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Aphorismen

Emil Gött: Aphorismen - Kapitel 10
Quellenangabe
typeaphorism
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleAphorismen
pages68
created20120214
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Einem Philosophen. Als er seinen Wolkenkratzer bald unter Dach hatte, wankte er in seinen Fundamenten.

 


 

Ähnlich wie die kleinen Männer große schöne Weiber lieben und sich nicht schämen, sogar solche zu haben, so haben die schwächsten Naturen die stärksten Philosophien.

 


 

Schopenhauer und Nietzsche – natürliche Phasen der Menschheit, daher ihre Macht.

 


 

Dies ist die Arbeit des Pessimismus: er pulverisiert einen herrlichen Kristall und beweist aus der Wertlosigkeit der Stäubchen den Unwert des Ganzen. Er steht vor einer zertrümmerten Uhr, mancher sogar dummdreist vor einem Haufen Rädchen, Schräubchen, Plättchen usw., die der Zusammensetzung durch Meisterhand harren, und wimmert oder höhnt: und das will eine Uhr sein! – Nein, du Narr, du Simulant! Das eine war eine, und das andre wird eine.

 


 

Es hat sich mancher von Schopenhauer oder Tolstoi oder gleichen Geistern nicht verführen lassen – aber er hat auch von ihnen nichts gelernt. Die furchtbaren Gesichte, die jene geblendet, haben ihm nichts gezeigt.

 


 

Weininger sah mit den dämonisch gesteigerten Kräften eines Jünglingsauges, und was er sah, mit absoluter Richtigkeit. Aber diese absolute Richtigkeit ist nicht die absolute: es fehlt ihr die Relation! Die Relation zum Manne und die Relation zum Weibe. Sie ist nur die absolute Richtigkeit der Überjünglingssicht, der Jünglingsübersicht.

 


 

Die Unvernunft des Weltvorgangs ist höher als unsere Vernunft, umfaßt sie; die beste Arbeit unserer Vernunft ist die Dienstbarmachung kleiner Stücke der großen Unvernunft zu Zwecken des kleinen Lebens, das wir dem großen Zufall abgewinnen.

 


 

Alles Wissen zerfetzt die Welt; aber seine Summe, die Weisheit, setzt sie wieder zusammen. Die Wahrheitsprobe aller Philosophie wird die Wiederübereinstimmung mit dem Uranfänglichen sein.

 


 

Aus Platons Apologie sah ich so recht klar, daß der so viel gelästerte moderne Mensch doch gewaltig über den Griechen hinausgewachsen ist; er hat einen ganz andern Tastsinn für die Wahrheit; vor allem pfeift er auf alle Dialektik. Sophistik galt den Griechen für etwas Feines, wir legen einen starken Tadel hinein.

 


 

Mag die Beschränkung des Analogieschlusses auch logisch Richtigkeit haben, so bedeutet ihre Anwendung in der Praxis nur zu oft, dem aufdämmernden Verständnis gewaltsam einen Riegel vorschieben, statt es erwartungsvoll zu begrüßen und zu prüfen, was es bringt.

 


 

Die Majoritäts- wie die Durchschnittsrechnung liefert zu leicht falsche Ergebnisse. Die Norm darf nicht nach dem Gewöhnlichen (also nach der Majorität), gerechnet werden, sondern nach dem Typus. Als solcher muß aber die Erscheinung in ihrem höchsten Ausdruck gelten, wo sie selbstverständlich immer als Minorität dasteht. Aus diesem Gedankengang müßte sich auch der Amielsche Satz ergeben: die höhere Natur des Menschen ist seine eigentliche.

 


 

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