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Antonius und Cleopatra

William Shakespeare: Antonius und Cleopatra - Kapitel 4
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleAntonius und Cleopatra
pages85-88
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Szene

Es treten auf Cleopatra, Charmion, Iras und Alexas

Cleopatra.
Wo ist er?

Charmion.
Ich sah ihn nicht seitdem.

Cleopatra.
Sieh, wo er ist, wer mit ihm, was er tut
(Ich schickte dich nicht ab): findst du ihn traurig,
Sag ihm, ich tanze; ist er munter, meld ihm,
Ich wurde plötzlich krank. Schnell bring mir Antwort.

(Alexas ab.).

Charmion.
Fürstin, mir scheint, wenn Ihr ihn wirklich liebt,
Ihr wählt die rechte Art nicht, ihn zur Liebe zu zwingen.

Cleopatra.
Und was sollt ich tun und lass' es?

Charmion.
Gebt immer nach, durchkreuzt nie seinen Willen.

Cleopatra.
Törichter Rat! Der Weg, ihn zu verlieren! –

Charmion.
Versucht ihn nicht zu sehr; ich bitt, erwägt,
Wir hassen bald, was oft uns Furcht erregt.
    Antonius kommt.
Doch seht, er kommt.

Cleopatra.
Ich bin verstimmt und krank.

Antonius.
Es quält mich, meinen Vorsatz ihr zu sagen.

Cleopatra.
Hilf, liebe Charmion, hilf, ich sinke hin:
So kann's nicht dauern, meines Körpers Bau
Wird unterliegen.

Antonius.
Teure Königin...

Cleopatra.
Ich bitt dich, steh mir nicht so nah! –

Antonius.
Was gibt's? –

Cleopatra.
Ich seh in diesem Blick die gute Zeitung!
Was sagt die Ehgemahlin? Geh nur, geh!
Hätte sie dir's doch nie erlaubt, zu kommen!
Sie soll nicht sagen, daß ich hier dich halte;
Was kann ich über dich? Der Ihre bist du!

Antonius.
Die Götter wissen...

Cleopatra.
Nie ward eine Fürstin
So schrecklich je getäuscht. Und doch, von Anfang
Sah ich die Falschheit keimen.

Antonius.
Cleopatra...

Cleopatra.
Wie soll ich glauben, du seist mein und treu,
Erschüttert auch dein Schwur der Götter Thron,
Wenn du Fulvia verrietst? Schwelgender Wahnsinn,
An solchen mundgeformten Eid sich fesseln,
Der schon im Schwur zerbricht! –

Antonius.
Geliebte Fürstin...

Cleopatra.
Nein, such nur keine Färbung deiner Flucht.
Geh, sag Lebwohl: als du zu bleiben flehtest,
Da galt's zu sprechen: damals nichts von Gehn! –
In unserm Mund und Blick war Ewigkeit,
Wonn auf den Brau'n, kein Tropfen Blut so arm,
Der Göttern nicht entquoll; und so ist's noch,
Oder der größte Feldherr du, der Welt,
Wurdest zum größten Lügner.

Antonius.
Mir das! Wie!

Cleopatra.
Hätt ich nur deinen Wuchs, du solltest sehen,
Auch in Ägypten geb's ein Herz...

Antonius.
Vernimm,
Der Zeiten strenger Zwang heischt unsern Dienst
Für eine Weile: meines Herzens Summe
Bleibt dein hier zum Gebrauch. Unser Italien
Blitzt rings vom Bürgerstahl; Sextus Pompejus
Bedroht mit seinem Heer die Häfen Roms:
Die Gleichheit zweier heimschen Mächte zeugt
Gefährliche Parteiung: – nun erstarkt sie,
Liebt man die sonst Verhaßten: der verbannte
Pompejus, reich durch seines Vaters Ruhm,
Schleicht in die Herzen aller, die im Staat
Jetzt nicht gedeihn und deren Menge schreckt: –
Und Ruhe, krank durch Frieden, sucht verzweifelnd
Heilung durch Wechsel. Doch ein nährer Grund,
Und der zumeist mein Gehn Euch sollt entschuldgen,
Ist Fulvias Tod.

Cleopatra.
Wenn mich das Alter auch nicht schützt vor Torheit,
Doch wohl vor Kindischsein. Kann Fulvia sterben? –

Antonius.
Geliebte, sie ist tot.
Sieh hier, in übermüßger Stunde lies
Die Händel, die sie schuf; zuletzt ihr Bestes:
Sieh, wann und wo sie starb.

Cleopatra.
O falsches Lieben!
Wo sind Phiolen, die du füllen solltest
Mit Tau des Grams? Nicht Fulvias Tod beweinen
Zeigt mir, wie leicht du einst erträgst den meinen.

Antonius.
Zanke nicht mehr! nein, sei gefaßt zu hören,
Was ich für Plän entwarf: sie stehn und fallen,
Wie du mir raten wirst. Ja, bei dem Feuer,
Das Nilus' Schlamm belebt, ich geh von hier,
Dein Held, dein Diener: Krieg erklär ich, Frieden,
Wie dir's gefällt.

Cleopatra.
Komm, Charmion, schnür mich auf.
Nein, laß nur, mir wird wechselnd schlimm und wohl,
Ganz wie Antonius liebt.

Antonius.
Still, teures Kleinod!
Gib beßres Zeugnis seiner Treu; die strengste
Prüfung wird sie bestehn.

Cleopatra.
Das lehrt mich Fulvia!
O bitte, wende dich und wein um sie,
Dann sag mir Lebewohl und sprich: die Tränen
Sind für Ägypten: spiel uns eine Szene
Ausbündger Heuchelei, und mag sie gelten
Für echte Ehre! – –

Antonius.
Du erzürnst mich! Laß! –

Cleopatra.
Das geht schon leidlich: doch du kannst es besser.

Antonius.
Bei meinem Schwert...

Cleopatra.
Und Schild: – er spielt schon besser,
Doch ist's noch nicht sein Bestes. Sieh nur Charmion,
Wie tragisch dieser römsche Herkules
Auffährt in seinem Grimm!

Antonius.
Ich gehe, Fürstin.

Cleopatra.
Höflicher Herr, ein Wort:
Wir beide müssen scheiden, doch das ist's nicht –
Wir beide liebten einst – doch das ist's auch nicht –
Das wißt Ihr wohl. – Was war's doch, das ich meinte?
O mein Gedächtnis ist recht ein Antonius,
Und ich bin ganz vergessen!

Antonius.
Wär nicht Torheit
Die Dienrin deines Throns, so hielt' ich dich
Für Torheit selbst.

Cleopatra.
O schwere Müh des Lebens,
Dem Herzen nahe solche Torheit tragen,
Wie diese ich! Doch, teurer Freund, vergib
Denn Tod bringt mir mein Treiben, wenn es dir
Nicht gut ins Auge fällt. Dich ruft die Ehre,
Hör denn auf meinen eiteln Wahnsinn nicht!
Und alle Götter mit dir! Siegeslorbeer
Kränze dein Schwert, und mühelos Gelingen
Bahne den Weg vor deinen Füßen!

Antonius.
Komm;
Es flieht zugleich und weilet unsre Trennung:
Denn du, hier thronend, gehst doch fort mit mir,
Und ich, fortschaffend, bleibe doch mit dir. –
Hinweg. (Alle ab.)

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