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Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 14
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
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Vom Zahnwehe.

Die Zahnschmerzen sind bisweilen so anhaltend und heftig, daß sie Schlaflosigkeit, Fieber, Entzündung, Vereiterung, Geschwüre, Beinfraß, Zuckungen und Ohnmachten verursachen. Sie rühren von drey Hauptursachen her:

1) Vom Anfraß der Zähne. 2) Von der Entzündung des Zahnnervens, oder der Haut, welche die Zähne umgiebt. Die Folge davon ist Entzündung des Zahnfleisches. 3) von einem kalten Fluß, der sich nach diesen Theilen hinzieht.

In dem ersten Falle, wenn der Anfraß die Nerve entblöset hat, wird sie durch die Luft, die Nahrungsmittel, die Getränke, und durch die Feuchtigkeit des Beinfrasses selbst gereitzt, und diese Reizung erweckt mehr oder weniger heftige Schmerzen.

Alles, was die Bewegung vermehrt, nämlich die Leibesübung, die Wärme und das Essen kann eben diese Wirkung hervorbringen.

Wenn der Zahn äuserst verdorben oder hohl ist, so ist kein anderes Mittel, als daß man ihn ausreisse, widrigenfalls halten die Schmerzen an, der Athem wird stinken, das Zahnfleisch verliert sich, die übrigen Zähne und öfters auch der Kinbacksknochen, werden vom Beinfraße angegriffen. Ueber dies wird der Gebrauch der benachbarten Zähme dadurch gehindert, welche mit einer Rinde, wie Weinstein, bedeckt und verdorben werden.

Wenn das Uebel nicht so viel zu bedeuten hat, so kann man bisweilen den Fortgang desselbigen verhindern, wenn man den Zahn mit einem heissen Eisen brennt, oder, wo es möglich ist, mit Bley ausfüllet. Man bedienet sich sehr oft verschiedener scharfer Liqueurs, sogar des Scheidewassers und Vitriolspiritus; aber diese Mittel sind höchst gefährlich. Scheuet man sich für den oben gemeldeten Operationen, so kann man sich der Gewürznelkenessenz bedienen, Baumwolle darin tunken, und auf den Beinfraß legen; dies giebt oft zimlich lange Zeit Erleichterung. Ein Gurgeltrank von Gänserich, in Wasser gekocht, stillt oft die Schmerzen, die vom Anfraße herrühren.

Die zwote Ursache ist die Entzündung der Nerven in dem Innern des Zahns, oder der äußern Haut. Man erkennet sie an der Leibesbeschaffenheit, dem Alter, und der Lebensart des Kranken. Junge vollblütige Leute, die sich entweder durch Arbeit, oder durch Speisen und Getränke, oder durch vieles Nachtwachen, oder durch andere Unordnung heftig erhitzen, solche Leute, welche an einige, entweder natürliche oder künstliche, Blutflüße gewohnt gewesen, und sie nun nicht mehr haben, sind dazu vor andern geneigt.

Der Schmerz kommt gemeiniglich auf einmal und oft nach einer Erhitzung. Der Puls ist stark und voll, das Gesicht zimlich roth, der Mund überaus heiß, man hat oft ein starkes Fieber und heftige Kopfschmerzen, das Zahnfleisch wird entzündet, schwillt, und bisweilen kommt ein Geschwür. Zur andern Zeit zieht der Fluß nach den äußern Theilen hin, der Backen schwillt, und der Schmerz legt sich. Wenn der Backen schwillt, aber ohne Linderung des Schmerzens, so ist es nur eine Vermehrung, und keine wesentliche Veränderung des Uebels.

Diese Gattung muß man eben so wie eine Entzündungskrankheit behandeln, und zum Aderlassen seine Zuflucht nehmen. Dieses verschaft gemeiniglich sogleich Erleichterung, wenn man sie frühe genug vornimmt. Nach der Aderläße gurgelt man sich mit Gerstenwasser, Wasser und Milch, und legt erweichende Umschläge um den Backen. Wenn ein Geschwür erfolgt, so läßt man es reif werden, indem man fast beständig warme Milch oder in Milch gekochte Feigen im Munde hält. So bald es reif zu seyn scheint, so läßt man es öfnen; Dies ist leicht und nicht schmerzhaft. Bisweilen ist das Uebel nicht so heftig, ob es gleich von dieser Ursache herrühret, aber es dauret sehr lange, und kommt wieder, so bald man sich erhitzet hat, im Bette liegt, warme Speisen und Getränke zu sich nimmt. Man muß in diesem Falle eine Ader öfnen, widrigenfalls sind die übrigen Arzneymittel unnütz, und einige Abende nacheinander laulichte Fußbäder und eine Dose von dem nachfolgenden Pulver gebrauchen:

Nimm zwey Loth Salpeter, und ein Loth Weinsteinrahm, theile es in sechszehen gleiche Theile ab.

