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Aphorismen

Emil Gött: Aphorismen - Kapitel 4
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleAphorismen
pages68
created20120214
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Kuß des Weibes ist der Gruß des Lebens an die Eigenschaften, die es uns verliehen.

 


 

Nur auf der Woge der Frau bist du – flott.

 


 

Wenn wir unsre Weiber mehr Teufel sein ließen, wären sie engelhafter.

 


 

Die Wehen, die das Weib bei der Geburt des Kindes erduldet, muß der Mann in seiner eigenen durchmachen, auf daß – Mensch werde.

 


 

Schwache Männer verfallen dem Weibe, in dessen Auge sie ihr Verhängnis erblicken; sie nehmen eine Möglichkeit für eine Notwendigkeit.

 


 

Ich nehme an, daß Liebe die höchste Lust der Welt ist – dann muß aber sich verlieben die schmerzhafteste Entgleisung sein.

 


 

Nein, ich lebe nicht durch dich, aber ich habe an dir gelebt.

 


 

Eine ganze Liebe wiegt viele geteilte auf – aber nicht umgekehrt.

 


 

Menschen, die sich nicht haben können, dürfen sich in unserer Gesellschaftsordnung nichts sein. Das Zeitwort Mensch wird also mit haben konjugiert.

 


 

Ein Mann – kein Wort!

 


 

Der Mann muß ein Streben haben, wie es einem rechten Weibe auch gefallen kann, und dann das Weib finden, dem es gefällt.

 


 

Der Helmbusch ist der einzige Schmuck, der den Mann männlicher macht. – Auch das vollendete Weib ist schöner ohne Schmuck: es ist menschlicher! Geschmückt immer noch mehr – sächlich.

 


 

»Du mußt mich auch mit meinen Tugenden mögen«, sagte der Mann zu dem Weibkinde, das haben wollte, er solle es auch mit seinen Fehlern lieben.

 


 

Wenn zwei Menschenkinder, ich denke an Mann und Weib, sich einander nähern, und sie haben Ursache, »der Liebe Quell im Busen zu hemmen«, so öffnen sich die Schleusen ihres seelischen Wesens zur gegenseitigen kraftvollen Erkenntnis, Vermählung, Befruchtung, Steigerung.

 


 

Am Ende meines Strebens könnte meine göttliche Tat (oder Mittat) gewesen sein: dem Manne das Weib gleichgesellt zu haben.

 


 

Das Weib, das einen Mann erhört, ihm die Hand schenkt, – fällt. Sie verliert ihr Leben an einen Gatten, aber findet nicht ihren Mann.

 


 

Das Weib ist auch von einer Selbstlosigkeit, die manchmal erschreckt: es billigt am (geliebten) Manne Alles. Zuletzt dessen Weibesverachtung.

 


 

In jeder Frau muß etwas stecken, was sie mit der Verlorensten gemein hat: die Möglichkeit verloren zu gehen; sonst wäre ja auch diese nicht verloren gegangen. Und wie viele, die sich vor einer Dirne bekreuzen, sind verloren an ihre Männer. Nur Furcht ist möglich und Erbarmen, keine Verachtung.

 


 

Übertriff einen Mann, er wird dich beneiden oder bewundern, sogar lieben, wenn er Herz genug hat; übertriff aber eine Frau, und sei's nur im Anzuge, und sie wird dich hassen.

 


 

Du glaubst diese Frau beruhigt zu haben, indem du sie aufklärtest: du hast aber nur ihren Wurm genährt. An seinen Bissen wirst du spüren, daß er eine Schlange geworden ist.

 


 

Wenn ein Ding in der Welt immer recht hat, ist es das Mißtrauen einer Frau gegen einen Mann; er mag sich bezwingen, aber auf dem Grund seiner Seele dunkelt und funkelt es.

 


 

Eine Frau muß sein wie gutes Brot, das man jeden Tag und das ganze Leben essen kann, ohne es überdrüssig zu werden.

 


 

Das Weib soll dem Manne keine Schwinge sein (ohne die er flügellos wäre), sondern soll mit ihm fliegen können, und durch den rauschenden Mitflug den seinen höher locken und lustvoller machen.

 


 

Es gibt leise, feine ungeschlossene Ehen, deren Bruch unmöglich ist oder sich furchtbar rächt.

 


 

Ich glaube man muß den Menschen die Vielehe, die Unehe gestatten, damit der Mensch sich die Einehe, die Ehe züchte – als sein Recht, nicht seine Pflicht.

 


 

Wer ein Weib ansieht hat schon die Ehe – mit sich gebrochen. Wohl ihm!

 


 

Connubium! ist das ein Ehelatein! Die gegenseitige Umwölkung! Warum nicht Consolium, die Umsonnung, oder dreideutig: consolatio, worin man an die Sonne, an den Trost, und an solus cum sola denken könnte? Wäre das kein gutes Wort für Ehe? Im Ehelatein natürlich.

 


 

In einer Ehe ist es gleich schlimm, ob der eine Teil in einem Streckbett zerrissen, oder der andere in einem Zwangbett klein gemacht wird.

 


 

Wenn eine Liebe nicht täglich neu erweckt wird, schläft sie bald ganz ein. Man erweckt sie aber nur durch Liebenswürdigkeit, und diese erfordert Anstand, Anmut, Opfer – Anstrengung. Aber wie lassen sich unsre Eheleute gehn!

Die Ehe ist eine Wabe, der man mehr Honig zutragen muß, als man ihr entnimmt; sie sollte stets Vorrat enthalten, um für jede Bitterkeit des Lebens einen Tropfen hergeben zu können.

 


 

Die Heiligkeit der Ehe besteht vielleicht in diesem Zuge, daß sie den Edeln dahin bringt, sich mit einem Menschen zu »versöhnen«, und daher mit allen.

 


 

Indem es mir gelungen, zu einem Menschen – und da ich Mann bin muß es das Gegenwesen sein – in den höchsten und reinsten Bezug zu treten, heb ich alle, mit denen ich mich bis dahin herumzerrte, zu dieser Höhe und Reinheit. Diese Wirkung muß zugleich die Probe für jenes Glück sein: laß ich einen zurück, hält einer mich unten, bin ich noch nicht dort droben.

 


 

Ob nicht das Bild des Andern auf dem Grunde unseres Wesens der verlassene Gefährte unsrer hermaphroditischen Ei-Jugend ist, der auch erfüllt sein will?

 


 

Die Mütter wollen nicht, daß ihre Söhne für die Menschheit bluten. Und gar die Gattin tobt um ihren Mann, der sie für jene läßt – so ist der Mann des Menschen Mutter.

 


 

Wie die Mutter dem Kinde die Brust, so bietet das Weib dem Manne, sein Weib seinem Manne, die Kraft und Süßigkeit, die freudige Gläubigkeit ihres Lebens.

 


 

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