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Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 21
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
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Von der Krätze.

Die Krätze ist eine Krankheit, welche sich durch Berührung angesteckter Personen, deren Kleider, aber nie durch die Luft mittheilt. Folglich kann man ihr sicher ausweichen, wenn man diese Ursachen der Ansteckung vermeidet.

Obschon alle Theile des Körpers davon angegriffen werden können, so zeigt sie sich gemeiniglich zuerst an den Händen, und hauptsächlich zwischen den Fingern. Anfänglich sieht man einige kleine Blattern, welche mit einer Art klaren Wassers angefüllt sind, und ein sehr beschwerliches Jucken erwecken. Im Anfange ist es schwer, die Krätze zu erkennen, wenn man sich nicht mit vielem Fleiß darauf gelegt hat; aber in der Folge vermehren und vergrößern sich die Blattern. Oefnet man sie durchs Kratzen, so setzen sich eckelhafte Rinden, und das Uebel breitet sich über den ganzen Körper aus. Wenn sie lange anhalten, so erzeugen sie kleine Geschwüre, und sind zu der Zeit sehr ansteckend.

Eine schlechte Lebensordnung, insonderheit der Misbrauch gesalzener Speisen, und unreifer Früchte, wie auch die Unreinlichkeit, verursachen dieses Uebel; inzwischen kommt es doch öfter von einer Ansteckung her.

Zeigt sich die Krätze bey einer Person, wo man nicht vermuthen kann, daß sie sie durch eine Ansteckung bekommen habe, so muß man die Kur mit einer gänzlichen Enthaltung von allen gesalzenen, fetten und gewürzten Sachen anfangen. Man läßt eine Abkochung von der bittern Wegewartwurzel trinken, wovon man täglich fünf oder sechs Gläser zu sich nimmt; und nach vier oder fünf Tagen purgirt man mit zwey Loth Sedlitzersalz. Man fährt in der Lebensordnung fort, purgirt nach sechs oder sieben Tagen wieder, und schmiert darauf alle kranken, und die denselben benachbarten Theile, des Morgens nüchtern, mit einem Viertel von der nachfolgenden Salbe:

Nimm zwey Loth zerstossenen Schwefel, ein Quintlein Ammoniaksalz, vier Loth frisches Schweinschmalz. Mische allles in einem steinernen Mörser sorgfältig durcheinander.

Den andern, dritten oder vierten Tag schmiert man von neuem und gebraucht darnach eine zwote Dose von der Salbe, womit man doch nur jeden andern Tag einmal schmieret.

Selten wiedersteht das Uebel diesen Mitteln; aber bisweilen kommt es wieder, in welchem Falle man wiederum purgiren, und zur obigen Salbe seine Zuflucht nehmen muß.

Hat man sich das Uebel durch Ansteckung zugezogen, so kann man, sobald man dasselbige merkt, ganz dreist die Salbe gebrauchen, ohne ein Purgirmittel vorhergehen zu lassen. Hingegen: wenn man das Uebel lange Zeit vernachläßiget hat, und es zu einem beträchtlichen Grad gestiegen ist, so muß man sich eine geraume Zeit an die vorgeschriebene Lebensordnung halten, zu wiederholten malen prugiren, und endlich reichlich von der nachstehenden Tisane trinken, ehe man zur Einreibung der Salbe schreitet.

Nimm sechs Loth von der großen Klettenwurzel; lasse sie eine halbe Stunde lang, mit einem halben Quintlein Salpeter, und einer Maaß Wasser kochen, hernach seige es durch.

In diesem Falle ist zum Einreiben nachstehende Salbe sehr nützlich:

Nimm zwey Loth wohl geläutertes Quecksilber; ein halbes Quintlein venetianischen Terpentin; vier Loth frisches Schweinschmalz. Mische alles wohl zu einer Salbe untereinander.

So lang man diese Arzneyen gebraucht, muß man die Kälte und Feuchtigkeit vermeiden, hauptsächlich, wenn man sich dieser Salbe bedient. Denn da zu derselbigen Quecksilber kommt, so könnte bey Vernachläßigung dieser Vorsicht ein Aufschwellen des Halses und des Zahnfleisches, und sogar ein Speichelfluß erfolgen. Diese Salbe hat vor der andern einen Vorzug, der darinn besteht, daß sie keinen Geruch hat, und daß man ihr sogar einen angenehmen Geruch geben kann; hingegen ist es sehr schwer, den unangenehmen Geruch der andern zu verbergen.

Man muß auch oft das Leinenzeug wechseln, aber nicht die Kleider; denn da die Kleider angesteckt worden, so könnte man die Krankheit wieder bekommen, wenn man nach der Genesung die während derselbigen getragenen Kleider wiederum anzöge.

Zu mehrerer Sicherheit kann man auch die Hemder, Hosen und Strümpfe mit Schwefel durchräuchern, ehe man sie anzieht. Aber dieses muß in freyer Luft geschehen.

Währet diese Krankheit sehr lange, so entkräftet sie den Kranken durch Schlaflosigkeit, und durch das immerwährende Jucken, wozu noch zuweilen ein Fieber kommt, er wird sehr mager, und verliert seine Kräfte.

In diesem Falle, muß man

1. ein gelindes Purgirmittel geben.

2. Einige lauwarme Bäder verordnen.

3. Vierzehen Tage lang, Abends und Morgens das nachstehende Pulver geben, und beynebens das Klettenwurzeldekockt trinken.

Nimm zwey Quintlein rohes Spiesglas, und eben so viel Salpeter, zerstosse es sorgfältig, mische es mit Fleiß untereinander, und theile es in acht gleiche Theile ab.

Einfache kalte Bäder im Flußwasser haben auch schon sehr oft hartnäckige Fälle dieser Krankheit gehoben.

Nichts aber unterhält die Krätze länger, als der Misbrauch des warmen Wassers.

Uebrigens muß man obige Salbe, oder die andern Mittel, welche die Krätze vertreiben, nie unvernünftiger Weise gebrauchen. Dann es giebt keine Krankheit, die man nicht durch die allzugeschwinde Heilung dieser Krankheit hat entstehen sehen, nachdem man nämlich äusserliche Mittel gebraucht, ehe man genugsam ausgeführet, und die Schärfe der Feuchtigkeiten ein wenig vermindert hat.

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