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Arzneybüchlein für Menschen und Vieh

Johann Georg Friedrich Jacobi: Arzneybüchlein für Menschen und Vieh - Kapitel 11
Quellenangabe
authorJohann Georg Friedrich Jacobi
titleArzneybüchlein für Menschen und Vieh
publisherVerlag des Unterricht- Noth- und Hülfsbüchleins
year1791
correctorreuters@abc.de
senderPamela Kröhl
created20170721
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Von der Lungensucht.

Da diese Krankheit, wenn sie nur etwas überhand genommen hat, sehr schwer, und fast gar nicht, geheilt werden kann; so wäre sehr zu wünschen, daß diejenigen, die aus einer natürlichen Bauart ihres Körpers bald lungensüchtig werden können, durch eine ordentliche Lebensart dieses Uebel von sich abwendeten.

Die anfangende Lungensucht erkennt man an folgenden Zeichen: Solche Personen werden mager, sie haben unruhigen und wenigen Schlaf, dagegen mehr Neigung zum Wachen, sie schwitzen leicht des Nachts, sie haben einen mehr oder weniger heftigen trockenen Husten, der nach verrichteten Bewegungen stärker wird, überlaufende Hitze und rothe Backen, sonderlich nach dem Essen, einen starken Puls, Wärme in der Brust, mehr oder weniger kurzen Athem.

Dieser Zustand, der gleichsam der erste Grad einer langsamen Entzündung ist, oder von einigen Erhärtungen der Lunge zeigt, kann unterschiedene Jahre dauern, ohne in ein beträchtlicheres Uebel auszuarten, wenn man nicht mehr sehr jung ist, oder nicht ausschweifend und unordentlich lebt. Ja man hat manchmal lange Zeit dazwischen Ruhe. Die Pazienten befinden sich öfters einige Monate sehr wohl; es stoßen ihnen darauf dieselben kleinen Uebel wieder zu, und diese Abwechslung dauert so lange, bis man den Grund des Uebels hebt, oder bis solches weiter um sich greift, und eine völlige Schwindsucht macht.

Viele aber erhalten sich durch eine gute Diät in einem gewissen mittlern Zustande, wo sie weder recht gesund noch recht krank sind, bis in ein hohes Alter, nachdem sie ihre ganze Lebenszeit über gehustet haben.

Die Lebenszeit für diejenigen, die entweder einen Hang zur Lungensucht, oder schon wirklich den Anfang dieser Krankheit haben, besteht in sorgfältiger Vermeidung alles dessen, was die Völlblütigkeit und Erhitzung des Bluts hervorbringt, damit nicht ein Blutspeyen oder Lungenentzündung oder Vereiterung geringer entzündet- oder verhärteter Theile der Lunge entstehe.

Sie müssen daher alle nahrhafte Speisen, die viel Blut machen, vermeiden, als das Fleisch, die Fleischbrühen, die Eyer, die Nüsse und Kuchen oder Krapfen. Sie müssen nur immer sehr wenig Fleisch essen, und auch zuweilen etwas Milch genießen. Aber die beständige Milchnahrung ist hier sehr schädlich. Sie müssen sich vor dem Genuße aller Gewürze, oder hitziger Biere, hitziger Weine, gesalzener Speisen, scharfer Speisen, sauerer Weine und sauerer Früchte, welche die Brust angreifen, und den Husten verstärken, hüten. Bey den schwachen Dauungskräften schaden auch alle schwer verdauliche und grobe Speisen. Daneben müssen sie alle warme Getränke, die angreifenden und heftigen Bewegungen des Körpers, das Schreien, die starken Gemüthsaffekten, das Nachtschwärmen, und den Beyschlaf, meiden.

Sie müssen nichts anders genießen, als was nicht viel Blut giebt, was den Körper zwar bey Kräften erhält, aber nicht sehr nähret, nicht das Blut erhitzet, was die straffen Fasern geschmeidig macht, sie aber nicht zu sehr erweichet, und erschlappet, und endlich das, was die hitzige und scharfe Eigenschaft des Bluts temperiret, ohne die Masse des Bluts zu sehr zu verdünnen. Dergleichen sind nun gebratenes Fleisch, wie auch diejenigen Fische, die ein trockenes Fleisch haben, und mit einer säuerlichen Brühe zugerichtet sind; Spinat, Sauerampfer, Körbel, gekochter Salat, rothe Rüben, Möhrrüben, junge Erbsen, Habergrütz, Reiß, Gries, Hirse, und alles frische, gekochte Obst.

Zum Getränke Wasser, dünnes Bier, Gerstenwasser, Habertrank.

Ist der trockene schwindsüchtige Husten zu heftig, und führet ein Brennen und Kützeln auf der Brust mit sich, so lindern ihn der Gelb- oder Mohrrübensaft, Steckrübensaft, desgleichen der Gerstenzucker, Rosenzucker, und Zuckerkant, allein und in den Getränken.

Gelbrübensaft.

Koche die geschabten und gewaschenen frischen Möhr- oder gelben Rüben in einer gehörigen Menge Wasser, bis sie recht lind sind, alsdann gieße das Wasser ab; hierauf drucke den Saft aus den gekochten Mohrrüben durch ein Tuch stark aus, und koche diesen ausgepreßten Saft bis zur Dicke des Honigs ein. Er sieht schwarzbraun, und fast wie Syrup aus, und schmeckt sehr angenehm süß.

