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Aphorismen

Emil Gött: Aphorismen - Kapitel 6
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleAphorismen
pages68
created20120214
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wie tief auch Lust und Leid gehen mögen, es ist doch nur Schaum des Lebens, den der Mensch mit flacher Schippe schöpft.

 


 

Glück kein Freibier.

 


 

Die Delikatessen unserer Schmerzen sind andern nicht zugänglich.

Sie sind unsere Labung und Stärkung, und machen uns das Schwerste erträglich und teuer, sind aber ein Tropfen, der verdunstet, wenn wir ihn mitteilen wollen, ein Funke, der verglüht, indem er springt.

 


 

Schlucken ist nicht schlingen; verschluckte Not ist nicht verschlungene Not. An verschluckten Nöten wird der Mensch zum Wiederkäuer.

 


 

Ein großer Schmerz desinfiziert unser Leben von vielen kleinen.

 


 

Mein Unglück kann sein, wie es will, mein Glück aber muß sein, wie ich es will.

 


 

Der elendeste Krüppel tanzt und fliegt noch in einem geträumten Jenseits von sich.

 


 

Das Maß von Kraft und Glück, mit dem ein Mensch irgendeinen geschaffenen Zustand erträgt, läßt genau erkennen, wie er den entgegengesetzten beherrschen würde.

 


 

Macht andauerndes Unglück, unablässiger Druck hart oder mürbe? – Ich glaube, es kommt auf die Haut an, ob sie schwielig oder wund wird.

 


 

Alles äugt sehnsüchtig nach den Schanzen, – aber niemand will die Gräben füllen.

 


 

Die Kriegsjahre zählen dem Soldaten doppelt – sollten die Leidensjahre dem Menschen weniger angerechnet werden?

 


 

Das Licht ist stärker als das Dunkel, das Glück mächtiger als das Leid: ein Sonnenstrahl macht schon die Welt erglänzen, aber es gehört eine furchtbare Macht dazu, um alles Licht auszulöschen.

 


 

Glück gibt es so wenig, als es einen blauen Himmel gibt. Aber es gibt ein Gefühl von jenem, wie einen Schein von diesem.

 


 

Das Glück tötet oder – stirbt.

 


 

Das Glück kommt manchmal auf scheuen Füßen – es muß erst sehen, ob der Platz rein und trocken, und – das Elend fort ist.

 


 

So lange du glaubst: jetzt ein Tröpfchen Glück und ein Strahl Liebe in und über mich, und mein Lenz muß anbrechen! – so lange ist es nichts damit. Erst wenn du es nicht mehr glaubst, dann ist die Stunde da, wo eine Schwalbe den Sommer bringt – oder auch der Sommer die Schwalbe.

Das wahre Glück kehrt erst ein, wenn das Elend schon geht, also wenn man es fast nicht mehr nötig hätte. Es liebt nicht die gierigen Augen und verlangenden Hände, lächelt aber gern und schön über nasse Wangen. Auch der Regenbogen schimmert erst nach dem Ungewitter.

 


 

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