Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Johann Georg Friedrich Jacobi >

Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 24
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
Schließen

Navigation:

Von den Krankheiten der Schwangern, Kindbetterinnen, und Kinder.

Der gefährliche Zufall, welcher schwangern Personen in den ersten dreyen Monaten der Schwangerschaft begegnen kann, ist, wenn ihnen durch irgend einen Schrecken, Zorn, Fall, oder gewaltsamen Stoß, die Leibsfrucht mit vielem Blutverlust, Ohnmachten und dergleichen abgeht. Sobald sie diesen wirklichen Abgang verspühren, so ist kein anderer Rath übrig, als sie legen sich sogleich zu Bette und verhalten sich einige Tage so ruhig als möglich. Vernachlässigen sie dieses ruhige Verhalten, so können sie leicht in eine gefährliche Entkräftung und tödtliche Auszehrung verfallen. Die starke Verblutung kommt in den Zwischenräumen mit heftigen Schmerzen wieder, und dauert gemeiniglich so lange, bis die Frucht, und das sie umgebende Häutlein, mit abgegangen ist. Frisches Lein- oder Baumöhl, wenn man kein gutes Mandelöhl bekommen kann, täglich ein paar Eßlöffel voll genommen, und Thee von Chamillen und Melissen lauwarm darauf getrunken, lindert die mit diesem Uebel verbundene krampfhafte Schmerzen ungemein, und befördert die nun nothwendig gewordene Reinigung. Dergleichen Personen müßen sich sorgfältig hüten, daß bey folgenden Schwangerschaften ihnen dergleichen nicht öfter wiederfahre, sonsten ist es um sie gethan.

Gesunde und dabey vollblütige Schwangere können in der Hälfte und zu Ende ihrer Schwangerschaft mässig zur Aderlassen; dieses ist ihnen heilsam, besonders jenen Personen die mit sogenannten Kindsfüßen, wo die Adern an den Füßen während der Schwangerschaft ungewöhnlich auflaufen, behaftet sind. Wenns aber nicht Vollblütigkeit erfordert, dies muß ein geschickter Arzt entscheiden, so ist das Aderlaßen einer Schwangern schädlich.

Sehr gut wäre es, wenn schwangere Personen sich einige Tage vor ihrer Niederkunft zuweilen Klistire von Chamillenoel, und ein wenig Salz setzen lassen, oder sich doch wenigstens des Weinsteinrahms als eines gelinden Abführmittels bedienen wollten; sie würden dadurch nicht nur die wilden Wehen, die gar zu oft Ursache schwerer Geburten werden, verhüten, sondern sich auch eine leichtere Geburt verschaffen, und dem Kindbetterfriesel, so wie andern Zufällen, weniger ausgesetzt seyn. Vernünftige Frauen, welche diesem gutgemeinten Rathe folgen, werden sich dabey zuverläßig wohl befinden.

Neu oder frisch Entbundene müssen sich als stark verwundete betrachten, und bey leichter Diät sich ruhig halten und im Bette bleiben: sie müssen weder durch heisses Essen noch Trinken ihr Blut in Wallung setzen, am allerwenigsten aber ihre Suppen und Brühen durch Hinzuthun allerley hitziger Gewürze vergiften lassen. Folgen sie dieser Vorschrift nicht, so werden sie sich gefährliche Verblutung, Entkräftung und Auszehrung zuziehen. Unverdauliche Nahrungsmittel, als Fleischspeisen, Knödeln, Lebzeltenmus und dergleichen Zeugs, womit man die armen Kindbetterinnen zu laben und zu stärken glaubt, sind wahre Mordmittel, indem sie zu gefährlichen Entzündungen Anlaß geben.

Gesunde Mütter, die hinlänglich mit Milch versehen sind, sollen ihre Kinder selbsten säugen, dadurch ihre Pflicht erfüllen, und allen Folgen der Milchversetzung und der daraus entstehenden bösen Brüste vorbeugen. Sie müßen sich aber auch für Schrecken, Zorn, und allen Leidenschaften hüten, die das Blut aufjagen und erhitzen, und ihnen und ihren armen Säuglingen Wehetage und Krankheiten bereiten.

