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Aphorismen

Emil Gött: Aphorismen - Kapitel 15
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleAphorismen
pages68
created20120214
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Damit Kinderland werde, muß Vaterland sein.

 


 

Wie? Der Gedanke Vaterland sollte uns einengen und der höheren Weltbürgerschaft in der großen res intima humana entziehen? – Aber engt mich meine Haut ein, oder mein Wams, oder mein Haus, oder mein Dorf, und hindert mich am Entfalten meines Deutschtums? So wird auch wohl dieses mich nicht hindern können, der beste Bürger der Welt zu sein.

 


 

In Deutschland ist man charakterlos, wenn man von den Ereignissen lernt und sich nach ihnen wandelt.

 


 

Ich will nicht sagen, das und das Volk gehört totgeschlagen; ich weiß aber eins, das lebendig geschlagen werden muß – das deutsche.

 


 

Der Deutsche hatte noch nie einen guten Freund unter den Völkern; nun aber läuft er sogar Gefahr, auch seinen besten Feind zu verlieren, den Franzosen. Dieser läßt sich von seiner Musik durchweichen und trinkt schon sein Bier; wenn er es erst saufen gelernt hat, ist er für uns verloren.

 


 

Wenn Winkelried ein paar Speere weniger erwischt hätte, als zum Brechen der Gasse nötig waren, er hätte sicher seine Kritiker gefunden, – wenigstens in Deutschland.

 


 

Man spottet über den Eifer der Deutschen, ihren toten Größen Denkmäler zu setzen; aber man übersieht, daß der Kultus des Gewesenen das giftigste Mittel ist, das Zeitgenössische zu bedrücken. Liegt auch nicht Methode darin, so doch ein tüchtiger Instinkt.

 


 

Wenn der Papst der unanständige Gott oder Götze der Welt ist oder sein will, so wäre es eine Aufgabe für den Deutschen, den Kaiser voran, ihr anständiger Teufel zu werden.

 


 

Aut Caesar aut nihil – danach hätte Cäsar Borgia doch seinen Willen erreicht. Ein stolzeres Wort für den letzten Hauch eines entgleisten Cäsaren ist nicht denkbar.

 


 

Die Völker schauen in sehnsüchtiger Spannung vorwärts; ihre Fürsten – von den Priestern zu schweigen! – in krampfhafter Angst nach hinten. ›Traditionen aufrecht erhalten!‹ dies ist ihr Trost, daran klammert sich ihr Stolz. Aber – Traditionen schaffen! Wo ist der Stolz, dieser Mut?

 


 

Eine Verfassung ist wie ein Hufeisen, es muß nach sechs, acht Wochen wieder herunter, ersetzt oder neu aufgeschlagen werden; der lebende Huf überwächst es.

 


 

Alle Kultur wird einem gefährlich: dem Ungeziefer. Wir Modernen haben keine Ahnung mehr davon, was die Laus dem Mittelalter bedeutete. Die Romantik entsteht nur durch räumliche, zeitliche und – gründliche Entfernung des Beschauers von der Sache.

 


 

Mit jüdischem Geld und Blut läßt sich der abgewirtete Adel – Unadel! – infiltrieren; gegen den neuen Geist verschnürt er sich.

 


 

Historische Anrechte sind gewöhnlich historische Unrechte.

 


 

Mit den Orden ist es eine drollige Sache: die niedersten Auszeichnungen müssen am längsten und herbsten erdient werden; die höheren erfordern noch ziemlich viel sichtbare Eigenarbeit; die hohen rücken dann wie im Altersavancement von selber nach; die höchsten fallen in der Umgebung der Fürsten wie Redensarten, und die allerhöchsten – kriegt man schon in die Wiege gelegt.

 


 

In unserer Gesellschaftsordnung oder besser -unordnung bezahlt noch das Gute, Tüchtige, zu dem ich auch noch die reine Arbeit rechne, kurz das Gesunde, Höherkommende und -wollende, die Unkosten und Verluste des Lebens; ich denke eine Zukunft und sehe sie, wo man das Schlechte und Kranke, nicht mehr Höherkommende und -wollende, es bezahlen läßt. Dann: Heil dem Menschen!

 

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