deswegen wohl, es im ersten Frühlinge auf etliche Tage dahin zu lassen. Es ist aber hiebey das Sprüchwort wohl zu beobachten: man kann es nicht früh genug hinlassen und im Herbste nicht früh genug wieder in den Stall nehmen.

Das Rindvieh, wenn es vom Eichenlaub frißt, bekomt das roth Harnblut, welches sehr gefährlich ist, man muß es ihm deswegen zu verwehren suchen.

Arbeit und Ruhe kommt auch bey Präservativen wider Krankheiten in Anschlag; sie haben beyde einen starken Einfluß auf Gesundheit und Krankheit der Thiere.

Ein hitziger Ritt, scharfer Zug, starkes Antreiben bey schwerer Ladung, wie viel Unheil hat dieses nicht schon bey Pferden und Ochsen verursachet, zumal alsdann, wann gieriges Saufen, besonders kalten Wassers, und oben drein noch eine gählingt Ruhe dazu kam?

Hastiges Fressen und gleich darauf wieder harte Arbeit, kann unmöglich Verdauung gestatten, gute Säfte geben, und die Gesundheit unterhalten; hieraus müssen frühe oder spät Krankheiten erfolgen.

Um das Vieh wider Krankheiten zu verwahren, muß man ihm nach der Arbeit und auf ordentliches Fressen und Saufen Ruhe gönnen, und es nachher nicht mit Arbeiten, die seine Kräften übersteigen, belegen.

Wer in Rücksicht auf diese drey Stellen weislich handelt, wird der klügste Arzt seines Viehs seyn; denn es ist weit leichter: das Vieh wider Krankheiten zu präserviren oder zu verwahren, als in würklichen Krankheiten zu kuriren oder zu heilen.

Die Ursachen hievon sind: das Vieh selbst kann nicht sagen, was und wo es ihm fehlt, und das zu errathen und auszumachen ist schwer und mißlich: denn, wenn man auch dieses weiß, so ist es doch allemal sehr mühsam, ihm dawider die nöthigen Arzneyen zu geben und beyzubringen; vielmal ists unmöglich, beydes hinlänglich zu bewirken: man heilet also gemeiniglich aufs gerathe wohl hin.

Unterdessen thut man billig so viel als man kann. Der Gerechte erbarmt sich auch seines Viehes! Es ist eben nichts ungereimtes, für dasselbe das Beste zu wünschen, auch allenfalls zu beten. Wenn man aber gottesdienstliche Handlungen, welche auf die Erhebung unserer Herzen zu Gott allein abzwecken sollen, vornimmt, um damit das Vieh von Krankheiten zu retten, dann möchte ich über die Aufklärung unseres Zeitalters laut seufzen. Und doch werden leider! dergleichen Gauckeleyen, Charlatanerien, Possen und Quacksalbereyen, zur Schande menschlicher Vernunft, zur Verleumdung der christlichen Religion, und zum Schaden der armen Landleute, noch würklich fast allenthalben getrieben. Teufelsdreck, Zauberbalsam, Hexenpulver, und was dergleichen Possen mehr sind, den unverständigen Landmann zu äffen und zu brandschatzen, werden noch immer gebraucht. Zeugen meiner Aussage und Klage finden sich, leider! falt allenthalben in den Ställen selbst. Alle geistliche und weltli che Obrigkeiten sollten doch einmal mit Ernste darauf bedacht seyn, die schädlichen Vorurtheile, den Aberglauben und den Irrwahn mit der Wurzel auszurotten und der ewigen Verwesung zu übergeben. So lange dieses nicht geschieht, so lange der abergläubische Betrug nicht in seiner ganzen Blöse aufgedeckt und dem gemeinen Volke klar und überzeugend vor die Augen gelegt wird, werden wir mit der Teufelsbannerey, Hexerey, Quacksalberey und all dem abgeschmackten Unwesen nicht fertig.

