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Aphorismen

Emil Gött: Aphorismen - Kapitel 14
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleAphorismen
pages68
created20120214
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Was du hast, hat auch dich, – was du willst, fängt an zu befehlen.

 


 

Fleiß und Bedürfnislosigkeit sind Vater und Mutter der Freiheit. Dabei darf der Vater ein fauler Lümmel sein, wenn nur die Mutter fleißig ist.

 


 

Nicht Bildung macht frei und nicht die Arbeit: wir sehen die Sklavenhorden und Herden in beiden Bezirken. Wohl aber kann man sagen: den Gebildeten könnte die Arbeit, den Arbeiter die Bildung frei machen.

 


 

Geld ist Fleiß und Schweiß, Wut und Blut – es ist eben so heilig wie schrecklich. Darum durchfließt es auch mit gewaltiger Kraft die Adern des Gesunden, aber verderbend die des Faulen.

 


 

Wohl umschränken uns die Verhältnisse mit Quadermauern; aber sieh erst zu, ob sie nicht auf Pappe gemalt sind, wie es den Kulissen eines beweglichen Theaters natürlich ist.

 


 

Dieser Mensch, hat er nicht eine Greishand? Es geht ihm aber damit wie dem Affen, der weder die volle Hand aus der Flasche ziehen, noch die erfaßte Beute fahren lassen kann. In hilfloser Wut steht er da, frei und doch gefangen.

 


 

Gewiß, der Reiche hat auch Sorgen wie der Arme; aber wenn ich wählen sollte, griffe ich doch nach denen des Reichen. Der Reiche hat nämlich die reiche Möglichkeit, sich sorgenlos zu machen; und wenn wir es ihn so wenig tun sehen, so liegt wahrlich die Schuld an seiner Armseligkeit, die es ihm unmöglich macht, eine Million mit Anstand zu tragen. Er hat seinen Schatz wie ein Dieb oder Bettler.

 


 

Was ihr greift, greift fest – mit leichter Hand, willig zum Loslassen in der Stunde des Abschieds.

 


 

Nicht bitten; es entwürdigt. Schenke und laß dir schenken; es wird ein seliges Nehmen sein.

 


 

Das Säen will eine offene Hand.

 


 

Wohltaten: Tropfen auf den heißen Stein – aber lassen wir sie tropfen.

 


 

Wir können einander deshalb so häufig mit dem besten Willen nicht helfen, weil es uns am guten fehlt.

 


 

Es müssen schon sehr redliche, köstlich einfältige und herrlich gute Leute sein, wenn die Mühe, die sie sich geben, uns tätlich zu danken, nicht die Freude an uns verringern soll.

 


 

Die bequemste Art, sich einer nichtgefühlten Dankverpflichtung zu entledigen, ist die gewürzte Überschwenglichkeit. Man überläßt damit dem andern, lächelnd das Übermaß abzuziehen, im Gefühl der Sicherheit, daß er im Kopfrechnen nicht so stark ist, um die Null herauszubekommen.

 


 

Es gibt in der Welt mehr Bienenväter, Katzenmütter und Hühnergeneräle, als Menschenväter, Menschenmütter und Menschengeneräle.

 


 

Eine merkwürdige Parallele zwischen Affe und Mensch fand ich im Brehm: Die Affen sind sehr mitleidiger Natur und äußern diese nicht nur ihren eigenen Kranken und Sterbenden gegenüber, sondern auch sehr rührend andern Tieren. Sie hätscheln, liebkosen und trösten sie bis zum letzten Atemzug und gebärden sich untröstlich, aber – sie geben ihnen nichts zu essen! In ihren Armen lassen sie sie verhungern.

 


 

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