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Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 18
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
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Von der Kolik, von Unverdaulichkeit.

Hieher gehören alle Koliken, welche entstehen, entweder wenn mann allzuviel Nahrungsmittel auf einmal zu sich genommen hat; oder wenn sich mit der Länge der Zeit rohe Materien in dem Magen solcher Personen anhäufen, die nicht gut verdauen; oder wenn man schädliche Vermischungen machet, z. B. von sauren Sachen und Milch; oder wenn die Nahrungsmittel an sich ungesund, oder von schlechter Beschaffenheit sind.

Diese Gattung erkennet man, wenn eine von den vorstehenden Ursachen vorhergegangen; ferner an den Schmerzen, die mit vielem Uebelbefinden begleitet sind, stufenweise ankommen, und nicht so feste sitzen, als in den vorhergehenden Gattungen. Diese Koliken sind auch ohne Fieber, Hitze und Durst, aber mit einem Schwindel, Trieb zum Erbrechen, und mehr mit einer Bläße oder Röthe des Gesichts begleitet.

Sie sind niemals gefährlich, wenn man sie nur nicht durch eine übel verstandene Sorgfalt gefährlich macht. Das einzige, was zu thun ist, besteht darinn, daß man durch häufige laulichte Getränke die Ausleerungen befördert.

Es giebt verschiedene, die gleich gut sind:

1. Lauwarmes Wasser, entweder ganz ohne allen Zusatz, oder mit etwas Zucker, oder mit ein wenig Salz vermischt.

2. Ein schwacher Thee von Kamillen, Holderblüthe, oder Melissen; an der Wahl ist nicht viel gelegen, wenn man nur häufig trinkt. Alsdann leeren sich die schädlichen Materien, entweder durch ein Erbrechen, oder durch einen häufigen Durchfall aus; je geschwinder, und in je größerer Menge diese Ausleerungen geschehen, desto eher bekommt der Kranke Erleichterung.

3. Wenn der Unterleib sehr voll und verstopft ist, so muß man Klistiere von warmen Wasser und Salz beybringen.

4. Man erleichtert auch die Ausleerung der verstopften Materie, indem man mit warmen leinenen Tüchern den Unterleib stark reiben läßt.

Bisweilen schadet die Materie nicht so sehr durch ihre Menge als durch ihre Beschaffenheit; alsdann verschwindet das Uebel ohne Ausleerung, wenn diese scharfe reizende Materie durch viel Wasser verdünnet, oder so zu sagen, ganz ertränkt wird. Wenn die Schmerzen im Magen anfangen, so werden sie nicht lebhaft, und der Kranke fühlt weniger Beängstigung, sobald die Materie, welche die Schmerzen verursacht, aus dem Magen in die Gedärme gegangen, welche weniger Empfindlichkeit haben.

Sind nun diese reichliche Ausleerungen vorbey, und lassen die Schmerzen nach, so bleibt oft ein Geschmack wie von faulen Eyern im Munde zurück, welchen man mit einigen Dosen von dem präparirten Weinstein, und häufigen frischen Wasser vertreiben muß.

Das wesentlichste aber hiebey ist, daß man keine Nahrungsmittel zu sich nehme, bis man völlig besser ist.

Einige sind unsinnig genug, einem solchen Kranken Theriack, Aniswasser, Wacholderwasser, oder rothen Wein zu geben, um die Ausleerungen zu hemmen; aber nichts kann verderblicher und schädlicher seyn. Die Ausleerungen sind das einzige Mittel, den Kranken gesund zu machen; sie hemmen: ist eben so viel, als wenn man einem Menschen, der ins Wasser gefallen, das einzige Brett nehmen wollte, womit er sich noch retten konnte. Gesetzt aber, man erhielte seinen Zweck, so stürzt man den Kranken entweder in ein faules Fieber, oder in eine schleichende Krankheit; es sey dann, daß die weisere Natur die entgegen gesetzten Hindernisse überwindet, und nach einigen Tagen die Ausleerungen erneuert.

Manchmal hat man eine Unverdaulichkeit ohne sehr merkliche Kolikschmerzen, aber mit heftigen Reizungen zum Erbrechen, einer unaussprechlichen Bangigkeit, Ohnmachten und kalten Schweissen; oft fällt das Uebel, ohne andere vorhergegangene Zeichen, den Kranken plötzlich mit einer Ohnmacht an, er verliert den Gebrauch aller seiner Sinne; das Gesicht ist blaß und mager, er empfindet vielmehr ein Schluchsen, als Reitzungen zum Erbrechen. Dieses zugleich mit dem, daß der Puls nur klein ist, daß das Athemhohlen nicht beschweret wird, daß das Uebel unmittelbar nach einer Mahlzeit den ersten Angrif gethan hat, und daß man eine Spannung über den Magen fühlet, unterscheidet dies Uebel von einem wahren Schlagfluße. Wenn es diesen Grad erreichet, so tödtet es bisweilen in wenig Stunden.

In diesem Falle muß man den Anfang mit einem scharfen Klistier machen, worinn man Salz und Seife auflösen läßt. Nachher läßt man so viel gesalzenes Wasser, als möglich ist, trinken. Gemeiniglich fängt des Bewußtseyn an wieder zu kommen, so bald der Kranke angefangen hat, sich zu erbrechen.

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