Eine andere, eben so verabscheuungswürdige Heilart an Menschen und Vieh treiben fast durchgehends unverständige Schmiede, Nachrichter, Hirten, versoffene und verdorbene Bauern, und das arme Vieh, da es durch solche Fuscher unmöglich geheilt werden kann, leidet die gröblichsten Mißhandlungen, und wird allemal unter diesen Schindern vergehen, wenn ihm nicht noch dann und wann die gesunden Säfte seines Körpers auf und heraushelfen. Auch diese sollte man, je eher je besser, auszurotten suchen, und ihnen unter Androhung und Vollziehung der empfindlichsten Strafen ihr schädliches und verderbliches Handwerk, welches entweder in abergläubischen manchmal auch in den unnatürlichsten Kuren und Mitteln, und in der gewaltsamen und härtesten Behandlung des Viehs besteht, auf immer legen.

Ein kluger Landwirth wird sich wohl von selbst für solchen schädlichen Fuschern und Stümpern zu hüten wissen, besonders, wenn er einen geschickten Vieharzneydoktor in der Nähe weiß. Sollte es aber daran fehlen, so nehme er seine Zuflucht zu einem Arzte oder Wundarzte, der ihm gewis bessern Rath wird geben können, als jene.

Wir haben schon hie und da geschickte Vieharzneydoktoren und Vieharzneyschulen; es wäre aber sehr zu wünschen, daß die Regierung eines jeden Landes hierfür noch mehr und hinlänglich sorgte. Indessen will ich diejenigen Mittel, die ich durch häufige Erfahrung bewährt gefunden habe, für jene, die von einem Vieharzte weit entfernt sind, hier anführen, damit sie sich deren im Notfalle bedienen können.

Bey äuserlichen Schäden, als Wunden, Quetschungen, Geschwulsten und Beulen wird folgendes den besten Erfolg verschaffen:

Man lege ein Stück alte Leinwand einige mal zusammen, befeuchte diese durch und durch in Mineralwasser, überschlage sie auf die Wunde oder Geschwulst; oder man koche eine Semmel in eben diesem Wasser, und lege diese in einem Fetzen oder Lumpen auf, und fahre damit von Zeit zu Zeit fort, bis die Beule erweicht ist und aufgeht, oder der offene Schaden nach und nach heil wird.

Man nimmt, das Mineralwasser zu verfertigen, erstens: 1 ¼ Loth Kampher, der in drey Loth gutem Weinbrandtwein erweicht, aufgelößet, und abgetrieben wird; zweytens 1 Loth Bley-Zucker, den man mit etwas Wasser abreibet und auflöset.

Beydes schüttet man zu 2 Pfund Brunnenwasser, verwahrt alles in einem wohl zugepfropften Zuckerkrug (ein Krug, in welchem man das Schwalbacher und Selzerwasser verkauft) im Keller, wo es sich Jahre lang erhält.

Ist man dessen benöthigt, so schüttelt man das Ganze wohl um und nimmt so vieles heraus als man bedarf.

Man kann's dadurch, daß man weniger Wasser nimmt, oder zu so viel Wasser mehr Kampfer, Bley-Zucker und Brandwein hinzuthut, verstärken.

Wenn der Ueberschlage eine, zwo, drey Stunden über gelegen, und trocken worden ist, nimmt man ihn ab, gießt wieder etwas Mineralwasser drüber, erwärmt ihn in einem Geschirr, und legt ihn wiederum auf.

Zu offenen Schäden ist auch das Kalchwasser, ein erprobtes Mittel, wenn man es warm macht, einen leinenen Lumpen darein tauchet und solchen, wiederholt angefeuchtet, so lange überschlägt, bis die Wunde heil ist.

Dabey wächst öfters faules Fleisch, welches man von Zeit zu Zeit mit dem Höllenstein vorsichtig überfährt. Den Höllenstein kann man in der Apotheke haben: man muß ihn aber nicht mit bloser Hand anfaßen und nicht ins Gesicht oder an den Mund bringen.

Man nimmt, das Wasser zu verfertigen, ungelöschten frischen Kalch, überschüttet diesen in einen Zuber mit reinem Brunnenwasser, rührt beydes stark durcheinander, läßt es zusammen etliche Stunde stehen, dann findet sich oben ein Häutchen, welches man wegnimmt, gießt das Wasser ab, in einen Zuckerkrug, und verwahrt es zum Gebrauch.

