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Aphorismen

Emil Gött: Aphorismen - Kapitel 9
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleAphorismen
pages68
created20120214
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zwischen entweder–oder steht, was wir in der Hitze des Gefechts übersehen; es gibt mindestens noch ein ›keins von beiden‹.

 


 

Eine Erkenntnis geht manchmal über uns nieder wie ein Wolkenbruch über einer Landschaft – man erkennt sie nachher nicht wieder.

 


 

In einem Größern aufgehen ist kein Untergang, sondern, was das Wort sagt, Aufgang.

 


 

Ihr findet diesen Geist unverständlich und ungenießbar und lehnt ihn ab? Ihr seht nicht, daß er ein Brunnenmacher ist, daß er eben erst seinen Brunnen erbohrt, und darum seine Wasser trübe springen.

 


 

Leute, denen nie ein eigener Gedanke urgezeugt entsprang, rechnen den fruchtbarsten Geistern die Herkunft ihrer Lehre nach. Wie sollten sie auch wissen, die Immerdürren, daß ein Schoß, der auch nur einmal glücklich geboren, immergrün von neuen Geburten strotzt.

 


 

Du brauchst nichts zu bedauern, was du nicht verstehst. Und was du verstehst, wirst du nicht bedauern. Durch Bedauern trägst du dich in eine fremde Sache.

 


 

Selbsterkenntnis – ist unser Maß für unser Weltverständnis.

 


 

Ich war besser, als ich noch unbefangen in der Pfütze tummelte; seit ich im Äther leben will, bin ich immer befleckt.

 


 

Bin ich nicht ein Zurückkommender, ein Revenant, ein Gespenst? Sind Gespenster nicht schreckhaft? – Bin ich nicht ein mehr als einmal Zurückkommender? Muß ich nicht schreckhafter sein als ein Gespenst?

 


 

Hier – vor die Entscheidung gestellt, ob er mittun will oder nicht – heißt die Rede: Ja und Nein. Das Äußerste an Ausflucht, das ihm gegönnt sei, ist: »Einen Augenblick Geduld, großer Geist, bis ich mich beisammen habe, und stark genug bin, meine Rolle im herben Spiele zu übernehmen.«

 


 

Einen Tribut zollen wir der Menschlichkeit auch dadurch, daß wir alles Gute, Schöne, Glückliche an uns erst auf mühsamen Umwegen und durch allerlei unsinniges Gestrüpp erreichen. Auf den leichten Füßen der Göttlichkeit ergehen wir sündhaft weniges.

 


 

Die Selbstachtung ist kein Orden, den man in Schachtel und Schublade verwahren und bei jeder schicklichen Gelegenheit in untadligem Glanze wieder anlegen kann, sondern eine gewuchtige Rüstung, die getragen werden und beständig in Arbeit und Gebrauch sein muß.

 


 

Wie mancher hat erst die hohe Meinung von sich abzulegen, um sich, nach einem schmerzhaften Intermezzo der Selbstverachtung, wahrhaft achten zu lernen.

 


 

Ehrgeiz – kann das nicht eine Form sich eingestandener eigener Wertlosigkeit sein? Selbstgefühl und Tatenlust ohne Ehrgeiz, Sattheit in sich – welch eine große Sache!

 


 

Das Höchste, das du einmal von dir gedacht, ist die Höhe, zu der du immer wieder hinan mußt.

Gutsein ist eigentlich das Wenigste, was wir von uns verlangen können. Es ist nur eine Verfassung, eine Grundstimmung zu dem Leben, das wir durch Guttun zu errichten hätten. Wenn ich nur gut bin, können mich noch die Läuse fressen. Geschehen wird nichts. Handeln bestimmt unsern Charakter und unsern Wert.

 


 

Geh du vernunftwärts, mich laß triebwärts gehen!

 


 

Merke: die Frage nach dem Zweck ist die Frage nach dem Ende des Unendlichen!

 


 

Nicht die Vernunft – der Verstand ist der Feind der Unschuld an den Dingen.

Das ist Geschmacksache, meinst du? Aber Geschmack ist – Vernunftsache.

 


 

Der gesunde Naturverstand (Weltverstand) ist das höhere Stockwerk des gesunden Menschenverstandes.

 


 

Auch die Schwachsichtigkeit, sieht sie durch Mikroskop und Tubus, nennt sich Wissenschaft.

 


 

Wie vieles erklären wir für Unsinn, wovon und wofür nur uns der Sinn abgeht!

 


 

Es gibt genug Leute, die bezweifeln, daß Cajus ein Mensch sei und sterben müsse; wenigstens tun sie, wie aus allen Himmeln gefallen, wenn er stirbt.

 


 

Die Bildung der kleinsten neuen Gehirnwindung und Fältelung wird unter großen Wehen und Gefahren für die Wöchnerin erfolgen.

 


 

Unter den Herdentieren, die der Einzige verachtet, waren auch seine Eltern. Das dürfte zu denken geben.

 


 

Man kann sagen: durch die vegetative Fortpflanzung vermehrt sich eine Art, durch die geschlechtliche aber bildet sie sich zugleich um und entwickelt sich fort.

 


 

Ich glaube, die Menschen haben noch nicht gemerkt, daß besser auch ein Komparativ von schlecht sein kann. Gut duldet keinen, denn wenn etwas besser ist als das andere, so ist dies nicht gut, sondern schlechter. Ebenso braucht das Beste noch lange nicht gut zu sein. Gut ist eigentlich Positiv und Superlativ in einem. Etwas Gutes besser machen wollen, ist also ein Unding.

 


 

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