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Aphorismen

Oscar Wilde: Aphorismen - Kapitel 6
Quellenangabe
typeaphorism
authorOscar Wilde
titleAphorismen
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorFrank Thissen
year1987
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070906
projectid80d5d166
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Geschlecht und Mode

Weiblichkeit ist die Eigenschaft, die ich an Frauen am meisten schätze.

»Frauen werden stets wie ihre Mütter. Das ist ihre Tragödie.« »Und kein Mann wird so. Das ist seine.«

Frauen sind Gemälde. Männer sind Probleme. Wenn Sie wissen wollen, was eine Frau wirklich meint – was übrigens immer ein gefährliches Unternehmen ist –, sehen Sie sie an, und hören Sie ihr nicht zu.

Für den Philosophen

stellen die Frauen den Triumph der Materie über den Geist dar – so wie Männer den Triumph des Geistes über die Moral darstellen.

Die Geschichte der Frauen ist die Geschichte der übelsten Form von Tyrannei, die die Welt je gekannt hat. Die Tyrannei der Schwachen über die Starken. Es ist die einzige Tyrannei von Dauer.

»Arten von Frauen?«
»In der Gesellschaft nur zwei: Die farblosen und die interessanten.«

Frauen sind ein faszinierend eigenwilliges Geschlecht. Jede Frau ist eine Rebellin und gewöhnlich in wildem Aufruhr gegen sich selbst.

Die Frauen lieben uns wegen unserer Fehler. Wenn wir deren genügend haben, werden sie uns alles verzeihen, selbst unseren gigantischen Intellekt.

Frauen sollten mit Maßen denken, wie sie alles mit Maßen tun sollten.

Keine Frau sollte ein Gedächtnis haben. Gedächtnis macht eine Frau altmodisch. Man kann stets an dem Hut erkennen, ob sie ein Gedächtnis hat oder nicht.

Frauen lernen das Leben zu spät kennen. Das ist der Unterschied zwischen Männer und Frauen.

Bestimmt altern heutzutage mehr Frauen durch die Treue ihrer Anbeter als durch sonst etwas!

Die Stärke der Frauen rührt aus der Tatsache her, daß die Psychologie sie nicht zu deuten vermag. Männer kann man analysieren, Frauen ... nur anbeten.

Frauen besitzen einen erstaunlichen Instinkt für die Dinge. Sie entdecken alles außer dem, was in die Augen springt.

Sie hatte gestern abend viel zuviel Rouge und nicht ganz hinreichend Stoff an sich. Das ist bei Frauen immer ein Zeichen von Verzweiflung.

»Die modernen Frauen verstehen alles.«
»Ausgenommen ihre Ehemänner. Die sind das einzige, was die moderne Frau nie versteht.«

Frauen, die gesunden Menschenverstand besitzen, sind merkwürdigerweise so häßlich.

Die erste Pflicht im Leben einer Frau ist die gegen ihren Schneider. Welches die zweite Pflicht ist, hat bisher noch niemand entdeckt.

Frauen werden nie durch Komplimente entwaffnet. Männer stets. Das ist der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern.

Es gibt nur eine einzige echte Tragödie im Leben einer Frau. Die Tatsache, daß ihre Vergangenheit stets ihr Liebhaber und ihre Zukunft unweigerlich ihr Ehemann ist.

Das Leben einer Frau bewegt sich in Gefühlskurven. Auf Linien des Verstandes verläuft das Leben eines Mannes.

Wenn eine Frau ihre Fehler nicht reizvoll machen kann, ist sie nur ein Weibchen.

Die meisten Frauen sind so gekünstelt, daß ihnen jeder Sinn für die Kunst fehlt. Die meisten Männer sind so natürlich, daß ihnen jeder Sinn für die Schönheit fehlt.

Sie ist sehr gescheit, allzu gescheit für eine Frau. Ihr fehlt der unerklärliche Reiz der Schwäche. Die tönernen Füße sind es, die das Gold der Bildsäule köstlich machen. Ihre Füße sind sehr hübsch, aber es sind keine tönernen. Weiße Porzellanfüße, wenn Sie so wollen. Sie sind durchs Feuer gegangen, und was das Feuer nicht zerstört, härtet es. Sie hat Erfahrungen gesammelt.

»Wie sehr es doch die Frauen lieben, gefährliche Dinge zu tun.«

»Das ist eine von jenen Eigenschaften an ihnen, die ich am meisten bewundere. Eine Frau wird mit jedem auf der Welt kokettieren, solange andere Leute zuschauen.«

Es bedarf einer vollendet guten Frau, etwas vollendet Blödsinniges zu tun.

Zwischen Männern und Frauen ist keine Freundschaft möglich. Da gibt es Leidenschaft, Feindschaft, Verehrung, Liebe, aber keine Freundschaft.

Vor einem angemessenen Hintergrund können sich Frauen alles leisten.

Wenn eine Frau einen Mann halten will, braucht sie nur an das Schlechteste in ihm zu appellieren.