Innerliche Gebrechen oder Krankheiten haben beynahe alle ihren Anfang in dem Eingeweide des Viehes: Mangel an Verdauung macht anfangs Verstopfung, verursachet Blähungen, Auflaufen, hält die natürlichen nöthigen Ausleerungen zurück; – endlich aber kommen daher böse Säfte, schlechtes Blut, das Gleichgewicht hebt sich auf, die Maschine steckt, fault und zerfällt.

Man würde also das Vieh heilen, wann man das eingefressene Schädliche herausschafte, und kein Schädliches mehr zusetzte, oder zusetzen ließe.

Das Ausleeren könnte durch das Maul und den After, durch den Harnkanal, oder durch einen Stich oder Schnitt in die Eingeweide geschehen und bewirkt werden.

Die Ausleerung durchs erwirkte Erbrechen ist so natürlich als heilsam: den schwersten Krankheiten wird so in ihrem Anfang bey Menschen widerstanden; der Hund hilft sich auf diese Weise, wenn er etwas schädliches oder zu viel gefressen hat, glücklich.

Wäre man im Stande das Erbrechen beym Ochsen Schaf u. s. w. zu bewirken, so würde man mancher tödtlichen Krankheit gleich in ihrem Anfange abhelfen; allein dazu sind wohl noch keine Mittel, so möglich sie doch seyn könnten, entdeckt worden.

Die Ausleerung durch die Eröfnung der Eingeweide, mittels eines Einschnitts, zu bewirken, scheint zwar sehr widernatürlich zu seyn; man hat es aber dennoch durch unzählige Versuche erprobt, daß durch einen solchen Stich oder Einschnitt der durch die Aufblähung verursachte nahe Tod abgewendet werden könne. Ich will diese Operazion mit kurzen Worten nochmals, da sie schon in No. 50 des ersten Bändchens dieses Buchs beschrieben ist, hier vorlegen.

Fettes, naß, kalt, schnell eingefressenes Gras, sonderlich der dreyblätterigte rothe Klee, verursacht das Aufblähen sehr leicht und es wird auch in kurzer Zeit tödtlich; in der linken Weiche erhebt sich sodann die Haut hoch, weil die Blähungen hier im Wanste sitzen; eben hier in der Mitte sticht man also mit einem starken scharfen Messer herzhaft hinein, wendet das Messer, doch ohne es umzudrehen, hin und her, so fahren die Winde heftig heraus und das Vieh ist in einer Minute ausser Gefahr.

Man bestreicht die Wunde mit etwas Wagenschmier; giebt dem kranken Vieh durch zwey bis drey Tage sehr sparsam zu fressen, so heilet alles wieder wohl zu, und das Vieh ist so vollkommen gesund, daß es gleich wieder kann gebraucht werden.

Wie man beym Rindvieh verfährt, so verfährt man auch mit den Schafen.

Ich habe anfänglich geglaubt, man sey im Stande, auch den Pferden bey der Darmgicht auf diese Weise zu helfen; der Herr Professor Erxleben, ein sehr erfahrner Vieharzt, hat aber bewiesen, daß dieses hier wegen einer andern Lage der Eingeweide nicht angehe.

Der dritte Weg, auf welchem die Ausleerung des Viehs befördert werden kann, wäre der: durch den After. Dieses zu bewirken hat man dreyerley Mittel: 1) daß man laxirende Arzneyen eingibt, oder 2) Klistire anbringt, oder 3) mit der Hand in den After des Viehs hineingreift und die verhärteten Exkremente welche den übrigen und den Blähungen den Durchgang hindern, herausnimmt.

Daß man Laxirmittel für das Vieh habe, weiß jeder; gleichwohlen will ich hier ein sehr einfaches, welches für das Rindvieh und die Pferde, wenn sie sich überfressen haben und aufgeloffen sind oder mit Blähungen und der sogenannten Darmgicht befallen werden, gar sehr wirksam und vortreflich ist, angeben.

