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Aphoristisches

Jean Paul Richter: Aphoristisches - Kapitel 4
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleVergessene Schriften
authorJean Paul
year1921
publisherRösl & Cie.
addressMünchen
titleAphoristisches
pages13
created20120324
sendergerd.bouillon@t-online.de
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3. Das Ich gegen das Du.

Wieviel das Ich von seinem Innersten dem Du schuldig ist, stellen vorzüglich zwei Erfahrungen dar. Der harte Eisschauder, womit uns in der Einsamkeit eine vermeintliche Geistererscheinung mit dem kalten Ringen einer Riesenschlange umflicht und erstickt, löst sich zum Teil in warmes Leben auf, sobald nur ein einziger Mensch, welcher doch nichts könnte als höchstens dem Sterben zusehen, neben uns steht und uns 126 durch bloße Gegenwart mit Leben wärmt. Daher schon vor einem sogar fernen Menschenlaute der Geisterschauder so verschwindet, wie nach der Sage vor dem eigenen Worte ein gehobener Geisterschatz. – Eine zweite Erscheinung ist: Schwerlich geht ein tadelloser Mann (er müßte denn einen dreifachen Panzer anhaben) durch den Feuerregen einer ihn verachtenden, aushöhnenden Menge ohne Brandschmerzen der Ehre und Selbstachtung hindurch, wenn ihn kein Freund begleitet, welcher gleichsam sein zweites Selbstbewußtsein vorstellt. Aber an der Hand eines einzigen ihn ehrenden Menschen trotzt derselbe Mann dem Gelächter eines Volkes. So wurde dem erhabenen Sokrates das Aufstehen unter Aristophanes Wolken, welche dadurch für ihn nur als Staubwolken seines Triumphwagens aufstiegen, vielleicht durch die Nähe seiner Verehrer mehr erleichtert, als seine Kraft bedurfte. 127

 

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