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Aphorismen

Emil Gött: Aphorismen - Kapitel 3
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleAphorismen
pages68
created20120214
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die ›Kunst, mit den Menschen nicht umzugehen‹, könnte auch noch geschrieben werden.

 


 

Wer Mensch anrührt, beunruhigt sich.

 


 

Menschlichkeit nimmt zum Wägen der Fehler des andern die eignen als Gewichte; das Zünglein der Verachtung steht dann still.

 


 

Ein König (im Reiche) der Menschlichkeit: seine Herrschaft spannend über das tiefste Leid und die höchste Lust – in seinem Reiche geht die Sonne nicht unter.

 


 

Man muß nicht zu geschwind recht haben wollen, sondern Geduld und Feinheit genug haben (oder erwerben), sein Recht im andern zu pflanzen. Wenn es da wächst, so ist es nicht mehr zu entwurzeln.

 


 

Wer zu uns kommt, droht uns zu nehmen; wer uns verläßt, gibt uns etwas oder viel zurück: uns selbst.

 


 

Da hab ich einen, der so innig an das Mitmenschentum glaubte, auf jeden Schimmer eines Auges, das Aufhorchen jedes Ohres, das Sinnen einer Stirne, den Schlag eines Herzens so hereinfiel, daß er das Fremden erst langsam und schmerzhaft zu lernen hatte.

 


 

Man muß einen Menschen oder einen Gedanken oder einen Glauben, den man besiegen kann, nicht ermorden; das Gemordete steht wieder auf.

 


 

Das Schweigen ist auch eine Sprache und eine höchst vollkommene, fein und reich gegliederte. Das merkt man am besten, wenn man mit Leuten zusammenkommt, mit denen man sich gründlich und über die heikelsten Dinge auszusprechen hätte, aber in stiller Übereinkunft es nicht tut.

 


 

Mancher scheint zärtlich und empfindsam, hat aber nur eine wehleidige Eigenliebe. Tauch einen Finger hinein und du wirst sofort auf den harten Untergrund stoßen. – Weich gegen sich, hart gegen andere, das hält sich die Wage. Überhaupt ist Empfindsamkeit (Sentimentalität) nur Vortäuschung der fehlenden Empfindung (des Sentiments).

 


 

Hart oder weich? – Nein: ich liebe die starke Hand, die weich zu greifen versteht; den elastischen Fuß des Athleten, der seinem Untermanne auf die Schulter zu springen vermag, ohne sie ihm einzutreten.

 


 

Das Zarte fürchtet immer unzart zu sein! Darunter kann die Ruhe, das Hauptbedürfnis eines schönen Verhältnisses, ebenso leiden, wie unter der Leidenschaftlichkeit.

 


 

Richtet euch – auf daß ihr andere richten dürft!

 


 

Ein unbändiger Stolz schützt vor kleinen Eitelkeiten; so gut wie tiefe Demut.

 


 

Es würde den Stolz von Vielen verletzen, wenn sie wüßten, daß sie uns nur als Schleifstein oder Schmirgel oder als das Klümpchen Eisen dienen, das man dem Magneten anhängt, wenn man ihn eigentlich nicht braucht.

 


 

Gold vermag nicht an Talmi, Talmi nicht an Gold zu glauben.

 


 

Die Plattheit behält immer Recht! (– dies entdeckte Emil Strauß.) Sie mag fallen, wie sie will, so liegt sie da und behauptet ihren Platz. Eine Feinheit rollt immer und zittert immer, zuletzt vor den eigenen Einwänden, und ganz zuletzt vor – Feinheit.

 


 

Mancher, der zu feig oder faul ist, uns ein Feind zu sein, wird unser Freund. Es ist die bequemste Art, uns zu drücken.

 


 

Freund kann ich nur sein einem Menschen von hohem Intellekt und dem leidenschaftlichen Willen zu dessen leidenschaftslosem Gebrauche.

 


 

Das höchste Vertrauen hat nicht der Freund, dem wir unsere tiefste Schmach, sondern der, dessen Auge wir unbefangen unsere letzte Schönheit zeigen.

 


 

Ich habe viele Menschen verloren, die noch leben, und diese machen mir Schmerzen und nicht, die mir gestorben sind.

Der Mensch, der mir entlebt,
      dem ich entlebe,
Der macht mir Schmerz,
      und nicht der mir entstirbt.

 


 

Jede der Idee Mensch zukommende Eigenschaft, die ein Mensch wirklich hat, und sie nicht bloß umlauert, umschwärmt oder kurz umgeht, gibt ihm etwas Übermenschliches, Göttliches – aber nur, weil es ihn wirklich menschlich macht. So stark ist dieses Menschliche.

 


 

Ich rief es gern in alle Winde: ein mutiger, starker, schöner Mensch ist herrlicher und göttlicher als ein Gotteskrüppel, der vom ewigen Auf und Nieder die kosmische Seekrankheit hat.

 


 

Bedeutende Menschen müssen immer »Zeitlose« sein. Ein trauriger Beweis dafür ist, daß sie auch meist erst nach ihrem Tode wirken. – Die Mitwelt ließ sie hungern, die Nachwelt hungert nach ihnen.

 


 

Es gibt Geister, die so weit ihrer Zeit vorauseilen, daß sie gleich jenem Schnelläufer im Märchen sich Gewichte an die Beine hängen müssen, um einigermaßen mit ihr leben zu können.

 


 

Ein Ungewöhnlicher braucht nur einmal gewöhnlich zu sein, gleich berufen sich alle Gewöhnlichen auf ihn.

 


 

Wieviel Schönheit muß ein Mensch entwickeln, um den vielen Schmutz, der von ihm trieft, erträglich zu machen und zu rechtfertigen. Wir teilen unsere Natur mit dem widerlichsten unserer Geschwistermenschen.

 


 

Welch ein Tyrann: es ist nicht ein Gedanke in ihm, dem der Mensch sich nicht zu schönster Erhebung unterwerfen könnte; jede Wehr gegen ihn macht elend.

 


 

Was der Mensch »über sich hinaus schuf« – ist schon der Geist. Der Geist des Menschen, der Geist der Menschheit, das ist der Übermensch.

 


 

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