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Antonius und Cleopatra

William Shakespeare: Antonius und Cleopatra - Kapitel 37
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleAntonius und Cleopatra
pages85-88
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dreizehnte Szene

Daselbst. Ein Monument

Cleopatra, Charmion und Iras erscheinen oben auf dem Monument

Cleopatra.
O Charmion, ich gehe nie von hier.

Charmion.
O tröstet Euch, Verehrte!

Cleopatra.
Nein, ich will nicht;
Entsetzen sei und Schrecknis mir willkommen,
Doch Trost verschmähn wir: unsres Schmerzes Größe,
Der Ursach gleich gemessen, sei so furchtbar,
Als was ihn uns erregt.
    Diomedes tritt auf.
Sprich, ist er tot?

Diomedes.
Sein Tod schwebt über ihm, doch lebt er noch.
Schaut nur nach jener Seite Eures Grabmals,
Dort bringt ihn schon die Wache.

Antonius wird von der Wache hereingetragen.

Cleopatra. O du Sonne,
Verbrenne deine Sphäre! Dunkel lieg
Der Wechselstrand der Welt! Antonius, o,
Anton, Anton, o Charmion hilf, hilf, Iras,
Helft, Freunde, unten! Zieht herauf ihn!

Antonius.
Still!
Nicht Cäsars Kraft besiegte Mark Anton,
Nein, Mark Anton erlag sich selber nur!

Cleopatra.
So mußt es sein; Antonius konnt allein
Anton bewältigen: doch weh dem Tag!

Antonius.
Ich sterb, Ägypten, sterbe; nur ein Weilchen
Laß ich den Tod noch warten, bis ich dir
Von soviel tausend Küssen den armen letzten
Auf deine Lippen drückte.

Cleopatra.
Ich wag es nicht –
O teurer Herr, vergib! – Ich wag es nicht,
Sie fahn mich sonst. Nie diene ich als Schmuck
Dem majestätschen Schaugepränge Cäsars,
Des Herrn des Glücks. Bleibt Messern, Giften, Schlangen
Nur Schärfe, Kraft und Stachel, bin ich sicher.
Eur Weib Octavia mit dem keuschen Blick
Und stillem Gleichmut soll nicht Ehr empfangen,
Indem sie streng mich ansieht. Komm, Antonius,
Helft, meine Fraun, wir ziehn dich hier herauf;
Faßt alle an.

Antonius.
O schnell, sonst bin ich hin.

Cleopatra.
O seltsam Spiel, wie schwer du wiegst, Geliebter!
All unsre Stärke ging in Schwermut unter,
Das mehrt die Last. Hätt ich der Juno Macht,
Merkur, der Kraftbeschwingte, höbe dich
Und setzte dich an Jovis Seite. Komm nur!
Wünschen war nimmer Torheit: komm, komm, komm:
Willkommen, willkommen! Stirb nun, wo du lebtest,
Leb auf im Kuß! Vermöchten das die Lippen,
Wegküssen solltst du sie! –

Alle.
O jammervoll!

Antonius.
Ich sterb, Ägypten, sterbe! –
Reicht mir ein wenig Wein, daß ich noch rede! –

Cleopatra.
Nein, laß mich reden, laß so laut mich schelten,
Bis sie, gekränkt, das falsche Weib Fortuna,
Ihr spinnend Rad zerbricht.

Antonius.
Ein Wort, Geliebte:
Beim Cäsar such dir Schutz und Ehre... Oh!

Cleopatra.
Die gehn nicht miteinander.

Antonius.
Hör mich, Liebe:
Von Cäsars Volk trau nur dem Proculejus.

Cleopatra.
Ich trau auf meinen Mut und meine Hand,
Keinem von Cäsars Volk.

Antonius.
Den jammervollen Wechsel und mein Sterben
Beweint, beklagt sie nicht; stärkt Eur Gedächtnis
An der Erinnrung meines frühern Glücks,
Das mich erhob zum ersten Weltgebieter,
Zum edelsten; und jetzt, nicht feige sterb ich,
Noch ehrlos neige meinen Helm dem Landsmann,
Ein Römer, männlich nur besiegt vom Römer.
Jetzt nun entflieht mein Geist, ich kann nicht mehr.

(Er stirbt.)

Cleopatra.
O edelster der Männer! willst du scheiden?
So sorgst du nicht um mich? Aushalten soll ich
In dieser schalen Welt, die ohne dich
Nicht mehr ist als ein Viehstall? Seht, ihr Fraun,
Es schmilzt der Erde Krone! O mein Herr!
O, hingewelkt ist aller Siegeslorbeer,
Gestürzt des Kriegers Banner, Dirn und Knabe
Stehn jetzt den Männern gleich: kein Abstand mehr,
Nichts Achtungswertes bietet mehr sich dar
Unter dem späh'nden Mond. (Sie fällt in Ohnmacht.)

Charmion.
O Fassung, Fürstin!

Iras.
Sie stirbt auch, unsre Königin!

Charmion.
Herrin!

Iras.
Fürstin!

Charmion.
O Fürstin, Fürstin, Fürstin! –

Iras.
Ägyptens Krone, unsre Herrscherin!

Charmion.
Still, Iras, still!

Cleopatra.
Nichts mehr als bloß ein Weib, und untertan
So armem Schmerz als jede Magd, die melkt
Und niedern Hausdienst tut. Nun könnt ich gleich
Mein Zepter auf die bösen Götter schleudern
Und rufen: Diese Welt glich ihrer ganz,
Bis sie mein Kleinod stahlen! Nichtig alles!
Geduld ist läppisch, Ungeduld ziemt nur
Den tollgewordnen Hunden! Ist's dann Sünde,
Zu stürmen ins geheime Haus des Todes,
Eh Tod zu uns sich wagt? Was macht ihr, Mädchen?
Was, was? Getrost! Wie geht dir's, Charmion?
Ihr edlen Dirnen! Ach! – Seht, Weiber, seht,
Unsre Leucht erlosch, ist aus! Seid herzhaft, Kinder,
Begraben wolln wir ihn: was groß, was edel,
Vollziehn wir dann nach hoher Römer Art.
Stolz sei der Tod, uns zu empfangen! Kommt,
Dies Haus des Riesengeistes ist nun kalt!
Ach, Mädchen, Mädchen, kommt! In dieser Not
Blieb uns kein Freund, als Mut und schneller Tod.

(Geht ab. Antonius' Leiche wird oben weggetragen.)

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