Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > William Shakespeare >

Antonius und Cleopatra

William Shakespeare: Antonius und Cleopatra - Kapitel 8
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleAntonius und Cleopatra
pages85-88
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Zweite Szene

Rom. Im Hause des Lepidus

Es treten auf Enobarbus und Lepidus

Lepidus.
Mein Enobarbus, es ist wohlgetan
Und bringt dir Ruhm, bewegst du deinen Feldherrn
Zu mildem sanftem Wort.

Enobarbus.
Ich werd ihn bitten,
Zu reden wie er selbst. Reizt Cäsar ihn,
So schau Anton weg über Cäsars Haupt,
Und donnre laut wie Mars! Beim Jupiter,
Hätt ich Antonius' Bart an meinem Kinn,
Heut schör ich ihn nicht ab.

Lepidus.
's ist nicht die Zeit
Für Zwist der Einzelnen.

Enobarbus.
Jegliche Zeit
Paßt wohl für das, was sie zutage bringt.

Lepidus.
Doch muß das Kleine sich dem Größern fügen!

Enobarbus.
Nicht, kommt das Kleine erst.

Lepidus.
Ihr sprecht im Zorn;
Doch stört nicht Asche auf. Seht, hier kommt
Der edle Mark Anton.

Antonius und Ventidius treten auf.

Enobarbus.
Und dort kommt Cäsar.

Cäsar, Mäcenas und Agrippa treten auf.

Antonius.
Im Falle wir einig werden, dann nach Parthien;
Hörst du, Ventidius? –

Cäsar.
Frage den Agrippa,
Mäcen; ich weiß es nicht.

Lepidus.
Erhabene Freunde,
Was uns vereinte, war so groß; nun laßt nicht
Geringen Zwist uns trennen. Was zu tadeln,
Hört es mit Nachsicht an: verhandeln wir
Den nichtgen Streit so laut, dann wird ein Mord,
Was Wunden sollte heilen. Drum, edle Freunde
(Und um so mehr, je ernstlicher ich bitte),
Berührt mit mildstem Wort die herbsten Punkte,
Daß Ärger nicht das Übel mehre.

Antonius.
Wohl gesprochen;
Und ständ ich vor dem Heer zum Kampf bereit,
Ich dächte so.

Cäsar.
Willkomm' in Rom!

Antonius.
Habt Dank.

Cäsar.
Setzt Euch.

Antonius.
Setzt Euch, Herr.

Cäsar.
Nun! so...

Antonius.
Ich hör, Ihr deutet schlimm, was schlimm nicht ist
Und, wär's, Euch nicht betrifft.

Cäsar.
Es wär zum Lachen,
Wenn um ein Nichts, ein Wen'ges ich mich hielt
Von Euch beleidigt; und vor allen Menschen
Von Euch zumeist: – noch lächerlicher, daß ich
Nur einmal Euch mit Abschätzung genannt,
Wenn Euern Namen auch nur auszusprechen
Mir fern lag.

Antonius.
Mein Verweilen in Ägypten,
Was war es Euch?

Cäsar.
Nicht mehr, als Euch mein Walten hier in Rom
Mocht in Ägypten sein: doch wenn Ihr dort
Was gegen mich geschmiedet, war mir wichtig
Euer Verweilen in Ägypten.

Antonius.
Wie nun! was nennt Ihr schmieden?

Cäsar.
Beliebt's Euch, faßt Ihr wohl, was ich bezeichne,
Aus dem, was hier mich traf. Eur Weib und Bruder
Bekriegten mich: für ihren Anlauf wart
Der Vorwand Ihr: Ihr wart das Feldgeschrei!

Antonius.
Ihr irrt in Eurer Ansicht. Nie berief sich
Mein Bruder je auf mich. Ich forschte nach
Und hab aus sichrer Kunde die Gewißheit
Von Euren Freunden selbst: bekämpft' er nicht
Mein eignes Ansehn wie das Eurige?
Führt' er den Krieg nicht meinem Sinn entgegen,
Der Euch verbündet war? All meine Briefe
Beweisen's klar: drum, wollt Ihr Händel flicken
(Denn nicht aus ganzem Tuch könnt Ihr sie schneiden),
So muß es dies nicht sein.