Schrecklich kommerziell, die Frauen von heute. Unsere Großmütter warfen ihre Mützen in den Wind, versteht sich, aber bei Gott, ihre Enkelinnen werfen ihre Mützen nur in den Wind, wenn sie genau wissen, woher er weht und daß er ihnen günstig ist.

Schlechte Frauen plagen einen. Gute Frauen langweilen einen. Das ist der einzige Unterschied zwischen ihnen.

Ich ziehe Frauen mit einer Vergangenheit vor. Man kann sich mit ihnen so verdammt gut unterhalten.

Das ist das ärgste an Frauen. Immer wünschen sie, man solle gut werden. Und sind wir gut, wenn sie uns kennenlernen, dann lieben sie uns ganz und gar nicht. Sie möchten uns gern durchaus unverbesserlich schlecht sehen, wenn sie uns finden, und durchaus reizlos gut, wenn sie uns verlassen.

Nichts auf der Welt kommt der Hingabe einer verheirateten Frau gleich. Das ist etwas, wovon kein verheirateter Mann eine Ahnung hat.

Letzten Endes gibt es nur zwei Arten von Frauen, die ungeschminkten und die geschminkten.

Solange eine Frau zehn Jahre jünger aussehen kann als ihre eigene Tochter, ist sie völlig zufrieden.

Frauen verteidigen sich, indem sie angreifen, geradeso wie sie durch plötzliches und befremdliches Nachgeben angreifen.

Nach meiner Theorie sind es stets die Frauen, die uns Heiratsanträge machen, und nicht wir, die sie den Frauen machen.

Die Frauen behandeln uns geradeso, wie die Menschheit ihre Götter behandelt. Sie verehren uns und liegen uns ständig in den Ohren, etwas für sie zu tun.

Nur auf eine einzige Art vermag eine Frau jemals einen Mann zu bessern, indem sie ihn nämlich so grenzenlos langweilt, daß er jedes nur erdenkliche Interesse am Leben verliert.

Der einzige Reiz der Vergangenheit ist, daß sie vergangen ist. Aber Frauen wissen nie, wann der Vorhang gefallen ist. Sie wollen immer noch einen sechsten Akt, und sobald jegliches Interesse an dem Stück erloschen ist, schlagen sie vor, es fortzusetzen.

Eine schreckliche Sache, das Gedächtnis einer Frau!

Wenn eine Frau sich wieder verheiratet, dann geschieht es, weil sie ihren ersten Mann verabscheute. Wenn sich ein Mann wieder verheiratet, dann geschieht es, weil er seine erste Frau anbetete. Frauen versuchen ihr Glück, Männer setzen das ihre aufs Spiel.

Ich liebe Männer, die eine Zukunft, und Frauen, die eine Vergangenheit haben.

Männer machen immer ein so dummes Gesicht, wenn sie ertappt werden. Und sie werden stets ertappt.

Man sollte nie einer Frau trauen, die einem ihr wirkliches Alter verrät. Eine Frau, die einem das erzählt, würde einem auch alles andere erzählen.

Es macht mir nichts aus, wenn häßliche Frauen Puritanerinnen sind. Es ist die einzige Entschuldigung, die sie für ihr Häßlichsein haben.

Ich glaube nicht, daß es eine Frau auf der Welt gibt, die nicht ein wenig geschmeichelt wäre, wenn man ihr den Hof macht. Das ist es ja gerade, was Frauen so unwiderstehlich anbetungswürdig macht.

Die Wahrheit ist nicht gerade das, was man einem hübschen süßen gebildeten Mädchen erzählt.

Gerade Männer von dem denkbar vornehmsten sittlichen Charakter sind äußerst empfänglich für die physischen Reize anderer.

Wenn ein Mann alt genug ist, unrecht zu tun, sollte er auch alt genug sein, recht zu tun.

Ist ein Mann ein Gentleman, dann weiß er durchaus genug, und ist er kein Gentleman, dann ist alles, was er weiß, wertlos für ihn.

Ärgerliches Aufsehen pflegte einen Mann reizvoll oder zumindest interessant zu machen – jetzt vernichtet es ihn.

Männer sind solche Feiglinge. Sie verletzen jedes Gesetz der Welt und fürchten sich doch vor der Zunge der Welt.

Die Ehemänner sehr schöner Frauen gehören zur Verbrecherklasse.

Heutzutage leben alle verheirateten Männer wie Junggesellen und alle Junggesellen wie verheiratete Männer.

Wenn ein Mann einmal eine Frau geliebt hat, wird er alles für sie tun, ausgenommen sie weiterzulieben.

Wenn wir Männer die Frauen heirateten, die wir verdienen, wäre uns eine sehr schlimme Zeit beschieden.

Das Glück eines verheirateten Mannes hängt von den Leuten ab, die er nicht geheiratet hat.

