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Aphorismen

Emil Gött: Aphorismen - Kapitel 12
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleAphorismen
pages68
created20120214
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Pfaffe in jedem Menschen – der vom andern all das fordert, was er selbst nicht leistet.

 


 

Duldung ist nicht genug, sondern zu wenig oder zu viel: entweder haben wir zu unterdrücken oder zu pflegen. Dulden ist eine Auskunft des Unentschiedenen, Feigen und Schwachen.

 


 

Duldung? Duldung! Was verlangt denn Duldung? Was über Besseres herrschen, Neues töten will.

 


 

Wer schimpft, hat Unrecht – mindestens im Ton.

 


 

Wer sich hinreißen läßt, verliert an Standpunkt und gibt noch Würde ab. Beides immer an einen Unwürdigen. Der seine Geist reizt nie so, daß er aufregt.

 


 

Alle Menschen begehen Torheiten und Schlechtigkeiten; aber sie scheiden sich in zwei Gruppen: die eine empfindet darüber Groll gegen sich, die andere gegen den, der es bemerkt.

 


 

Von zwei Narren hält der größere den kleineren für den größeren.

 


 

Wo die Narrheit Norm, ist die Vernunft Verrücktheit.

 


 

Manche eurer Mühen wird euch ebenso unerfindlich-unverständliche Quälerei sein, als einem Pferde das Pflügen des Ackers, auf dem sein Haber gebaut wird.

 


 

Dem spazierengehenden Auge ist's ein Hügel, dem Ochsen, der eine Fuhre Mist hinaufzuziehen hat, ein Berg.

 


 

Der Sporn gibt dem Rößlein keine Kraft, und der Haber treibt es nicht in die Schlacht.

 


 

Für alle Fehler, die der Fuhrmann macht, kriegt der Ochse die Prügel.

 


 

Wir gestehen lieber Laster ein als – Läuse.

 


 

Es ist rührend, wie unsere kleinen Laster die Nachbarn anheimeln.

 


 

Viele verlangen, daß wir um Entschuldigung bitten, wenn sie uns auf den Fuß treten, und empfinden es als ein erlittenes Unrecht, wenn sie uns ein Bein stellen und wir nicht drüber fallen.

 


 

Es ist sehr leicht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, das man mit andern treibt.

 


 

Gut auseinandersetzen hilft zum guten Zusammensitzen.

 


 

Keine Rache ist auch eine, und eine Rache ist manchmal barmherziger als keine. Jedenfalls, wer ohne Rache über den Beleidiger zu triumphieren weiß, ist ein fürchterlicher Sieger.

 


 

Wie du deine Knechte, ja überhaupt die Welt, das Leben behandeltest, wenn du ihr Herr wärst, darin liegt etwas Bestimmendes dafür, wie du von ihnen behandelt wirst.

 


 

In tausend Sklaven stecken 999 Sklavenhalter!

 


 

Zwei Geschlechter des Menschen. Das eine fragt, immer und überall: ›Nix zu handeln? nix zu handeln?‹ Das andere späht, immer und überall: ›Nichts zu bauen? nichts zu bauen?‹

 


 

Unterscheidung: Handwerker – Kopfwerker – Bauchwerker.

 


 

Was heißt Moral anders als: sich in einer Welt, in der man nicht allein ist, mit andern einzurichten wissen, die wir schließlich eben so sehr brauchen, als sie uns im Wege stehen.

 


 

Wie der Tod keinen Augenblick ohne das Leben, so kann auch umgekehrt nicht eine Erbsünde ohne eine gleichzeitig eben in ihr mitgeteilte, fortgepflanzte Erbtugend gedacht werden; damit ist jene aber in ähnlicher Bewegung aufgehoben, wie der Tod durch das Leben.

 


 

Moral – ein Wahn, ohne den aber zwei Menschen keine drei Schritte zusammenhalten.

 


 

Wie die Menschheit im allgemeinen den Alkohol der Stärke und dem Zucker vorzieht, so will sie auch geistig lieber erregt, berauscht und betäubt werden, als genährt.

 


 

Es gibt überall genug Kinder und Simpel, die schlechten Kuchen gutem Brot vorziehen, weil es Kuchen ist, aber auch da und dort Narren der Konsequenz und Protzen der Entsagung, die es umgekehrt machen: sie verschmähen guten Kuchen und greifen zu schlechtem Brot – auch weil jenes Kuchen ist.

 


 

Keiner will gesund leben, keiner gut sein – jener nur durch ein Wunder kuriert, dieser entsündigt werden.

 


 

Gesunde Menschen reden nicht von der Gesundheit und spüren keine Zugluft – außer als angenehme Kühlung. Ebenso reden moralische Leute nie von der Moral und wittern nicht überall Gefahr für sie. Anders kranke Menschen und faule Zeiten – sie gehen überhaupt nur mit ängstlich hochgeschlagenem Rockkragen. Sie sind empfindlich und wissen warum.

 


 

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