Cäsar.
Ihr preist Euch selbst,
Indem Ihr schwach mein Urteil nennt; doch Ihr
Flickt nur Entschuldigung so.

Antonius.
O nein, o nein,
Es kann Euch nicht entgehn, ich weiß gewiß
Die sichre Folgrung: daß, mit Euch vereint
In jener Sach, um die er Krieg geführt,
Ich nie mit Lust den Zwist betrachten konnte,
Der meine Ruh bedroht'. – Was Fulvia angeht,
– Ich wünscht Euch, solch ein Geist regiert' Eur Weib!
Euch ist der Erde Dritteil, mit 'nem Halfter
Zügelt Ihr's leicht, doch nimmer solch ein Weib.

Enobarbus.
Hätten wir doch alle solche Weiber, daß die Männer mit ihren Weibern in den Krieg gehen könnten! –

Antonius.
Ganz widerspenstig, hatt ihr Kampftumult,
Erregt von ihrer Leidenschaft, der's nicht
An Schlauheit fehlt' – ich geb's bedauernd zu –,
Euch Unruh viel erregt. Doch müßt Ihr sagen,
Dies ändern konnt ich nicht.

Cäsar.
Ich schrieb an Euch;
Ihr aber, schwelgend in Ägypten, stecktet
Beiseit mein Schreiben, und mit Hohn und Lachen
Ward ungehört mein Bote fortgewiesen.

Antonius.
Er fiel mich an, ganz ungemeldet: eben
Hatt ich drei Könige bewirtet, war
Nicht was am Morgen mehr: doch nächsten Tags
Sagt ich dies selbst ihm, was nicht minder war,
Als um Verzeihung bitten. Laßt den Burschen
Uns nimmermehr entzwein, und wenn wir streiten,
Ihn keine Rolle spielen.

Cäsar.
Eures Eids
Hauptpunkt habt Ihr gebrochen: des kann nie
Mich Eure Zunge zeihn.

Lepidus.
Halt, Cäsar!

Antonius. Nein,
Lepidus, laßt ihn reden. –
Die Ehr ist rein und heilig, die er angreift,
Im Wahn, ich sei ihr treulos. Weiter, Cäsar:
Der Hauptpunkt meines Eids...

Cäsar.
Mir Hilf und Macht zu leihn, wenn ich's verlangte,
Und beides schlugt Ihr ab.

Antonius.
Versäumt' es nur;
Und zwar, als ein vergiftet Dasein mir
Mein Selbstbewußtsein raubte. Soviel möglich,
Zeig ich den Reuigen: doch mein Gradsinn soll
Nicht meine Größe schmälern; meine Macht
Nicht ohne diesen wirken. Wahr ist's, Fulvia
Bekriegt' Euch, aus Ägypten mich zu scheuchen:
Wofür ich jetzt, unwissentlich die Ursach,
Soweit Verzeihung bitt, als ich mit Würde
Nachgeben kann.

Lepidus.
Ihr spracht ein edles Wort.

Mäcenas.
Gefiel's euch doch, nicht ferner zu gedenken
Des Streites: um ihn gänzlich zu vergessen,
Erinnert euch, wie gegenwärtge Not
Euch an Versöhnung mahnt.

Lepidus.
Ein würdges Wort! –

Enobarbus.
Oder, wenn ihr euch einer des andern Freundschaft für den Augenblick borgt, könnt ihr sie, wenn vom Pompejus nicht mehr die Rede ist, wieder zurückgeben: ihr mögt Zeit zu zanken finden, wenn ihr sonst nichts anders zu tun habt.

Antonius.
Du bist nur ganz Soldat, drum sprich nicht mehr.

Enobarbus.
Ich hätte bald vergessen, daß Wahrheit schweigen muß.

Antonius.
Du kränkst den würdgen Kreis; drum sprich nicht mehr.

Enobarbus.
Schon recht: ich bin Eur vorsichtiger Stein. –

Cäsar.
Ich tadle nicht den Inhalt seiner Rede,
Nur ihre Weise; denn unmöglich scheint's,
Daß Freundschaft bleibe, wenn die Sinnesart
Im Tun so abweicht. Doch, wüßt ich den Reif,
Der uns verfestigte, von Pol zu Pol
Sucht ich ihn auf.

Agrippa.
Wollt Ihr vergönnen, Cäsar...