Zwanzig Jahre Liebesroman geben einer Frau das Aussehen einer Ruine; aber zwanzig Jahre Ehe machen sie zu einer Art öffentlichem Gebäude.

Heutzutage werden mehr Ehen durch den gesunden Menschenverstand des Ehemannes zerstört als durch sonst etwas. Wie kann man von einer Frau erwarten, daß sie mit einem Mann glücklich ist, der darauf besteht, sie als ein völlig vernünftiges Wesen zu behandeln?

Im Eheleben kommt die Liebe, wenn die Leute einander gründlich mißfallen.

Scheidungen werden im Himmel beschlossen.

Erstens heiraten Mädchen nie die Männer, mit denen sie flirten. Das halten Mädchen nicht für richtig.

Ich bin immer der Ansicht gewesen, daß ein Mann, der zu heiraten wünscht, entweder alles oder nichts wissen sollte.

Der einzige Reiz der Ehe ist, daß sie ein Leben der Täuschung für beide Teile absolut notwendig macht.

Wer treu ist, kennt nur die triviale Seite der Liebe; der Treulose ist es, der die Liebestragödien kennenlernt.

Der einzige Unterschied zwischen einer Laune und einer lebenslänglichen Leidenschaft ist der, daß die Laune ein wenig länger vorhält.

Junge Leute möchten treu sein und sind es nicht, alte möchten untreu sein und können es nicht.

Männer heiraten, weil sie müde, Frauen, weil sie neugierig sind; beide werden enttäuscht.

Ich glaube nicht, daß ich geeignet bin zu heiraten.

Ich bin zu verliebt.

Der wahre Nachteil der Ehe ist, daß sie einen uneigennützig macht. Und uneigennützige Leute sind farblos. Es fehlt ihnen an Individualität. Dennoch gibt es bestimmte Charaktere, die durch die Ehe komplizierter werden. Sie behalten ihren Egoismus und ergänzen ihn mit vielen weiteren Egos. Sie sind gezwungen, mehr als ein Leben zu führen. Sie werden höher organisierte Menschen, und das, sollte ich meinen, ist das Ziel des menschlichen Daseins.

Jede Erfahrung ist wertvoll, und was man auch gegen die Ehe sagen mag, eine Erfahrung ist die bestimmt.

Ein Mann kann mit einer Frau glücklich sein, solange er sie nicht liebt.

Natürlich ist das Eheleben nur eine Gewohnheit, eine schlechte Gewohnheit.

Es ist eine merkwürdige Sache mit dem Heiratsspiel.

Die Ehefrauen haben alle Trümpfe in der Hand und kommen unweigerlich um ihre Chance.

Ich könnte mit ihr verheiratet sein, so verdammt gleichgültig behandelt sie mich.

Wenn Männer aufhören zu sagen, was bezaubernd ist, hören sie auf zu bedenken, was bezaubernd ist.

Was einen heutzutage tröstet, ist nicht Reue, sondern Vergnügen. Reue ist völlig veraltet. Und außerdem, wenn eine Frau wirklich bereut, muß sie zu einem schlechten Schneider gehen, sonst glaubt ihr keiner.

Ich bin nicht für lange Verlobungen. Sie geben den Leuten Gelegenheit, vor der Ehe einer des anderen Charakter zu ergründen, was ich nie und nimmer für ratsam halte.

Die rechte Grundlage für eine Ehe ist gegenseitiges Mißverstehen. Nein, ich bin durchaus nicht zynisch, ich habe nur meine Erfahrungen, was allerdings ungefähr auf dasselbe herauskommt.

Modern zu sein ist das einzige, was heutzutage das Leben lebenswert macht.

Gefühl ist ausreichend für die Knopflochblume. Aber das Wesentliche bei einer Krawatte ist Stil. Eine gut gebundene Krawatte ist der erste ernsthafte Schritt ins Leben.

Sie werden immer denkbar hübsch sein. Das ist die beste Mode, die es gibt, und die einzige Mode, in der England mit Erfolg tonangebend ist.

Sie sind bemerkenswert modern.
Vielleicht ein wenig zu modern. Nichts ist so gefährlich, als allzu modern zu sein. Es kann einem passieren, daß man ganz plötzlich altmodisch wird.

Mode ist, was man selber trägt. Unmodern ist das, was die anderen Leute tragen.

Griechische Kleidung war in ihrem Wesen unkünstlerisch. Nur der Körper sollte den Körper sichtbar machen. Man sollte entweder ein Kunstwerk sein oder ein Kunstwerk tragen.

Der einzige Ausgleich dafür, daß man gelegentlich etwas übertrieben angezogen ist, besteht darin, jederzeit ganz und gar übergebildet zu sein.

Die Tracht des neunzehnten Jahrhunderts ist abscheulich. Sie ist so düster, so deprimierend. Die Sünde ist das einzige echte Farbelement, das unserem modernen Leben geblieben ist.

Die düstere Kleidung unserer Tage raubt ja dem Leben die Schönheit und bedeutet den Ruin für die Kunst.

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