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Antonius und Cleopatra

William Shakespeare: Antonius und Cleopatra - Kapitel 34
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleAntonius und Cleopatra
pages85-88
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zehnte Szene

Zwischen den zwei Lagern

Es treten auf Antonius und Scarus mit Truppen

Antonius.
Heut rüsten sie sich auf den Kampf zur See,
Zu Land gefalln wir ihnen nicht.

Scarus.
Herr, nirgend! –

Antonius.
Und kämpften sie in Feuer oder Luft,
Wir föchten dort auch. Doch so sei's – das Fußvolk
Dort auf den Hügeln um die Stadt, das bleibt
Bei mir; die Flotte hat Befehl, der Hafen
Ward schon von ihr verlassen. Nun hinan,
Wo ihre Stellung wird erspäht am besten
Und jegliche Bewegung.

(Gehn weiter.)
Cäsar kommt mit seinen Truppen.

Cäsar.
Greift er nicht an (und kaum vermut ich es),
So bleibt zu Lande ruhig: seine Hauptmacht
Entsandt er auf die Schiffe. Nun zur Niedrung,
Und haltet euch aufs beste.

(Gehn ab.)
Antonius und Scarus kommen zurück.

Antonius.
Noch trafen sie sich nicht! Dort bei der Fichte
Kann ich's ganz übersehn: gleich meld ich dir,
Wie es sich anläßt. (Ab.)

Scarus.
Schwalben nisteten
In den ägyptischen Segeln. Unsre Augurn
Verstummen, wolln nichts wissen, blicken finster
Und scheun zu reden, was sie sahn. Antonius
Ist mutig und verzagt, und fieberhaft
Gibt ihm sein launisch Glück bald Furcht, bald Hoffnung
Des, was er hat und nicht hat.

Schlachtgetöse in der Ferne wie von einem Seetreffen.
Antonius kommt zurück.

Antonius.
Alles hin!
Die schändliche Ägypterin verriet mich;
Dem Feind ergab sich meine Flotte: dort
Schwenken sie ihre Mützen, zechen sie
Wie Freunde, lang getrennt. Dreifache Hure!
Du hast dem Knaben mich verkauft! Mein Herz
Führt Krieg mit dir allein. – Heiß alle fliehn!
Denn wenn ich mich gerächt an meinem Zauber,
Bin ich zu Ende.- Geh! heiß alle fliehn! –
(Scarus ab.)
O Sonne! Nimmer seh ich deinen Aufgang!
Ich und Fortuna scheiden hier: – hier grade schütteln
Die Hand wir uns! Kam es dahin! Die Herzen,
Die hündisch mir gefolgt, die jeden Wunsch
Von mir erlangten,
Die schmelzen hin und tauen ihre Huld
Auf den erblühnden Cäsar;
Und abgeschält nun steht die Fichte da,
Die alle überragt! Ich bin verkauft!
O falsch ägyptisch Herz! o arger Zauber!
Du winktest mich zum Krieg, du zogst mich heim;
Dein Busen war mein Diadem, mein Ziel;
Und du, ein echt Zigeunerweib, betrogst mich
Beim falschen Spiel um meinen ganzen Einsatz!
He, Eros! Eros!
Cleopatra kommt.
Ah du Blendwerk! Fort!

Cleopatra.
Was tobt mein Freund so gegen die Geliebte?

Antonius.
Entfleuch, sonst zahl ich dir verdienten Lohn
Und schände Cäsars Siegeszug. Nehm er dich;
Hoch aufgestellt den jauchzenden Plebejern,
Folg seinem Wagen als der größte Fleck
Des Fraungeschlechts! – Laß dich als Monstrum zeigen
Den schäbigsten Geselln und Tölpeln; laß
Die sanfte Octavia dein Gesicht zerfurchen
Mit scharfen Nägeln. (Cleopatra ab.) – Gut, daß du gegangen,
Wenn's gut ist, daß du lebst; doch besser war's,
Du fielest meiner Wut: der einen Tod
Erhielt am Leben viele. – Eros, ha!
Des Nessus Hemd umschließt mich! Lehre mich,
Alcides, großer Ahnherr, deine Wut;
Laß mich ans Horn des Monds den Lichas schleudern
Und diese Hand, die Riesenkeulen schwang,
Mein edles Selbst zerstören. Tod der Zaubrin!
Dem Knaben Roms gab sie mich preis; ich falle
Durch diesen Trug! drum Tod ihr! – Eros, ho! – (Ab.)

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