Cäsar.
Agrippa, sprich.

Agrippa.
Du hast 'ne Schwester von der Mutter Seite,
Die herrliche Octavia. Der große Mark Anton
Ward Witwer –

Cäsar.
Sprich kein solches Wort, Agrippa:
Hätt es Cleopatra gehört, mit Recht
Nennte sie jetzt dich übereilt.

Antonius.
Ich bin vermählt nicht, Cäsar; laßt mich wissen
Agrippas fernre Meinung.

Agrippa.
Euch in beständiger Freundschaft zu erhalten,
Euch brüderlich zu einen, eure Herzen
Unlösbar fest zu knöpfen, nehm Anton
Octavia zur Gemahlin, deren Schönheit
Wohl fordern kann den besten Mann der Welt,
Und deren Güt und Anmut sie erhebt,
Mehr, als es Worte könnten. Durch dies Bündnis
Wird kleine Eifersucht, die groß nun scheint,
Und große Furcht, die jetzt Gefahren droht,
In nichts verschwinden: Wahrheit wird dann Märchen,
Wie halbe Mär jetzt Wahrheit: – beide liebend,
Verstärkt sie eure Wechsellieb und zieht
Der Völker Liebe nach. – Verzeiht die Rede,
Denn sie ward längst geprüft, nicht schnell ersonnen,
Pflichtmäßig reif bedacht.

Antonius.
Will Cäsar reden?

Cäsar.
Nicht, bis er hört, was Mark Anton erwidert
Dem schon Gesagten.

Antonius.
Was vermag Agrippa,
Wenn ich nun spräch: Agrippa, also sei's
Dies wahr zu machen? –

Cäsar.
Cäsars ganze Macht,
Und was sein Wort der Schwester gilt.

Antonius.
Nie mög ich
Dem edlen Antrag, der so herrlich glänzt,
Verhindrung träumen. Reich mir deine Hand,
Fördre den frommen Bund; und nun, von Stund an,
Regier in unsrer Liebe Brudereintracht
Und lenk' die großen Pläne.

Cäsar.
Nimm die Hand.
Dir schenk ich eine Schwester, wie kein Bruder
So zärtlich eine je geliebt: sie lebe,
Zu binden unsre Reich' und Herzen. Flieh
Nie wieder unsre Liebe! –

Lepidus.
Glück und Amen! –

Antonius.
Ich dachte nicht, Pompejus zu bekämpfen,
Denn großen Freundschaftsdienst erwies er mir
Vor kurzem erst; Dank darf er von mir fordern,
Daß mich der Ruf nicht unerkenntlich nenne: –
Das abgetan, entbiet ich ihn zum Kampf.

Lepidus.
Es drängt die Zeit;
Pompejus müssen wir alsbald nun suchen,
Sonst sucht er uns.

Antonius.
Wo ankert seine Flotte?

Cäsar.
Am Vorgebirg Misenum.

Antonius.
Seine Landmacht,
Wie stark?

Cäsar.
Groß und im Wachsen; doch zur See
Gebeut er unumschränkt.

Antonius.
So sagt der Ruf. –
O wären wir schon an ihm! Hin in Eil. –
Doch eh wir uns bewaffnen, bringt zu Ende,
Was eben ward gelobt.

Cäsar.
Mit höchster Freude:
So lad ich Euch zum Anblick meiner Schwester
Und führ Euch gleich zu ihr.

Antonius.
Gönnt, Lepidus,
Uns Eure Gegenwart.

Lepidus.
Edler Antonius,
Selbst Krankheit hielt mich nicht zurück.

(Trompetenstoß. Cäsar, Antonius und Lepidus ab.)

Mäcenas.
Willkommen von Ägypten, Herr.

Enobarbus.
Hälfte von Cäsars Herzen, würdiger Mäcenas! Mein ehrenwerter Freund Agrippa! –

Agrippa.
Wackrer Enobarbus!

Mäcenas.
Wir haben Ursach, froh zu sein, daß alles sich so gut entwirrt hat. Ihr habt's euch indessen in –Ägypten wohl sein lassen?

Enobarbus.
Ja, Herr, wir schliefen, daß sich der helle Tag schämte, und machten die Nacht mit Trinken hell.

Mäcenas.
Acht wilde Schweine ganz gebraten zum Frühstück, und nur für zwölf Personen, ist das wahr?

