Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Johann Georg Friedrich Jacobi >

Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 16
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
Schließen

Navigation:

Von der Entzündungskolik.

Die heftigste und gefährlichste Gattung von Kolik ist diejenige, welche von einer Entzündung des Magens oder der Gedärme herrühret.

Sie fängt meistens ohne Schauder, mit einem heftigen Schmerzen in dem Unterleibe an. Der Schmerz wird allmählig stärker, und der Puls geschwind und hart; der Kranke empfindet eine brennende Hitze in dem ganzen Unterleibe; bisweilen hat er einen wässerigten Durchlauf, ein andermal ist er vielmehr verstopft, und hat dabey Erbrechen, welches ein sehr schlimmes Zeichen ist; das Gesicht wird roth, und der Unterleib gespannt; man kann letzteren nicht berühren, ohne die Schmerzen des Kranken auf eine grausame Art zu vermehren, der auch, neben diesen Schmerzen, äuserst unruhig ist. Der Durst ist sehr groß, und nicht zu stillen; der Schmerz verbreitet sich oft bis in die Lenden, wo er sehr lebhaft ist. Das Wasser ist nicht häufig, und dabey brennend und roth. Der Kranke schläft keinen Augenblick, bisweilen phantasiert er ein wenig. Wenn das Uebel nicht gehemmt, oder gemäßiget wird, ehe die Schmerzen aufs höchste gestiegen, so fängt der Kranke nachher an, sich weniger zu beklagen; der Puls wird weniger stark, und weniger hart, aber geschwinder als vorhin; das Gesicht verliert etwas von seiner Röthe, wird bald darauf blaß, der Kranke verfällt in eine stille Phantasie, und verliert ganz und gar seine Kräfte, der ganze Körper wird kalt, es erfolgen Ohnmachten, und der Kranke stirbt.

Greift das Uebel den Magen an, so sind die Zufälle dieselbige; aber der Schmerz wird mehr nach oben zu, in der Gegend der Herzgrube, empfunden. Man bricht fast alles, was man zu sich nimmt, aus, die Bangigkeit ist erschrecklich, und die Phantasien kommen sehr geschwind. Diese Krankheit tödtet in sehr wenig Tagen.

Die einzige Heilungsart derselbigen ist:

1. Man Nimmt eine sehr starke Aderläße am Arm vor. Diese schwächt fast allemal die Wuth der Schmerzen, stillt das Erbrechen, und macht übrigens die andere Mittel wirksamer. Oft muß man sie in zwo Stunden nachher wiederholen.

2. Man setzt alle zwo Stunden, es mag ein Durchfall vorhanden seyn oder nicht, ein Klistier aus einem Dekockt von Käsepapeln und Oel, oder von Gersten und Oel zurecht gemacht.

3. Man läßt den Kranken eine große Menge Mandelmilch, oder eine Tisane von Pappelblüthen oder von Gersten, allemal laulicht trinken.

4. Muß man immerfort im lauwarmes Wasser eingetauchte flanellene Tücher auf den Unterleib legen, und mit denselbigen alle Stunden, ja wohl noch öfters, abwechseln; sie sind fast gleich trocken.

5. Wenn das Uebel hartnäckig ist, so setzt man den Kranken in ein lauwarmes Bad, welches die beßte Wirkung äußert.

Wenn die Krankheit vorbey ist, das heißt, wenn die Schmerzen vorüber sind, das Fieber aufhört, und der Kranke ein wenig Kräfte und Schlaf wieder bekommt, so ist es dienlich ihn zu reinigen, aber mit einem sehr gelinden Purgiermittel.

Vier Loth Manna und ein Quintlein Sedlitzersalz in einem Glase Molken aufgelöst, purgiren in diesem Zeitpunkte sehr wohl, auch so gar die stärksten und hartleibigsten Körper. Die Manna ist bey zarten Personen allein hinreichend, und alle scharfe Purgiermittel würden, wegen der großen Empfindlichkeit des Magens und der Gedärme, nach dieser Krankheit, sehr gefährlich seyn.

 << Kapitel 15  Kapitel 17 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.