Die gänzliche Enthaltung vom Fleisch und allen hitzigen Getränken, hauptsächlich des Abends, hat schon viele von sehr hartnäckigen Zahnschmerzen befreyet.

Entstehen endlich die Zahnschmerzen von einem kalten Fluß, der sich nach diesen Theilen hinziehet, so ist es gemeiniglich, ob gleich eben so schmerzhaft, doch mit weniger heftigen Zufällen begleitet. Der Puls ist weder stark, noch voll, noch geschwinde; der Mund ist nicht so heiß, und weniger geschwollen. In diesen Fällen muß man mit dem nachfolgenden Pulver den Kranken reinigen; dies heilet bisweilen sehr tief eingewurzelte Uebel von Grund aus.

Laxierpulver.

Nimm gepulverte Jalappe, Senesblätter, und präparirten Weinstein, von jedem 30 Gran, mische alles wohl untereinander, und nimm es auf einmal ein.

Hiernächst kann man folgende Hilztisane gebrauchen.

Holztisane.

China- und Sassaparillwurzel von jeder drey Loth; Sassafras, und Guajakholz, von jedem zwey Loth. Zerhacke alles klein, thue es in ein irdenes glasiertes Gefäß, gieße fünf Quartl oder Schoppen siedendes Wasser darauf, laße es eine Stunde lang gelinde kochen, und seige es hernach durch ein leinenes Tuch.

Diese Holztisane hat schon oft Zahnschmerzen geheilet, die, verschiedene Jahre lang, andern Kuren nicht gewichen waren, doch würde sie in der andern Gattung schädlich seyn.

Blasenpflaster im Nacken, hinter den Ohren, haben oft eine sehr gute Wirkung gehabt, die Feuchtigkeiten abgeleitet, und die Ausdünstung wieder hergestellt. Zuletzt kann man in dieser Gattung Zahnweh mit dem besten Erfolgen, hauptsächlich nach der Ausreinigung des Körpers, Storaxpillen und Theriack gebrauchen. Scharfe Mittel z. B. Rauchtaback und Bertramwurzel, befördern den Speichelfluß, leeren einen Theil der Feuchtigkeit, die die Krankheit verursachet, aus, und vermindern den Schmerz. Das Tabackrauchen hilft auch zuweilen in dieser Art, theils weil es den Speichelfluß befördert, theils weil es etwas schmerzstillendes, den Kräften des Opiums ähnliches, an sich hat.

Da diese letzte Ursache oft die Wirkung eines schwachen Magens ist, so sieht man täglich welche, deren Uebel sich vermehret, je nachdem sie kühlende Sachen zu sich nehmen. Die Vermehrung des Uebels macht, daß sie die Dose des Mittels verdoppeln, und die Schmerzen nehmen in eben diesem Verhältniße zu. Man muß diese Verfahrungsart nothwendig verlassen, hingegen Magen stärkende und die Ausdünstung wieder herstellende Mittel gebrauchen. Folgendes Pulver hat oft vortrefliche Wirkung gethan; insonderheit vertreibt es unfehlbar und sehr geschwinde diejenigen Zahnschmerzen, welche sich periodisch zu gewissen Tagen und Stunden einstellen.

Nimm von dem besten Fieberrindenpulver zwey Loth, theile es in acht gleiche Theile ab, und nimm des Tags dreymal einen Theil.

Außer den Zahnschmerzen, welche von diesen angezeigten drey Hauptursachen herrühren, und die häufigsten sind, giebt es noch eine sehr langwierigige und grausame Art derselben. Diese werden durch eine allgemeine Schärfe des Geblüts verursacht, und nur durch solche Mittel kuriret, welche diese Schärfe verbessern können. Dieses Uebel ist langwierig, und man hat also Zeit, einen Arzt um Rath zu fragen.

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