Neugeborne kommen manchmal schwach und todscheinend, blau und entkräftet auf die Welt, geben auch wenige Merkmale des Lebens von sich; sie sind aber deswegen nicht todt, sondern es ist nur zuweilen die verzögerte Geburt und die dadurch gehemmte oder langsamere Bewegung des Herzens und der träge Umlauf des Geblüts daran Schuld. Es ist deswegen sehr rathsam, daß man solche Kinder, die bey der Geburt im Gesichte schwarzblau sind, nicht gleich an der Nabelschnur unterbindet, sondern einige Minuten abwartet: ob nicht durch den Kreisumlauf des Geblüts zwischen Mutter und Kind, das stockende Geblüt in frischen und bessern Umlauf gebracht werde. Geschieht dieses nicht, so schneidet man die Sehne wie gewöhnlich entzwey, und läßt ein paar Löffel voll Bluts, aus dem Theil, der an des Kindes Nabel sitzt, weglaufen. Nun unterbindet man die Nabelschnur vorsichtig, setzt das Kind in ein warmes aber nicht heisses Bad, reibt es an den innern Theilen der Hände und auf den Fußsohlen, wie auch am Rücken mit einer zarten Bürste unausgesetzt fort, bis man sieht, daß das Kind eine lebhafte Farbe bekommt und zu schreyen beginnt.

Bey andern schwachgebornen und todtscheinenden Kindern, wenn nicht schon offenbare Fäulniß vorhanden ist, verfährt man eben so, nur daß noch mehrere Beyhülfe muß angewendet werden. Auser dem anhaltenden Bürsten haucht man sie öfters durch zerbissene und im Munde behaltene Gewürznelken an, legt warme Weinüberschläge auf die Gegend des Herzens und auf den Kopf. Man läßt ihnen bey zugehaltener Nase sachte den Athem in den Mund, und drücket oder streicht vielmehr von der Brust nach dem Unterleib zu. Man saugt ihnen an der linken Brustwarze, und bläßt ihnen durch einen Federkiel Luft in den Mastdarm. Wenn man sie aus dem Bade nimmt, legt man sie in ein vorher schon erwärmtes Bette, und fährt mit Reiben und Bürsten unermüdet Stunden lang fort. Man kann ihnen auch einen angebissenen frischen Zwiebel unter die Nase halten.

Neugeborne Kinder brauchen keine andere Nahrung als Muttermilch; diese nährt sie nicht allein vollkommen, sondern reinigt sie auch von dem aus Mutterleibe in den Gedärmen mitgebrachten Unrath, den man Kindspech nennet. Können Mütter ihre Kinder aus Mangel an Milch oder Schwächlichkeit nicht an die Brust legen, so muß man den Kindern Manna und Rhabarbersaft mit einem Theelöffel so lange geben, bis das schwarze Kindspech abgeführt worden ist, welches sonst die Grundlage zu mancherley Krankheiten wird. Wenn die Mutter hinlänglich mit Milch versehen ist, so braucht das Kind die ersten acht Tage sonst keine Nahrung, indem man ihm nur den Magen überladen würde, wenn es sonst noch etwas bekäme. Nach einiger Zeit kann man den Kindern täglich ein paarmal gut ausgekochtes Kindermus oder Brey, aber ja nicht zu viel auf einmal, geben. Man muß kleine Kinder gleich anfangs gewöhnen, daß sie zur ordentlichen Zeit des Tags ihr Essen und Trinken bekommen, so ist man des Nachts nicht mit ihnen geplagt, und sie werden sich selbsten genau um diejenige Zeit melden, wo sie gewohnt sind gespeißt und getränkt zu werden.

Das stille Gefrais, wobey die Kinder im Schlafe die Augen verdrehen, lachen, erschrecken und ineinander fahren, entsteht manchmal von zu überhäuft gegebener Speise und Unverdaulichkeit, manchmal rührt es aber auch von andern Zufällen und einem schmerzhaften Reize in den Gedärmen her. Man kann den damit geplagten Kindern, mit einem Klistier von halb Milch und halb Wasser, nebst Oel und ein wenig Zucker, und darzwischen gegebenen Rhabarber- und Mannasäftlein die beste Linderung verschaffen.

Ueberhaupt aber schaffet bey jung und alten, bey geringen und bey reichen Personen, eine gute und zweckmässige Ordnung im Essen und Trinken, eine reinliche und vernünftige Lebensart, genaue Erfüllung der aufhabenden Pflichten, Ordnung und Lust zur Arbeit, Beherrschung der Begierden, früher Muth und ein gutes Gewissen – Gesundheit und ein langes, frohes Leben ! ! –

Dies sey genug und hinlänglich zu einem Arzneybuch für Menschen; nun wollen wir auch noch etwas weniges in Anbetracht der Vieharzneykunde sagen.

 << Kapitel 23  Kapitel 25 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.