Enobarbus.
Das war nur wie eine Fliege gegen einen Adler; wir hatten weit mehr ungeheure Dinge bei unsern Festen, die wohl wert waren, daß man darauf achtete.

Mäcenas.
Sie ist eine ganz unwiderstehliche Frau, wenn sie ihrem Ruf entspricht.

Enobarbus.
Als sie den Mark Anton das erste Mal sah, stahl sie ihm sein Herz; es war auf dem Flusse Cydnus.

Agrippa.
Dort erschien sie, göttlich, oder mein Berichterstatter hat viel für sie erfunden.

Enobarbus.
Ich will's berichten. –
Die Bark, in der sie saß, ein Feuerthron,
Brannt auf dem Strom: getriebnes Gold der Spiegel,
Die Purpursegel duftend, daß der Wind
Entzückt nachzog; die Ruder waren Silber,
Die nach der Flöten Ton Takt hielten, daß
Das Wasser, wie sie's trafen, schneller strömte,
Verliebt in ihren Schlag; doch sie nun selbst –
Zum Bettler wird Beschreibung: sie lag da
In ihrem Zelt, das ganz aus Gold gewirkt,
Noch farbenstrahlender als jene Venus,
Wo die Natur der Malerei erliegt.
Zu beiden Seiten ihr holdselge Knaben,
Mit Wangengrübchen, wie Cupidos lächelnd,
Mit bunten Fächern, deren Wehn durchglühte
(So schien's) die zarten Wangen, die sie kühlten;
Entzündend, statt zu löschen.

Agrippa.
Ihm, welch Schauspiel!

Enobarbus.
Und ihre Frauen, wie die Nereiden,
Meerweiber alle, dienten ihren Blicken,
Und Schmuck ward jede Beugung; eine Meerfrau
Lenkte das Steuer; seidnes Tauwerk schwoll
Dem Druck so blütenfeiner Händ entgegen,
Die frisch den Dienst versahn. Der Bark entströmend
Betäubt' ein würzger Wohlgeruch die Sinne
Der nahen Uferdämme; sie zu sehn,
Ergießt die Stadt ihr Volk; und Mark Anton,
Hochthronend auf dem Marktplatz, saß allein
Und pfiff der Luft, die, wär ein Leeres möglich,
Wohl auch entwich, Cleopatra zu schaun,
Und einen Riß in der Natur zurückließ.

Agrippa.
Herrliche Ägypterin! –

Enobarbus.
Als sie gelandet, bat Antonius sie
Zur Abendmahlzeit; sie erwiderte,
Ihr sei willkommner, ihn als Gast zu sehn,
Und lud ihn. Unser höflicher Anton,
Der keiner Frau noch jemals Nein gesagt,
Zehnmal recht schmuck barbiert, geht zu dem Fest,
Und dort muß nun sein Herz die Zeche zahlen,
Wo nur sein Auge zehrte.

Agrippa.
Zauberin! –
Sie ließ des großen Cäsars Schwert zu Bett gehn;
Er pflügte sie, sie erntete.

Enobarbus.
Ich sah sie
Einst wen'ge Schritte durch die Straße hüpfen,
Und als sie atemlos, sprach sie in Pausen,
So daß zur Anmut sie den Fehl erhob
Und ohne Atem Kraft entatmete.

Mäcenas.
Nun muß Antonius sie durchaus verlassen!

Enobarbus.
Niemals! Das wird er nicht! Nicht kann sie Alter
Hinwelken, täglich Sehn an ihr nicht stumpfen
Die immerneue Reizung; andre Weiber
Sättgen, die Lust gewährend; sie macht hungrig,
Je reichlicher sie schenkt, denn das Gemeinste
Wird so geadelt, daß die heilgen Priester
Sie segnen, wenn sie buhlt.

Mäcenas.
Wenn Schönheit, Sitt und Weisheit fesseln können
Das Herz Antons, dann ist Octavia ihm
Ein segensreiches Los.

Agrippa.
Kommt, laßt uns gehn.
Ihr, werter Enobarbus, seid mein Gast,
Solang Ihr hier verweilt.

Enobarbus.
Ich dank Euch bestens.

(Alle ab.)

 << Kapitel 7  Kapitel 9 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.