Man ißt ihn auf Brod, oder nimmt davon des Tages einigemal einen Eßlöffel voll.

Steckrübensaft.

Nimm eine beliebige Menge Steckrüben, schabe sie, und schneide sie in Scheibchen. Diese thue in einen irdenen Topf, der mit Teig wohl verschmieret worden. Setze solchen in den Backofen, nachdem das Brod herausgenommen worden; laß ihn zwölf bis vierzehn Stunden darinn stehen, hernach gieße den Saft ab, der sich auf dem Boden des Gefäßes findet, und zu acht Loth von diesem Safte thue zwey Loth pulverisirten Zuckerkandel.

Die Dosis ist ein Eßlöffel voll, entweder allein, oder mit einem Glase Tisane oder bloßen Wasser vermischt, des Tages einigemal.

In der wirklichen Schwindsucht, das ist, in derjenigen Lungensucht, wo Eiter ausgeworfen wird, richtet man sich mit der Diät nach den Verdauungskräften und den möglich zu machenden Leibesbewegungen des Kranken, wie auch nach der verschiedenen Heftigkeit des Fiebers. Hier sind nun verschiedene Grade; allein nur die ersten Grade dieser Krankheit sind es, die sich bezwingen lassen. Wenn ein kleines Geschwür in der Lunge ist, der Kranke noch ziemliche Kräfte zu mäßigen Leibesbewegungen hat, noch zimlich verdauet, kein starkes Fieber und mäßigen Schweiß hat, so kann oft noch viel mit den wohl gewählten Nahrungsmitteln ausgerichtet werden. Ja sie helfen unter keinen andern Bedingungen, und alles Gute, was den folgenden diätetischen Mitteln mit dem Größten Rechte zugeeignet wird, bezieht sich bloß auf diese ersten Grade der Schwindsucht. Wenn aber das Geschwür um sich gegriffen hat, wenn das Fieber und die Schweiße stark, und die Kräfte fast erschöpft sind, so ist eine gründliche Heilung äußerst rar, und man kann in den mehresten Fällen höchstens durch milde Nahrungsmittel das Leben auf einige Zeit verlängern.

Im geringen Uebel und bey noch vorhandenen zimlichen Verdauungskräften kann der Kranke einige feste Speisen genießen. Man richtet aber seine Kost einförmig ein, und läßt ihn sorgfältig die Vermischung der widrigen Dinge meiden. Daneben braucht er vorzüglich solche Nahrungsmittel, welche die Schärfe des Eiters stumpf machen, der Fäulniß widerstehen, das Geschwür reinigen und auf solche Weise das Geschwür heilen, das Fieber schwächen, und der Auszehrung Einhalt thun. Dergleichen Nahrungsmittel sind die Fleischbrühen, Milch, und Milchspeisen.

Frische geschälte Gurken oder Kukummern, Erdbeeren, Krebsbrühen und Froschbrühen, werden auch bekanntlich in der Lungensucht sehr gerühmt.

Nachfolgende Kräuterbutter kann ich gleichfalls nicht genug anrühmen.

Kräuterbutter.

Nimm drey gute Hände voll Weinraute und eben so viel Salbey, zerhacke beides klein, und thue es mit drei Quarteln süßen Rahm in ein steinernes Gefäß. Wenn es 24 Stunden gestanden, wird es gebuttert, und die Butter durch ein loses leinenes Tuch gepreßt, damit die Kräuter zurückbleiben. Hievon muß der Kranke ein Butterbrod essen, so oft ihn hungert; jedoch nicht eher andere Speisen genießen, bis die Butter verzehret ist, und kann er dabey die sonst gewöhnlichen Getränke trinken.

Durch dieses geringe Mittel sind schon verschiedene Schwindsüchtige beiderley Geschlechts, sowohl Alte als Junge glücklich kuriret worden.

Rockenmehl mit Butter, als ein Brey, ist ebenfalls ein bekanntes Mittel in der Lungensucht. Der Kranke genießt Morgens und Abends einen solchen mit Wasser gekochten Brey welcher eine gehörige dickliche Konsistenz haben, recht gut gekocht, und nicht mehlklümpricht seyn muß. Man übergießt diesen Brey reichlich mit frischer etwas braun gebratener Butter, und macht ihn mit Zucker süß.

Uebrigens ist eine gesunde Lust, gehörige Bewegung, und eine Diät, die hauptsächlich aus der Milch besteht, das einzige Verhalten, von welchem man sich in einer angehenden Schwindsucht Nutzen versprechen kann; und wenn der Kranke Stärke und Entschlossenheit genug besitzt, bey dieser Lebensart zu beharren, so wird er fast allemal wieder gesund werden.

Bey dieser Krankheit gebrauchen viele Leute auch sonst noch gerne das eckelhafte Hundsfett, den Wallrat u. d. g. wofür recht sehr muß gewarnet werden, weil diese Dinge die ohnehin schwachen Verdaungswege noch mehr schwächen und verderben.

In den Sommermonaten ist frische Rühr- oder Buttermilch den Schwindsüchtigen Personen ebenfalls sehr dienlich.

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