Man nehme zu einem ausgewachsenen Stück Rindvieh oder Pferd, 2 oder 2 ½ Maas oder 3 bis 4 Pfund süsse Milch warm von der Kuh oder so viel beym Feuer erwärmt, werfe in diese geriebenen gemeinen Schnupftaback eine Handvoll, rühre alles durch einander, schütte es so dem Vieh ein und führe es etwas herum; in Zeit von ein paar Minuten wird der Effekt da seyn. Bey jüngern Vieh nimmt man etwas weniger.

Für die Kälber, welche sich unter der Mutter übersoffen haben, ist folgendes Laxirmittel sehr diensam und bewährt.

Man wirft etliche Hände voll Salz, in eine Maaß Wassers, und rührt es wohl um, bis sich alles Salz aufgelößet hat. Von dieser Auflösung schüttet man dem Kalb, das sich übersaugt oder übersoffen hat, alle halbe viertel Stunden einen starken Eßlöffel voll ein. Dieses Salzwasser wehret der Hitze, hält die Fäulniß ab, lößt die Fettigkeiten auf, laxirt, und stellt das Kalb vermittels eines stinkenden Durchbruchs wieder her.

Das Vieh ist keinen heftigen Leidenschaften, wie der Mensch ausgesetzt; daher leidet es auch nicht von den Folgen derselben, und hat unzählige Arten Krankheiten weniger. Sein Futter und sein Trank sind einfach, und noch dazu unter der Aufsicht eines vernünftigen Geschöpfs, des Menschen. Wenn dieser also die gehörige Aufmerksamkeit anwenden will, so kann er meist alle Viehkrankheiten, ja selbst die Viehseuchen, wo nicht ganz abwenden, doch recht sehr vermindern und schwächen. Bey wenig Krankheiten braucht man auch wenige Arzneymittel, daher ist dieses Arzneybüchlein fürs Vieh so klein und zusammengedrängt ausgefallen. – Genug und über genug ist es, wenn diejenigen, so Gebrauch davon machen, die darinnen angeführten Lehren und gegebenen Vorschriften benutzen und beobachten. Tretten auserordentliche Fälle ein, die aber immer selten seyn werden, so nehme man seine Zuflucht zu einem geprüften und ordentlich angestellten Vieharzt; ist aber keiner in der Nähe vorhanden, so beschreibe man diesem die Umstände genau, und ungefähr so, wie man sie dem Doctor von einem kranken Menschen beschreibt, und schicke ihm diese Beschreibung, so wird man selten unglücklich mit seinem Vieh seyn, und noch seltener wird man eines durch den natürlichen Tod verlieren.

Um diese Beschreibung ordentlich einzurichten, empfehle ich jedermann das Handbüchlein für das Landvolk von Herrn Doktor Klobb, worinn eine vollständige Anleitung: wie man diese Beschreibung einzurichten hat, und wie man sich bey einbrechenden Viehseuchen verhalten soll, enthalten ist. Dieses vortrefliche Büchlein ist bey allen Buchhändlern für 10 Kreuzer zu haben.

Ich setze nun nur noch einige Verhaltungsregeln in Viehseuchen bey und schließe somit unser Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein. Indessen kommt alle Jahre in dem Verlag unsers Buchs, ein sehr guter und nützlicher Kalender heraus, in dem recht vortrefliche und anwendbare Aufsätze und Anweisungen geliefert werden. Dieser nützliche Kalender heißt: Kunst- Haushaltungs- Gesundheits- und Landwirthschaftskalender. Er ist heuer zum erstenmal erschinen und überall in sehr billigen Preis zu haben. Er wird mit Recht ein Beytrag zum Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein genannt: denn der angezeigte erste Jahrgang dieses Kalenders enthält bereits, auser vielen anderen sehr nützlichen Aufsätzen, auch einen Auszug aus dem obgemelten Handbüchlein für das Landvolk von Doktor Klobb: wie man sich nämlich bey entstehenden Viehseuchen verhalten, was für Mittel man dabey anwenden und wie man das Vieh behandeln soll, um es gesund zu erhalten. In dieser Rücksicht werde ich auch zu den künftigen Fortsetzungen dieses Kalenders noch manche schöne und nützliche Anweisung über die Behandlung des Viehs und über Viehkrankheiten, zu jedermanns Nutzen, bekannt machen.

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